- PI-NEWS - https://www.pi-news.net -

Berlin: Flucht der Eltern aus den Brennpunkten

[1] Die Welt „enthüllt“ [2] ein offenes Geheimnis: Spätestens wenn ihre Kinder ins schulpflichtige Alter kommen, ergreifen Eltern die Flucht aus den multikulturell bereicherten Problembezirken Wedding, Kreuzberg oder Neukölln, mögen die Innenhöfe auch noch so grün und die Wohnungen noch so Familien freundlich sein.

Dieser Trend zeichnet sich seit Jahren ab, Eltern wissen das. Da werden Großmütter am Stadtrand erfunden und Schein-Tagesmütter per Zeitungsanzeige gesucht, damit der eigene Nachwuchs von der zugewanderten Realität möglichst lange ferngehalten werden und nebenbei noch etwas lernen kann. Zieht die ganze Familie um, geht man mit Vorliebe in die ehemaligen Ost-Bezirke, wo die Kinder auch eher Chancen haben, auf Pädagogen zu treffen, die diese Bezeichnung noch verdienen und nicht auf hilflos mit Erstklässlern diskutierenden 68er Nachwuchs.

Der Ruf einer Schule ist für Eltern das entscheidende Kriterium bei der Wahl des Wohnbezirks. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Info GmbH. (…) „Wenn Familien bei uns eine Wohnung mieten wollen, kommen viele ganz schnell auf die Qualität der Schulen zu sprechen. Bildung ist also ein Standortvorteil“, sagt Degewo-Vorstand Frank Bielka zu der Frage, warum ausgerechnet eine Wohnungsbaugesellschaft eine Studie zur Bildungsqualität in Auftrag gibt. (…) Bei der Frage nach den wichtigsten Werten, die in der Schule vermittelt werden sollten, sind sich die Berliner relativ einig. Ganz oben stehen die Tugenden Respekt, Disziplin und Toleranz. (…) Viele Eltern entscheiden sich gerade in den sogenannten Problemkiezen zum Wegzug, sobald die Kinder ins schulpflichtige Alter kommen. Diese Entwicklung zeigte sich auch im Brunnenviertel in Wedding, wo die Degewo 5000 Wohnungen vermietet. Es kam zu bedrohlichem Leerstand. Dabei sollten gerade die Neubauwohnungen mit den ruhigen, begrünten Innenhöfen für Familien interessant sein. Doch die Familien zogen trotzdem lieber wenige Meter weiter nach Prenzlauer Berg oder Alt-Mitte.

Während die Schulen dort aus allen Nähten platzen, bleiben auf der Weddinger Seite vor allem die Kinder aus bildungsfernen Schichten zurück. Die Schulen im Brunnenviertel haben inzwischen einen Anteil an Migrantenkindern von 80 bis 90 Prozent. Die Lehrer sind vor allem mit den Sprachschwierigkeiten der Schüler überfordert.

Natürlich verhalten sich die, denen der ganze Schlamassel zu verdanken ist und die sich weiter nach Kräften bemühen, ihn zu negieren oder zumindest klein zu reden, genauso, sollten sie sich tatsächlich selbst einmal fortpflanzen. Dann nämlich wollen sie [3] mit dem real existierenden Multikulturalismus, den sie anderen zumuten, nichts zu tun haben.

Es ist eine der Merkwürdigkeiten unserer Zeit, dass das Wahlverhalten der Eltern von der gelebten Realität völlig unabhängig bleibt. Und so flüchten sie eben weiter vor den Folgen einer Politik, die sie mit zu verantworten haben und versuchen, in einer Seifenblase zu überleben.

(Spürnase: Jim P.)

Beitrag teilen:
[4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11]
[12] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11]