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Wer sind die Erben der „Weißen Rose“?

Wenige Wochen vor dem 70. Jahrestag der Hinrichtung der Geschwister Scholl meldete sich Bundespräsident Joachim Gauck gestern mit einer Gedenkrede im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität zu Wort. Es ist mitten im Ringen um die Moschee am Stachus der Versuch der „Bunten Republik“, die Deutungshoheit über die Widerstandshandlungen dieser Studentengruppe aus den ersten Kriegsjahren zu behaupten.

Selbstverständlich ist das zentrale Vermächtnis der „Weißen Rose“, den Nationalsozialismus auf dem Müllhaufen der Geschichte zu halten. Wenn Herr Gauck in diesem Sinne sagt, „wir dulden keine […] antisemitischen, […] rechtsextremistischen, oder fundamentalistischen Äußerungen und Aktivitäten“, ist dem sicher beizupflichten.

Die Krux seiner Rede verbirgt sich gleichwohl hinter den eckigen Klammern mit Pünktchen: Unser Staatsoberhaupt möchte nämlich gleichzeitig auch keine sogenannten „antimuslimischen“ Äußerungen und Aktivitäten mehr zulassen! „Antimuslimisch“ ist ein Gummiparagraph mit dem man jede Kritik an der „Religion des Friedens“ im Kein ersticken kann! Da tröstet nur wenig, dass er – man höre und staune – auch „antideutschen“ Worten und Handlungen den Kampf ansagt. (Vermutlich war das der Lektion geschuldet, die ihm erboste Hörer seiner Weihnachtsrede mit ihrer tausendfachen Beschwerdeflut erteilt hatten.) Ernst gemeint – d.h. an Taten messbar – wird letzteres sicher nicht sein.

Und vor allem ändert es nichts an der Dreistigkeit, mit der Gauck hier das Erbe der „Weißen Rose“ an sich reißt! Der rote Faden im Erbe der Studentengruppe ist nämlich keinesfalls die heutige linke Staatsdoktrin, sondern der Widerstand gegen die Bestialität – egal in welchem Gewand sie in unterschiedlichen Zeiten daher kommt. Hätte es die Akteure der „Weißen Rose“ damals im Krieg beruhigt, dass die Nationalsozialisten in der Schweiz oder in Schweden doch ganz friedliche Kerle waren? Wir glauben nicht. So wenig wie es Susanne Zeller-Hirzel, eines der letzten überlebenden Mitglieder der Widerstandsgruppe, beruhigt hat, dass sich die Muslime in Deutschland (noch) weitgehend friedlich verhalten. Es war für sie darum sogar Grund genug, zusammen mit Michael Stürzenberger am 7. Juli des vergangenen Jahres die „Weiße Rose“ wieder zu begründen mit einem klaren Akzent auf der Abwehr der Islamisierung unseres Landes. Die „Weiße Rose“ würde wohl heute – und tut es somit auch ganz real – entsprechend Unterschriften gegen Prunkmoscheen an prominenten Plätzen unserer Städte sammeln.

Dies ist auch folgerichtig von den anderen Ideenlinien aus betrachtet, die die Mitglieder der „Weißen Rose“ in sich trugen: Zuvorderst sei hier das Christentum erwähnt und zwar nicht in einer von Evangelischem-Kirchentags-Romantik weichgespülten Form, das noch wusste, dass Irrlehren den Weg zu Gott verbauen. Aber auch eine unverkrampfte Vaterlandsliebe, die das Eigene noch als selbstverständlich und erhaltenswert betrachtete und eben auch deshalb den Rückzug ins Private nicht als eine Option betrachten konnte. Dafür bezahlten mehrere ihrer Mitglieder letztendlich mit dem frühen Tod.

Sehr treffend erkannte in diesem Zusammenhang schon vor Jahren Ignazio Silone:

Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: „Ich bin der Faschismus“. Nein, er wird sagen: „Ich bin der Antifaschismus“.

In diesem Sinne ist klar: Herr Bundespräsident, der Erbe der „Weißen Rose“? – Sie sind es nicht! Geben Sie die Geschwister Scholl wieder frei!

(Spürnase: Wutmensch)