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Zwei queere Lesben-Pastorinnen aufm Dorf

Von REALSATIRE | Das 2000 Einwohnerdorf Eime bei Hildesheim (Niedersachsen) surft immer gerne mittwochs ab 19 Uhr im Internet. Mit Spannung wird das neueste Video der beiden Pastorinnen Steffi und Ellen erwartet, die sich selbst queere Lesben nennen und im verflixten siebten Ehejahr Eltern werden wollen. Den Samen aus Dänemark haben sie sich schon per Express im Tiefkühlbehälter beschafft.

Die  Gemeinde fiebert mit, wie sich das quicke Pastorinnen-Paar durch Fremdbesamung den Kinderwunsch erfüllen will. Das ist vor allem Ellens Idee, dem eher zierlichen Part des Lesben-Duos. Steffi im schwarzen Talar mit Beffchen würde schon eine Katze reichen, sagt sie auf Youtube.

Ihr Video-Kanal ist eine Art kirchlicher Peep-Show, denn Steffi und Ellen lassen die evangelische Gemeinde St. Jacobi internetoffen und umfänglich an ihrem Projekt teilhaben. Beide befinden sich gerade in „Kinderwunschbehandlung“. Das interessierte Publikum kann mitverfolgen, wie Ellen sich im Auto die Hormone in den Bauch spritzt und Steffi fachkundig kommentiert.

Prima Sperma aus Dänemark

Das Sperma aus Dänemark und die Hormone sind teuer. 2500 Euro mussten die Beiden allein für den tiefgekühlten Samen hinlegen. Zum Glück springt Radio FFN Niedersachsen ein, der Sender, der Hörern Wünsche bezahlt. So schaukeln Steffi und Elli die Tiefkühlbox befreit von finanziellen Sorgen durch Hannover und lassen die Gemeinde vor Ort mitzittern, ob die Vereinigung von Ei und Samen erfolgreich sein wird. Fortsetzung folgt.

Wie kommt die queer-lesbische Pastorinnen-Soap in Eime an, das zu 72 Prozent evangelisch ist? Alles bestens, glaubt man der NDR-Regionalausgabe Hallo Niedersachsen, die am Montagabend enthusiastisch berichtete (ab  14:13 min). Die Pfarrjugend ist jedenfalls hingerissen und findet es cool, dass so offen über Sperma gesprochen wird.

Ein Kaffeekränzchen mit vier alten Damen druckst zwar ein wenig verlegen herum, freut sich aber, dass man jetzt schon Mühe hat, einen freien Platz in der Kirche zu bekommen, seit die Pastorinnen ans Netz gegangen sind. Die Kult-Show aus Eime hat schon über 2000 Follower. Die meisten User sind begeistert. „Yeahyeahyeah! Pastorinnenbaby go go go!!!“, jubelt eine gewisse „Ninja-Eyes“.

Auch der stellvertretende Bürgermeister Jörg Stichnoth (SPD) ist ganz angetan von Steffis und Ellens Videoblog. „Man ist offen für sowas. Das belebt das Gemeindeleben, macht die Kommune im ländlichen Raum attraktiv“, kommentiert er in die NDR-Kamera.

Blitz schlägt nicht ein

Nein, der Blitz schlägt nicht ein in den Kirchturm von St. Jacobi, aus dem sich Steffi und Ellen in ihrem Video-Trailer lehnen und demonstrativ abschmatzen. Ihr Projekt hat ja Beistand von oben, das heißt bis zur Bischofsebene der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.  Landesbischof Ralf Meister erteilt dem Projekt mit wohlgesetzten Worten seinen Segen. Die Pastorinnen müssten sich nur im Rahmen ihres Auftrages bewegen, das Evangelium zu verkünden, sagt er im NDR.

Ob der Oberhirte nun alle Worte und Handlungen des Lesbenpaares auf die Waagschale legt, darf durchaus hinterfragt werden. Im Video „Spießersonntag“, ihrem arbeitsfreien Tag,  besuchen die Zwei den Gottesdienst eines Kollegen. Nach dem Abendmahl treten sie – offenbar schon leicht angeschickert vom süßen Messwein  („der hat Wumms!“) vor ihre Kamera auf Selfiestange und philosophieren über Gott und die Welt. Zum Beispiel über das traditionelle Familienbild der Kirche mit Maria und Josef und dem Jesuskind in der Krippe. Damit kommen sie als bekennende Lesben wenig klar, auch weil Maria von Unbekannt schwanger war und „Josef abhauen wollte, weil das Kind nicht von ihm war“. Das hat irgendwie Parallelen zu ihrer eigenen künftigen Elternschaft: Erzeuger unbekannt.

Klaus und Karl-Heinz nicht ausgeschlossen

Die Evangelisch-Lutherischen hoffen derweil, dass ihre Strategie aufgeht, mit bunter Vielfalt wieder mehr Schäflein in die Kirchen zu locken. Erst kürzlich rauschte es wie Donnerhall durch die Medien, als die Oldenburger ihre Sonntagsgottesdienste am Vormittag streichten, um sie durch abendliche Events mit geistigem Trallala zu ersetzen. Auch das Mittelmeer-Engagement von Kirchenreeder Bedford-Strohm soll sicher zur größeren Akzeptanz beitragen. Da will CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer als Katholikin nicht nachstehen, wenn sie verheiratete Priester empfiehlt. Klaus und Karl-Heinz auf der Kanzel sind dann auch nicht mehr ausgeschlossen.