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Stuttgart: Demo „Für die Freiheit – gegen Coronawahn“ am Samstag

Von MICHAEL STÜRZENBERGER | Die Versammlungsbehörde Stuttgart hat eine AfD-Demonstration am Sonntag „gegen den Corona-Wahn“ mit Dr. Alice Weidel verboten. Als Grund wurde angeführt, dass die Stadt ein bundesweiter Corona-Hotspot sei und man wohl befürchte, dass der bereits angekündigte massive linksextreme Gegenprotest zu einer erhöhten Infektionsgefahr führen könnte (PI-NEWS berichtete). Eine Kundgebung am Samstag hingegen, die von dem parteilosen Landtagsabgeordneten Dr. Heinrich Fiechtner angemeldet wurde, darf stattfinden. Sie wird um 13 Uhr auf dem kleinen Schlossplatz beginnen und von dort mit einem Spaziergang zur Canstatter Wasen führen, wo die Schlusskundgebung ab 15:30 Uhr folgt.

Dr. Fiechtner habe ich im Mai 2015 am Rande einer Pegida-Kundgebung in Stuttgart kennengelernt und wir tauschten uns über unsere islamkritischen Positionen aus. Einige Monate zuvor hatte er Aussagen aus dem Koran mit solchen aus Hitlers „Mein Kampf“ und anderer Diktatoren verglichen, was ihm laut Wikipedia öffentliche Kritik eingebracht habe.

2013 war er Gründungsmitglied der Alternative für Deutschland in Baden-Württemberg, bis Oktober 2014 stellvertretender Landesvorsitzender, von November 2015 bis Mai 2016 Kreisvorsitzender im Landkreis Göppingen und von 2014 bis 2019 Stadtrat in Stuttgart. Seit März 2016 ist er Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg.

Am 24. November 2017 erklärte Fiechtner seinen Austritt aus der AfD-Landtagsfraktion und der AfD wegen des damals noch nicht von der Partei ausgeschlossenen Abgeordneten Wolfgang Gedeon. Seitdem ist er parteiloser Landtagsabgeordneter. Im April hatte Fiechtner Landtagspräsidentin Muhterem Aras von den Grünen vorgeworfen, sie hebele in Zeiten der Krise den Parlamentarismus aus. Das Parlament verkomme zur Schwatzbude. Nachdem Aras ihm Ordnungsrufe erteilt und ihm schließlich das Wort entzogen hatte, redete Fiechtner trotzdem mehrere Minuten weiter. Aras schloss ihn von der Landtagssitzung aus, er aber setzte sich auf seinen Stuhl und weigerte sich zu gehen, woraufhin Aras die Polizei rief und ihn aus dem Saal führen ließ.

Fiechtner schloss 1987 ein Studium der Humanmedizin mit dem Staatsexamen und der Approbation ab. Anschließend arbeitete er zwei Jahre bei der Deutschen Bundeswehr, zunächst als Musterungsarzt, später als Hauptmusterungsarzt. Nach einer kurzen Zeit als Prüfarzt bei der Landesversicherungsanstalt Württemberg wechselte er in eine Kur- und Rehabilitationsklinik in Bad Wimpfen und danach in eine Spezialklinik für Diabetes in Bad Mergentheim.

Von 1992 bis Ende 1999 war er als Assistenzarzt im Katharinenhospital Stuttgart beschäftigt, wo er die Facharztanerkennung als Internist erwarb sowie die Weiterbildung zum Internistischen Hämatologen und Onkologen durchlief. Auch war er mehrere Jahre im städtischen Team der Leitenden Notärzte. 2005 erwarb er als einer der ersten Ärzte die Anerkennung als Palliativmediziner. Er ist Mitbegründer der ambulanten Palliativversorgung in Stuttgart. Von 2000 bis Ende 2016 war er Teilhaber einer onkologischen Praxis in Stuttgart. 2017 wechselte er in ein medizinisches Versorgungszentrum. Im April 2020 gründete er eine Praxis für Onkologie im Süden Stuttgarts.

Ich habe mit Dr. Fiechtner ein Interview über die Demonstration am Samstag und seine Einstellung zur Corona-Krise geführt:
Herr Fiechtner, was ist die Zielsetzung Ihrer Kundgebung am Samstag in Stuttgart?

Am kommenden Samstag soll eine Fortsetzung der von Michael Ballweg initiierten Demonstrationsbewegung für die Erhaltung der Grundrechte stattfinden. Viel wurde erreicht, und das soll nicht dadurch wieder zurückgedrängt werden können, daß der Bürgerwille erlahmt. Sonst könnten sich die politischen Entscheidungsträger ermutigt sehen, nur ein paar Unmutsäußerungen abwarten zu können, um nach dem Abflauen ihre zerstörerische und freiheitsbegrenzende Agenda danach munter weiterzutreiben. Die Demonstration soll am kommenden Samstag um 13 Uhr am Schloßplatz in Stuttgart, dem ersten Ort einer solchen Demo, beginnen und dann nach einem Marsch ab 15:30 Uhr auf dem Cannstatter Wasen enden, wo zuletzt Tausende ihre Stimme erhoben.

Was kritisieren Sie an den bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung?

Zu spät und daher jetzt vollkommen falsch und zerstörerisch. Durch eine Bundestagsdrucksache von Ende 2012 war klar, dass unser Land auf eine Pandemie in keiner Weise vorbereitet ist. In den sieben Jahren ist dies betreffend nichts geschehen. Ein schwerwiegendes Versagen. Denn gerade in der Vorsorge vor Extremsituationen liegt eine der Hauptaufgaben des Staates. Quarantäne oder Mundschutz oder Ähnliches wäre in den ersten Monaten vielleicht noch sinnvoll gewesen.

Damals jedoch unterließ man es, die Grenzen zu schließen und mögliche Risikopersonen zu isolieren. Wer die Plenardebatte am 5. Februar im Landtag von Baden-Württemberg verfolgt, fasst sich jetzt an den Kopf. Damals plädierte ich auch noch für eine Freigabe der Alkoholproduktion, weil Desinfektionsmittel ausgegangen waren. Außerdem forderte ich die Beschaffung von Beatmungsgeräten. Beides wurde nicht gemacht.

Nachdem die Zahl der infizierten jedoch abnimmt, außerdem klarer wird, dass zumindest die akute Sterblichkeit eher gering ist, werden diese Abschottungsmaßnahmen getroffen. Die Nebenwirkung davon dürften die mögliche Schädigung durch das Virus um ein Vielfaches übertreffen. Nicht nur die Toten in unserem Land, sondern auch die in anderen Ländern sind dabei in die Waagschale zu werfen, denn ein wirtschaftlicher Absturz ist immer mit Einbußen in der Lebensqualität und damit auch Einbußen von Lebensjahren verbunden.

Sollten Ihrer Meinung nach jetzt alle Beschränkungen sofort aufgehoben werden? Auch kein Distanzgebot und keine Masken mehr?

Da diese Form der Beschränkungen jetzt keinen Sinn mehr machen, müssen sie unverzüglich aufgehoben werden. Das sogenannte Abstandsgebot für 1,5 Meter ist ohnehin nicht wirklich gut belegt und basiert auf der These einer Tröpfchenweitergabe des Virus. Aerosole schweben aber im Raum und dringen durch die Masken durch. Daneben gibt es noch das reine Virusmolekül, das durch die Masken, egal ob medizinische oder gar die zynisch-symbolischen „Alltagsmasken“ niemals aufgehalten werden kann.

Nachdem nun auch deutlich wird, daß die kurzfristige Gefahr des Virus bei wohl hoher Ansteckung eher gering ist, die Zahlen wahrscheinlich sinken, machen Quarantäne, Masken und Lockdown nicht nur keinen Sinn, sondern sie sind die Voraussetzungen für einen beispiellosen Wirtschaftsschaden, wie er durch einen verheerenden Krieg verursacht wird.

Die Folgen davon sind Leid und Elend und – unzählige Tote, gerade das, was man zu vermeiden suchte. Verspätete oder ausgefallene Operationen, keine Behandlungen, Verzweiflung, aber auch das Leid und der Tot von Menschen in anderen Ländern, die sich dank des globalen Handels durch einfachste Tätigkeiten wenigstens einen sehr niedrigen Wohlstand – Essen, sauberes Wasser, Kleidung, Dach – leisten konnten.

Schweden hat keinen Lockdown durchgeführt und setzte auf die Eigenverantwortung der Bürger. Dort hat man im Vergleich zu Deutschland 3,8 mal so viel Tote. Und dreimal so viel Tote wie seine Nachbarländer Dänemark, Finnland und Norwegen zusammen, die ähnlich strikte Maßnahmen wie Deutschland durchführten. Wie erklären Sie sich das?

Leider sind die Zahlen nur sehr bedingt, wenn überhaupt, vergleichbar. Die einzig fast völlig verläßlichen Zahlen sind die der Verstorbenen pro Tag und/oder Woche, wobei es selbst hier bekanntermaßen Fälschungen gibt, etwa wenn ein Verstorbener wegen Rentenbezuges nicht gemeldet wird. Was aber die Zuordnung zu bestimmten Todesursachen betrifft, bewegen wir uns fast überall im Nebel.

Klar geworden ist die Tatsache, daß es unklar ist, ob ein Mensch AN oder MIT Covid19 verstorben ist, wenn man beim Verstorbenen das Virus gefunden hat. Das gilt für alle Länder, wo manchmal sogar nur der Verdacht auf einen Covid19-Kontakt für die ursächliche Zuschreibung ausreicht. In Deutschland gibt es Fälle, bei denen ein Verstorbener, der bei einem ersten Covid19-Test negativ war, am Ende als positiv und damit deshalb verstorben deklariert wird, weil ein in der Routine vorgesehener zweiter Test nicht mehr stattfand. Und es gibt Tote, die definitiv negativ waren und deren Sarg dennoch als kontagiös deklariert wurden. Aus Italien ist bei einer Pressekonferenz bekannt geworden, daß der Verdacht für die Zuschreibung reicht.

Am Ende wird man die – dann hoffentlich exakten – Tagestodeszahlen analysieren müssen. Für Deutschland gibt es vorläufige Ergebnisse, die die Sterberate in Deutschland in diesem Jahr sogar als niedriger ausweisen. Völlig unbeachtet bleiben die Todeszahlen derer, die wegen der Restriktionsmaßnahmen gestorben sind oder noch sterben werden.

Weltweit führen ja fast alle Regierungen ähnliche strikte Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus durch. Liegen die alle falsch?

Am Anfang war die Situation auch völlig unübersichtlich. Das Virus schien eine extrem hohe akute Sterblichkeit zu haben, die Überlastung auch gut gerüsteter Krankenversorgungssysteme drohte. Am Ende werden wir sehen, wer besser fuhr. Natürlich ist der Verzicht auf Quarantäne und ähnliche Maßnahmen in einer vernetzten Welt nur von begrenztem Nutzen, wenn das nur von wenigen gemacht wird. Auch haben wir hier den Faktor einer Schwarmverdummung, wie man sie bei Sardinenschwärmen unter Bedrohung findet. Regierungsseitig erkennt man dann vielleicht die falsche Richtung, mag dann aber den Fehler nicht mehr zugeben.

Zudem eröffnet sich nun – bereitet durch die panische Angst, die vielen Menschen den kritischen Blick vernebelt – eine grandiose Möglichkeit, freiheitsbegrenzende und überwachende Maßnahmen ohne größere Widerstände durchsetzen zu können. Hier könnte aus Deutschland endlich einmal wieder etwas Positives entspringen, nämlich das Entfachen des Freiheitsstrebens gegen alle Anmaßung und Unterdrückung über irrsinnige Angstszenarien.

Was das Virus auf lange Frist anrichten kann, das wissen wir wohlgemerkt noch überhaupt nicht. Möglicherweise werden wir mit schrecklichen Spätfolgen konfrontiert. Aber damit werden wir dann leider leben müssen.

Wenn es sich herausstellen sollte, dass die Einschätzung des Virus falsch und die Gegenmaßnahmen komplett überzogen waren, müsste es in diesem Jahr doch eigentlich gravierende politische Konsequenzen für die verantwortlichen Akteure geben, was meinen Sie?

Falls es sich herausstellen sollte, dass die Maßnahmen zu spät gekommen sind und, wie ich angedeutet habe, damit aller Wahrscheinlichkeit nach komplett überzogen gewesen waren, wird dies unweigerlich politische Konsequenzen nach sich ziehen. Denn das aus dem wirtschaftlichen Niedergang entstehende Leid wird die Menschen erschüttern und ernüchtern und wahrscheinlich auf die Straße treiben.

Allerdings verstehen es die Regierenden weiterhin gut, Verantwortlichkeiten auf jeweilige politische Gegner zu projizieren. Das grundsätzliche Versäumnis, sich auf eine Pandemie vorzubereiten, wird einfach ausgeblendet, momentan erscheinen Herr Söder und Frau Merkel als die Macher schlechthin. Ob sich dann die Wahrheit die Bahn bricht und verantwortliche dafür auch gerade stehen müssen, da bin ich in hohem Maße skeptisch.
Die nächsten Wochen und Monate dürften über diese Frage Aufschluss geben.


Michael Stürzenberger
Michael Stürzenberger

PI-NEWS-Autor Michael Stürzenberger arbeitete als Journalist u.a. für das Bayern Journal, dessen Chef Ralph Burkei beim islamischen Terroranschlag in Mumbai starb. 2003/2004 war er Pressesprecher der CSU München bei der Franz Josef Strauß-Tochter Monika Hohlmeier und von 2014 bis 2016 Bundesvorsitzender der Partei „Die Freiheit“. Seine fundamentale Kritik am Politischen Islam muss er seit 2013 in vielen Prozessen vor Gericht verteidigen. Unterstützung hierfür ist über diese Bankverbindung möglich: Michael Stürzenberger, IBAN: HU70117753795954288500000000, BIC: OTPVHUHB. Oder bei Patreon.