1

Markus Wagner (AfD): Ist Gewalt okay, wenn‘s die „Richtigen“ trifft?

Eigentlich war der Plan perfekt: Als es am Mittwoch im NRW-Landtag um Drohungen gegen Politiker geht, nutzen die Altparteien die Gelegenheit für niederträchtigstes AfD-Bashing. Hetze, Lügen, Unterstellungen – und viel Presse, die das gerne entgegennimmt. Doch an eines haben sie nicht gedacht.

Als der AfD-Fraktionsvorsitzende Markus Wagner ans Rednerpult tritt, merken die Altparteien schnell: Da vorne steht keiner, der auf die Frage „wer ist schuld“ reflexartig mit „alle anderen“ antwortet. Da steht keiner, der hypermoralisch andere Meinungen aburteilt, keiner, der mit Schaum vor dem Mund unliebsame Ansichten verteufelt. Kurz gesagt: keiner von ihnen.

Ebenso wie seine Vorredner von den anderen Fraktionen, zählt auch Wagner eine Liste mit Opfern politischer Gewalt auf. Einziger Unterschied: Auf seiner Liste sind nicht nur die eigenen Opfer, sondern gleichermaßen die Betroffenen in CDU, SPD und anderen Parteien.

Wagner sagt ganz offen: Der Ton in politischen Debatten ist rauer geworden und eskaliert immer öfter. Auch und vor allem von Seiten der Altparteien-Politiker, die das im nächsten Atemzug beklagen.

Erst kürzlich hat beispielsweise NRW-Ministerpräsident Armin Laschet mit größter Selbstverständlichkeit gesagt, er wolle die AfD „bis aufs Messer bekämpfen“. Eigentlich eine Steilvorlage für plumpen Populismus und Eskalation. Erfrischend anders aber reagiert Wagner.

Er fragt ruhig in Richtung Laschet: „Müssen wir denn wirklich mit derart gewalttätigen Worten übereinander herfallen?“ Und dann kommt’s: „Und verstehen Sie mich nicht falsch: Ich nehme da meine Partei gar nicht aus. Aber die Frage ist ja nicht, ob ich mich um Reflektion und Selbstkritik bemühe oder ob wir alle das wollen.“

Zum Schluss appelliert er: „Zeigen wir als Landtag, dass wir ein Vorbild für unsere Gesellschaft sein können, dass wir weniger moralisieren und den Streit in der Sache und um Ideen in den Vordergrund stellen. Wir als AfD sind dazu bereit. Die Frage ist, ob Sie es auch sind?“