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Erfolgsmigranten?

ErfolgsmigrantenDer SpOn-Artikel „Erfolgsmigranten – Deutschlands importierte Überflieger“ versucht zu klären, was das Geheimnis der seltenen erfolgreichen Migranten ist. Durchsetzt von gutmenschlichen Plattitüden, Irrungen und Wirrungen kommt das Ergebnis aber schlecht heraus. Deswegen habe ich einmal versucht, herauszudestillieren, was der Kern der Erfolgsgeschichten sein könnte.

(Gastbeitrag von Micha)

Der erste Teil beschreibt zunächst die Situation, ohne Erklärungsansätze zu versuchen, z.B.:

Rund 40 Prozent der Migranten haben keinen Berufsabschluss, bei den Migranten aus der Türkei sogar 72 Prozent.

Schon an dieser Stelle würde ich mich fragen: was haben die türkischen Kinder, was die anderen Migranten nicht haben? Aber ich will nicht abschweifen. Es folgen die bekannten Pauschalerklärungen:

Das frühe Sortieren der Viertklässler auf die weiterführenden Schulen, Sprachdefizite, kaum individuelle Förderung, die Hauptschule als Abstellgleis – für die erschreckende Schieflage im Bildungssystem gibt es eine Reihe von Erklärungen.

Ja, hätten wir doch bloß Gesamtschulen bis zum Abi… das Problem wäre wie weggezaubert…

Aber dann wirds spannend. Am Beispiel der erfolgreichen Migranten werden nun Details offenbart:

Das liege vor allem an der Einstellung der Eltern … [Eltern von Migranten] trieben ihre Kinder mit besonderem Ehrgeiz schulisch mehr an. Die Erwartungen der Eltern können zum Motor für die Bildungsentwicklung der Kinder werden.

Wem jetzt der Mund vor Staunen offen steht und das Bild der pöbelnden Straßenbahn-Gang vor Augen erscheint – nicht vergessen: die Aussage bezieht sich auf erfolgreiche (!) Migranten.

Und:

Der Traum der Migranten ist der Traum des sozialen Aufstiegs. Das geben sie an ihre Kinder weiter.

Wohlgemerkt: nur bei erfolgreichen Migranten!

… manche ziehen extra in „deutsche“ Gegenden, um ihren Kindern ein neues Umfeld zu eröffnen.

Ach was. So was Rassistisches leisten sich diese Migranten? Wie wollen wir so was nennen – migrantenfeindliche Migranten?

Allerdings – das kommt mir doch bekannt vor? Hatte nicht auch Berlins oberster Multikultler sich ähnlich geäußert, mit Verständnis für das Wegziehen aus Problembezirken? Verhalten sich nicht die paar linksgrünen Guties, die ausnahmsweise mal Kinder haben, nicht auch so? Oder gehen diese Kinder etwa im Rahmen eines gelebten Miteinanders und als Vorbilder der Thesen ihrer Eltern auf die Rütli-Schule?

Aufschlussreich auch das Folgende:

Motivation allein reicht allerdings nicht, um es im selektiven deutschen Schulsystem zu schaffen.

– und nun denkt man, aha, jetzt sind wieder alle schuld, besonders das ach so versagende selektive Schulsystem, der Satz spricht es ja gleich als erstes an – und was kommt jetzt?

Migrantenkinder müssen auch möglichst früh ihren Sprachrückstand aufholen…

Na da schau her – SPRECHEN muss man können, will man es im Bildungssystem zu etwas bringen. Ob da eine kleine Erweiterung angebracht wäre? Sprechen muss man können – logischerweise die Landessprache des gewählten Landes -, wenn man hier irgendetwas erreichen will, was über das Eingesperrtsein im Hause des Patriarchen hinausgeht.
Aber das ist ja schon wieder rassistisch. Genauso wie die Forderung, nachziehende Importbräute müssten 300 Worte Deutsch können, doch auch schon rassistisch war.

Leider kommt nun der folgende Schlag ins Gesicht aller engagierten Grundschullehrerinnen denn -lehrer gibt es kaum:

Um eine Gymnasialempfehlung zu bekommen, müssen sie weitaus bessere Leistungen bringen als Kinder aus deutschen Akademiker-Elternhäusern – die Iglu-Studien zu deutschen Grundschülern haben das mehrfach gezeigt.

Ich frage mich, wie lange sich dieser Berufsstand, den ich als besonders engagiert und den Kindern in einer oft rührenden Kinderliebe zugetan kennen gelernt habe (weswegen es dort wohl auch so wenig Männer gibt), sich diese Rassismuskeule noch gefallen lassen will.
Denn wie soll ich mir den Gedankengang einer Lehrerin in Klasse 4 vorstellen, wenn dieser tatsächlich diese Wirkung hätte?

Fall A: Tolles Notenbild, aufgeweckt und engagiert: wo kommt das Kind her? Urdeutsches Elternhaus, also ab ins Gymnasium.
Fall B: Tolles Notenbild, aufgeweckt und engagiert: wo kommt das Kind her? Deutscher, also ab ins Gym- halt, lieber noch mal nachsehen, der Vorname ist so merkwürdig – aha, Passdeutscher, Herkunft türkisch – ja, dann natürlich ab in die Hauptschule.

Oder wie?

Diese Behauptung der falschen Selektion ist widerlich und setzt ein Menschenbild über diesen Berufsstand voraus, dass es eigentlich längst für eine Beleidigungsklage reichen müsste.

Noch ein Schmankerl am Rande:

So vergibt die Vodafone-Stiftung Stipendien an Abiturienten mit Migrationshintergrund, die an einer privaten Universität studieren wollen, dies aber nicht finanzieren können.

So, ich bin jetzt mal begabter Abiturient ohne Migrationshintergrund, möchte an einer privaten Universität studieren, kann dies mit meinem bettelarmen Elternhaus aber nicht finanzieren – und nun? Sorry, du bist Deutscher, du musst draußen bleiben.

Hier wird es deutlich bestätigt:

… werden nur wenige junge Leute ausländischer Herkunft Lehrer, obwohl sie an deutschen Schulen dringend gebraucht werden – als Rollenvorbilder, Übersetzer und Vertraute …

Also tatsächlich: die ausländische Herkunft wird angeblich gebraucht – weil man nicht mehr weiß, wie man mit Rütlis fertig werden soll, wo doch Neunjährige bereits drei Lehrer auf einmal verprügeln können… Und somit ist ein Inländer dort unerwünscht.

Hatten wir da nicht ein Diskriminierungsverbot? Oder gilt das nur in eine Richtung?

Gäbe es ein Land, das seine Werte und Potentiale so verraten und verkaufen würde wie derzeit unser Land, könnte man da einfach hingehen, wäre Migrant, würde aus allen möglichen Töpfen mit vollen Händen schöpfen können…

Aber leider ist weltweit kein zweites Land so dämlich.

Als Treppenwitz der Geschichte wird vielleicht einmal der Umstand eingehen, dass diejenigen, die sich das „GEGEN RECHTS“ so besonders intensiv auf die Fahnen geschrieben haben, gerade bewirken, was offensichtlich der letzte Wille des Braunauer Postkartenmalers gewesen ist, kurz bevor er sich erschoss, nämlich: dass unser Volk gefälligst mit ihm unterzugehen hat.

Und was ist an nichtdämlichen Erklärungsansätzen nun übrig geblieben? Das:

– für erfolgreiche Migranten stellt Bildung einen Wert dar,
– die Eltern nehmen ihren Erziehungsauftrag wahr,
– man beherrscht die Landessprache.

Irgendwie hätte ich darauf auch getippt. Genaugenommen schon hier.