Köln: Serben bejubeln Naziredner

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Was für eine Katastrophe! Nachdem wir am letzten Wochenende von fünf serbischen Demonstrationen zwischen Hamburg und Zürich nur Positives berichten konnten, von betont zivilisierten Serben, bei denen das Bekenntnis zu den christlich-europäischen Werten im Mittelpunkt stand, zeigte sich heute in Köln die andere Seite der Medaille. Hier waren es wohl überwiegend die „Ultranationalisten“, die zum traurigen Höhepunkt dem schlimmsten Nazi der Stadt, NPD-Funktionär und Teilnehmer der Teheraner Holocaustleugnerkonferenz, Dr. Benedikt Frings, ein Podium für seine antisemitische Hetze boten. Und applaudierten.

frings_200.jpgEinen schlechteren Dienst hätten die Kölner Veranstalter dem berechtigten Anliegen der Serben nicht erweisen können. Ausgerechnet Dr. Frings (Foto links) als Redner zu verpflichten, war der beste Weg, um sich die ohnehin nicht gerade zahlreichen Sympathien unter jenen Deutschen zu verspielen, die den Widerstand Serbiens gegen den Albanerstaat im Kosovo auch als Kampf für die Erhaltung der christlich abendländischen Zivilisation gegen die aggressive Ausbreitung des Islam und seiner Menschenrechtsverletzungen unterstützen. Dass dieser Blickwinkel in der Rede eines NPD-Funktionärs keine Rolle spielt, der an der Holocaustleugnerkonferenz im iranischen Steinigerstaat teilnahm, war zu erwarten. Und wenn dem Nostalgiker des Dritten Reichs ausgerechnet Serben zujubeln, deren Vorfahren von Nationalsozialisten und ihren muslimischen Handlangern gemeinsam überfallen und ermordet wurden, grenzt das an Schizophrenie.

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Mit Schizophrenie kennt sich der Redner aus, der eine Praxis als Arzt für Psychiatrie betreibt. Und zog entsprechend vom Leder. Die zweifellos unglückliche Haltung der USA zur Unterstützung des unabhängigen Kosovo bildete den Ausgangspunkt einer unsäglichen Verschwörungsrede. Washington – Tel Aviv – London, das sei die wahre Achse des Bösen, und die Juden als Drahtzieher der Weltgeschichte, so Frings sinngemäß weiter, auch verantwortlich für die Abtrennung des Kosovo. Ziel sei es, die Völker daran zu gewöhnen, ihre Selbstbestimmung aufzugeben, um eine „Eine-Welt Regierung“ zu errichten. „Und wie soll der Gruß dieser Regierung heißen?“ fragt Frings, und viele, zu viele, denen seine Theorie nicht unbekannt zu sein scheint, antworten im Chor: „Shalom!“. „Richtig“, bestätigt Frings, „Shalom soll der heißen, und das wollen wir nicht!“

serbinen_200.jpgWas für eine Schande für Köln, und was für ein Unglück für die vielen Serben, die sich zu Demokratie und Menschenrechten, zu ihrem neuen Serbien, bekennen und doch die Abtrennung des Kosovo nicht hin zu nehmen bereit sind. Nach den vorbildlichen Kundgebungen des letzten Wochenendes, getrübt nur durch den Auftritt eines Vertreters der Linkspartei in Hamburg, ist zu befürchten, dass die abstoßenden Töne aus Köln nun benutzt werden, um deren gerechtes Anliegen pauschal zu diffamieren. Es gibt eben genau so wenig „die Serben“ wie sonst einheitliche Vertreter eines Volkes. Schon das äußere Erscheinungsbild vieler Demonstranten in Köln, mit zahlreichen Uniformierten, die es auf den Veranstaltungen der letzten Woche nicht zu sehen gab, macht dies deutlich.

Aber auch dieses, das hässliche Gesicht Serbiens, ist Teil einer komplexen Realität. Deswegen müssen wir, als Freunde eines gerechtfertigten Protestes, auch dieses zur Kenntnis nehmen. Unsere serbischen Freunde tun es hoffentlich ebenfalls, und reagieren entsprechend. Für Köln war die Veranstaltung mit einigen hundert Teilnehmern eher schlecht besucht. Vielleicht ein gutes Zeichen.

UPDATE: Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich im folgenden Diskussionsthread zahlreiche serbische Leser, viele davon waren bei der Veranstaltung anwesend, ausdrücklich von den antisemitischen Ausfällen des Dr. Frings distanzieren. PI unterstützt auch weiterhin das gerechte Anliegen der Serben, wird aber auch weiterhin Kritik üben, wo Kritik notwendig ist.