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Ist Gauck eine „Zumutung“ für die Christen?

imageDiese Frage mag sich stellen, nachdem Matthias Kamann in der WELT titelte: „Gauck hält christlichen Glauben für ‚Zumutung'“. Und der offenbar recht einfach strukturierte Schreiberling scheint die Aussage Gaucks auf dem „Zukunftsforum der Evangelischen Kirche in Deutschland“ in Wuppertal, der Glaube an Gott sei doch immer eine Zumutung, für Kritik am christlichen Glauben zu halten. Nun, lieber Herr Kamann, da müssen Sie aber noch so manches lernen.

(Ein Kommentar von Hinnerk Grote)

Sicher ist der derzeitige Bundespräsident mit seiner Anbiederung an den dem Christentum diametral gegenüberstehenden Islam so etwas wie eine „Zumutung“ für manchen gläubigen Christen, und es liegt mir kaum etwas ferner, als diesen Bundespräsidenten nun zu verteidigen. Doch wenn Journalisten wie Matthias Kamann die Worte dieses Präsidenten nicht verstehen, bewusst verdrehen oder aus dem Zusammenhang reißen, nur um auf billigste Weise mit einer Headline Stimmung zu machen gegen die Christen in diesem Land – ganz nach dem Motto: selbst der Bundespräsident spricht sich gegen die Christen aus -, dann ist Widerspruch geboten.

In der „FAZ“ wird ein anderer Satz der Rede Gaucks herangezogen:

Die Glaubensgemeinschaften dürften kein „sanftes Ruhekissen für bürgerliche Gemütlichkeit“ sein, sondern „Zumutung für die Gesellschaft“.

Die „FAZ“ zitiert weiter:

„Ich wünsche mir, dass die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes aufmerken, wenn die Kirche sich neu orientiert“, so Gauck. „Und ich möchte als evangelischer Christ, als Bürger dieses Landes und als Bundespräsident meinen Beitrag zu dieser Neuorientierung leisten.“

Denn es sei für das Land nicht egal, welchen Weg die Kirchen einschlügen. Es sei auch nicht gleichgültig für Deutschland, „wie in der Kirche von Gott gesprochen wird – ja, ob überhaupt noch vernehmbar und verstehbar von Gott gesprochen wird.“

um dann zu der Frage zu gelangen:

Darf ein Bundespräsident, der der Präsident aller sein soll, auch von Agnostikern, Katholiken, Atheisten, Muslimen und vielen anderen, so etwas sagen? Überschreitet der Präsident, den vor einigen Tagen schon der türkische Ministerpräsident Erdogan abfällig „Pastor“ genannt hat, damit eine Grenze?

Ja, natürlich darf er das. Und es wäre wünschenswert, mehr derartige Aussagen zum Christentum und zur derzeitigen Verfasssung der evangelischen Kirche von ihm zu hören. Es wäre wünschenswert, wenn die Kirche – nicht nur die evangelische – nicht länger vor Mohammedanern, Agnostikern und Atheisten kuschen, sondern endlich klare Kante zeigen würde. In der evangelischen Kirche sollte tatsächlich wieder mehr von Gott gesprochen werden und weniger von angeblichen „Flüchtlingen“ und ihrem Elend im reichen Deutschland. Doch scheint der Herr Bundespräsident mit zwei Zungen zu sprechen, wenn er einerseits die Betonung darauf legt, dass in den Kirchen mehr von Gott gesprochen werden müsse, andererseits aber die Mohammedaner zum Ramadan grüßt oder die islamische Theologie würdigt.

Doch zumindest mit dem Satz: „Der Glaube an Gott ist doch immer eine Zumutung“ hat der amtierende Bundespräsident recht. Denn der wahre Glaube mutet dem Gläubigen einiges zu, er verlangt viel von ihm, er gibt ihm aber eben auch den Mut und die Kraft, in seinem Glauben zu bestehen.

Eben an letzterem darf man bei Pastor Gauck aber durchaus seine Zweifel haben. Und eben deshalb ist und bleibt er eine Zumutung für jeden aufrechten Christen, auch wenn er noch so pastoral daherschwafeln mag.

Wer den ganzen Wortlaut der Rede des Bundespräsidenten vor dem „Zukunftsforum der EKD“ lesen will, findet sie hier.