1

Bonner Bombe: Ein Jahr danach

Ein Jahr nach dem versuchten Bombenanschlag im Bonner Hauptbahnhof, der die Bürger in Angst und Schrecken versetzt hatte, zieht der Bonner General-Anzeiger (GA) in seiner heutigen Ausgabe eine Bilanz der Ermittlungen, die seinerzeit von Widersprüchlichkeiten, Zuständigkeitsproblemen und falschen Verdächtigungen mit Blick auf die „rechte Szene“ geprägt waren, die systemkonform auch vom Bonner General-Anzeiger ins Feld geführt wurden. Und zwar auch dann noch, als bereits zahlreiche Verdachtsmomente für einen salafistischen Anschlagsversuch vorlagen.

(Von Verena B., Bonn)

In Neu-Tannenbusch wohnte der mutmaßliche salafistische Attentäter Marco René Gäbel, und es dürfte kein Zufall sein, dass just in diesem Stadtteil am letzten Samstag der mohammedanische Hassprediger Pierre Vogel auftrat, und zwar im Beisein der beiden Bonner Salafisten Abu Dujana und Abu Abdullah, die Hauptakteure des radikalislamischen Netzwerks „Die wahre Religion“ sind und derzeit über diverse Syrien-Benefizveranstaltungen militante Terror-Gruppierungen in Syrien unterstützen. Karim Lakhal, radikal-fundamantalistischer Skandalsprecher des Rats der Muslime in Bonn, schüttelte bei dieser Gelegenheit heimlich nicht nur seinem Kollegen Vogel die Hand, sondern begrüßte auch seine beiden alten Schulfreunde Abu Dujana und Abu Abdullah.

Der unfähige Hobby-Bombenbauer Gäbel (26), der die Bombenbauanleitung dem Al-Kaida-Magazin „Inspire“ entnommen haben soll, war nach einem versuchten Mordanschlag auf den PRO NRW-Vorsitzenden Markus Beisicht am 13. März verhaftet worden. Seine Frau, eine stets vollverschleiert aus dem Haus gehende Deutsch-Türkin, soll vor drei oder vier Monaten mit ihrem damals dreijährigen Sohn zu ihrer Mutter gezogen sein. Wie Nachbarn einhellig berichteten, mieden Gäbel und seine Frau korangetreu – so gut es ging – Kontakte mit Ungläubigen.

Bis zu seiner Festnahme war Gäbel selbst Fachleuten der Bonner Polizei und Salafistenexperten unbekannt. Dass es Pläne für ein Attentat gab, war den Ermittlern hingegen nicht verborgen geblieben: Die Polizei verhinderte das Attentat vor Beisichts Wohnung in Leverkusen buchstäblich in letzter Sekunde. Nach Informationen des General-Anzeigers sollte eine Autobombe den 50-jährigen Rechtsanwalt töten. Für dessen Familie änderte sich das Leben trotz der Vereitelung des Anschlags schlagartig. Insbesondere die beiden Töchter, zehn und 14 Jahre alt, lebten monatelang in Angst. „Inzwischen“, schildert Beisicht dem GA seinen persönlichen Eindruck, „scheint sich die Lage etwas entspannt zu haben“.

Für die ebenfalls inzwischen islamkritischen Redakteure des General-Anzeigers bleibt Beisichts Partei aber nach wie vor eine „islamfeindliche“ Partei der „Rechtsradikalen“.

Verhaftet wurden am 13. März in der Nähe des Tatorts in Leverkusen Gäbel und sein mutmaßlicher Komplize Enea B. (43). Ebenfalls ins Netz der Fahnder gingen Tayfun S. (23) in Essen und Koray D. (24), der sich zum Zeitpunkt der Festnahme bewaffnet in Gäbels Tannenbuscher Wohnung befand. Koray D. hatte sich GA-Recherchen zufolge für den Polizeidienst in Bremen beworben. Als bereits eine Einstellungszusage vorlag, wurden eine Affinität zu Waffen und Kontakte ins extremistische Milieu bekannt. Damit endete die Polizeilaufbahn, ehe sie überhaupt begonnen hatte.

Obwohl Gäbel den Ermittlern im Fall Beisicht mittlerweile als möglicher Kopf einer „terroristischen Vereinigung“ gilt, erfährt man darüber überhaupt nichts in den Medien, ganz im Gegensatz zum Dauerbrenner NSU. Auch werden nirgendwo die vollständigen Namen der islamischen Gotteskrieger genannt, und Fotos sieht man auch keine wie im Fall der drei Mitglieder der mutmaßlichen deutschen „terroristischen Vereinigung“.

Mitte der 2000er-Jahre soll gegen Gäbel bereits ein Verfahren wegen schwerer räuberischer Erpressung geführt worden sein. 2006 legte das Landeskriminalamt Niedersachsen eine Kriminalakte mit DNA-Spuren an. Die Staatsanwaltschaft in Oldenburg wollte sich auf GA-Anfragen zu dem Fall nicht äußern.

Anderen Berichten zufolge soll Gäbel auch Kontakte zu den aus Kessenich stammenden Brüdern Chouka gehabt haben. Beide reisten vor Jahren in den Heiligen Krieg nach Afghanistan. Yassin Chouka rief voriges Jahr via Internet dazu auf, PRO NRW-Politiker zu töten, weil diese in Lannesdorf eine Mohammed-Karikatur hochgehalten hatten, was den radikalen Fundamentalisten Anlass für eine Gegendemonstration bot, die von Moussa Acharki angemeldet wurde, der dem Rat der Muslime und der BIG-Partei angehört und der außerdem noch Vorsitzender der salafistischen Al-Ansar-Moschee in Bad Godesberg ist. Diese von langer Hand vorbereitete Gegendemonstration endete planmäßig in einer blutigen Straßenschlacht mit der Polizei. Bis heute hat sich keiner der deutschen Moslem-Vertreter bei Beisicht und seiner Familie und bei den mit dem Tode bedrohten PRO NRW-Mitgliedern für den versuchten Mordanschlag und die Todesdrohungen entschuldigt – wozu auch, es handelt sich ja hier nach öffentlich-unrechtlicher Meinung ebenfalls um „Extremisten“, die an diesen „Eskalationen“ selber schuld sind.

Obwohl die Bundesanwaltschaft nun aufgrund der Gesamtschau aller Indizien sicher ist, dass Gäbel derjenige war, der den Sprengsatz am Bahnsteig abgesetzt hat, wird noch langatmig eine mögliche Tatbeteiligung weiterer Personen aus dem militant-mohammedanischen Umfeld geprüft. Das dauert. Sämtliche Beschuldigten sind weiterhin in Untersuchungshaft, so Oberstaatsanwalt Markus Köhler, Pressesprecher beim Generalbundesanwalt.

„Solche Verzögerungen sind nicht hinzunehmen“, beschwert sich der Bonner Rechtsanwalt Peter Krieger, der Gäbels Verteidigung übernommen hat. Über die innere Haltung seines islamischen Kriegers äußert sich der nichtislamische Krieger nicht. Braucht er auch nicht, denn die kennt man ja schon zur Genüge aus anderen Prozessen der totalitären mohammedanischen Demokratie- und Verfassungsgegner. Unterdessen teilt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit, dass im Frühjahr mit einer Anklageerhebung gerechnet werden kann.

Die Belohnung von 50.000 Euro, die die Bundesanwaltschaft und das BKA für sachdienliche Hinweise im Fall der Bonner Bombe zahlen wollen, kann man sich übrigens immer noch verdienen. Was das für Hinweise sein sollen, erschließt sich der Autorin nicht. Vielleicht liefert ja noch ein salafistischer Hartzer einen solchen. Das wäre gut, denn dann bräuchten wir diesen nicht mehr ein Leben lang versorgen.

» Video Bonner Bombenalarm