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Curio: Sturm auf den Reichstag war nur ein Sturm im Wasserglas!

Von JOHANN FELIX BALDIG | Gottfried Curio, der innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, und Bundesinnenminister Horst Seehofer könnten in normalen Zeiten beste Freunde sein. Der Polizeiminister des Bundes und der erste Fürsprecher der Opposition in Sachen innerer Sicherheit: was sollten sie gegeneinander haben?

Bis zum heutigen Tage regen sich in Seehofer die Reflexe gegen den großen Umbau, gegen die große Abwicklung von Volk, Staat und Recht. Wir erinnern uns seiner verzweifelten Wehrufe ob der „Herrschaft des Unrechts“, die Ende 2015 von der großen Grenzöffnerin errichtet worden war. Heute erleben wir einen Seehofer, der in der taz-Affäre gern selbstbewusst und nicht nur als Polizeiminister, sondern als Verfassungsminister agiert hätte. Sich aber von Merkel (zum wievielten Male?) kastrieren ließ.

Denn wir leben nicht in normalen Zeiten. Wir leben in einem Staat, der nicht länger Staat sein will, sondern Jedermannsraum und Arena für das lustvolle Ausleben von Überwältigungsphantasien zu Lasten des Eigenen, des eigenen Volkes, der eigenen Kultur.

Der furiose Gottfried Curio, einer unserer ersten patriotischen Redner im Deutschen Bundestag, hat die jüngsten Schauplätze, seien es Orte, seien es Zustände, dieser perversen Masochisten-Arena in seiner Plenarrede am Donnerstag in der ihm eigenen erschöpfenden Vollständigkeit gezeigt, unter anderem Stuttgart, Frankfurt, Leipzig, Berlin oder das in seiner Massenhaftigkeit groteske, ideologisch gewollte Vollzugsdefizit bei Abschiebungen.

Zu den nihilistischen Überwältigungsphantasien unseres von seiner Führung beschädigten Landes gehört auch diese: Rechtsextremisten, Reichsbürger mögen einen Sturm auf den Reichstag unternehmen. Die einzig wahren Reichsbürger, nämlich die hohen Funktionäre der Altparteien und die Mitglieder der Bundesregierung, die im Schleifen aller Grenzen die Existenz Deutschlands bestreiten, hätten dann weitere Rechtfertigung, die grassierende nationale Selbstbeschädigung und Selbstaufgabe noch bedingungsloser zu forcieren.

Gottfried Curio war es vorbehalten, in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag die „Treppen-Selfie-Truppe“ als das zu zeigen, was sie war: Quasi-Putschisten der Etablierten, die zugleich die wahren Angriffe auf unseren Rechtsstaat decken. Wie zuletzt den dreitägigen Bürgerkrieg in Leipzig.

Was aber die Corona-Frage anlangt, so findet Curio zu einer Zuspitzung, die uns allen jene Gänsehaut machen muss, die wir als Demokraten wegen des Wasserglas-Sturmes auf den Reichstag getrost nicht zu entwickeln brauchten: Wenn die Regierung ihre Kritiker zu Staatsfeinden erklärt, so Curio, dann nimmt die Freiheit und Demokratie unter den Händen eben dieser Regierung Schaden.