IslamwissenschaftlerKennen Sie den Begriff „going native“? Frei übersetzt bedeutet er „zum Eingeborenen werden“. Er wird zum Beispiel in der Völkerkunde benutzt, wenn ein Forscher die Distanz zum Forschungsgegenstand verliert. Der Wissenschaftler, der sich bei einem Eingeborenenstamm einquartiert und das Leben dieser Menschen im Rahmen der sogenannten „teilnehmenden Beobachtung“ teilt, wird bei einer langen und intensiven Untersuchung in diese Gefahr geraten: das Denken der Eingeborenen wird ihm so vertraut, dass es sein eigenes wird.

Er verliert die Distanz. Was ihm früher exotisch schien, wird zur Normalität. Dinge, die ihm anfangs als fremd aufgefallen sind, werden für ihn vertraut und alltäglich. Ich habe während meines Studiums Personen der verschiedensten Fachrichtungen kennengelernt. Orientalisten und Islamwissenschaftler waren auch darunter. Sie machten auf mich den Eindruck, besonders verliebt in ihr Fach zu sein. Das kann man ruhig wörtlich nehmen. Viele der deutschen Studierenden in diesen Fächern waren mit Arabern, Türken und Persern liiert. Klar, auch die Französisch-Studenten waren in der Regel frankophil, machten gerne Urlaub in Frankreich, die Englisch-Studenten schwärmten von London und New York. Aber eine gewisse Entspanntheit und Kritikfähigkeit fehlte ihnen deswegen nicht; gerne ließen sie im Gespräch auch mal Bemerkungen fallen, in denen sie sich über Eigenheiten der anderen Völker lustig machten. Bei den Orientalisten ist mir so was nie aufgefallen; im Gegenteil hatte ich stets den Eindruck – lange vor dem 11. September 2001 – dass sie sich geradezu als Verteidiger der Araber und Türken aufspielten und äußerst humorlos waren, wenn man den Orient und den Islam auch nur leise kritisierte.

Das ist die emotionale Seite des „going native“. Dann gibt es noch die ganz nüchterne, zweckrationale Seite, die einem sofort einleuchtet: unter Eingeborenen hat man die besten Chancen, wenn man sich selbst als Eingeborener gibt (dies gilt anscheinend nicht für Moslems in Europa). Im Englischen existiert das Sprichwort: „When in Rome, do as the Romans do” – “Wenn du in Rom bist, verhalte dich wie ein Römer”.

In westlichen Ländern herrscht das Postulat, dass die Wissenschaft frei ist, dass alles ausgesprochen werden kann. Das stimmt natürlich – im gewissen Rahmen. Selbstverständlich ist die Wissenschaft hierzulande freier als in Nordkorea oder in der ehemaligen Sowjetunion. Dennoch können wir in bestimmten Disziplinen feststellen, dass es eine geradezu erdrückend uniforme Meinung gibt – speziell unter den Orientalisten fällt mir das auf. Gibt es einen unter ihren Vertretern, der nicht für die Aufnahme der Türkei in die EU wäre? (Raddatz ist eine prominente Ausnahme, aber soviel ich weiß, ist er kein Mitglied des Universitätsbetriebs in diesem Fach.) Auch hier regiert eine Spielart des „going native“, kombiniert mit Karrierestreben.

Ich möchte das an einem fiktiven Beispiel erläutern: Fritz Müller hat Turkologie studiert, die Wissenschaft von der türkischen Sprache und Kultur. Er hat für seine Doktorarbeit in einer bestimmten Region der Türkei lange geforscht und später noch seine Habilitationsschrift über diese Region verfasst. In der Fachwelt ist man schon auf ihn aufmerksam geworden, Professoren in Ankara und Istanbul korrespondieren mit ihm, nachdem er auf einem Fachkongress in perfektem Türkisch über sein Thema referierte. Sie deuten an, dass eine Gastprofessur in der Türkei für ihn möglich wäre. Dann interviewt ihn noch eine große türkische Zeitung und fragt beiläufig, was er vom Beitritt der Türkei in die EU halte. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: a) er spricht sich dagegen aus, b) er spricht sich dafür aus. Fritz Müller weiß, dass a) bedeuten würde, dass er sich viele Sympathien verscherzt. Aus der Gastprofessur könnte nichts werden. Vielleicht wird er zum nächsten Fachkongress der Turkologen gar nicht mehr eingeladen. Die westlich orientierte Familie seiner türkischen Verlobten würde ihn wahrscheinlich empört fragen, wie er zu so einer Einstellung kommt. Mit einem Wort: a) wäre pures Gift für seine Karriere und würde sich unter Umständen sogar auf sein Privatleben negativ auswirken. Also entscheidet er sich folgerichtig für b). Vielleicht sieht er in seinem tiefsten Innern viele Dinge in der Türkei doch kritisch. Aber er hofft, dass sich das „auswächst“, spätestens nach dem EU-Beitritt. So geben sich fehlende Distanz, klassisches „going native“, Opportunismus und Karrierestreben ein Stelldichein. Ausbaden müssen es dann andere…

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28 KOMMENTARE

  1. Letztes Jahr gab es auf SWR einen Talk mit dem Titel „Nachtcafé“.

    Eingeladen waren u. A. Dr. Udo Ulfkotte, ein Hausener Bürger, eine bekopftuchte „Architektin“ (die sich immer weiter in Widersprüche verwickelte) und 68erInnen-Dressurelite Claus Leggewie.

    Der Hausener Bürger erlebte hautnah die Veränderung seines Umfelds durch 3 mohammedanischen Tempel in der Nachbarschaft, er war quasi vom linksgrün verhassten und damit zu verdünnenden Kartoffelpräkariat.

    Dr. Ulfkotte ist als Geheimdienstexperte, der lange Jahre in mohammedanischen Ländern gelebt hat, ebenfalls als kompetent einzustufen.

    Und unser Gauche Caviar aus dem Rotweingürtel, ohne Fronterfahrung und mit steuerfinanzierter W4-Professroenstelle?

    Er sagte in seiner nonchalanten 68erInnen-Arroganz, das Wissen über das Mohammedanertum sei „angelesen“!

    Wie erwirbt denn so ein 68erInnen-SoziologIn seine Kenntnisse?

    An der Drehbank, im OP, im Labor, im Cockpit, auf der Polizeiwache? Oder beim Chianti im Rotweingürtel aus der ZEIT?

  2. Jepp und so ist es auch in Deutschland passiert, dass wir hier nun diese ganzen Messermusels zu beklagen haben. Bei mangelder Distanz ist ein derart aufdringliches Volk (nicht nur die Türken, alles Musels) dazu bestimmt uns hier das Leben schwer zu machen. Wir sitzen nun wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange.
    Distanz ist mein Wort des Tages.
    Danke für den aufschlussreichen Beitrag. 😉

  3. #2 Georg Rimpler 1683

    Nicht nur der, die Liste ist Ellenlang!

    Roth, Beck, Süßmuth, Osthoff, Laschet, Roth II, Ypsilanti, Schramma, CDU, SPD, Grüne, FDP, CSU, DieLinke, Antifa und und und …. … .

  4. O.T.
    Jetzt auf Phoenix kommt „Schlagfertig“
    Reportage über jugendliche Gewalttäter aus Köln.

  5. OT: ZDF meldet gerade zwei tote dt. Soldaten in Afghanistan.
    Schäuble soll auf seiner Islam-Konferenz gerade jetzt (Jemen, Teheran etc.) am Donnerstag den nächsten Knaller über den friedfertigen Islam bringen. Er wird sich wieder zur Witzfigur machen.

  6. Dennoch können wir in bestimmten Disziplinen feststellen, dass es eine geradezu erdrückend uniforme Meinung gibt – speziell unter den Orientalisten fällt mir das auf.

    Das ist nicht nur in der Orientalistik so, das ist allgemein verbreitet.
    Sieh dir nur mal an, über was für einen Scheiss in der Psychologie z.T. gestritten wird, oder in der Physik.
    In der Physik gibt es teilweise regelrechte (unausgesprochene) Forschungsverbote für Themen, die nicht Mainstream genug sind.
    Oder man forscht in der Richtung und ruiniert dadurch seinen Ruf.
    Oder nehmen wir die Psychologie.
    Da gibt es zu praktisch zu jedem Thema zwei grosse Gruppen, die das jeweilige Gegenteil voneinander vertreten und oft jahrzehntelang darum streiten, wer von ihnen recht hat – und das obwohl es eigentlich nie vorkommt, dass eine von beiden Seiten recht hat. Am Ende läuft es eigentlich immer darauf hinaus, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt.
    Und meistens ist es sogar so, dass ihnen das jeder Depp hätte sagen können.
    Das Problem ist nicht das Going Native, das Problem sind die Intellektuellen.
    Durch einen Doktortitel wirst du nicht klüger, aber wenn du einen Doktortitel hast, GLAUBST du, dass du klüger seist.
    Meiner Erfahrung nach ist es einfach so, dass Intellektuelle in einem Elfenbeinturm leben, sie sind weltfremd und fühlen sich schlau und elitär und das zeigt sich dann auch in ihrem Verhalten.

  7. Sehr „schön“ ist auch die grenzenlose Toleranz gegenüber der islamischen Bedrohung seitens der gutverdienenden höheren Angestellten oder gar von Entscheidungsträgern: Die Grundstücks- und Mietpreise ihrer Wohnlagen verhindern den näheren Kontakt mit der alltäglichen Bereicherung, ihre Auslandskenntnisse beschränken sich auf die immergleichen Hotellobbies und Tagungsräume, die Kinder gehen auf abgeschottete Privatschulen mit 0 % Muselquote. Daher sehen sie „das alles gar nicht soo dramatisch“. Das Erwachen wird bitter sein…

  8. @5 Eurabier

    Nun 68er aus dem Rotweingürtel meint, man müsse selbst forschen. Forschungsergebnisse werden dann veröffentlicht, dürfen aber nicht gelesen werden, denn dann wäre das Wissen ja „angelesen“.

    Diese Aussage ist derart dämlich, dass 68er sich schon als geistig beschränkt deutlich darstellt. Man kann über soviel Blödheit nur laut lachen.

    Selbstverständlich greifen wir auf „Wissen“ zurück. Wäre dem nicht so, dürften wir z. B. alle keine Rechner benutzen, wir müssten sie erstmal selbst erfinden, sozusagen das Rad neu erfinden.

    Eurabier, du wirst dir doch wohl dein Wissen nicht angelesen haben. Sowas aber auch 😉
    Und ich werde sofort aufhören, mir was „anzulesen“ und versuche jetzt, das Telefon neu zu erfinden 😉

  9. Volltreffer! Der Mainstream ist mit dieser Darstellung zu 100% erfasst.

    Daneben gibt es allerdings auch andere Gründe, aus denen kritisch eingestellte Orientalisten dennoch eine vorsichtige Rhetorik wählen:

    Beispiel: Fritz Müller beobachtet die Islamisierung mit Sorge und will eine Feldstudie in deutschen Moscheegemeinden durchführen. Wie wird er versuchen, das Vertrauen der Imame zu gewinnen? Indem er einen kritischen Artikel in der JF schreibt?!

    Manchmal muss man in der wissenschaftlichen Literatur zwischen den Zeilen lesen, um den – dort gezielt versteckten – Sprengstoff zu entdecken.

  10. #14 Frieda (23. Jun 2009 15:03)

    Zustimmung, auch schon oft bemerkt. Das sind dann diese Artikel die man freunden gibt und meint, guck ma, der drückt meine Meinung aus. Der Freund meint dann nur, der gibt mir doch Recht (schlampig gelesen halt)

  11. Jeder Fritz Müller, der seinen Namen nicht als „David Irving“ buchstabiert sehen will, wird sich für b) entscheiden.

  12. Sehr guter Beitrag!

    Er verliert die Distanz. Was ihm früher exotisch schien, wird zur Normalität. Dinge, die ihm anfangs als fremd aufgefallen sind, werden für ihn vertraut und alltäglich.

    Dieses Prinzip wird aber auch von der Dressurelite auf die deutsche einheimische Bevölkerung angewandt: „Südländische“ Models in Anzeigen und auf Plakaten, offizielle Preise (Literaturpreise, Kulturpreise, Friedenspreise, etc.) an Muslime, türkische Hauptfiguren in TV-Serien … und bei „Miss“-Wahlen haben hellhäutige Blonde schon lange keine Chance mehr. Auf diese Weise wollen die Betreffenden nicht nur ihre eigene Weltoffenheit demonstrieren, sie wollen die Menschen unmerklich an das „Exotische“ gewöhnen, bis das „Exotische“ als alltäglich betrachtet wird und seine schleichende Eroberung der westlichen Lebenswelt niemandem mehr auffällt.

  13. Südländische Models in Anzeigen hab ich bis auf eine Ausnahme, die ja hier auch thematisiert wurde noch nie gesehen. Irgendwie verständlich, Müllsäcke eignen sich nun mal nicht besonders um irgendwas zu verkaufen. Entsorgen wär damit jedoch problemlos möglich.

  14. cdu-pressestelle@cdu-nrw-fraktion.de

    Nie wieder CDU

    Was haben Sie nur für trojanische (islamistische) Pferde in ihren Reihen ??? Seit Wochen pöbelt im Netz einer ihrer geistigen Nachwuchs-Türken ???

    Die Türken- CDU-Elite

    Schaut mal jemand ins studivz, da bezeichnet ein JU-Stadtvorsitzender in der Gruppe “Junge Union Deutschlands” unter dem Thread ‘Ausbreitung des Islams’ den Völkermord an den Armeniern als “armenische Lügen” und fügte noch an, “alle Türken” würden so denken.
    Unter den Pseodonym „Zafer Topak:“(Er gehört zur JU Hamm/Westfalen)

    [Mit Religion ist nicht zu spassen, vor allem nicht mit dem Islam, das mögen wir Moslems nicht, wie sind ganz friedlich, aber bei solchen sachen kann keiner garantieren was danach passieren kann.]

    und solche unverhohlenene Drohungen von einem CDU-Mitglied

    Nie wieder CDU .. raus aus der Islamistischen DU

    Chessie

  15. #19 uli12us (23. Jun 2009 16:26)

    Südländische Models in Anzeigen hab ich bis auf eine Ausnahme, die ja hier auch thematisiert wurde noch nie gesehen.

    Ich meine ja auch keine Burka-Gespenster oder Schleier-Fatimas, sondern „normale“ Männer und Frauen mit „südländischem“ Aussehen. Gerade in Werbekampagnen der Bundesregierung oder von Bundesämtern oder staatsnahen Organisationen ist der Anteil von Models, die offenkundig „südländische“ Migranten repräsentieren sollen, weit höher als der tatsächliche Anteil dieser Menschengruppe an den Bewohnern Deutschlands.

  16. Die hier die Islamisierung betreiben und uns beschwichtigen wollen, meinen es meist gut. Wenn z.B. eine Christa Goetsch, Zweite Bürgermeisterin in Hamburg und dort auch Schulsenatorin, zugleich als Lobbyistin für die „Förderung des Islam“ tätig ist, dann will sie uns natürlich nicht schaden, sondern nur unser Bestes. Sie ist ihrer Klientel – sie war Lehrerin – zu nahe gekommen, überidentifiziert sich mit ihr und fühlt sich den „netten Menschen“, die sie ins Kuratorium des IWB ( http://www.iwb-hamburg.de ) berufen haben, verpflichtet. Man kann sie nur durch Einwirkung von außen davon lösen. Vergleiche auch: http://www.pi-news.net/2009/06/christa-goetsch-im-dienste-der-islamisten/#comments

  17. Ausgezeichneter Beitrag! Vielen Dank an den Gastautoren! Sehr gut erkannt, genauso habe ich es auch schon erlebt.

  18. #12 Raucher (23. Jun 2009 14:25)
    In der Physik gibt es teilweise regelrechte (unausgesprochene) Forschungsverbote für Themen, die nicht Mainstream genug sind.
    Oder man forscht in der Richtung und ruiniert dadurch seinen Ruf. —-

    Das interessiert mich näher, lieber Raucher.

  19. In meiner Stadt gehört an der Uni die Judaistik zum Orientalischen Seminar. Wenn ich dort zum Jiddischkurs ging, erntete ich oft finstere Blicke finsterer bärtiger Gestalten; zu Tätlichkeiten kam es dort jedoch m.W. noch nicht, man geht sich einfach aus dem Weg.

    Das mit den Models in der Reklame,z.B. in Katalogen, ist mir auch schon aufgefallen: fast nur noch dunkelhaarige Türkmamsellen. Auch das ist offenbar ein Auswuchs der schleichenden Islamisierung. An einen Katalogherausgeber habe ich schon geschrieben und gefragt, ob die deutschen Käufer denn bereits in der Minderheit seien. In Deutschland gibt es viele hellhaarige Frauen, und die werden es sich drei mal überlegen, ob sie ein Kleidungsstück kaufen, das Dunkelhaarigen gut steht, an Hellhaarigen aber zu fade oder zu knallig wirken wird. Noch keine Antwort bekommen.
    Spätestens im nächsten Herbst kommt der nächste Katalog. Mal sehn, ob da dann auch schon Kleider von Hirnwindel-Models vorgeführt werden, das wäre der nächste Schritt.

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