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Wolfgang Böhmer: Empörungsmaschinerie rollt

Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer (Foto, CDU) ist ein unverzeihlicher Fehler unterlaufen: Er hat nachgedacht und außerdem von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht. Er hat nicht behauptet, der Holocaust sei ein Ausrutscher gewesen, Bischof Mixa erinnere an den Massenmörder Pol Pot, Kardinal Meissner ein Hassprediger oder der „moderate Taliban“ sei ein würdiger Dialogpartner. Er hat lediglich die Meinung geäußert, die vielen Fälle von Kindstötungen in den neuen Bundesländern könnten „Folge einer übernommenen DDR-Mentalität“ sein und „für manche Menschen scheinbar Teil der Familienplanung“.

Dem Professor der Medizin, Gynäkologen und ehemaligem Chefarzt einer Entbindungsklinik fehlt natürlich jegliche Kompetenz, Meinungen wie diese zu äußern:

„Ich erkläre mir das vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern“, sagte Böhmer, der lange als Chefarzt einer Entbindungsklinik arbeitete, dem „Focus“ zufolge. Ihm komme es so vor, als ob Kindstötungen von Neugeborenen, die es aber schon immer gegeben habe, „für manche ein Mittel der Familienplanung seien“.

Böhmer verweist auf einen „Resteffekt“ normativer Prägung durch die menschenrechtsfeindliche Ethik des SED-Staates. Und das ist nicht nur legitim. Sondern dringend geboten. Man kann diese Ansichten teilen oder auch nicht. Ähnliches wurde durchaus auch schon von anderen geäußert, zum Beispiel dem ehemaligen brandenburgischen Regierungschef Manfred Stolpe, der bei den Ostdeutschen sogar eine sittliche Verwahrlosung feststellte. Wie Böhmer ist auch Stolpe als waschechtem Ossi nur schwer westliche Arroganz zu unterstellen.

Noch weiter ging vor drei Jahren der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU).

Mit Blick auf eine neunfache Kindstötung in Ostbrandenburg hatte er gesagt, für die Gewaltbereitschaft und Verwahrlosung im Osten seien die „Proletarisierung“ und „zwangsweise Kollektivierung“ unter dem SED-Regime verantwortlich.

Am lautesten zetert natürlich mal wieder die kinderlose und bindungsunfähige Grünen-Chefin Roth, die umgehend Böhmers Rücktritt forderte, weil er angeblich „pauschal alle ostdeutschen Frauen verunglimpfe und Abtreibung auf eine Stufe mit der Ermordung von Kindern“ stelle. Nun, Frau Roth, aus einem menschlichen Embryo, der bei Ihnen und Ihresgleichen bekanntlich nur im Mehrzellenstadium im Reagenzglas Schutz genießt, diesen Schutz im Mutterleib aber umgehend verliert, kann auch kein Frosch werden, sondern immer nur ein Mensch. Und ob jemand Abtreibung daher mit der Ermordung von bereits geborenen Kindern auf eine Stufe stellt oder nicht, das sei doch bitte seine eigene private Entscheidung, die man teilen kann oder eben nicht.

In Wahrheit geht es um anderes, nämlich eine Stimme, die sich gegen die von den Linken angestrebte Zwangskollektivierung von Kindern vom frühesten Lebensalter an ausspricht, zum Schweigen zu bringen. Ziel aller totalitären Regime ist die Schwächung familiärer Bindungen. Der Staat, das Kollektiv soll Familie werden. Im Kambodscha Pol Pots gipfelte das im Verbot, die Eltern als „Mama“ und „Papa“ anzureden. Den Müttern wird eingeredet, dass sie zum Besten ihrer Kinder und zur optimalen Selbstverwirklichung nichts anderes wollen und können, als bereits ihre Neugeborenen in der Krippe abzugeben und ganztags zu arbeiten. Und die Kinder können auf diese Weise ganztägig und hoch effektiv mit staatstragender Propaganda indoktriniert werden.

Vielleicht geschehen Kindermorde doch häufiger, wenn Kinder nicht als Glück, sondern als Störung in der Karriere wahrgenommen werden sollen, die man nur ertragen kann, wenn man sie möglichst lange und möglichst häufig weggeben kann. An einem Mangel von kollektiven Betreuungsmöglichkeiten, der uns von kinderlosen Linken ja gerne als Grund für „Entscheidungen gegen eigene Kinder“ angeführt wird, kann gerade in den neuen Bundesländern die hohe Zahl von Neugeborenenmorden jedenfalls nicht liegen.