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Der Mann mit den vielen Gesichtern

IMG-20150307-WA0002 - KopieEr schlüpft gerne in verschiedene Rollen wie hier als DDR-Volkspolizist und macht sich dabei auch über sich selbst lustig. Doch seine Persiflage als „Adolf“ brach ihm und Pegida vor zwei Monaten das mediale Genick. Im PI-Interview äußert sich Lutz Bachmann jetzt erstmals zur Fälschung des berühmten Hitler-Bart-Fotos, das im Januar um die Welt ging und zur Zukunft der Pegida-Bewegung.

PI: Warum haben Sie nicht sogleich, nachdem die Hitler-Bilder um die Welt gingen, interveniert, dass es sich bei dem Bärtchen um eine Fälschung handelt?

Bachmann: In diesem Moment hätte es ohnehin niemand geglaubt. Es hätte den Eindruck gemacht, als wäre ich wie einer der etablierten Politiker und würde mich herausreden wollen.

Sie befanden sich durch die „Doppel-Enthüllung“ ohnehin in der Defensive.

Auch die Screenshots mit meinen angeblich ausländerfeindlichen Kommentaren sind zum Ersten aus dem Kontext gerissen und zum Zweiten nachbearbeitet und gekürzt. Auch Herrn Wolf von der SZ sind am „Belastungsmaterial“ einige Ungereimtheiten aufgefallen, woraufhin er ja offensichtlich weiter recherchierte.

Meinen Sie, die Presse hätte Ihre Gegendarstellung aufgegriffen?

Vielleicht als Vierzeiler auf Seite 8. Da nun aber von selbst recherchiert und die Wahrheit entdeckt wurde, fallen die Artikel etwas größer aus.

Sie wissen bis heute nicht, wer das Bärtchen nachträglich in Ihr Foto retuschiert hat. Werden Sie Anzeige erstatten und die Sache weiterverfolgen?

Nein, warum sollte ich? Ich halte es nach wie vor für legitim, sich mittels Satire über diesen Wahnsinnigen Hitler lustig zu machen. Satire ist eine gute Art der Vergangenheitsbewältigung. Wenn man Hitler ernst nimmt, räumt man diesem Unmenschen einen viel zu hohen Stellenwert in der heutigen Gesellschaft ein. Er ist Vergangenheit und das soll er auch bleiben!

Nachdem die Sächsische Zeitung am 15. Februar auf die Fälschung hingewiesen hat, berichteten darüber weder BILD, Spiegel noch sonstige sog. „Leitmedien“. Bestätigt Sie das in Ihrer Meinung über die Qualitäten der Presse?

Ich bin trotzdem angenehm überrascht, dass gerade die Sächsische Zeitung in diesem Fall wahrheitsgemäß weiter recherchiert hat und muss der Redaktion einen Dank aussprechen. Dass es andere Medien nicht aufgegriffen haben, wundert mich nicht. Es passt ja nicht ins Bild, wenn Bachmann kein Hobby-Hitler ist.

Wurde damals im Orgateam eigentlich darüber abgestimmt, ob Sie nach der BILD-Schlagzeile „Pegida-Chef posierte als Hitler!“ zurücktreten sollen?

Es wurde diskutiert und abgestimmt im Team. Die Entscheidung war, dass ich nicht zurücktrete. In diesem Moment ging aber bereits eine Pressemitteilung von Frau Petry von der AfD durch die Medien, die meinen Rücktritt verkündete. Wie Frau Petry an diese Falschinformation gekommen ist, ist mir bis heute schleierhaft. Offensichtlich gab es eine Absprache durch AfD-nahe Orgateam-Mitglieder im Vorfeld, dies ist aber unbestätigt. Daraufhin wurde ohne nochmalige Abstimmung und entgegen der erfolgten Orgateam-Abstimmung eine Pressemitteilung über meinen Rücktritt als Vereinsvorstand herausgegeben.

Am 10. Januar schrieb der Spiegel das Ende der Pegida-Bewegung herbei („Danke, das war’s“). Mittlerweile sind die Kundgebungen in Dresden wieder stark am Wachsen. Halten Sie es für realistisch, dass Sie wieder an Ihre alten Teilnehmerzahlen herankommen?

Ja, ich gehe davon aus, dass wir bereits am 16. März wieder 20.000 Spaziergänger in Dresden sein werden. Die Tendenz der Veranstaltungen seit der Spaltung des Pegidateams zeigt ganz klar steil nach oben.

So steil, dass Pegida sogar zur Oberbürgermeisterwahl in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden am 7. Juni antreten will. Viele sehen Sie – trotz allem – immer noch als potentiellen Kandidaten für die OB-Wahl.

Ich sehe mich nicht als Berufspolitiker. Dafür gibt es genügend Fachpersonal mit Erfahrung und ausserdem ist zu befürchten, dass es doch – aufgrund meines Vorlebens – Berührungsängste beim einfachen Wähler geben könnte. Dies könnte am Ende das Zünglein an der Waage sein und PEGIDA will ja nicht aus Spaß antreten, sondern um die OB-Wahl für die Dresdner Bürger zu gewinnen.

PI dankt Ihnen für das Gespräch und wünscht Ihnen politisch und persönlich alles Gute.