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Muslime, die Wilders meint

Serkan TörenDass Geert Wilders den Islam als Ideologie, nicht jedoch die säkularen, liberalen Muslime, als Gefahr für unsere „westlichen“ Gesellschaften empfindet und im Parlament gegen diesen angeht, ist dem geneigten Leser dieses Blogs bekannt. Auf der Suche nach diesem Schlag Mensch stieß PI gestern auf die Forderung nach einem Burkaverbot im öffentlichen Raum, welches der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören (Foto) forderte.

Zu den in Frankreich im Zuge des Verbots verhängten Strafen schreibt die Berliner Zeitung vom 15.07. (nicht online verfügbar):

Auch die Strafen in Frankreich hält Tören für angemessen. Frauen mit Ganzkörperschleier können dort zur Zahlung von 150 Euro oder zu einem Kurs in Staatsbürgerkunde gezwungen werden. Tören bezeichnet aber vor allem die Strafen von bis zu 30 000 Euro oder ein Jahr Gefängnis für Männer, die ihre Frauen zur Verschleierung zwingen, als „zielführend.“

Bei der weiteren Recherche nach älteren Kommentaren stieß ich auf Ansätze, die uns politisch Unkorrekte durchaus dazu bringen sollten, diesem Mann unsere Aufmerksamkeit zu schenken. So kritisierte er nicht nur Aygül Özkan für deren Mediencharta, sondern setzte sich auch für die Belange der deutschen Soldaten ein. Durch das Aufmerksammachen auf den Fall Robert Müller (hier und hier) wird wahrscheinlich noch im Herbst die Versorgung derjenigen Soldaten, die vor Dezember 2002 im Einsatz zu Schaden gekommen sind, gewährleistet.

Forderungen, die sogar unsere Zunft im positiven Sinne erstaunen, aber im Kontext auch skeptisch machen, lassen sich im Hamburger Abendblatt vom 16.07. (nur über Bezahldienst lesbar) begutachten. Unter dem Titel „Tören fordert Bekenntnis zur Nation“ fordert er das gemeinsame Singen der Nationalhymne sowie Fahnenappelle auf freiwilliger Basis an bestimmten Feiertagen. „Die Lehrer müssten dann verdeutlichen, was es mit den Symbolen auf sich habe und den Migrantenkindern im Unterricht vermitteln, weshalb sie ein Teil der Gesellschaft seien“, schlägt Tören vor und verweist auf die positive Integration in Ländern wie Kanada. Und weiter: „Dass einige Eltern meine Idee wegen der deutschen Geschichte ablehnen werden, ist zu erwarten. Es ist aber viel Zeit vergangen und unser Verhältnis zur deutschen Vergangenheit, zum damaligen Nationsbegriff, hat sich verändert“, so Tören. Nicht der alte Nationalismus müsse das Ideal für die künftige Gesellschaft sein, sondern ein positiver, gesunder Patriotismus.

Auch bei den Spielräumen der Visumsvergabe vertritt Tören eine vernunftgeleitete Position. Fassungslos entnahm ich jedoch einem taz-Artikel vom 15.07. ein Detail der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei:

Der integrationspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Serkan Tören, sagt hingegen, man müsse den Entscheidern einen „gewissen Spielraum“ überlassen. Zu den unterschiedlich hohen Ablehnungsquoten in verschiedenen Länder sagt Tören: „Ich glaube nicht, dass dahinter eine politische Absicht steckt.“ Mit einigen Staaten, etwa der Türkei, gebe es noch keine Rückführungsvereinbarungen im Fall eines illegalen Aufenthaltes. „Möglicherweise ist die Visa-Vergabe deshalb restriktiver.“

Alles in allem sind es solche Muslime, die unserer Gesellschaft positiv zu Gesichte stehen. Ob diese nicht als „vom Glauben abgefallen“ gelten könnten, müssen wiederum islamische Theologen entscheiden. In diesem Sinne: Für die Unterstützung säkularer, liberaler Muslime.

(Gastbeitrag von StaderGeest)