Der Sieg, der Deutschland zur Nation machte – Teil 3

Von WOLFGANG HÜBNER | Der deutsch-französische Krieg 1870/71 ist im historischen Gedächtnis der Franzosen keineswegs ein „vergessenes“ Ereignis wie in Deutschland, wo die geschichtlichen Kenntnisse von Millionen beim Jahr 1933 enden. Deshalb ist es keine Überraschung, dass eine Dokumentation über diesen Krieg kürzlich nicht bei ARD oder ZDF, sondern in dem Minderheitensender ARTE  zu sehen war. Im Hinblick auf die linksgrüne ideologische Ausrichtung der öffentlich-rechtlichen Gesinnungsdiktatoren war das wohl auch besser so. Allerdings hatte die durchaus sehenswerte und informative Dokumentation den irreführenden Titel: „Bruderkrieg“.

Ungeachtet der Bezugnahme auf einen versöhnlichen Ausspruch des Dichters Victor Hugo fand der wirkliche „Bruderkrieg“ jedoch vier Jahre früher, nämlich 1866, zwischen Preußen und Österreich statt. Hingegen standen sich 1870/71 die Heere zweier Völker gegenüber, die sich ganz und gar nicht als Brüder, sondern zumindest aus deutscher Sicht als Erzfeinde betrachteten. Es war die große Fehlkalkulation des französischen Kaisers Napoleon III. und seiner Militärs, bei ihrer Kriegserklärung gegenüber Preußen am 19. Juli 1870 auf die deutsche Uneinigkeit zu spekulieren. Denn es waren nicht die süddeutschen Fürsten und Könige, die an die Seite Preußens drängten, sondern ihre deutschen Völker in Bayern, Hessen, Baden oder Württemberg.

Der Krieg gegen Frankreich war unter den Deutschen der damaligen Zeit ungeheuer populär, die Siege gegen die viel stärker eingeschätzten Franzosen wurden begeistert gefeiert. Damals waren die Leiden der deutschen Lande unter Napoleon Bonaparte ebenso wenig vergessen wie die schweren Verheerungen unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV. in den Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1688 bis 1697, die auch die französische Annexion des Elsass besiegelten. Die Ruine des Heidelberger Schlosses kündet noch heute eindrucksvoll  von diesem Krieg. Für den dominierenden preußischen Politiker Otto von Bismarck war klar, dass es keine Gründung eines vereinigten deutschen Reiches geben könnte gegen den Widerstand Frankreichs.

Dieser Widerstand war aber nicht nur Realität, vielmehr gab es in der damaligen Pariser Führung große Bereitschaft, erhebliche Landgewinne im noch uneinigen Deutschland zu erzielen. In der ARTE-Doku wird berichtet, die französischen Soldaten seien nach der französischen Kriegserklärung mit kleinen Sprachführern für die beabsichtigte Invasion Süd- und Westdeutschlands ausgerüstet gewesen. Dass es bis auf ein Zwischenspiel mit der kurzzeitigen Besetzung Saarbrückens nie zu dieser Invasion kam, war nicht nur der perfekten Kriegsmaschinerie Preußens, sondern ebenso der katastrophalen militärischen Vorbereitung und Strategie der Franzosen zu verdanken.

Buchtipp!

Die ARTE-Dokumentation (Teil 1 im Aufmachervideo oben, hier Teil 2 und Teil 3) kann für historisch interessierte Deutsche nur einen ersten Einblick in das Geschehen von 1870/71 geben. Diesen Zweck erfüllt sie mit einigen Abstrichen. Nun bleibt abzuwarten, ob es ARD und ZDF wirklich fertig bringen, die Erinnerung an dieses zentrale Ereignis der deutschen Nationalgeschichte völlig zu ignorieren. Vor 50 Jahren, also 1970 zum hundertjährigen Gedenken, hatte die ARD noch einen Siebenteiler zum Thema ausgestrahlt, in dem unter anderen der schon legendäre Peter Scholl-Latour mitwirkte. Aber damals hatten die Medien noch keine Bleiwesten der „Politischen Korrektheit“ verpasst bekommen.
 
Teil 4 dieser kleinen PI-NEWS-Serie wird demnächst von der Belagerung der Festung Metz und der folgenreichen Schlacht von Sedan berichten.

» Teil 1: Vor 150 Jahren begann der deutsch-französische Krieg
» Teil 2: Frankreichs militärisches Fiasko beginnt
» Buchtipp: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte, Verlauf…, Hrsg.: Olaf Haselhorst – hier bestellen


Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.