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Video: Wichtige Botschaften des Kyffhäusertreffens 2019

Das diesjährige Kyffhäusertreffen des AfD-Flügels um Björn Höcke am Samstag im thüringischen Eichsfeld war wie gewohnt eine gelungene Performance mit wichtigen Botschaften und neuen Erkenntnissen.

Lehre 1:

“Der Osten steht auf” ist nicht nur eine leere Floskel, sondern wird von der AfD in den neuen Bundesländern wirklich „gelebt“, was auch von sehr kritischen Beobachtern eingestanden wird. Die gut 800 Teilnehmer erlebten in der Obereichsfeldhalle einen umjubelten Stargast Björn Höcke und ein stimmungsvolles Event mit professioneller Veranstaltungstechnik, vom Videoeinspieler über hervorragende Tontechnik bis hin zu einem guten Livestream auf der Facebookseite des Flügels. Aufbruchstimmung, Gemeinschaftsgefühl, Motivation der Basis und notwendige Personalisierung in der Politik – oder doch nur “Kitsch”, “Pathos” und “Personenkult”?

Die Antwort auf diese Frage ist nur bedingt objektiven Kriterien zugänglich, sondern hängt immer auch von persönlichen Vorlieben ab. Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, doch zumindest eines sei an dieser Stelle kundgetan: Bewusste Emotionalisierung und Personalisierung alleine rechtfertigen noch lange keine “Hitler”- oder “Nazi”-Vergleiche. Wer einmal amerikanische Politevents gesehen hat oder auch nur einen durchschnittlichen FPÖ-Parteitag zu Glanzzeiten eines HC Strache, der weiß, dass diese Stilmittel keineswegs am Kyffhäuser oder in Schnellroda in Anlehnung an “dunkelste Kapitel unserer Geschichte” erfunden wurden. Und da sie nur bei ausreichend charismatischen Persönlichkeiten funktionieren, ist der tiefere Grund für manche Verteufelung vielleicht auch nur der pure Neid.

Lehre 2:

Der Riss zwischen der AfD-Bundesspitze und dem Flügel wurde deutlicher denn je, was auch den etablierten Medien nicht verborgen blieb. Zwar kam wenigstens noch Alexander Gauland zur Heerschau der Ost-AfD und ihrer westlichen Verbündeten. Aber auch der AfD-”Dino” hatte reichlich Kreide gefressen. Statt früherer deutschnationaler Soldatenromantik gab es nun reichlich mahnende Worte an das radikalere Parteivolk. Mut zur Wahrheit schon, aber manchmal lieber doch auf die Lippe beißen.

Ruhe als neue erste Mitgliedspflicht und politisch unkorrekte Störenfriede peu à peu entsorgen? Passend dazu soll die frisch wiedergewählte schleswig-holsteinische und beinahe Bundes-Vorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein nur auf Druck von Gauland nicht am Kyffhäusertreffen teilnehmen haben dürfen.

Umgekehrt wandte sich auch Björn Höcke nach Monaten des Schweigens zu innerparteilichen Vorgängen ungewohnt deutlich an seine Mitstreiter. Auf offener Bühne warf er dem aktuellen Bundesvorstand in seiner Mehrheit vor, reine Machtpolitik zu betreiben und Teile der Partei auszugrenzen und nicht gleich zu behandeln. “Von Feindzeugen und Spaltern haben wir endgültig die Nase voll.” Er, Höcke, werde sich nach einer erfolgreich geschlagenen Landtagswahl in Thüringen zum ersten Mal “hingebungsvoll” der Neuwahl des Bundesvorstandes Ende des Jahres widmen. “Dieser Bundesvorstand wird in der Zusammensetzung garantiert nicht wieder gewählt.” Eine offene Kampfansage, die bezüglich der genauen Pläne des Flügels freilich noch Interpretationsspielraum lässt. Wird Höcke diesmal persönlich in den Ring steigen? Geht es tatsächlich um die Machtfrage in der Bundes-AfD oder nur um eine ausreichende Machtteilhabe mit Sperrminoritäten gegen ständig neue Ausschluss- und Säuberungswünsche?

Lehre 3:

Wie viele wohlmeinende Beobachter der AfD immer wieder raten und auch der politische Gegner längst erkannt hat: Die AfD ist aktuell nur deshalb auf Bundesebene in der Lage, zweistellige Wahlergebnisse zu erzielen, weil sich ihre Wählerschaft sowohl aus enttäuschten Konservativen als auch aus wütenden bzw. radikal gestimmten Protestwählern speist. Würde derzeit eine dieser Wurzeln gekappt, stünde bundesweit vielleicht bald wieder die Überwindung der Fünf-Prozent-Hürde als großer Kraftakt ins Haus. Es hilft alles nichts, der bisher von Gauland so geschickt praktizierte Spagat zwischen Liberal-Konservativen und Sozialpatrioten, zwischen bürgerlicher Mittelschicht und dem “kleinen Mann”, muss erfolgreich fortgesetzt und die genaue Haltung der Gesamtpartei je nach politischer Großwetterlage in regelmäßigen Abständen nachjustiert werden.

Weitere Reden, unter anderem von Alexander Gauland:

Kyffhäusertreffen 2019 – Der Osten steht auf. Live aus Leinefelde.ABLAUF: 10:30 Uhr: Beginn Eröffnungsrede: Andreas KalbitzGrußwort des Bundesvorstands: Dr. Alexander GaulandAppell: Ellen KositzaGrußwort aus Europa: Christine Andersonca. 12:45 Uhr: MittagspauseHauptrede: Björn HöckeWahlkampfaufruf: Björn Höcke, Jörg Urban, Andreas Kalbitz, Oliver Kirchner, Nikolaus KramerVerleihung des silbernen FlügelabzeichensSchlußrede: Björn Höckeca. 17:00 Uhr: Ende

Posted by Der Flügel on Saturday, July 6, 2019