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Die unbemerkte Sensation: Ein Gott für Juden, Christen, Muslime

Ein Gott -Ein brisanter Quantensprung in der Theologie des Katholizismus wurde von den Gläubigen kaum wahrgenommen – und ist bis heute nicht im Bewusstsein der Theisten verankert: Nämlich, die theoretische Fusion des jüdischen Gottes Jahwe – der im Christentum als Gottvater fungiert – mit Mohammeds Allah, zu einer einzigen Gottfigur. Die drei abrahamitischen Religionen huldigen ergo dem gleichen Gott.

(Ein Essay von Tim W. Thornau)

Zu dieser Erkenntnis kam das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) eher unbemerkt. Der von Papst Paul VI. verkündete Text in der Konzils-Schrift „Nostra aetate“ klingt beiläufig: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat.“ (Das Medium war Moses und Mohammed)

Diese geschichtsschreibende Formulierung der katholischen Kleriker gleicht einem Dogma, weil ein Rückschritt hinter die Ergebnisse des Konzils als Abfall von der Lehre gilt. Doch der plumpe Annäherungsversuch der katholischen Theologen an den Islam blieb ohne Resonanz. Die Spekulation der Kleriker: Gemeinsam sind wir stärker – wobei die Gottesmänner in erster Linie sich selbst und ihren Apparat gesehen haben, erfüllte sich nicht. Selbst der Gedanke, der hinter dem Sprichwort steht: „Eine Krähe hackt der andern kein Auge aus“, blieb eine Illusion – weil die „Krähen“ des Islams noch nicht in Dimensionen der Kooperation denken können. Der islamische Apparat wuselt noch viel zu tief im Bereich der Volksbeherrschung und muss alle Kraft aufbringen, um die Gläubigen zu gängeln.

Unübersehbar: Mit dem Dokument „Nostra aetate“ offenbart der Katholizismus, dass er am Ende ist – und, wie bisher immer: Nahrung bei den Unbedarften sucht. Das „Geschäftsmodell Gott“ liegt in den letzten Zügen, weil es von der Institution Kirche ausgesaugt und pervertiert wurde – und in Zukunft globale Informationen alle Religionen ad absurdum führen werden.

Um zu verdeutlichen wie inkompatibel die abrahamitischen Religionen sind, und welche Blüten die Fantasie der jeweiligen Gottesvertreter hervorgebracht haben, genügt ein kurzer Blick auf die Jenseitswelten der drei Religionen. Für die Theisten stehen drei sehr verschiedene Paradiese zur Debatte.

Judentum

Das Judentum hält sich zurück, wenn es um Spekulationen um das Jenseits geht. Doch in der Sammlung religionsgesetzlicher Überlieferungen findet man eine offiziell gültige Erklärung: Das ganze jüdische Volk hat einen Anteil an der zukünftigen Welt, denn es heißt: „Dein Volk besteht aus lauter Gerechten.“ Also: Eine vorgeblich makellose Population. Das scheint möglich, weil Sünden jährlich an Jom Kippur bereut werden und damit getilgt sind. Immerhin haben die Mitglieder des von Jahwe auserwählten Volkes sich an 248 Gebote und 365 Verbote zu halten.

Das Judentum kennt kein personifiziertes Böses, etwa den Teufel, oder eine grundsätzlich böse Neigung in den Menschen. Entgegen der Vermutung vieler Christen gibt es in der grundtextnahen Übersetzung des Alten Testaments keinen Hinweis auf eine ewige Hölle. Im Talmud und in der Kabbala finden sich keine Verweise auf diesen Ort immerwährender Verdammnis.

Trotz der rabbinischen Tradition der Reserviertheit beim Thema Paradies gibt es einige Informationen über das Jenseits. Mittelalterliche Auslegungen religiöser Texte enthalten detaillierte Beschreibungen des Garten Edens: „Zum Garten Eden führen zwei Tore aus Diamanten, und auf ihnen befinden sich siebzigtausend dienstbare Engel. Und wenn ein Gerechter vor ihnen erscheint, so ziehen sie ihm von oben seine Gewänder fort, die er im Grabe trug, und bekleiden ihn mit acht Gewändern, gewoben aus Wolken der Herrlichkeit. Auf sein Haupt setzen sie zwei Kronen aus Edelstein, Perlen und Gold. In seine Hand legen sie acht Myrtenzweige und preisen ihn und sagen: „Gehe hin und iss dein Brot mit Freuden.“

Es heißt, Moses habe bei seinem spektakulären Besuch im Paradies von Engeln bewachte Throne aus Gold, Silber und Edelsteinen gesehen. Der Engel der ihn führte erklärte: Wer Tag und Nacht die Thora studiert, hat ein Anrecht auf einen Thron aus Perlen. Der Reumütige, auf einen Thron aus Gold. Der Thron aus Kupfer ist für den schlechten Menschen bestimmt, dessen Sohn fromm ist.

Die jüdischen Jenseitsauffassungen sind vielfältig und frei. Jeder kann Texte finden, die seinen Wünschen entgegenkommen. Die feinsinnigen Gläubigen begnügen sich mit einem rein spirituell, ganz und gar Jahwe gewidmeten Jenseits. Weniger subtil veranlagte Gläubige können sich auf Textstellen berufen, die prächtige Paläste oder duftende, blumenübersäte Gärten versprechen – und auch noch anbieten, sich am Fleisch des Leviathan (Seeungeheuer) gütlich zu tun.

Islam

Allahs Paradies bietet weiterführende sinnliche Genüsse. Die Guten gelangen in die Gärten des Paradieses, wo kühle Ströme fließen und herrliche Fruchtbäume wachsen; sie genießen die Düfte, Früchte und nicht berauschenden Wein. Es fließen Bäche von Wasser, Honig und Milch. Sie erfreuen sich an großäugigen Jungfrauen (Huris), die niemand zuvor berührte. Aber auch für die andere Fraktion ist gesorgt. Sure 76/19 sagt: „Ewig junge Knaben machen die Runde unter ihnen.“ Und das, obwohl Homosexualität laut Scharia die Todesstrafe nach sich zieht.

Das Paradies für mohammedanische Männer beschreibt der große Theologe Dschalal ad-Din as-Suyuti: „Jedes Mal, wenn wir mit einer Huri schlafen, erleben wir sie als Jungfrau. Und der Penis wird nie erschlaffen. Jeder der Erwählten wird mit 70 Huris verheiratet sein, zusätzlich zu den Frauen, die er auf Erden geheiratet hat. Und jede von ihnen wird eine köstliche Vagina haben.“

Die sexuelle Freizügigkeit im Paradiese Allahs war vermutlich Mohammeds Anliegen. Mohammed verfügte, neben zwölf Ehefrauen, auch über mehrere Sklavinnen, die als Kriegsbeute „Freiwild“ waren.

Christentum

Gänzlich unterschiedlich sind die Versprechungen des Christentums für das außerirdische Leben nach dem Tode. Das Kontrastprogramm zu Allahs Paradies findet im christlichen Jenseits statt. Dort ist platonisches Leben und Askese angesagt; von Nahrung wird nicht gesprochen, lediglich die Anschauung der Dreifaltigkeit steht auf dem Programm. Die Theologen verkaufen den Himmel als einen Ort und Zustand vollendeter Glückseligkeit durch die unmittelbare Anschauung Gottes – wahrscheinlich ihr eigener Wunschtraum. Dort wird jeder Erlöste, gemeinsam mit den anderen Gerechten, im ewigen Leben wohnen, laut Matthäus (Mt 13,43) in verherrlichter Gestalt, die wie die Sonne leuchtet.

Die einzige Abwechslung für die Himmelbewohner ist perverser Art. Der Kirchenlehrer und Frauenhasser, der Dominikanermönch Thomas von Aquin (1225-1274) stellt den Auserwählten in Aussicht, den Gemarterten in der Hölle bei ihren Qualen zusehen zu dürfen.

Eine spezielle Erfindung der christlichen Kleriker ist das Fegefeuer. Dorthin kommen die Seelen derjenigen, die zwar im Stande der Gnade gestorben sind, aber noch zeitliche Strafen abzubüßen haben. Im Fegefeuer findet ein Prozess der Läuterung statt, in dem die Seele eines Verstorbenen auf den Himmel vorbereitet wird. Im 6. Jahrhundert prägte Papst Gregor I. die Vorstellung vom Fegefeuer. Er baute das Fegefeuer in das System seiner „Heilsmaschine“ ein, wodurch es bis zur Reformation große kulturgeschichtliche Bedeutung erlangte. Gregor I. steht in der katholischen Kirche in ganz besonders hoher Achtung, denn ihm verdankt sie neben dem Fegefeuer, dieser päpstlichen Prellanstalt, die sich durch ihren Ablasshandel hervorragend rentierte, auch eine Menge (obskurer) Zeremonien.

Theologisch völlig ausgeformt findet sich die Lehre vom Fegefeuer bei Thomas von Aquin. Im 16. Jahrhundert wurde das Fegefeuer im Tridentinischen Konzil dogmatisiert. Das Dogma Nr. 241 lautet: „Die Seelen der Gerechten, die im Augenblick des Todes noch mit lässlichen Sünden oder zeitlichen Sündenstrafen belastet sind, gehen in das Fegefeuer ein.“ Die Seelen im Fegefeuer sehnen sich – so glauben Theologen – nach der Herrlichkeit Gottes und leiden große Schmerzen. Dass sie Gott nicht schauen dürfen, sei die eigentliche Strafe. Augustinus hatte behauptet, dass die Leiden des Fegefeuers schwerer sind, als alle Leiden in diesem Leben. Statt, dass die Kirche sich von dem mittelalterlichen Unsinn trennt, strickt sie weiter daran. Offensichtlich gehört kritisches Denken nicht zum Katholizismus, denn die Vorstellungen von Hölle und Fegefeuer sind immer noch vorhanden.

Nach der Aufklärung sah sich die Kirche genötigt, der Hölle den Anstrich einer angstauslösenden Metapher zu geben. In der nach wie vor gültigen Lehre jedoch, wird sie plastisch geschildert und als reale Strafe gesehen. Der frühere Papst Benedikt XVI. warnte die Herde der Gläubigen: „Jesus ist gekommen, um uns zu sagen, dass er uns alle im Paradies haben will – und dass die Hölle, von der man in unserer Zeit so wenig spricht, existiert.“

Nicht zufällig sprechen die katholischen Kleriker von Schafen, wenn sie ihre Herde meinen. Sie charakterisieren ihre Gläubigen durchaus zutreffend. Schon Goethe sagte: „Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche, aber sie will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reichdotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr, als die Aufklärung der unteren Massen.“

Das Statement Goethes lässt sich übertragen auf den Theismus jeder Couleur. Theismus ist ein Relikt der Vergangenheit – ein primitives System der Volksbeherrschung, wie es sich aktuell im Mohammedanismus offenbart.
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Tim W. Thornau ist Autor der Bücher „Gott & Co“ und „Islam – Das totalitäre System“. Im Buchhandel u.a. bei: www.epubli.de / www.neobooks.com / www.amazon.de