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Jagd auf Julian Reichelt

Von PETER BARTELS | Die Nachricht rauscht wie ein Stasi-Tsunami durch den Lügenwald: Julian Reichelt (40), Chefredakteur der BILD-Zeitung, muss sich einem „Verfahren“ stellen. Er soll sich unter anderem gegen Frauen „fehlverhalten“ haben…

So fingerte der „Spiegel“ präzise getimed in den Corona-Wahlkampf: „Rund ein halbes Dutzend Mitarbeiterinnen hatten dem Medienhaus Vorfälle aus den vergangenen Jahren angezeigt […]“ Wie unsereiner für PI-NEWS mit einem kurzen Cross-Check in seiner Abteilung „Roter Oktober“ im Berliner Springer-Haus erfuhr: Es sollen auch „Nicht- gebärende-Elternteile“ (Deutsch: Männer) darunter sein. Der Spiegel nach der Erschlag-Zeile: „Interne Ermittlungen gegen »Bild«-Chefredakteur Reichelt“. Die Relotius-Nachfolger nennen qua Autorenzeile die Helden der rot-grünen fünften Merkel-Kolonne in Sachen Desinformation: „Anton Rainer, Martin U. Müller, Alexander Kühn, Isabell Hülsen“. Dann ebenso kryptisch wie dialektisch: Julian Reichelt … muss sich in einem Compliance-Verfahren innerhalb des Axel-Springer-Verlags verantworten …derzeit kümmert sich ein Team unter der Leitung von Chief Compliance Officer Florian von Götz um die Aufklärung der Sachverhalte.“

„Compliance“? Torfköppe wie unsereiner klärt der (linke) Netz-Duden Wiki auf: „Neben den bereits bestehenden gesetzlichen Normen, dienen interne Unternehmensregeln dazu, dass weitere besondere Regeln eingehalten werden …“ Regeln, also, mehr nicht! Keine Polizei, kein Staatsanwalt, kein Richter… Der „Spiegel“ tunkt Reichelt in die Jauche der frommen linken Gender-Denkungsart, insinuiert eine Art staatsanwaltliche Ermittlung: „Unter anderem geht es bei der Untersuchung um Machtmissbrauch und die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen. In einzelnen Fällen soll sich Reichelt … Vorwürfen von Nötigung und Mobbing stellen müssen, wie mehrere Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, berichten. Das genaue Ausmaß der Compliance-Untersuchung ist derzeit noch unklar…“

Vom Totengräber zur Ibiza-Affäre

Jesses, Maria und Josef – was da noch alles kommen mag! Es ist wie seinerzeit bei Kai Diekmann, dem BILD-Totengräber. Ihm wurde mit linkem Eifer und Geifer eine dermaßen schiache Redaktions-Tussi unter die Lenden „gelegt“, dass unsereiner fast Mitleid mit dem eitlen Merkel-Schranzen bekam. Sogar der Staatsanwalt hatte später offenbar ein stilles Einsehen, stellte das Verfahren nach deutscher Gutmenschenart „mangels Beweisen“ ein. Bei der „Ibiza-Affäre“ des FPÖ-Strache nahmen sich die Alpenpravda und der Relotius-Spiegel mehr Zeit zum Einfädeln. Es ging ja um eine geplante Staaskrise – den Sturz der Wiener Regierung. „Millionärin“, Abhörvideos – alles musste erst geplant, gefunden, erfunden, zurecht getürkt werden. Das Ziel wurde erreicht: der erfolgreiche FPÖ-Vize-Kanzler wurde gefällt. Viel später dann die Wahrheit. Und Pilatus wusch sich im Jenseits wieder mal die Hände…

Natürlich ist Julian Reichelt kein Minister, nicht mal Jesus. Aber er hat „Gotteslästerung“ betrieben – die rot-grüne Göttin angegiftet. Gipfel seiner Häresie unverblümt: Merkel soll endlich zurücktreten. Verblümt: Und ihre Gesundheitsministerin Jens Spahn gleich mitnehmen… Und die ehemalige Kampfschlüpfer-Ministerin, die von Merkel gemachte, geschützte EU-Corona-Katastrophe in Brüssel auch. Und ausgerechnet jetzt tanzt der eigentlich rote Reichelt aus der Reihe: Wahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz … im Herbst in ganz Deutschland. Und da „Muttis“ einziges Regierungsprogramm die German Angst ist, könnte so ein offenbar vom Saulus zum Paulus gewandelter Reichelt gefährlich werden. Schließlich möchte „Mutti“ dank ewigen Lockdowns immer weiter regieren: Wahl verschieben bis zum Inzidenzwert Null und Kanzlerin bleiben. Bis der bayerische Kini ihr endlich den Präsidenten-Sessel als Kanzler-Morgengabe unter den fetten Allerwertesten geschoben hat…

Gut geraunt ist halb gesagt

Julian Reichelt versucht plötzlich das Restleben der von Diekmann hinterlassenen Zombi-BILD zu retten, sogar ein bisschen gesunden Menschenverstand in der früheren deutschen Demokratie. Natürlich hat ihn der Springer-Vorstand, angefeuert vom amerikanischen Fast-Mehrheitseigner, Finanzinvestor KKR (47,6 Prozent), „ermuntert“. Und natürlich ahnen Merkels Schergen von Spiegel bis zur Süddeutschen und der prepotenten FAZ, was die Stunde geschlagen hat; wer zahlt ihnen womöglich demnächst die Millionen, die sie mit ihrem rot-grünen Kampf-Journalismus merkeltreu in den Abgrund schreiben? So siehts aus Leute. Und so heuchelt der Spiegel mit linkem Augenaufschlag semantisch:

„Der Medienkonzern hat die Angelegenheit zu einer sorgfältigen Prüfung der Kanzlei Freshfields übergeben. Diese hat nach Informationen des SPIEGEL mehrere Betroffene und Mitarbeiter der Redaktion kontaktiert“ … Um dann „seriös“ link die Denk-Richtung vorzugeben: „Diekmanns Abschied bei »Bild« wurde von einem Ermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung überschattet. Eine Springer-Mitarbeiterin hatte sich … an das Unternehmen gewandt, das den Fall mithilfe externer Rechtsexperten untersuchen ließ, aber kein strafbares Verhalten feststellen konnte…“

Gut geraunt ist halb  gesagt: Manipulation ging schon bei Lenin, Stalin, Honecker so. Jetzt also „Mutti“. Der kühle Boris Reitschuster, derzeit Stern am Himmel der deutschen Bloggerszene, bringt es auf den Punkt: „Von Helmut Kohl über Wolfgang Schäuble bis hin zu Guttenberg: Immer, wenn jemand Angela Merkel in die Quere kam bzw. ihr politisch gefährlich wurde, war wie von Wunderhand das parat, was man in Russland „Kompromat“ nennt: kompromittierendes Material… Genau (nach) solchen Methoden (wurde) in den kommunistischen Kaderschmieden gelehrt  – die auch Merkel durchlaufen hat, als Funktionärin der SED-Nachwuchsorganisation FDJ, die früher Erich Honecker selbst geleitet hat.“

Dann kommt Boris, der viele Jahre für BURDA in Moskau diente, auf den Punkt: „Ich kenne den Kollegen Julian Reichelt von der „Bild“ persönlich und habe mich auch an ihm gerieben. Intern ist er wegen eines laut seinen Kritikern autoritären Führungsstils und dem Setzen auf ausgewählte „Lieblinge“ umstritten. Doch in meinen Augen ist er einer, der den Mut hat, zumindest nicht ganz mit dem Strom zu schwimmen … So schreibt er etwa für die „Achse des Guten“ – was in den Augen der meisten Journalisten heute schon eine Art Ketzerei ist. Letzter Beitrag dort, vergangene Woche: „Der Staat scheitert – und zahlt es uns heim“. Da ist die Rede von einem „willkürlichen Staat, der Menschen drangsaliert“.

Angst, Ausgrenzen, Brandmarken“

„Man mag es drehen und wenden, wie man will: Es spricht vieles dafür, dass der unbequeme Reichelt, ohnehin schon eingehegt durch stramm rotgrüne Ideologen mit direktem Draht in die Regierung (wie sein Vize Paul Ronzheimer), abgeschossen werden soll. Mit doppeltem Effekt, wenn man nach einer Weisheit geht, die Mao zugeschrieben wird: „Bestrafe einen, erziehe hundert“. Ronzheimer hätte einen Vorteil: Der pausbäckige Stechblick ist schwul. Wie so mancher in Regierung und Opposition. Und Julian Reichelt dachte, er sei sein Freund…

Unsereiner, der Reichelts oft bewiesene Mutlosigkeit nicht mag, hat für PI-NEWS einen seiner V-Männer vom „Roten Oktober“ in der Berliner Zelle abgeschöpft, Antwort: „Intrige wäre denkbar … Bekannt ist, dass der frühere Online-Chef Daniel Bocking im totalen Zerwürfnis mit Reichelt Ende des Jahres gegangen ist. Angeblich sind ja auch Männer unter den Beschwerdeführern … Bei den letzten Indiskretionen aus dem Vorstand war es meist wahr und gezielt gestreut worden …

Je nun! Unsereiner erinnert einen Vorgang dieser Tage: „BILD TV“, Thema „Meghan“ und ihr Rassenwahn. Fürstin Glorias Bruder, der BILD-Adelsexperte Alexander von Schönburg in einer Diskussion gegen gleich drei BILD-Hyänen. Er wehrte sich, Meghans Mutmaßungen, ihr von Dritten als Rassenhass soufflierte Mutmaßung als Tatsache durchgehen zu lassen. Zwei der BILD-Xantippen, darunter die Tochter von BamS-Chefredakteurin Würzbach, plärrten den stets höflichen Schönburg daraufhin in Grund und Boden, vor allem stumm … Und so wundert sich unsereiner schon lange nicht mehr, dass plötzlich und unerwartet eine „niedliche Kollegin“ aus Bangladesch fest angestellt wurde, als Redakteurin für Menschenrechte. Das Dumme: Die Süße spricht kaum ein Wort Deutsch …

Boris Reitschuster hat Bärbel Bohley die große DDR-Bürgerrechtlerin ausgegraben, die schon 1990 schrieb: „Die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“


Ex-BILD-Chef Peter Bartels.
Ex-BILD-Chef Peter Bartels.

PI-NEWS-Autor Peter Bartels war zusammen mit Hans-Hermann Tiedje zwischen 1989 und 1991 BILD-Chefredakteur. Davor war er daselbst über 17 Jahre Polizeireporter, Ressortleiter Unterhaltung, stellv. Chefredakteur, im “Sabbatjahr” entwickelte er als Chefredakteur ein TV- und ein Medizin-Magazin, löste dann Claus Jacobi als BILD-Chef ab; Schlagzeile nach dem Mauerfall: “Guten Morgen, Deutschland!”. Unter “Rambo” Tiedje und “Django” Bartels erreichte das Blatt eine Auflage von über fünf Millionen. Danach CR BURDA (SUPER-Zeitung), BAUER (REVUE), Familia Press, Wien (Täglich Alles). In seinem Buch “Die Wahrheit über den Niedergang einer großen Zeitung” (KOPP-Verlag) beschreibt Bartels, warum BILD bis 2016 rund 3,5 Mio seiner täglichen Käufer verlor. Kontakt: peterhbartels@gmx.de.