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Heer der Sklaven, wache auf!

Von YORCK TOMKYLE | Da hängt er, gefesselt an einen Balken. Seine Schreie gellen durch die flirrende Hitze wenn die Peitsche seinen zerfetzten Rücken trifft. Nach jedem furchtbaren Hieb ruft ihm sein grobschlächtiger Peiniger zu “ Du heißt Tobi! Tobi – das ist der Name, den dir dein Master gegeben hat! Sag mir, wie du heißt! Sag es!! Sag es jetzt!“ Die Kamera schwenkt über die angsterfüllten Gesichter seiner Leidensgenossen auf sein schmerzverzerrtes Gesicht. Er stöhnt „Kunta. Mein Name ist Kunta Kinte…“

Das ist eine der Schlüsselszenen in dem TV-Mehrteiler Roots, einer Verfilmung des gleichnamigen Buches von Alex Haley, in dem dieser die Geschichte des schwarzen Sklaven Kunta Kinte erzählt, der in Afrika versklavt und an einen grausamen (weißen) Plantagenbesitzer in den Südstaaten verkauft wird.

Schuld und Sühne

Das Buch erschien 1976, die Verfilmung lief bereits 1977 in den USA, 1978 in Westdeutschland. Beide wurden, wie man heute sagen würde, Megaseller; das Buch wurde in 37 Sprachen übersetzt, den Film sahen etwa 130 Millionen Menschen. Haleys Roman hat maßgeblich dazu beigetragen, dass heutige Generationen vor allem an die USA, genauer: die Südstaaten, denken, wenn es um Sklaverei geht. Er hat auch dazu beigetragen, dass die Frage von Schuld und Sühne, bis dahin vor allem in und an Deutschland gestellt, auch in anderen Teilen der Welt des weißen Mannes virulent wurde.

Hatten sich die Sieger der Weltkriege nach 1945 noch lange selbstgefällig auf die Schultern geklopft, so gab es nun auch in anderen Ländern immer mehr Menschen, die auch dort Schuld unter einer Kruste aus Heuchelei und Verblendung zu erkennen glaubten. Schuld, die der weiße Mann auf sich geladen hatte.

Hatten nicht auch die Ureinwohner der neuen Welt unter ihm gelitten? Und die unterworfenen Völker im Zeitalter des Kolonialismus? Die Schwarzen? Schließlich seine eigenen Frauen und seine Kinder? War er nicht die Wurzel allen Übels auf der Welt?
Vierzig Jahre später kulminiert diese Entwicklung darin, dass weiße Männer (und Frau*innen) demütig auf dem Rückzug in den Orkus der Geschichte Parolen wie „Good night white pride“ grölen, während sie, unwissend ihre Zivilisation in Trümmer schlagend, ihren eigenen Untergang herbei sehnen. Unterstützt werden sie dabei von Pressure Groups, die davon träumen, das hinterlassene Vakuum auszufüllen. Ihnen stehen weiße Männer und Frauen gegenüber, die das nicht hinnehmen wollen. Die Auseinandersetzung zwischen beiden Lagern ist aufgrund der Macht- und Zahlenverhältnisse asymmetrisch und wird vor allem vom mächtigen Untergangslager primär mit moralischem und sozialem Druck, sowie mit einseitiger Berichterstattung geführt.

Fronten werden sich noch verhärten

Angesichts der jüngsten Ereignisse in Charlottesville und deren medialer Aufbereitung hierzulande stellt nun der Spiegel zwei Bücher vor, die das Thema Sklaverei in den USA zum Thema haben.

Die Ereignisse und vor allem die Berichterstattung darüber werden die Verknüpfung Sklaverei = weißer Mann weiter verfestigen. Die Fronten zwischen den Konfliktparteien werden sich dadurch weiter verhärten.

Vielleicht ist es daher an der Zeit, einmal einen unverstellten Blick auf die Geschichte der Sklaverei zu werfen: war der weiße Mann wirklich der `Vater der Sklaverei`? Die Antwort findet sich – verständlich, spannend und mit schonungslos-wissenschaftlicher Nüchternheit präsentiert – in Egon Flaigs „Weltgeschichte der Sklaverei“.

Nach einer präzisen Begriffsdefinition konstatiert Flaig, dass es Sklaverei in verschiedenen Ausprägungen und Härtegraden in allen Epochen der Menschheitsgeschichte gab.
Er untersucht zunächst die antiken Gesellschaften, deren Ökonomie und zivilisatorische Entwicklung maßgeblich auf der Sklaverei beruhte. Extreme Ausprägungen gab es z.B. in Sparta, wo die Heloten zum Zwecke des militärischen Trainings von den Spartiaten rituell bekämpft und getötet wurden oder in den antiken Bergwerken, in denen das Prinzip der „Vernichtung durch Arbeit“ bereits Jahrtausende vor Stalin und Hitler angewendet wurde.
Das größte, langlebigste und grausamste sklavistische System entstand jedoch nach dem Siegeszug Mohammeds und seiner Nachfolger in der islamischen Welt.

Die größte Sklaverei durch den Islam 

Flaig weist nach, dass es sich bei der Sklaverei in den von Moslems eroberten Gebieten zumeist um eine Form der unterschiedslosen und durch die Scharia gedeckten Herdensklaverei handelte, die weit größere Sklavenmengen erbrachte als etwa die Expansionen der Römer. Allein bei der Eroberung Spaniens wurden 150.000 Menschen versklavt. Eroberte Gebiete wurden zerstört, grausam entvölkert und neu besiedelt. Es entstanden große Reiche mit riesigen Armeen, die zumeist aus Militärsklaven bestanden und nur eine Aufgabe hatten: sie fungierten als Fangapparate für weitere Sklaven aus den benachbarten Gebieten. Überall in der muslimischen Welt bildeten sich solche Fangapparate in abgestuften Machthierarchien, so dass der schwächere Staat immer in der Furcht lebte, selbst zum Versklavungsopfer zu werden. Die Sklaverei war das wirtschaftliche Rückgrat der islamischen Welt und selbst die Europäer hatten darunter massiv zu leiden: muslimische Sklavenfänger aus dem Maghreb versklavten insgesamt etwa eine Million Europäer.

Besonders furchtbar aber wüteten diese Fangapparate in Schwarzafrika, nachdem sich durch den Import von Pferden militärisch überlegene muslimische Reiterheere gebildet hatten, die ständig auf der Jagd waren. Nach Flaig wurden in Afrika durch die jahrhundertelangen Raubzüge viele Völker ausgerottet, deren Namen heute niemand kennt. Flaig führt den im Vergleich zu Europa immanenten Mangel an zivilisatorischer Entwicklung in Schwarzafrika maßgeblich auf die jahrhundertelange Zerstörung der dortigen Sozialstrukturen durch muslimische Sklavenjagden zurück. Wobei betont werden muss, dass viele dieser Fangstaaten schwarzafrikanisch waren – Schwarze versklavten und verkauften in großem Stil Schwarze.

Insgesamt wurden im Laufe von 1.300 Jahren etwa 53 Millionen Schwarzafrikaner versklavt – etwa 50 Prozent davon blieben in den muslimisch-sklavistischen Gesellschaften südlich der Sahara, etwa 17 Millionen wurden in die islamischen Kernländer verkauft.

Nachdem der Bedarf an Sklaven in den transatlantischen Kolonien der Europäer entstanden war, lieferten die (muslimischen) Fangapparate-Staaten schnell und flexibel auch dorthin: insgesamt etwa 11,5 Millionen Menschen.

Die meisten transatlantischen Sklaven lebten und starben auf den karibischen Inseln (4,25 Millionen) und den Zuckerplantagen Brasiliens (3,9 Millionen), die von Spaniern und Portugiesen betrieben wurden. Die Lebensbedingungen auf diesen Plantagen waren so hart, dass 30 – 50 Prozent innerhalb der ersten drei Jahre starben.

Nach Nordamerika wurden zwischen 1.600 und 1.825 etwa 360.000 schwarze Sklaven aus Afrika verbracht. Flaig schreibt, dass analog der Sterberaten in der Karibik um 1.800 nur etwa 200.000 Sklaven hätten in Nordamerika leben müssen. Tatsächlich waren es aber etwa eine Million, um 1.860 sogar etwa vier Millionen. Diese Vermehrung der Sklavenpopulation sei beispiellos und hänge mit der erheblich besseren Behandlung und Ernährung der nordamerikanischen Sklaven zusammen. Tatsächlich sei es vielen Sklaven in Nordamerika im Hinblick auf Kleidung, Wohnung und Ernährung sogar besser gegangen als vielen europäischen Zeitgenossen.

Europäer unterbanden die Sklaverei

Der Weg aus der Sklaverei führte über immer einflussreichere Strömungen im europäischen und nordamerikanischen Christentum und die sich in Europa herausbildende moderne Zivilisation, die die Sklaverei schließlich als unmenschliche Sünde ächtete und in der Folge der europäischen Freiheitsbewegungen die Menschrechte formulierte. So entstand die Bewegung des Abolitionismus, die für eine vollständige und weltweite Abschaffung der Sklaverei kämpfte. Es waren die Europäer, die im Zeitalter des Kolonialismus auch in Afrika und den muslimischen Staaten die Sklaverei schließlich unterbanden – gegen den massiven Widerstand der dortigen sklavistischen Gesellschaften.

Schlussendlich formulierten auch islamische Rechtsgelehrte, dass die in der Scharia selbstverständliche Sklaverei nun also – im Zeitalter der Dominanz des weißen Mannes – nicht praktikabel sei. Das bedeutet aber nicht, dass dieser Zustand selbstverständlich ist.
Der weiße Mann hat die Sklaverei abgeschafft und damit ein in der Menschheitsgeschichte einzigartiges sklavenfreies Zeitalter begründet. Es gibt viele Hinweise darauf, dass die Sklaverei mit dem Untergang des weißen Mannes wieder auferstehen wird.

Good night wihte pride – good night abolition.