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Der 20. Juli – aktueller denn je?

Von C. JAHN | Im folgenden Beitrag soll es nicht darum gehen, anlässlich des 20. Juli erneut Parallelen zu ziehen zwischen der Zerstörungswut des Führers und der Zerstörungswut der heutigen Führungstruppe in Berlin. Allerdings eröffnen uns erst die Verhältnisse der gegenwärtigen Merkel-Zeit einen wirklich ausgewogenen Blick auch auf den deutschen Widerstand gegen Hitler.

Zu den weit verbreiteten Aussagen gegenüber dem deutschen Widerstand im Dritten Reich zählt bekanntlich der Vorwurf, der Widerstand habe zu spät, zu zögerlich und insgesamt auch zu feige gehandelt. Warum hat man ein Attentat auf Hitler nicht schon früher gewagt? Warum hat sich trotz der zahllosen bewaffneten Personen in Hitlers nächstem Umfeld niemand getraut, einfach die Waffe zu zücken und abzudrücken? Warum haben sich die erfahrenen Generäle der Wehrmacht hinterrücks über ihn echauffiert, sind aber vor ihm zu Kreuze gekrochen?

Solche Vorhaltungen, auch wenn sie in der Sache nicht unberechtigt sein mögen, werden der Komplexität der Verhältnisse im Dritten Reiches nicht gerecht. Diese damalige Komplexität zu verstehen, nicht nur rational, sondern auch auf der emotionalen Ebene, ist das Geschenk der Merkelschen Gegenwart: Wir erleben in vielerlei Hinsicht ja eine Wiederholung der Zerstörungskraft, zu der eine radikale und fanatische Politik in Deutschland fähig ist. Wir erleben zugleich, mit welcher blinden Hingabe die Menschen ihrer Führungsfigur vertrauen, obwohl der Schaden, den diese Figur anrichtet, Tag für Tag deutlicher hervortritt. Und wir erleben, mit welchen raffinierten Methoden ein zerstörerischer Staat jeden Widerstand im Keim erstickt und dafür, trotz allen Schadens, vom Volk sogar noch gelobt wird.

Die Macht der Propaganda

Genau wie in Hitlers Staat beruht auch Merkels Macht zu einem großen Teil auf der Macht der Propaganda. Wir erinnern uns beispielsweise an die professionelle Pressemaschinerie auf dem Höhepunkt der sog. „Willkomenskultur“ Ende 2015: Tagaus, tagein wurden die Deutschen einem Propagandafeuerwerk erster Güte ausgesetzt, einem Dauerfeuer aus hysterischen Jubelmeldungen, das der Göbbelschen Frontberichterstattung in Methodik und Tonfall alle Ehre gemacht hätte. Und natürlich sind die meisten Menschen aufgrund der natürlichen menschlichen Trägheit und Bequemlichkeit immer gern geneigt, ihrer Regierung zu glauben. Wie man 1945 der Göbbelschen Propaganda von angeblichen Wehrmachtssiegen geglaubt hat, so hat man 2015 auch der Merkelschen Propaganda geglaubt, dass es sich bei den völlig unbekannten Heerscharen aus aller Welt, die von Österreich nach Deutschland „flohen“, tatsächlich allesamt um „Flüchtlinge aus Syrien“ handelt. Selbst heute noch glauben die meisten Deutschen, dass es sich bei den erkennbar ausschließlich schwarzafrikanischen Personen, die jeden Tag zu Tausenden illegal das Mittelmeer überqueren, um Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien handelt, denen man helfen müsse. Der fast religiöse Glaube des Durchschnittsbürgers an die vermeintlichen Wahrheiten der Regierungspropaganda ist daher, selbst wenn ganz offensichtlich ist, dass die Panzer auf dem Foto aus Ostpreußen keine deutschen Panzer sind und in Syrien keine Afrikaner leben, kaum zu erschüttern.

Das Volk in seiner großen Masse glaubt also bevorzugt seiner Regierung und misstraut denen, die davor warnen, auf die Propaganda der Regierung hereinzufallen. Genau diese Mahner und Warner stören nämlich das tägliche Wohlbefinden. Da man der Regierungspropaganda ja nicht entfliehen kann – unter Hitler nicht im Volksempfänger, unter Merkel nicht in nahezu allen Sendungen des Staatsfernsehens – ist es stets der leichtere Weg, dieser Propaganda einfach zu glauben und Zweifel bequemerweise auszublenden. Wer deshalb darauf hinweist, dass die „Frontbegradigung“ eigentlich ein Rückzug ist und der angebliche „Flüchtling“ in Wahrheit gar kein Flüchtling ist, wird nicht nur von der Propaganda zum Staatsfeind erklärt, er wird auch von der nicht unbedeutenden Masse des bequemen Spießbürgertum ausgegrenzt. Diese Solidarität zwischen Propaganda und Spießertum zu durchbrechen, ist außerordentlich schwierig.

Die Herausforderung für den Widerstand

Genau um diese wichtige Frage, wie das Solidarsystem zwischen der Regierungspropaganda und der breiten Masse zu überwinden sei, kreisten auch jahrelang die Debatten im deutschen Widerstand während des Dritten Reiches. Da das Volk von den Verhältnissen an der Ostfront und in den neuen Konzentrationslagern gar nichts wusste – und vielleicht auch nichts wissen wollte –, wieso sollte es denjenigen Glauben schenken, die die Täter für diese Verhältnisse zur Rechenschaft zogen? Wieso sollte es den Verschwörern trauen, wenn es dem Führer traute, der doch Deutschland dienen wollte und die Arbeitslosen von der Straße gebracht hatte? Die politische Herausforderung des Widerstands bestand also nicht nur in der operativen Durchführung eines Attentats, sondern mehr noch in der anschließenden Überwindung einer zu erwartenden Solidaritätswelle zwischen dem Volk und seinem toten Führer.

Die Merkel-Zeit ermöglicht uns heute, all diese Einwände gegen ein Attentat auf Hitler deutlich besser zu verstehen, als uns dies früher, in stabileren Zeiten der Bundesrepublik, möglich war. Merkel ist heute weiterhin im Volk beliebt, nicht zuletzt aus ähnlichen Gründen wie Hitler: weil die Wirtschaft läuft und sie selbst persönliche Bescheidenheit und Einfachheit an den Tag legt. Wie gegenüber Hitler, der ständig Krisen auslöste, aber immer einen Weg fand, eine Scheinlösung herbeizuführen, vertrauen die Deutschen Merkel blind – und genau deshalb sind sie auch bereit, ihrem diktatorischen Politikstil zu folgen. Das Motto heißt: Ja, es gibt Probleme, aber die Kanzlerin /der Führer wird das schaffen. Nur Merkel kann die Integrationskrise lösen, nur Merkel kann die Eurokrise lösen, nur Merkel kann die Energiewendekrise lösen, nur der Führer kann die Russen besiegen. Dass Merkel all ihre Krisen komplett selbst produziert hat, genau wie Hitler seinen Krieg selbst produziert hat, geht in diesem blinden Glauben an die heilige Kanzlerin völlig unter. Würde Merkel heute einen Herzschlag erleiden, würden die Deutschen ihrer geliebten Kanzlerin auf ewig nachtrauern.

Der feste Glaube im Volk

Der 20. Juli wurde von den meisten Deutschen auch im Jahr 1944 immer noch nicht verstanden. Die meisten Deutschen sahen in dem Attentat einen Verrat am Führer und glaubten weiterhin der Propaganda vom Endsieg. Es hätte deshalb dem deutschen Widerstand auch nichts geholfen, Hitler schon Jahre früher mit der Pistole zu erschießen – Anschlagspläne gab es ja genug. Diese politische Sachlage, der feste Glauben im Volk an den Führer und das absehbare Unverständnis gegenüber den Attentätern, war den Verschwörern vom 20. Juli durchaus bewusst. Dennoch entschloss man sich zum Handeln, weil es angesichts der Dimension der sich abzeichnenden Katastrophe für die Deutschen weniger um den tatsächlichen Erfolg, sondern vor allem um das politische Zeichen ging. Dafür sind wir Deutschen den Verschwörern des 20. Juli für alle Zeit dankbar.

Auch heute glauben die meisten Deutschen weiterhin die Propaganda von Merkels buntem Paradies. Sie glauben daran, obwohl sie persönlich bereits erleben, dass sie sich beim Besuch auf dem Volksfest anders kleiden, sie sich nachts nicht mehr auf die Straße trauen, sie nicht mehr ins Freibad gehen und ihre eigenen Kinder in der Schule eine ethnische Minderheit sind, die verlacht und angefeindet wird. Noch wirkt die Propaganda, noch glauben die Deutschen an Merkels Endsieg, dass das bunte Abenteuer letztlich gut ausgehen wird. Doch dieser Glaube ist nur eine Illusion. Eines Tages werden die Deutschen diesen Glauben verlieren. Zu fürchten ist allerdings, dass sie dies, wie seinerzeit, erst tun werden, wenn es nicht nur im fernen Ostpreußen brennt, sondern das eigene Haus mitten in Köln in Flammen steht. Welche Fragen werden sie dann stellen?