1

Wann und wo kamen die Geretteten auf die Sea Watch?

Manchmal gibt man sich zu schnell zufrieden. Die vom NDR angekündigte Reportage zur aktuellen Sea-Watch-Mission bewertete PI-NEWS als „genaue Antwort“, da dort eine Beantwortung der von uns gestellten Fragen in Aussicht gestellt wurde. Wir wollten das im Auge behalten.

Frage 4 von PI-NEWS:

Wurden die näheren Umstände der „Rettung“ hinterfragt (Position des havarierten Bootes, warum es seeuntüchtig wurde, Zusammenarbeit der Sea-Watch mit der Schlepper-Mafia)? Wenn ja: Wann wird darüber berichtet?

Antwort von Sven Lohmann (NDR):

Die beiden Reporter*innen haben in dieser Zeit aufmerksam das Geschehen beobachtet und Fragen zu den Hintergründen gestellt. Darüber haben sie in den letzten Tagen in verschiedenen Sendungen berichtet. Die Recherchen sind damit aber noch nicht abgeschlossen. Auch der Sendetermin für die geplante Reportage steht noch nicht fest. Der NDR wird darüber so bald wie möglich informieren.

Mittlerweile wissen wir aus der Antwort des NDR, dass die beiden Reporter seit dem 9. Juni auf der Sea-Watch 3 waren, also die Übernahme der Schiffbrüchigen (?!) mitverfolgt haben müssten. Zwei kritische PI-NEWS-Kommentatoren hakten nach:

Ole Pederson 3. Juli 2019 at 23:40:

Wirklich interessant wäre dann doch gewesen, wie denn genau man sich die „Seenot“ vorzustellen hat. Die Reporter haben das ja wohl gesehen. Bei Danisch gelesen, jemand hätte die Sea Watch zum fraglichen Zeitpunkt im lybischen Hafen (?) Bouri gesichtet

Darauf nahm User „hannsjuergen“ Bezug und schrieb Donnerstag Morgen um 09:06 Uhr:

Frage 4: Genaue Antwort? Auf vesselfinder.com wurde in der Tat der Libysche Hafen Bouri am 12. 06. 21:06 mit „Actual Time of Arrival (UTC)“ als Letzter Hafenanlauf für das Schlepperschiff Sea-Watch 3 genannt.

Nach NDR Angaben ging das NDR Personal 4 Tage vorher, in Italien am 9.6. an Bord von Sea-Watch 3 und kurvte dann lt. vesselfinder vier Tage lang an der Küste vor Libyen und fuhr sogar am 12.06. libysches Festland in Bouri an.
Man könnte daher auch annehmen, die „Schiffsbrüchigen“ sind direkt im Hafen von Bouri auf Sea-Watch 3 gestiegen.


Dass das Ereignis der Hafenanlaufs von Bouri bei Anwesenheit des NDR Personals bei den NDR „Berichten“ nun gar keine Rolle spielt, ist mehr als verwunderlich.

Warum gibt es kein Bildmaterial von den embedded NDR Personal über das Takeover vom arabischen zum deutschen Schlepperboot?

Wo genau fand dies statt und warum wurde nicht die näher liegende tunesische Küste angefahren?

PI-NEWS hatte es im ersten Artikel zur Problematik der Sea-Watch bereits erwähnt: Der NDR antwortet nicht auf PI-NEWS-Fragen. Der Sender kann die Zurückweisung von Anfragen „normaler“ Zuschauer allerdings nur schwer damit begründen, dass das dann ja (auf PI-NEWS) veröffentlicht werden könnte, also transparent gemacht wird. Von daher baten wir unsere Leser, die Fragen dort zu stellen und uns dann eine Antwort zukommen zu lassen.

Darum möchten wir Sie nun erneut bitten. Stellen Sie dem NDR bitte eine oder mehrere der aktualisierten Fragen (siehe update) und schicken Sie uns die Antwort:

  1. Wo und wann wurden die „Geretteten“ (NDR-Reporter Jonas Schreieck) denn gerettet? Geschah das auf offener See? Wann? Wo?
  2. Oder wurden die „Geretteten“ von der libyschen Ölplattform (?) Bouri „gerettet“, also dort an Bord übernommen?
  3. Wenn nicht, was hatte die Sea-Watch an der Ölplattform zu suchen, die bei dem Routenverfolgungsprogramm „vesselfinders“ (s.o.) als „Hafen“ angegeben war, was war der Grund ihres Aufenthaltes dort?
  4. Gibt es Bildmaterial von der Übernahme der „Geretteten“ auf die Sea-Watch? Warum wurde das bislang noch nicht in den bisherigen (Video-) Berichten veröffentlicht?
  5. Warum wurde kein Hafen in Tunesien angelaufen, nachdem die Geretteten auf der Sea-Watch waren, warum nicht das nahe Libyen? Angeblich soll es doch Schwerkranke gegeben haben?

Kontakt zum NDR

Lutz Marmor.

Norddeutscher Rundfunk
Lutz Marmor (Intendant)
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg
Tel. 00 49 (040) 4156 – 0
Fax 00 49 (040) 44 76 02
E-Mail: ndr@ndr.de


(In einer früheren Version dieses Beitrag haben wir einen „Hafen Bouri“ genannt. Den unter „vesselfinder“ verzeichneten „letzten angelaufenen Hafen“ scheint es nicht zu geben. Stattdessen existiert offensichtlich eine Ölplattform gleichen Namens ca. 120 km vor der libyschen Küste, die angelaufen wurde. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Die von PI-NEWS gestellten, jetzt leicht abgeänderten Fragen behalten trotzdem ihre Berechtigung)