DITIB bekennt sich zu strengem Islam

Sadi Arslan (Foto links) mit dem früheren Kölner OB Fritz SchrammaEine der wichtigsten Nachrichten für die deutsche Islamdebatte wäre doch beinahe wieder in der Versenkung verschwunden, denn merkwürdigerweise nimmt die deutsche Presse ein Interview der türkischen Zeitung Hürriyet nicht zur Kenntnis. Darin bekennt sich ein hochrangiger Funktionär des größten Moscheebauvereins in Deutschland, der staatlich-türkischen DITIB, klar zu einer wörtlichen Auslegung des Koran und der Lebensgeschichte Mohammeds als Richtlinie des Islam – auch in Deutschland. 

Deutsche Moscheebefürworter argumentieren stets, man müsse den Islam in Deutschland aus den Hinterhöfen holen und ihm eine Heimat in repräsentativen Moscheen geben – noch lieber spricht man von „gläsernen Gemeindezentren“ – dann würden sich die hier lebenden Mohammedaner akzeptiert fühlen und einen modernen, moderaten Islam erfinden, der sich nicht mehr auf die wortwörtliche Ausführung der Anweisungen des Korans stützt, sondern das Buch Mohammeds entgegen seiner eigenen Kernaussage im historischen Kontext neu auslegen.

Wer den Koran kennt, weiß, dass diese Hoffnung gleichbedeutend mit der Hoffnung auf ein Ende des Islam ist, denn der Koran selbst definiert sich als das zeitlose Wort Allahs, herabgesandt um die Streitigkeiten der Auslegung früherer Schiften zwischen Juden und Christen ein für allemal zu beenden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedient sich der Koran einer einfachen und klaren Sprache und gibt den Gläubigen unmissverständliche Anweisungen. Das Buch ist also in keiner Weise mit den historischen Erzählungen des alten oder neuen Testaments zu vergleichen, in denen es nur an einer Stelle – nämlich bei den zehn Geboten – ein ähnlich klares Regelwerk gibt, wie es der Koran in seiner Ganzheit darstellt.

Wenn Moslemfunktionäre in Fernsehdiskussionen oder bei Bürgerversammlungen zu Phantastereien eines zu erfindenden Euroislam freundlich nicken, haben Islamkritiker stets den Verdacht, dass diese Zustimmung ausschließlich taktische Gründe haben könnte und man unter sich ganz anders redet. Das bestätigt sich jetzt in einem Interview, das der Vorsitzende der DITIB Sadi Arslan (Foto oben links mit dem früheren Kölner OB Schramma) bezeichnenderweise nicht der Süddeutschen Zeitung, sondern der türkischen Hürriyet für ihre türkischen Leser in Deutschland gab. Die verräterische Aussage wäre uns Deutschen wohl verborgen geblieben, hätte nicht das deutschsprachige Migrantenmagazin Migazin den Vorfall einer Kurzmeldung für wert befunden:

DITIB lehnt Euro-Islam ab

Der Botschaftsrat und Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), Sadi Arslan, hat im Gespräch mit der HÜRRIYET einen Euro-Islam abgelehnt. „Die Quellen des Islams sind der Koran und die Sunna des Propheten“, sagte Arslan.

Eine kurze Aussage, die es in sich hat und in künftigen Diskussionen um Moscheen in Deutschland immer wieder in Erinnerung gerufen werden sollte.

(Hier das komplette Hürriyet-Interview mit Sadi Arslan in türkischer Sprache. Übersetzungen bitte an: pi-team@blue-wonder.org. UPDATE: Hier gibt es eine deutsche Übersetzung des Interviews – ausgenommen Arslans Äußerungen zum Euro-Islam)