Gastgeber und Unterzeichner des Minsker Abkommens im Februar 2015: Lukaschenko, Putin, Merkel, Hollande, Poroschenko.

Von REYNKE DE VOS (letzter Teil) | Die Ukraine und die Historiographie des Landes stellt zwar nicht die Gemeinsamkeiten mit sowie die Zugehörigkeit zu Russland und zur Sowjetunion infrage – dies wäre ohnehin paradox und ahistorisch –, gleichwohl aber wehren sie sich gegen die großrussisch-moskowitische  Insinuation  à la Putin sowie die daraus entstandenen und damit einhergehenden politisch-militärischen Konflikte. Die Ukraine darf zurecht auch eine eigen(ständig)e nationale Identität für ihr Staatsvolk in Anspruch nehmen, weil auch die russische Minderheit, insbesondere dort, wo sie zahlenmäßig am stärksten ist, nämlich im Osten und Süd(ost)en des Landes, bei der Ausübung des Selbstbestimmungsrechts – hier ist wieder Hinweis auf dessen zweimalige Verweigerung für die Südtiroler zwingend – im seinerzeitigen Referendum nach Untergang der Sowjetunion mehrheitlich für die Eigenstaatlichkeit, damit für die Souveränität und die nationale Identität des Landes, stimmten. Und weil die ukrainische und russische Historiographie zwar Phasen der Gemeinsamkeiten – der volklichen, der staatlichen und der territorialen – aber ebenso umfängliche Phasen der Trennung für die gut 1100 Jahre seit beider „Eintritt in die Geschichte“ aufweisen. Es ist hier nicht der Raum, um die geschichtliche Komplexität auch nur ansatzweise darstellen zu können. Es mögen daher nur einige wirkmächtige historisch-politische Facetten darauf genügen.

Kyjiw, also Kiew, ist nicht nur die Metropole der Ukraine, sondern auch das älteste Siedlungszentrum auf dem Boden des altrussischen Reiches, der Kiewer Rus. Nach ihrer Auflösung im 11. Jahrhundert und der allmählichen Verlagerung des Zentrums nach Norden bildete sich im Westen der Ukraine ein neues Zentrum um die Fürstentümer Wladimir und Galitsch (daher später die Bezeichnung Galizien). Sie fielen Mitte des 14. Jahrhunderts an Polen; über den Rest, einschließlich Kiews, herrschte das aufstrebende Großfürstentum Litauen, nach der Union mit Polen 1569 gehörte nahezu das ganze Territorium der heutigen Ukraine zum polnisch-litauischen Königreich, dessen Territorium sich bis zum Schwarzen Meer erstreckte.

Im 17. Jahrhundert kam die Ukraine links des Dnjepr zu Rußland. Mit den russisch-preußisch-österreichischen Teilungen Polens fielen Galizien und die Bukowina an Österreich. In den unter habsburgischer Herrschaft stehenden ukrainischen Gebieten entwickelte sich nach 1848 eine Nationalbewegung, die sich gegen das in Galizien dominierende Polenturn richtete und um politische Selbstverwaltung kämpfte. Diese historische Entwicklung hatte auch zur Folge, dass es in der Ukraine die beiden dominanten Konfessionen gibt: die mit dem Papst unierte Ukrainische griechisch-katholische Kirche (im Westteil des Landes) sowie die Ukrainische Orthodoxe Kirche, die dem mächtigen und mit der Staatsmacht verbundenen Moskauer Patriarchat untersteht (im Zentrum, im Süden und Osten des Landes). Davon spaltete sich 2018 auf Betreiben Kiews die (nach wie vor geringere Bedeutung entfaltende) Orthodoxe Kirche der Ukraine ab, die dem formell wichtigen, aber kirchen- und realpolitisch minderbedeutenden Patriarchen von Konstantinopel unterstellt ist.

Unter den zu Russland gehörenden Ukrainern, den „Kleinrussen“, entstanden erst um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ukrainische Parteien. Die Nationalbewegungen beider Provenienzen versuchten nach der Oktoberrevolution 1917, gefördert vom Deutschen Kaiserreich, sowie nach dessen und der österreichisch-ungarischen Habsburgermonarchie Zusammenbruch, die Errichtung eines ukrainischen Staatswesens. 1919 riefen die Bolschewiki die UkrSSR aus; die Westukraine gehörte seit Sommer zu Polen, die ehedem zu Ungarn gehörige Karpato-Ukraine wurde Teil der Tschechoslowakei, fiel aber nach 1945 wieder an die UkrSSR, damit die Sowjetunion, zurück. Stalin hat den in den 1920er und 1930er Jahren auch als Folge der Zwangskollektivierung und des Holodomor (der erzeugten Hungersnot, der vier Millionen Ukrainer zum Opfer fielen) abermals aufkeimenden ukrainischen Nationalismus grausam verfolgt. Viele Ukrainer wurden nach Sibirien und Mittelasien deportiert. Ebenso erging es den Krimtataren sowie den Wolynien-, Schwarzmeer- und Wolgadeutschen; letztere durften zwischen 1924 und 1941 eine Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (ASSRdWD) ihr Eigen nennen. Allen wurde Kollaboration mit der deutschen Wehrmacht vorgeworfen.

Nach dem Untergang der Sowjetunion

Es war nicht Zufall, daß die sowjetrussische Geschichtsschreibung unablässig darauf verwies, nach der Oktoberrevolution habe die Ukraine als eine der ersten Republiken den Wunsch geäußert, sich mit der Russischen Föderation zu vereinigen, weil sie die Wiege der ostslawischen Völkerfamilie gewesen sei. Der wahre Grund lag darin, daß auch in der Ukraine die Bolschewiki die Macht übernommen hatten, um die Sehnsucht der Ukrainer, ihr Nationalbewußtsein, mit einem eigenen Staat zu krönen, zunichte zu machen. Bei den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Sowjetunion 1972 war die „multinationale Sowjetgesellschaft“ beschworen worden. Unter dieser Chiffre verbarg sich in Wirklichkeit aber die Fortsetzung des rigiden Russifizierungsprozesses, dem die nichtrussischen Völker seit der „Sammlung der russischen Erde“ nach Abschütteln des Tatarenjochs sowie der Krönung des Moskauer Großfürsten Iwan IV./Iwan Grosnyj/Iwan der Schreckliche zum ersten Zaren und fortan während des gesamten autokratischen Zartums Russland bis Nikolaus II. unterlagen.

Damals nahmen die Regungen nationalen Eigenständigkeitsbewußtseins zu. Der Anteil der nichtrussischen überstieg allmählich den der russischen Bevölkerung, vor allem wegen der höheren Geburtenraten in den zentralasiatischen und kaukasischen Republiken. Gegen die Russifizierung wandten sich, vorwiegend auch aus religiös-nationalen Gründen, Juden, Balten, Ukrainer und Krimtataren. Als der Atomphysiker Andrej Sacharow in einem Memorandum die Demokratisierung der UdSSR forderte, setzte die Kremlführung die althergebrachten Instrumente zur Disziplinierung und Unterwerfung der unbotmäßigen Dissidenten- und Nationalitätenbewegungen ein: politische Strafprozesse, langjähriger Freiheitsentzug in Gefängnissen und Lagern, Zwangseinweisung in Nervenheilanstalten, freiwillige oder Zwangsemigration und Ausbürgerung. Der spektakulärste Fall war die Ausweisung des Literaturnobelpreisträgers Solschenizyn. 1974 waren den internationalen Menschenrechtsorganisationen 10.000 politische Häftlinge bekannt. Angesichts dieser tiefsitzenden historischen Erfahrungen war es nur umso verständlicher, dass mit dem Systemkollaps 1990/1991 die nichtrussischen Völker einschließlich der Ukrainer die „Gunst der Stunde“ für nationale Souveränität und Eigenstaatlichkeit nutzten.

In der Ukraine stellten Ukrainisch und Russisch als die beiden maßgeblichen sprachlichen Verständigungsmittel kein Hindernis dar, da sie sich nur geringfügig (in Phonetik und Graphematik) voneinander unterscheiden, die ukrainische Bevölkerung beider Sprachen mächtig ist.  In der Ost-Ukraine fühlen sich die mehrheitlich ethnischen Russen nicht durchweg  zu Russland bzw. dem Russentum hingezogen. Dies ist übrigens besonders daran zu erkennen, dass die beiden sezessionistisch aus der Ukraine fortstrebenden „Volksrepubliken“ DNR und LNR territorial und bevölkerungsmäßig  nicht mit den eigentlichen ukrainisch-staatlichen Verwaltungsbezirken Donezk und Lugansk übereinstimmen,  deren „Herrschaft“ sich allenfalls zu zwei Dritteln auf besagte Verwaltungsbezirke erstreckt.  Dennoch spielt die ukrainische Sprachpolitik eine nicht zu unterschätzende Rolle, zumal der Konflikt mit den beiden „Volksrepubliken“ und mit Russland durch das umstrittene Sprachgesetz weiter befeuert wurde. Das Gesetz, 2019 vom damaligen Präsidenten Petro Oleksijowytsch Poroschenko / nach mehrjährigen Debatten, Abstimmungen, Novellen, Verfassungsgerichtsentscheid und Befassung der Venedig-Kommission des Europarats unterzeichnet, erklärt das Ukrainische zur verbindlichen Staatssprache und weist dem Russischen nebst  „kleineren“ Sprachen wie Bulgarisch, Polnisch, Rumänisch und Ungarisch den Minderrang von Regionalsprachen zu, wobei in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen  bis zu den Hochschulen Ukrainisch verpflichtender Standard und Unterrichtssprache ist. Nicht nur mit Russland, das die Angelegenheit bis vor die UN trug, sondern auch mit Ungarn, das die sich zurecht zurückgesetzt fühlenden 200.000 ethnischen Magyaren der Karpato-Ukraine unterstützt, führte dies zu ernsthaften Auseinandersetzungen, sodass Budapest stets und überall bekundet, es werde  die politischen Belange der Ukraine gegenüber EU und Nato torpedieren, solange Kiew keinen wirksamen Minderheitenschutz walten lasse und das diskriminierende Sprachgesetz inkraft sei.

Das Minsker Abkommen

Hinsichtlich des ukrainisch-russischen Konflikts um die „Volkrepubliken“ Donezk und Lugansk ist schließlich auf das  Minsker Abkommen – 2015 geschlossen und unterzeichnet von den Präsidenten Putin (Russland) und Poroschenko (Ukraine) sowie der deutschen Kanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Hollande – hinzuweisen, worin ausdrücklich die „uneingeschränkte Achtung der Souveränität und der territorialen Unversehrtheit der Ukraine bekräftigt“ worden ist. In einem der insgesamt 13 enthaltenen Punkte des Abkommens war festgelegt,  dass mittels einer ukrainischen Verfassungsänderung eine Dezentralisierung des Landes mit der Gewährung eines „Sonderstatus für die  Gebiete in der Ost-Ukraine“ vorzusehen sei. Im Rahmen dessen sollte die „sprachliche Selbstbestimmung“ der  Bevölkerung und eine „enge, grenzüberschreitende Kooperation der Gebiete von Lugansk und Donezk mit den angrenzenden russischen Grenzgebieten festgeschrieben“ werden. Russland hatte sich zudem verpflichtet, die territoriale Integrität der Ukraine zu respektieren und am Ziel einer friedlichen Reintegration der „bestimmten Gebiete der Regionen Donezk und Luhansk/Lugansk“ mitzuwirken.

Aus der „Gewährung eines ,Sonderstatus für die Gebiete in der Ost-Ukraine‘“ wurde am Tiber durch den russischen Botschafter beim Vatikan quasi zweckdienlich sowie zuvor bereits durch die italienischen Kurzzeit-Ministerpräsidenten Renzi und Gentiloni, um sich für Italien die angeblich vorbildliche Lösung des Südtirol-Konflikts sozusagen ans Revers zu heften – wozu Rom, wie wir wissen, gezwungen werden musste – sowie an der Etsch durch den im Altenteil befindlichen früheren Landeshauptmann Durnwalder allzu nassforsch und im eifernden Beglückungston  der „Wir Südtiroler“-Attitüde interpretiert, es handele sich um eine Autonomie und es böte sich just jene der Provincia autonoma di Bolzano – Alto Adige / Autonomen Provinz Bozen-Südtirol quasi als „Export-Modell“ an.

Selbst wenn im Minsker Abkommenstext  tatsächlich „Autonomie“ vorkäme, so hätten sich die vorlauten Lösungskompetenz-Prediger erst einmal damit vertraut machen sollen, was man in Moskau, Kiew, Donezk und Lugansk  unter besagtem Begriff überhaupt  versteht. Wer die historisch-politischen Gegebenheiten dessen kennt, was die Sowjetunion einst darunter verstand, wo es 20 derartige Gebilde namens „Autonome Republiken“ gab,  und was in Russland, wo es deren 85 „Föderationssubjekte“  in Gestalt von  22 „Autonomen Republiken“ (einschließlich der annektierten Krim),  neun „Autonomen Regionen“ (Kraja),  47 „Autonomen Gebieten“ (Oblasti) und vier „Autonomen Kreisen“ (Okruga) gibt, die an Größe und Zuständigkeiten differieren, aber wie einst in der Sowjetunion auch in Russland der Moskauer Zentralgewalt unterworfen und auf Transferleistungen von dort angewiesen sind, kann dies kaum mit jener Südtirol-Autonomie nach zweitem Statut von 1972 in Einklang bringen. Eher schon mit der geschröpften Reduktionsform (spätestens) seit Mario Monti, wogegen sich die zwar zur Wehr setzende maßgebliche Regierungspartei in Bozen nicht wirklich durchsetzen konnte und dennoch wider besseres Wissen in der politischen Auseinandersetzung gern unter dem Schlagwort „Dynamik“ unters Wahlvolk streute.

Verfehlte Perspektive

Summa summarum goutiert man nicht unbesehen die schmeichlerischen Töne eines russischen Diplomaten, selbst wenn dieser eigens von Putin auf diesen Posten berufen worden ist und als solcher im Vatikan ein und aus geht. Vor allem aber  lässt man sich nicht ohne die notwendigen Grundkenntnisse über die Andersartigkeit historisch-politischer Gegebenheiten  bzw. ohne Rat von Fachleuten – wie dies beispielsweise der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel tat, wenn er gen Moskau reiste und den Grazer Historiker Stefan Karner mit dabei hatte, der einer der besten Kenner der aus der Sowjetunion hervorgegangenen slawischen Staaten ist – zu (zwar durchaus gut gemeinten) Vorschlägen aus der spezifischen Provinzperspektive verleiten. Diese dürften von den Akteuren im weltpolitisch bedeutsamen Russland-Ukraine-Konflikt  eher belächelt werden. (Ende der dreiteiligen Serie)

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14 KOMMENTARE

  1. https://youtu.be/73LzPUjSyNk

    Solche Menschen sollten das Land regieren dann wäre einfach alles besser, auch mit Nachbarländern

    Wer kommt dennauf diese irre Idee dass Menschen wie Merkel, Scholz, Kühnert, Amtor, Roth, die komplette Ampel….und viele andere irgendetwas gutes für die Bürger wollen?

    Wir haben das komplette Chaos am Ruder

  2. Scholz, Merkel, Bärbock, Habeck usw zeigen uns doch dass das System am Ende ist
    In Österreich ist Kurz sogar wegen seinem Kind ( Umschreibung für Korruption) zurückgetreten und seither ist dort nur noch Chaos

    Ich hatte zufällig bei einem Besuch der Hohenzollernburg Kontakt zum Enkel des Kaisers, sehr Bürgernah, Sympathisch und gelehrt.

    Seither träume ich von einer Monarchie denn unser korruptes, durch sogenannte Lobbyisten verseuchtes Polittheater ist totaler Mist

  3. Reinecke Fuchs, hilfreich wäre eine Darstellung und ein Vergleich der Landkarten, um zu zeigen, was die sogenannte Ukraine seit ihrer erstmaligen Erwähnung bis heute für Staatsgebiete beansprucht und tatsächlich eingenommen hat, besonders nach den Weltkriegen, und wie lange sie in diesen tatsächlich als unabhängiger Staat existierte.

    Davon ab die Frage:

    Ist die Ukraine nach dem CIA-Putsch heute ein unabhängiger Staat ?

    🦊

  4. Die Bevölkerung, die friedlich auf dem Maidan für eine pro-westliche Orientierung demonstrierte, wollte Nutella, keinen Bürgerkrieg. Durch den Betrug der Clintons, Obamas, Nulands, Klitschkos und vielen anderen wurde aus ihrem korrupten Oligarchen-Shithole ein Failed State, irreparabel, die massenhaft vorhandenen, sehr guten Fachkräfte sind abgehauen, die Frauen lutschen westliche Werte in aller Welt.

    🖤 🖤 🖤

  5. Es war aus meiner Sicht einer der seltenen Fehler Putins, nicht gleich den Rest um Mariupol und Odessa mitgenommen zu haben.

    Ist aber hinterher leicht gesagt.

  6. Die Ukraine sollte sich damit abfinden daß die Krim zu Russland gehört und man sollte Putin respektieren. Der zurückgetretene Flottenadmiral hatte völlig recht mit seinen Äußerungen.
    Leider muß er sich von der Hexe herumkommandieren lassen.
    Wir brauchen die Ukraine nicht mehr wenn erst einmal NorthStream 2 laufen wird. Dann ist es mit deren Gasleitungsanzapferei vorbei. Die Ukraine gehört weder zur NATO noch (nicht) zur EU.

  7. Auch hier wieder Verschwurbelung, der Text hängt in der Luft und verkleistert.
    Nur ganz kurz wird erwähnt, daß an der Zugehörigkeit der Ukraine zu Rußland kein Zweifel wäre, und auch, daß nach der Auflösung der Kiewer Rus das Machtzentrum nach Norden wanderte und zwei Fürstentümer einwanderten. Das Machtzentrum wanderte nach Norden- aber nicht die Menschen zum größten Teil. Die hatten dort, wo sie waren, ihre Erwerbsgrundlagen, nur wenige konnten mitziehen, am meisten die Systemdiener und die Kaufleute u.a., die im Erwerb beweglich waren. Die große Mehrheit aber diente in der Landwirtschaft.
    Im 11. Jh. war das- das war die Zeit, wo der Vatikan seine Finger nach Europa ausstreckte und den schwarzen Adel instrumentalisierte, um alte Fürstentümer deutscher und slawischer Natur zu verdrängen oder auszuradieren. Fälschlich ‚Christianisierung‘ genannt.
    Und das Gebiet der Kiewer Rus blieb ein Land der Rus, die Verwaltung aber änderte sich.
    Hier ging es um Spaltung und Landnahme.
    Die Sibiriaks sind keine Russen, die Mongolen auch nicht. Die Kasachen sind es zum Teil. Wie sie sich nach Jahrhunderten einer bestimmten Verwaltung nennen- ob nun Litauer, Ukrainer oder eben Russen, ist was anderes.
    Das ist wie mit den Sachsen, den Preussen und den Bayern und all den anderen, die im Deutschen Reich zusammengefaßt waren: deutliche Unterschiede in Sprache und Kultur, aber eben Deutsche.
    Und eben Deutsche im Sinne von Theotisch, was auch die Finnen, auch die Russen und die Polen einschließt- es ist alles ein wenig seltsamer als man glauben mag.
    Wir reden hier sehr oft von politischer Spaltung, von Zerteilungen, von Kleinmachen, Vereinzeln. Und natürlich sind die Unterschiede in der Befindlichkeit nach Jahrhunderten real und nicht eingebildet. Aber die vielen Einzelteile haben gemeinsame Grundlagen.
    Immer wieder die Frage: Wer will das alles, wer profitiert von spaltenden Entwicklungen?

    Ich lebe in einer Gegend, wo Sachsen, Sachsen- Anhalt und Thüringen sich in unregelmäßigen Grenzen sehr nah sind. Man fährt über Land, und plötzlich schmeckt in einer Bäckerei der Kuchen anders. Unbemerkt in Sachsen- Anhalt angekommen, wie mir die Bäckersfrau stolz mitteilt.
    Seit wann gibt es Sachsen- Anhalt? Die Frau war etwa 50 Jahre alt und hatte kein Bewußtsein davon, daß sie Sächsin ist und daß Sachsen- Anhalt ein Spalt- Projekt war, genauso wie Thüringen, um Sachsen, das frei sein könnte, klein und unfrei zu halten.
    Die Thüringer, wenn sie nicht grad Geschichte studiert haben, wissen auch nicht, daß sie Sachsen sind. Und der Kuchen schmeckt auch in Thüringen anders … .
    Es geht schnell, daß sich eine Volksgruppe nach einer politischen Abspaltung anders wahrnimmt und definiert. Und eben nicht die Völker sind der Souverän.
    Die Volksabstimmung auf der Krim konnte noch zugunsten Rußlands enden, weil die Abspaltung relativ jung war und auf einer Schnapslaune beruhte.
    Eine Volksabstimmung in der Ukraine wäre anders, da halten sich viele, die Russen sind, für Ukrainer. Aber wenn die Tiefstaatler so weitermachen und das Land immer offensichtlicher für ihre Geopolitikspiele mißbrauchen, wird der Überlebenstrieb viele Ukrainer dazu bringen, sich vom ‚Westen‘ abzuwenden. Dann werden sie ‚pro-russisch‘ sein, ohne wirklich Rußland als angestammte Heimat zu meinen.

    Und wer das mit Tirol vermodelt, der ist gegen das Nudelholz gelaufen.

    Etwas Bedenkliches noch dazu: eine Volksbefragung in zwanzig Jahren in NRW: Gehört NRW zu Deutschland?
    Nein, zu Türkei! Wir waren schon immer eine türkische Land, das sehe sie an die viele Moschee, die schon Jahrhunderte hier stehen.
    Hier gehts um Ansiedlung Fremder, (noch!) nicht um den Austausch der Verwaltungsakte im Nachgang.
    Seit wann stehen in Deutschland Kirchen?
    Wie stark haben 40 Jahre Mauer zwei verschiedene deutsche Mentalitäten geformt?
    Die Ukrainer müssen und werden ihre Sprache behalten- aber an einer Föderation mit Rußland führt kein Weg vorbei. Ob man das in Zukunft postuliert, daß Ukrainer eigentlich Russen sind- das entscheiden die, welche regieren.

    Was hier mit reinspielt, ohne daß es wahrnehmbar wäre: der wurzellose Identitätsbrei der USA, frei nach römischem Modell, geht nun restlos krachen, weil jede Nachhaltigkeit im Land fehlt. Es wird viele auf der Welt an ihre Wurzeln erinnern, und es wird hier und da nationale ‚Politik‘ bestärken, viel mehr, als man das jetzt denken mag.

  8. „Es ist hier nicht der Raum, um die geschichtliche Komplexität auch nur ansatzweise darstellen zu können.“ – wer so was schreibt, soll sich zumindest ein kleines bisschen mit dem Thema auskennen. Zufällig mit Teil 3 angefangen, aber so viele „kleine“ Unstimmigkeiten entdeckt, dass kein Interesse besteht, Teile 1 und 2 zu lesen.
    Kiew ist nicht die älteste Siedlung. Holodomor ist eine Instrumentalisierung der Ukro-Regierung um sich als Opfer darzustellen. Bei Holodomor starben nicht nur Ukrainer, sondern auch viele Menschen in Süd-Russland. Krimtataren wurden erst nach der Befreiung Krims von den Nazis deportiert.
    „Russifizierungsprozesse“ habe ich in der Ukraine nie gesehen. Überall waren die Aushänge auf Ukrainisch, es gab ukrainische Schulen, alle Dokumente waren zweisprachig. Ukrainisch und Russisch unterscheiden sich gar nicht geringfügig, sondern massiv. Sie haben keine Ahnung, weil Sie beide Sprachen nicht sprechen.
    „DNR und LNR territorial und bevölkerungsmäßig nicht mit den eigentlichen ukrainisch-staatlichen Verwaltungsbezirken Donezk und Lugansk übereinstimmen“ – raten Sie mal warum ? Ukrainische Truppen haben mit schwerem Gerät die Gebiete angegriffen, nachdem dort ein krimähnliches Referendum stattfand.

  9. Barackler 23. Januar 2022 at 11:39

    Davon ab die Frage:

    Ist die Ukraine nach dem CIA-Putsch heute ein unabhängiger Staat ?
    —————————————–
    Sie haben natürlich sicherlich Belege dafür dass die CIA bei der Majdan-Revolution 2014 die entscheidende Rolle spielte?

    Entschuldigen Sie wenn ich Sie erneut nerve in dieser Frage. Sie wollen immer dass ich mir das selbst ergurgeln soll. Habe ich versucht aber nichts Stichhaltiges in dieser Richtung gefunden. Aber falls Sie Zeit und Lust haben sollten, wäre ich für die Bereicherung meines Kenntnisstandes dankbar. Ein kleiner Link vielleicht?

  10. Haremhab 23. Januar 2022 at 13:05

    Südtirol ist doch wirtschaftlich unwichtig. Daher können wir auf dieses Gebiet verzichten.
    ————- Genau so unwichtig, wie 60% eurer Bundesländer, Google mal , dann wirst du hrausfinden, daß die Provinz (Region) Südtirol zu den viertreichsten (BIP) in der EU gehört, bitte keinen Unsinn schreiben, gerade noch Bayern ist einen kleinen Tick besser, aber nicht mehr Lange, wenn Sie ihre Autoindustrie an die Wand fahren weil Sie von dne Grünen dazu gezwungen werden, In Südtirol wird Grundlastrom durch Wasserkraft erzeugt , in einer Leistung von deutschen 8 Atomkraftwerken, die Ihr Nie gehabt habt, und bald Alle
    abgeschaltet werden, im Angeben wart Ihr schon immer Weltmeister, aber nur im Angeben

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