- PI-NEWS - https://www.pi-news.net -

Qualitäts-Dschurnalismus vom Feinsten

[1]Eigentlich ist der „Focus“ für relativ objektive, zuweilen sogar politisch inkorrekte Berichterstattung bekannt. Doch ab und zu scheinen sich Mitarbeiter des zum Burda-Verlag gehörigen Nachrichtenmagazins in waschechte Qualitäts-Dschurnalisten zu verwandeln. Das jedenfalls legt ein Artikel in der Netzausgabe der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift nahe. Thema ist das Schreibverbot für den Ichenhauser Stadtpfarrer Alois Oblinger. Bischof Konrad Zdarsa hatte Oblinger untersagt, weiterhin Beiträge für die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu verfassen (PI berichtete [2]).

In einem entsprechenden Bericht schreibt [3] der „Focus“ nun:

Nach Angaben der „Augsburger Allgemeinen“ publizierte Oblinger neben der „Jungen Freiheit“ auch in anderen rechtsgerichteten Zeitschriften wie der „Sezession“, die im Verfassungsschutzbericht Nordrhein-Westfalen als Teil des „Junge Welt“-Projekts bezeichnet wird.

Dazu muss man Folgendes wissen:

1. Die „Sezession [4]“ ist eine nationalkonservative Zeitschrift, die im Zweimonatsrhytmus erscheint und nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

2. Die „Junge Welt [5]“ ist eine linksextreme Tageszeitung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Zum 50. Jahrestag des Mauerbaus bedankte sich das ehemalige Zentralorgan der FDJ auf seiner Titelseite bei der „DDR“ unter anderem für „28 Jahre Hohenschönhausen [6] ohne Hubertus Knabe“.

Was beide Publikationen miteinander zu tun haben? Absolut nichts! Wenn allerdings ein Qualitäts-Dschurnalisten vom anderen Qualitäts-Dschurnalisten abschreibt, was ein anderer Qualitäts-Dschurnalist geschrieben hat, können derartige Fehler schon mal passieren. Die „Augsburger Allgemeine“ behauptet [7] übrigens sogar wahrheitswidrig, dass die „Junge Freiheit“ vom Verfassungsschutz beobacht würde:

Die Wochenzeitung wird von Wissenschaftlern seit vielen Jahren untersucht und vom Verfassungsschutz beobachtet.

Das haben wohl auch die Qualitäts-Dschurnalisten von Radio „Donau drei“ gelesen und sogleich übernommen [8]. Nicht nur Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg  hat offenbar die Vorzüge von „Copy & Paste“ für sich entdeckt…

Nachtrag: In einer vorherigen Version hatte „Focus“ die JF noch als „rechtsradikal“ diffamiert [9].

Nachtrag II: „Focus Online“ hat den Text inzwischen überarbeitet. Ein Bildschirmfoto der alten Version finden Sie hier [10].

Beitrag teilen:
[11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18]
[19] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18]