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ZDF 22.30 Uhr: Reich-Ranickis TV-Kritik

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki spricht mit Thomas Gottschalk und dem ZDF heute Abend Tacheles. Jedem anderen würde in der gleichen Situation wohl der Mund verboten. Doch der Literatur-Papst darf sich äußern und sagen: „Das Fernsehen muss sich mehr Mühe geben“. Auch Unterhaltungsprogramme sollten ein gewisses Niveau haben, findet er.

Bei der Ablehnung des ihm zugedachten Deutschen Fernsehpreises (PI berichtete) bleibt Reich-Ranicki hart.

Reich-Ranicki habe eingeräumt, dass es bei der Verleihung am vergangenen Wochenende auch einige nicht ganz schlechte Momente gegeben habe und hob dabei die preisgekrönte Dokumentation „Das Schweigen der Quandts“ hervor, deren Qualität aber während der Veranstaltung nicht zum Vorschein gekommen sei. Das halbstündige Gespräch unter dem Titel „Aus gegebenem Anlass“ strahlt das ZDF am Freitag ab 22.30 Uhr aus.

Günther Grass, der auf der Frankfurter Buchmesse seinen 81. Geburtstag feiert, ging mit Reich-Ranicki scharf ins Gericht. „Er kritisiert das, was auf ihn selber zutrifft.“ Reich-Ranicki habe einst in seiner ZDF-Sendung „Literarisches Quartett“ die Literaturkritik „trivialisiert“. „Mit großem Geschrei“ habe er dort eine „Ein-Mann-Show“ inszeniert. Grass bedauerte, dass Reich-Ranicki in den Medien als „rohes Ei“ behandelt werde. Schauspielerin Christiane Hörbiger widersprach ebenfalls Reich-Ranickis Kritik am deutschen Fernsehen und bezeichnete sich als „leidenschaftliche Fernseherin“.

Beschämend, dass man in der Situation jemanden wie Günter GraSS überhaupt zu Wort kommen ließ, auch noch in dieser Weise. Reich-Ranickis heute zu erwartende Standpauke an die GEZ-Sender ist möglicherweise ganz sehenswert.

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(Spürnase: Orolon)