Für welche Nation spielt ein Nationalspieler?

Morgen beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Wie PI berichtete, sind nicht alle „National“-Spieler bereit, sich auch mit Deutschland zu identifizieren. Das findet bei „unserem National“-Trainer Joachim Löw größtes Verständnis. Man ist „National“-Spieler, fühlt aber für ein anderes Land. Aber es geht auch anders. Es gibt auch Spieler der Deutschen Elf, die sich mit dem Land identifizieren. Auch wenn so manches Qualitätsmedium dies durch eine unzureichende „Wiedergabe“ zu überdecken versucht.

Ein Spieler, der gerne für Deutschland spielt, ist der in Santo André (Brasilien) geborene Cacau. Im Interview mit der WELT erklärt Cacau:

WELT ONLINE: Hand aufs Herz, haben Sie als Jugendlicher nicht davon geträumt, für Brasilien statt in einer anderen Nationalmannschaft zu spielen?

Cacau: Damals hatte ich noch keine Gedanken daran. Ich lebe nun seit fast elf Jahren in Deutschland, bin seit zwei Jahren deutscher Staatsbürger. Deutschland ist jetzt mein Land. Ich bin mit dem Herzen Deutscher. Für mich ist es zum Beispiel selbstverständlich, dass ich die Nationalhymne mitsinge.

Dass er dies kann, ohne seine Wurzeln zu verleugnen, macht er auch deutlich:

WELT ONLINE: Was würden Sie empfinden, wenn Sie in Südafrika gegen Brasilien spielen und auch noch das entscheidende Tor für Deutschland schießen würden?

Cacau: Daran versuche ich erst gar nicht zu denken. Ich hätte aber kein Problem damit, den entscheidenden Treffer zu erzielen, es würde jedoch große Emotionen in mir wecken.

Auch sein Umfeld macht es ihm nicht besonders schwer, sich zu Deutschland zu bekennen:

WELT ONLINE: Wie reagieren die brasilianischen Medien darauf, dass Sie für Deutschland spielen?

Cacau: Das ist in Brasilien ein großes Thema. Was ich bisher so mitbekommen habe, finden es alle gut. Der Tenor ist: Wir hätten es an seiner Stelle genauso gemacht.

WELT ONLINE: Und Ihre Familie? Drückt sie auch die Daumen?

Cacau: Meine Mutter ganz bestimmt, auch mein Vater und meine Brüder. Alle fiebern mit mir und damit auch für Deutschland. Kürzlich habe ich mit meinem Bruder Vlademir telefoniert. Er war schon ganz aufgeregt und ich musste ihn beruhigen. Meine Freunde wünschen mir zwar ebenfalls alles Gute, aber ich glaube, die meisten drücken trotzdem Brasilien die Daumen.

Cacau fühlt sich auch in beiden Sprachen zuhause:

WELT ONLINE: Was nehmen Sie mit zur WM-Endrunde? Als gläubiger Christ die Bibel?

Cacau: Natürlich, und zwar in deutscher und portugiesischer Sprache. Die Bibel ist mein Lieblingsbuch.

Ein Bekenntnis zu Deutschland sollte man schon erwarten dürfen. Aber dem ein oder anderen Nationalspieler dürfte es schwer fallen, einen positiven Bezug zu seinem Land aufzubauen, wenn ein Bekenntnis zu diesem Land so peinlich ist, dass es für den deutschen Leser falsch übersetzt wird?

In einem Artikel spiegelt das größte deutsche Nachrichtenmagazin seiner Leserschaft vor, ein Times-Interview mit Michael Ballack wiederzugeben.

Ballack sprach davon, mehrere Optionen in seiner Heimat Deutschlands zu haben, einen Wechsel in die USA oder nach Dubai schloss er aus.

Der Times hatte Ballack gesagt:

“I’m not yet ready to ‘retire’ by going to the United States or Dubai and want to stay in Europe. I’m a proud German who always enjoyed living there, so have some options back home.” („Ich bin noch nicht bereit für einen Wechsel nach Dubai oder in die USA und mich so „zur Ruhe zu setzen“. Ich möchte in Europa bleiben. Ich bin ein stolzer Deutscher, der es immer genossen hat, dort zu leben; daher habe ich in meiner Heimat die ein oder andere Möglichkeit.“)

Ballack hat dem Interviewer also nicht nur von seinen Möglichkeiten in Deutschland berichtet, sondern ihm mitgeteilt, warum(!) er gerne wieder in seiner Heimat spielen wolle. Wenn Ballack stolzer Spanier oder stolzer Italiener wäre, würden es die Spiegel-Redaktion bestimmt gerne aufgreifen, warum der Spieler gerne wieder in seine Heimat zurückkehren würde. Aber als Deutscher…

PI freut sich allerdings über jeden (wenn auch derzeit leider verletzten) Nationalspieler, der sich zu unserem gemeinsamen Land bekennt – gleichgültig wo dessen Wurzeln liegen mögen. Man kann damit zwar kein Parteiamt der Grünen erlangen, da man dafür die Nationalflagge bepinkeln oder sich dem Bekenntnis, dem deutschen Volk zu dienen, entziehen müsste. Aber dafür kann man mit einem Bekenntnis zu unserem Land die Herzen der Deutschen erobern – zumindest derer, die es gerne sind.