1

Dirk Spaniel: „Der Quotengedanke ist kein Teil der AfD-DNA“

An diesem Wochenende (10.4.-11.4.) findet in Dresden der 12. Bundesparteitag der AfD statt, auf dem ein Wahlkampfprogramm verabschiedet werden soll und womöglich auch über Spitzenkandidaten abgestimmt werden soll. Zuletzt gab es Mutmaßungen, dass neben dem „gesetzten“ Tino Chrupalla die hessische Bundestagsabgeordnete Joana Cotar als Co-Spitzenkandidatin ins Rennen geschickt werden könnte, um ein etwaiges „Ost/West“- und „Mann/Frau“-Quorum einzuhalten. Doch dagegen regt sich Widerstand. „Der Quotengedanke ist kein Teil der AfD-DNA“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Dr. Dirk Spaniel, im PI-NEWS-Interview.

PI-NEWS: Herr Dr. Spaniel, mit den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg am 14. März wurde das Superwahljahr 2021 eröffnet. Ergebnis: Starke Stimmenverluste. Was ist passiert?

SPANIEL: Gleich vorweg: Wir haben im Wahlkampf vieles richtig gemacht. Aber es gibt auch Verbesserungspotenzial. Es geht jetzt darum, die richtigen Lehren daraus zu ziehen und sich für die kommenden Wahlen optimal aufzustellen. Neben der Tatsache, dass wir in der Öffentlichkeit nicht ausreichend Präsenz zeigen konnten, wiegt aus meiner Sicht schwerer, dass unsere Botschaften nicht klar genug beim Wähler ankamen. Der Gründungsmythos der AfD liegt gerade darin, dass wir als Einzige die katastrophale Euro-Rettungspolitik konsequent kritisiert haben. In Baden-Württemberg sind aber nun viele unserer Wähler zu anderen Parteien oder ins Nichtwählerlager gewechselt, weil sie Zweifel an unserer wirtschaftlichen Problemlösungskompetenz hatten. Aber genau hier liegen die Sorgen der Bürger, noch vor Umwelt und Klimawandel. Wir müssen unsere wirtschaftliche Kompetenz also deutlich sichtbarer machen.

Die Stimmverluste haben also nichts mit der inneren Spaltung der Partei zu tun?

Die AfD ist politisch nicht gespalten. Oder zumindest nicht stärker gespalten als andere Parteien. Bei den Grünen standen sich Jahrzehnte Fundis und Realos gegenüber. Oder denken Sie an die CDU, wo schon seit vielen Jahren eine tiefe Kluft zwischen der Basis und den Funktionsträgern vorhanden ist. Ich frage mich da immer, warum es dort überhaupt noch normale Mitglieder gibt, die den Irrsinn ihrer Funktionäre mittragen.

Auflösung des Flügels, Parteiausschluss von Andreas Kalbitz und Meuthens Wutrede von Kalkar – das sind keine Zeichen einer Spaltung?

Genau das ist das Problem: Wir reden ständig über diese Dinge. Innerhalb der Partei, aber auch in den Talkshows. Dabei sollten wir die Zeit dafür nutzen, an unseren Inhalten zu arbeiten und diese zu vermitteln. Ich schätze gerade, dass es in der AfD auch verschiedene Positionen zu bestimmten Fragen gibt. Das ist letztendlich die Grundlage, dass wir diskutieren und um Lösungen ringen. Am Ende sollte dann halt ein tragfähiger Konsens stehen. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist unser Sozialparteitag mit seinen Ergebnissen.

Was muss geschehen, damit die AfD an ihre Erfolgssträhne anknüpfen kann?

Wie gesagt, die Menschen bewegt am meisten, wie es wirtschaftlich weitergeht. Die AfD ist die Partei der Vernunft und des Sachverstands. Das müssen wir in den nächsten Monaten ganz deutlich machen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch, welche Personen in der ersten Reihe stehen.

Spielen Sie auf die Wahl der Spitzenkandidaten an? Da schwirren ja mittlerweile einige Namen herum…

Zunächst einmal muss der Parteitag in Dresden entscheiden, ob er einen Spitzenkandidaten wählen will. Wenn das passiert, wäre Tino Chrupalla sicherlich ein aussichtsreicher Kandidat. Sollte es ein Duo werden, so stellt sich die Frage nach dem anderen Teil eines Duos. Einige in der Partei verengen die Diskussion dann auf: „Eine Frau aus dem Westen…“. Ich finde das falsch, der Quotengedanke ist kein Teil der AfD-DNA.

Haben Sie denn auch selbst Ambitionen?

Ich will in diesem Land etwas verändern. Das ist der Grund, warum ich zur AfD gekommen bin. Dass ich erfolgreich Themen in die Öffentlichkeit tragen kann, habe ich in den letzten Jahren ebenfalls bewiesen. Warum also nicht? Als Teil eines Teams wäre ich auch bereit, Verantwortung in der Partei zu übernehmen.

Welches Thema würden Sie als Spitzenkandidat in den Vordergrund des Wahlkampfs rücken?

Das ist eine hypothetische Frage – ich würde dem Spitzenteam raten, die von der EU geplante Umstellung unserer Gesellschaft auf eine sozialistische Planwirtschaft in den Fokus zu rücken. Die von allen anderen Parteien getragene Corona-Politik ist nur der Anfang, es folgen weitere Schritte im Rahmen von Verkehrs- und Energiewende. Die Mischung aus Freiheitsentzug und staatlicher Lenkung wird den Mittelstand enteignen und staatliche Alimentierung in den Vordergrund stellen. Hier kann die AfD als einzige echte Oppositionspartei mit ihrem freiheitlichen Programm punkten.

Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Spaniel.

Sehr gerne.