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Bundestag: Erklärbär auf Arabisch geht baden

Von ZEUS | Im Internetauftritt des (Deutschen) Bundestages gibt es einen mehrsprachigen Service, im Zeichen der Unterwerfung natürlich auch auf Arabisch. Für einfache Deutsche bietet das Untermenü „Leichte Sprache“ dagegen so etwas wie „Bundestag für Dummies“ an. Im Erklärbär-Stil wird hier zum Beispiel darüber informiert, was und wann Bundestagswahlen sind. Aktuell (Februar 2018) heißt es dort: „Die nächste Wahl ist im Jahr 2017“.

Wir wissen nicht, ob der Erklärbär auch auf Arabisch streckenweise dummes Zeug erzählt. Sicher ist nur, dass der Internetauftritt auf Arabisch seinen Zweck verfehlt hat. Er sollte „den Menschen in den arabischen Staaten helfen, Freiheit und Demokratie zu erringen und eine parlamentarische Kultur aufzubauen“, sagte sein Erfinder Ex-Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert beim Freischalten der arabischen Seiten im Juni 2011. In seinem Grußwort an die arabischen Internetbenutzer hatte Lammert damals „seine Bewunderung und große Hoffnung“ zum Ausdruck gebracht, wie sich in vielen Staaten Nordafrikas und des arabischen Raumes „die Menschen ihre Freiheit erkämpfen“.

Nun, der Arabische Frühling endete vielfach im Desaster, und die arabischen Bundestags-Seiten müssen in Syrien oder Libyen als 1001 Nacht wohl missverstanden oder vielleicht falsch übersetzt worden sein. Statt für Demokratie und parlamentarische Kultur zu kämpfen, begingen junge wehrfähige Leute nämlich massenhaft Fahnenflucht ins verheißungsvolle Deutschland, nur mit dem Nötigsten am Leib, dem Smartphone neuester Generation. Womöglich, um mit Lammert unterwegs über Demokratie zu chatten. Und libysche Freiheitskämpfer wechselten ins maritime Transportgeschäft, nachdem sie Muammar al-Gaddafi entsorgt hatten. Ein Notruf bei „Sea-Watch“, und schon pflügen deutsche „Seenotretter“ zu Hilfe. Insofern ging der arabische Erklärbär mit dem Ansinnen seines Schöpfers sprichwörtlich baden.

Geben schon Lammerts arabische Märchen Rätsel auf, so wächst der Fragebedarf noch bei der Rubrik „Leichte Sprache“. An wen wenden sich diese Seiten? An den „einfachen“ deutschen Bürger etwa, an Kinder vielleicht, an Erwachsene mit IQ-Defiziten? „Der Bundestag ist der Name für eine Gruppe von Menschen, die in diesem Haus arbeiten…. Man nennt sie auch Abgeordnete“, verlautet es dort sprachlich schlicht. Versteht Jeder. Und weiter heißt es für alle User, die an dieser Stelle geistig noch nicht überfordert sind: „Die Abgeordneten werden alle vier Jahre gewählt… Die nächste Wahl ist im Jahr 2017“. Und ein paar Seiten weiter steht: „Die nächste Bundestagswahl ist im Jahr 2021“. Ja, was denn nun? Und wenn es Neuwahlen gibt? Alles Fake News oder was?

Aufschlussreich sind die Ausführungen über Gesetze. „In den Gesetzen steht, was man in Deutschland tun darf. Und was man nicht tun darf.“ Ob das alle Neubürger, die „wertvoller als Gold“ sind (Martin Schulz), richtig verstanden haben? Oder wurde das nicht richtig ins Arabische übersetzt?

Vollkommen korrekt wird dagegen das Gesetzgebungsverfahren zeitlich dargestellt. „Die Abgeordneten sagen: Wir möchten ein neues Gesetz. Danach wird lange darüber gesprochen. Es soll ja für alle Menschen gut sein“. Ist ja bei Koalitionsverhandlungen neuerdings auch nicht anders.

Wie wird jemand Kanzlerin? Der Ratgeber „Leichte Sprache“ weiß es: „Die Kanzlerin muss etwas versprechen. Das nennt man: einen Eid schwören. Wenn sie sich nicht an ihr Versprechen hält, kann sie dafür bestraft werden“. Potztausend – da hat der Erklärbär einmal hundertprozentig ins Schwarze getroffen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, wusste schon Lenin. In „Leichte Sprache“ übersetzt: „Der Bundestag passt auch auf, was die Bundesregierung macht. Dazu muss er wissen, was die Regierung tun will“. Im September 2015 wusste er es leider nicht oder hat ein wohlverdientes Nickerchen im Parlament gehalten.

Wenn es um Geld geht, kennt der Erklärbär aber wirklich keinen Spaß und schreibt den Abgeordneten ins Stammbuch: „Der Bundestag muss auch wissen, wofür die Regierung Geld ausgeben will. Denn das Geld gehört allen Menschen in Deutschland. Es sind ihre Steuern“.

Nachdem der Arabische Frühling gescheitert und Prof. Lammert in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist, käme vielleicht in Betracht, den arabischen Sprach-Service aus dem Internetauftritt zu streichen. Aber Präsidenten-Nachfolger Schäuble wird es wahrscheinlich wie seine Chefin halten: Nun ist er mal da. Und arabische Dolmetscher können sich weiter eine goldene Nase verdienen.