Botsch belastet Sarrazin: „Eindeutig rassistisch“

Ein „Gutachten“ des Politologen Gideon Botsch (Foto r.) vom Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam bewertet die Äußerungen des früheren Berliner Finanzsenators und jetzigen Vorstandes des Deutschen Bundesbank, Thilo Sarrazin (SPD), als „eindeutig rassistisch“. Mit seinen Äußerungen mobilisiere Sarrazin Vorurteile, die sonst nur von Rechtsradikalen geäußert würden, heißt es darin. Das Gutachten war vom SPD-Kreisverband Spandau und der SPD-Abteilung Alt-Pankow in Auftrag gegeben worden und soll die Landesschiedskommission der Partei dazu bewegen, Sarrazin doch noch aus der SPD auszuschließen.

Die WELT berichtet:

Die „höchste Radikalität“ schreibt Botsch der Formulierung Sarrazins in dem Interview zu: „Jemanden, der nichts tut, muss ich nicht anerkennen. Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue Kopftuchmädchen produziert.“ Dies ziehe letztendlich eine Logik nach sich, so Botsch, „die tendenziell auf physische Elimination dieser nicht anzuerkennenden Bevölkerungsgruppen aus der Berliner Stadtgesellschaft hinausläuft.“

Nach Ansicht der SPD-Verbände Spandau und Alt-Pankow vertritt Sarrazin in dem Interview an vielen Stellen Positionen, die nicht mit der Politik der SPD vereinbar seien. Raed Saleh, Kreisvorsitzender der Spandauer SPD: „Rassistische, herablassende und elitäre Äußerungen haben in der SPD keinen Platz.“ Der Pankower Abgeordnete Torsten Schneider, sagte: „Die Parteiführung kann es sich nicht länger erlauben, zu schweigen.“

Sarrazin selbst reagierte am Donnerstag kämpferisch. Notfalls werde er den drohenden Rauswurf aus der SPD verhindern, indem er durch alle Parteiinstanzen gehe. Austreten werde er jedenfalls nicht: „Ich war noch nie beleidigt. Sonst hätte ich mein damaliges Amt als Finanzsenator schon 20-mal niederlegen müssen.“

Sarrazin sagte, er habe alles dazu gesagt und müsse nichts zurücknehmen. Die Einstufung gewisser Textpassagen als rassistisch kann er nicht nachvollziehen. „Wenn ich sage, dass Araber keine blauen Augen haben, dann ist das eine Tatsache und nicht rassistisch“, sagte er.

(Spürnasen: Ludwig B., Mister Maso)