Autor Josef Braml macht schon im Untertitel seines Buches deutlich, worauf er hinauswill: Auf die Selbstbehauptung Europas und Deutschlands in einer unsicher gewordenen Zeit.

Bücher über außenpolitische Fragen haben Konjunktur. Sie versprechen Orientierung in einer zunehmend unübersichtlichen Welt.

Besonders verdienstvoll ist das aktuelle Buch von Josef Braml „Die Transatlantische Illusion“. Braml, bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik für die Transatlantischen Beziehungen zuständig, macht schon im Untertitel deutlich, worauf er hinauswill: Auf die Selbstbehauptung Europas und Deutschlands in einer unsicher gewordenen Zeit.

Seine Entzauberung der Vereinigten Staaten ist äußerst lesenswert. Er sieht nicht nur die heikle Lage der amerikanischen Staatsfinanzen glasklar, sondern diagnostiziert auch ein Abnehmen der Strahlkraft des Liberalismus. Unter Trump sei die Abkehr der Amerikaner von ihrer Rolle als weltweite Schutzmacht der Demokratien deutlich geworden, die sich schon vorher abgezeichnet habe. Amerika werde sich in Zukunft verstärkt auf sich selbst und den Wettstreit mit China konzentrieren. Daher besteht die transatlantische Illusion nach Braml darin, dass hierzulande weiterhin davon ausgegangen wird, die Vereinigten Staaten würden auch in Zukunft unsere Sicherheit verteidigen und uns einen privilegierten Zugang zu ihrer Wirtschaft gewähren.

Die Konsequenzen dieser Einsicht müssten angesichts des Krieges in der Ukraine allerdings sehr weitgehend sein: Wenn die Amerikaner unsere Sicherheit nicht mehr gegen die Atommacht Russland verteidigen werden, sollten wir uns nicht von ihnen in einen Krieg gegen die Russen hineinziehen lassen.

Braml ist auch hier erstaunlich deutlich, wenn er zeigt, dass das deutsche bzw. europäische „wertebasierte“ Interesse an einer regelbasierten internationalen Ordnung von den Amerikanern zunehmend weniger geteilt wird. Das ist insofern problematisch, da weder Deutschland noch die EU diese Ordnung durchsetzen können, wenn die Amerikaner nicht mehr mitziehen. Denn es könnte sich eines Tages herausstellen, so Braml, dass sich die USA mit Russland verständigen müssen, um China etwas entgegensetzen zu können.

Braml empfiehlt Deutschland und Frankreich, eine gemeinsame Sicherheitsstrategie zu verfolgen, die auch die nukleare Abschreckung beinhaltet. Über diese verfügt Frankreich, ohne sie bislang in eine europäische Gesamtstrategie einzubringen. Fraglich bleibt, ob Frankreich das überhaupt will und welche Kröten Deutschland dafür schlucken müsste. Allerdings ließe sich im Falle einer Umsetzung auch besser mit Russland verhandeln, das Europa solange nicht ernst nehmen kann, solange es ein Vasall der Amerikaner ist.

Eine enorm zeitgemäße Lektüre! Die erste Auflage war nach wenigen Tagen ausverkauft, die zügig auf den Weg gebrachte Neuauflage wurde bereits auf den neuesten Stand gebracht.

» Josef Braml: „Die Transatlantische Illusion. Die neue Weltordnung und wie wir uns darin behaupten können“, München: C.H.Beck 2022, 176 Seiten, 16,95 Euro  – hier bestellen

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30 KOMMENTARE

  1. Die eigentliche Frage ist aber ob es Deutschland überhaupt noch Wert ist beschützt zu werden.

  2. Die transatlantische Vernetzung ist ein Relikt des Kalten Krieges und war im Kontext der damaligen Bedrohungslage gut und richtig.
    Nur hat sich die Uhr weitergedreht und es sind andere Formen der politischen Beziehungen notwendig geworden.

  3. Buntistan 11. Mai 2022 at 13:41
    Die eigentliche Frage ist aber ob es Deutschland überhaupt noch Wert ist beschützt zu werden.

    Der einzige Vorteil, den die Umvolkung mit Primitivkulturen für uns brachte, dass es abschreckend unter anderem auf Polen wirkt, wo wieder vom Großpolen bis an die Elbe geredet wird.

  4. Alles schön und gut zugleich, aber die Diskrepanz beginnt beim Titel:
    » Josef Braml: „Die Transatlantische Illusion. Die neue Weltordnung und wie wir uns darin behaupten können“

    Die Formulierung „wie wir“ ist fehlplatziert. Dieses „WIR“ gibt es nicht, denn die Pseudo-Demokratien des Westens sind im Grunde durch kleine Interessen-Gruppen manipuliert und werden durchweg durch einseitige Medien zementiert.
    „Freie“ Wahlentscheidungen gibt es im umassenden Sinne gar nicht mehr, da in zahlreichen westlichen Ländern – eben auch in den USA – zumindest in Teilen der Wahlbevölkerung der Gehirnwäschefaktor die eigene Gehirntätigkeit der Wähler bremst.

    In D sieht man, dass eine Selbstreflexion, das Erkennen des eigenen Bewusstseins und der eigenen fundamnetalen Bedürfnisse, vielen Wählern udn Sofasitzer abtrainiert wurde: Man hat ihnen staatlich gefördert den Verstand geraubt. Mit vernunft sind nämlich solche Wahlergebnisse wie in D nicht mehr zu erklären.

    Das „WIR“ hat ausgedient zugunsten von Pöbel-Gruppen, die sich vernetzen und „Politik“ machen.
    Und Wirtschaft sowie Intelligenz sind zu feige – sie nicken ab!

  5. Bleibt in Bramls Weltschau die Demokratie auf der Strecke?
    Fragt doch mal unsere Ministerin (!) Nancy Faeser, die plötzlich das Wort Demokratie für sich entdeckt hat, wo sie die Schnittstelle zwischen Staatsterror und Demokratie ansetzt. Es wäre schon interessant, was in ihren Augen als rächts bekämpft und was als demokratisch geschützt, behütet und gefördert werden muss. Als oberster Dienstherr kann sie sich ja schlecht vom Staatsschutz selbst beobachten lassen, nur weil sie in ein demokratiefeindliches Milieu abgeglitten ist.

  6. Das alte Freund/Feind Schema wird wieder aufgewärmt.
    Wieso sollte Russland,an einer Eroberung Europas interessiert
    sein?
    Allein die Ukraine ist schon ein so dicker Happen,daß
    sich Herr Putin nur ein Stück rund um den Osten erlaubt.
    Eroberungskriege werden auf Dauer auch viel zu teuer,
    und einen Nutzen , auf Dauer kann man daraus auch nicht ziehen !

  7. Das ist eine schwierige Sache. Wenn die alte Nachkriegsordnung mit Ost und West fällt und Deutschland wieder auf sich allein gestellt ist, besteht die Gefahr, daß die Konstellationen von 1914 und schließlich von 1939 wiederholt werden.
    Die Idee war, Deutschland in Europa einzubinden. Aber ohne den starken Einfluß der Amerikaner wäre die EU Einflußgebiet der Deutschen (so wie der „Attische Seebund“ das Einflußgebiet Athens war).
    Das ist jetzt wohl auch die Idee der Amerikaner: Sie wollen sich auf die Konfrontation mit China konzentrieren, die EU soll die Konfrontation mit Russland führen. Doch dafür ist die EU allein zu schwach. Und stark darf sie nicht werden, dann würden die Deutschen wieder zu stark. Das heißt, einen Konflikt mit den Russen würde die EU jetzt verlieren. Sowieso würde jeder einen Konflikt mit den Russen verlieren, da Atomwaffen, aber davon mal abgesehen.
    Also, der Fall der alten Nachkriegsordnung wäre eine ganz schlechte Sache, denn sie hat uns 77 Jahre Frieden beschert, während die Zukunft in Bezug auf Krieg und Frieden wieder ungewiß wäre. Aber das heißt leider nicht mehr, daß eine solche Entwicklung ausgeschlossen ist.

  8. Alles ist viel einfacher- USA ist am Ende. wegen deren Degeneration und wegen anbahnendem Wirtschaftskollaps. Als ersten werden die versuchen EU zu plundern, Kapitale aus EU Richtung USA abzuziehen. EU wird kollabieren. Ob das den USA helfen wird- hoechst wahrscheinlich nicht. Es werden zu geringe Summen hinfliessen- 3-4 hundert Milliarden sind zu wenig um Geschenke an Waehler zu machen zum Midterms.
    USA braucht EU nicht. hat auch keine Resourcen den zu verteidigen. Gonna be abandoned!

  9. @Eistee:

    1. Welches Interesse hat Europa an einem Konflikt mit Russland? Begreife ich nicht.

    2. Die angebliche Angst vor einem „dominanten“ Deutschland ist auch Schwachsinn. Haben die Franzosen (die übrigens Nuklearwaffen haben) wirklich Angst dass Deutschland sie wieder überfällt?
    Wenn nein, worum geht es?

  10. Buntistan 11. Mai 2022 at 14:29
    @Eistee:

    1. Welches Interesse hat Europa an einem Konflikt mit Russland? Begreife ich nicht.

    2. Die angebliche Angst vor einem „dominanten“ Deutschland ist auch Schwachsinn. Haben die Franzosen (die übrigens Nuklearwaffen haben) wirklich Angst dass Deutschland sie wieder überfällt?
    Wenn nein, worum geht es?

    — Es geht um Ende des liberalen- globalen Kapitalismus auch Satanismus genannt. Durch den wird es im Westen das Lebensstandart 2 bis 2,5 Mal absinken. Solche Katastropfe ueberlebt kein Staat. Jetzt geht es um Mobilmachung der Bevolkerungen, Die werde nicht mehr mit Sozialmedien als qualifizierte Verbraucher verwaltet koennen, Da nichts zum Verbrauch uebrig wird. Es werden andere Verwaltungsforman ausgeuebt. Und ich sehe nur eine -reale – die Totalitaer Faschistische. Darum geht es. Plandemie war doch auch nichts anderes!

  11. Buntistan 11. Mai 2022 at 14:40
    @ wernergerman 11. Mai 2022 at 14:35

    ? was ???
    Wetten dass es genau so auch wird! Und das alles wird sehr rasch ablaufen! Wenn hoch kommt- in paar Jahren.

  12. Buntistan 11. Mai 2022 at 14:29
    @Eistee:
    1. Welches Interesse hat Europa an einem Konflikt mit Russland? Begreife ich nicht.
    ———————————
    Weiß ich auch nicht, frag mal Scholz und Merz.

    In den ersten beiden Weltkriegen geschah das mehr oder weniger automatisch. Wilhelm und der russische Zar waren ja eng verwandt (und sahen sich sehr ähnlich), trotzdem fielen die Russen ein.
    Im Zweiten Weltkrieg hatte man den Hitler-Stalin-Pakt. Trotzdem hielt der nicht, und Hitler mußte aufgrund der Umstände „Unternehmen Barbarossa“ starten. Ich meine, Göring war sogar dagegen. Begeistert war Hitler sicher auch nicht. Der wußte auch, daß das seine Truppen wahrscheinlich überfordern würde und man sich in dem riesigen Raum verzetteln würde. Aber anscheinend ergibt sich die Lage in solchen Kriegen immer so, daß dann Deutschland und Russland gegeneinanderstehen.

  13. @ wernergerman 11. Mai 2022 at 14:43

    Du musst aber mal klare Sätze formulieren, so versteht keiner was so kommen soll.


  14. Es wurde immer von der USA verlangt die Konflikte in der Welt zu regeln.

    Nach dem 1. Weltkrieg hat man, gegen den Willen der USA, Deutschland zum Verlierer gemacht.
    Gedemütigt, Besetz und Ausgeraubt.

    Ursache des II. Weltkrieges.

    Daraus haben die Amerikaner gelernt. Mussten den Weltpolizisten spielen.

    Man hat sich auf ihren Leistungen und dem Leben der Menschen, Soldaten, der USA, ausgeruht.

    Die Sozialsystem der USA sind deshalb auch nicht so Umfangreich. Man kann das Geld nur einmal ausgeben. Man muss sich vorstellen das in der USA wegen des Weltweiten Engagement, Menschen auf der Straße liegen.

    Für das Engagement wird die USA sogar gescholten. Verurteilt.

    Putin greift diese Kritik auf Sponsert die Kritiker.
    weil die USA seinem Imperialismus im Weg steht. dazu gehört NATO der „westen“ Europäisch Union….
    Die USA hat in Europa,1945, die Demokratie Etabliert das mit Waffengewalt. Und auf kosten Amerikanisch er Soldaten.

    Alle die die Freiheiten nutzen auch gegen die USA zu wettern, machen dass auf Grundlagen der Freiheiten die dort, von den USA, erkämpft worden sind.

    Die Russen haben mit Material der USA, im II. Weltkreig, gekämpft.
    Die vielen toten Soldaten, die sie hatten ist der Inkompetenz und dem Menschbild der Russisch Obrigkeit geschuldet. Denen waren die eigenen Menschen egal.

    Die Russen waren nicht Befreier sondern haben die Situation ausgenutzt um Territorium einzunehmen ihr Imperium gegen den Willen der einheimischen Menschen vor Ort zu okkupieren.

    Selbst der Linksterror wurde durch sie befördert bei bezahlt.

    Die DDR wurde im russischem Sinne gleichgeschaltet. Das wirkt bis heute nach.

    Das geringe Engagement der USA, in der Ukraine reicht aus, um der Früher 2. Größten Armee Einhalt zu gebieten.

    Klappt dass, wird auch China, mit seinem Expansion gelüsten, Einhalt geboten, sich Taiwan einzuverleiben. Einhalt hätte man schon mit dem Umgang mit Hongkong vornehmen müssen.

    Der Beistand zur Ukraine ist Vertraglich vereinbart, keine Verschwörung.

    Die Amerikaner und die Engländer stehen zu ihren Verträgen der Beistandsverpflichtung zur Ukraine von 1994. Dieser Verpflichtung kommen sie nach.

    Im Budapester Memorandum (1994) verpflichteten sich Russland, die Vereinigten Staaten von Amerika und das Vereinigte Königreich gemeinsam gegenüber Kasachstan, Belarus und der Ukraine in jeweils drei getrennten Erklärungen, als Gegenleistung für einen Nuklearwaffenverzicht die Souveränität und die bestehenden Grenzen der Länder (Art. 1) zu achten.

    „https://de.wikipedia.org/wiki/Budapester_Memorandum“

    Russland hält sich nicht daran. Ist vertragsbrüchig.

    Russland setzt sich gewalttätig, über die Vertraglichen Vereinbarungen hinweg und greift inzwischen unter diversen Gründen, die alle nicht stichhaltig sind, die Ukraine an. Will sie sich einverleiben.

    Führt einen Angriffskrieg zur Vereinnahmung und Unterwerfung der Ukrainer und Ihrem Territorium durch.

    Bedenke 20220511

  15. Eistee 11. Mai 2022 at 14:44

    was hat denn jetzt Hitler wieder damit zu tun?
    Können wir nicht einmal von HEUTE ausgehen und nicht in jeder Diskussion mit Hitler ankommen?

  16. Bereits seit Gründung des Vorgängers der heutigen Bunten Wehr geplant. (TM)
    (Volltext wg Loeschung ab 15:16)

    „Nato-Manöver mit 7500 Soldaten in Deutschland“
    In Deutschland findet derzeit ein lang geplantes Nato-Manöver statt.
    Dabei kommt immer wieder die Panzerhaubitze 2000 zum Einsatz,
    für die Deutschland derzeit ukrainische Soldaten ausbildet.
    HAhttps://www.kn-online.de/Nachrichten/Politik/Panzerhaubitze-im-Einsatz-Nato-Manoever-mit-7500-Soldaten-in-Deutschland

    „Das letzte Mal, als die Jeanshose vibrierte, war bei einem Konzert von Kraftwerk in Düsseldorf. Jetzt wackelt der Stoff am Bein wieder – Auslöser diesmal aber ist die Panzerhaubitze 2000. Die steht auf dem Truppenübungsplatz im niedersächsischen Munster und feuert ihre Munition aus der 155-Millimeter-Kanone ab. Zusammen mit drei weiteren Haubitzen. Nach vorgegebenem Übungsplan schießen die Geschütze ihre Granaten in den Vormittagshimmel. Einige Kilometer weiter schlagen sie krachend und explodierend auf dem Heideboden auf. Die Haubitzen fahren nun röhrend im Gelände auf und ab, bleiben stehen, heben das Zielrohr erneut – und feuern dann wieder mit viel Getöse. Vibrationsgarantie für die Hose.

    Beobachtet werden die Aufschläge der Granaten von einer Reihe führender Offiziere, unter anderem von Brigadegeneral Alexander Krone. Krone ist nicht nur Chef der Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“, sondern auch verantwortlich für den multinationalen Landanteile der Nato, der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF). Denn: Deutschland stellt 2023 mit der Panzergrenadierbrigade 37 den Leitverband für diese multinationale Truppe, bekannt unter der Bezeichnung „NATO-Speerspitze“. Dazu gehört auch die Nato Response Force (NRF) oder „schnelle Eingreiftruppe“ der Nato. Die heißt so, weil sie innerhalb von 48 bis 72 Stunden in der Lage sein muss, die Gefechtsbereitschaft herzustellen. Das muss der Brigadegeneral nun hinbekommen.

    General: „Möglicher Einsatz ist Thema in der Familie“
    Das angelaufene Nato-Manöver nennt sich „Wettiner Heide“ und findet seit Anfang Mai über knapp drei Wochen mit rund 7500 Soldaten und etwa 2000 Fahrzeugen statt. Die Planungen dafür haben vor gut eineinhalb Jahren begonnen, sie stünden deshalb in keinem Zusammenhang mit dem aktuellen Konflikt in der Ukraine, betont Brigadegeneral Krone. „Effekte hat der Krieg aber schon“, sagt er.

    „Das Ernsthafte und die Professionalität sind schneller da als sonst. Und das Kribbeln, wenn das abgefordert wird.“ Ein möglicher Einsatz an der Nato-Ostflanke 2023 sei durchaus Thema in seiner Truppe, berichtet der Offizier weiter. „Da spricht jeder in der Familie und mit Freunden darüber, das ist nur menschlich. Aber wir kennen das aus dem Kosovo.“ Deshalb achte jeder darauf, dass die Handgriffe sitzen: „Um sich zu schützen und das Leben seines Kameraden und seiner Kameradin daneben.“

    Hauptfeldwebel Martin („Meinen Nachnamen möchte ich nicht sagen“) ist Gruppenführer der vier Panzerhaubitzen und von 20 Soldaten, die am Vormittag das Gefecht in Munster üben. Er sagt, dass er stolz auf seine Leute sei, da sie ihre Haubitzen perfekt beherrschten, denn: „Das schützt unser Leben.“ Einen Ernstfall durch den Ukraine-Kriege sehe er für die Bundeswehr nicht.

    „Aus einzelnen Fähigkeiten wird das große Ganze“
    „Als Leitverband für den Landanteil der Nato Response Force übernehmen wir eine koordinierende Rolle“, sagt der Brigadegeneral zur aktuellen Aufgabe der Bundeswehr. „Es kommt darauf an, alle Elemente aus Ausbildung, Übung und Steuerung so zusammenzusetzen, dass aus den einzelnen Fähigkeiten das große Ganze wird.“ Die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen in Europa würden auf schockierende Weise die Notwendigkeit solcher umfangreichen und professionellen multinationalen Übungen dokumentieren.

    Was der General meint: Übungen wie die in Munster sollen die Sicherheit der Nato-Bündnispartner erhöhen und den Aggressor abschrecken – aktuell Russland nach dem Angriffskrieg in der Ukraine. Die Nachbarländer Russlands, etwa die Nato-Staaten Estland, Lettland und Litauen, sehen sich spätestens seit der Annexion der Krim 2014 durch Russland besonders bedroht. Aber auch die Nato musste sich strategisch neu ausrichten: Statt Kaltem Krieg mit weitestgehend erwartbaren Szenarien oder Einsätzen in Afghanistan wie die Jahre zuletzt steht sie nun vor neuen Herausforderungen – der Aggressivität Russlands. Immerhin hat die Nato schon 2015 die NRF implementiert, um im Bündnisfall schnell reagieren zu können. Der ist zurzeit nicht real. Eine Utopie ist er aktuell aber auch nicht mehr.

    Großverband besteht 2023 aus bis zu 12.000 Soldaten (> also nur Männer.)
    Nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine sprach Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor ein paar Wochen sogar „von der größten Bedrohung Europas seit Jahrzehnten“. Die Allianz hat deshalb bereits ihre Präsenz in vielen Gebieten verstärkt – zuletzt waren etwa mehrfach US?Truppen und Kampfjets zur Verstärkung der Nato-Ostflanke nach Polen entsandt worden. Stoltenberg sprach von mehreren Tausend Soldaten. Auch deutsche Soldaten sind darunter.

    Die Übung in der Heide hat somit einen ernstzunehmenden Hintergrund. Und auch wenn eine Entsendung der Nato Response Force oder anderer Truppen aktuell ausgeschlossen ist, um eine Militäreskalation mit Russland zu vermeiden, so bleibt die Vorbereitung der Bundeswehr auf ihre Leitfunktion 2023 unerlässlich, um ihren Auftrag dann auch erfüllen zu können. Der Großverband im Jahr 2023 besteht dann aus bis zu 12.000 Soldatinnen und Soldaten, von denen knapp ein Drittel der Panzergrenadierbrigade 37 angehört.

    Bundeswehr übt bis vor die Tore von Hannover
    Diese „schnelle Eingreiftruppe“ unter Führung der Bundeswehr *
    bereitet sich nun im Gelände intensiv auf ihre Führungsrolle vor. An dem Zwei-Parteien-Manöver mit Gefechten nehmen Soldatinnen und Soldaten aus neun Nationen teil: neben Deutschland noch die Niederlande, Norwegen, Belgien, Tschechische Republik, Lettland, Litauen, Luxemburg und Slowenien.

    Zur Nato Response Force 2022-2024 gehören bei den Landverbänden etwa Aufklärer, Artillerie- und Versorgungsverbände, Pioniere, Heeresflieger, Logistiker, Sanitäter und Cybereinheiten. Übungsgelände sind im Wesentlichen die niedersächsischen Truppenübungsplätze Bergen und Munster. Aber auch bis nach Hannover, Großburgwedel, Lüneburg oder Wesendorf gehen die Einsätze – „um ein Gefühl für die Versorgungswege zu bekommen“, so der Brigadegeneral.

    Die „Wettiner Heide“ ist die größte Übung der NRF-Landbrigade während ihrer Stand-up-Phase 2022 – also das Jahr, in dem sich die Bundeswehr konkret auf ihre Führungsrolle vorbereitet. Nicht das erste Mal: Deutschland leistet nach der Nato Response Force-Verpflichtung der Panzerlehrbrigade 9 von 2018 bis 2020 nun erneut einen personalintensiven Beitrag zur Reaktionsfähigkeit des Verteidigungsbündnisses. Brigadegeneral Krone sagt: „Die Nato wird schon anrufen, wenn sie uns braucht.“

    * „Commander in Pumps – take over „

  17. Naja, wir dürfen jetzt bald privilegiert amerikanisches Edelgas mit Goldgeruch kaufen.
    Aber erst müssen wir der amerikanischen Gashandelsgesellschaft geeignete Gasterminals hinstellen.

    Die drei (nach den Erfahrungen mit dem Flughafen werdens eher dreissig) Milliarden hat das Lindner-Ministerium schon zugesichert – am regulären Bundeshaushalt vorbei.

    Dieser zweite Schattenhaushalt hinter dem ersten Schattenhaushalt zum Legalisieren des regulären Haushalts dürfte bald so gross sein wie Bundeshaushalt und Bundesschattenhaushalt eins zusammen.

  18. Ein gutes Zeichen in dieser verqueren Meinungseinfalt

    .
    „SPERRE SEI „MORALISCH FALSCH“

    Elon Musk will Donald Trumps Sperre auf Twitter aufheben

    Es ist der Knackpunkt der neuen Ausrichtung von Twitter – und Elon Musk hat sich entschieden: Der Ausschluss von Donald Trump soll wegfallen. Bei der Rückkehr der Redefreiheit auf der Plattform scheint der Tesla-Chef ernst zu machen….

    Donald Trump hatte zuletzt allerdings selbst angekündigt, nicht auf Twitter zurückkehren zu wollen. Das hat wohl vor allem damit zu tun, dass er gerade mit enormen Finanzmitteln die Plattform „Truth Social“ aus dem Boden gestampft hat, die in den Vereinigten Staaten gerade in den Startlöchern steht. Die Social-Media-Alternative stand in den US-Appcharts teilweise über der Twitter-App, erfreut sich also großen Zulaufs. Die Gründung von Truth Social würde Trump durch eine Rückkehr auf Twitter erheblich gefährden – er muss diesen jetzt also kategorisch ausschließen.

    Ob das aber tatsächlich auch für die weitere Zukunft gilt, darf bezweifelt werden. Insbesondere wenn Trump tatsächlich eine erneute Präsidentschaftskandidatur anstrebt, wird er am Medium Twitter wohl kaum vorbeikommen – es wäre für ihn die ideale Wahlkampfplattform, wie schon bei seiner Wahl 2016.“

    https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/elon-musk-trump-zurueck-auf-twitter/

  19. Buntistan 11. Mai 2022 at 14:52
    Eistee 11. Mai 2022 at 14:44
    was hat denn jetzt Hitler wieder damit zu tun?
    Können wir nicht einmal von HEUTE ausgehen und nicht in jeder Diskussion mit Hitler ankommen?
    ——————————-
    Können wir machen, aber historisch gesehen war Hitler nunmal der letzte „Experte“, wenn es um den Einsatz schwerer Waffen aus Deutschland in der Ukraine geht.
    Warum können Deutschland und Russland heute nicht gut miteinander auskommen? Na, ich nehme mal an, weil die Amerikaner da andere Pläne haben.
    Bringt uns diese Erkenntnis weiter? Ich glaube, nein.

  20. Ich sehe nicht, wie eine sinnvolle Orientierung Europas und besonders Deutschlands innerhalb einer Idee, die sich seit 1991 eigentlich überlebt hat und jetzt eher zum Schadenstifter wird, noch gelingen kann. Orientierung in dem Sinne, daß uns Deutschen sozusagen „Licht“ zufällt, in dem wir erkennen, was uns nützt, kann es aktuell nur außerhalb transatlantischer Bindungen geben, die mehr und mehr zu Fesseln und zum Bumerang werden. Das weitere Beharren in den Dingen, die vordem zumindest westlich der Elbe in einem „Bonner Pufferstaat“ noch sinnvoll gewesen sind, und die damit zusammenhängende Einmischung in die Befindlichkeiten anderer Staaten hat uns letztlich in das Desaster geführt, das mit dem – damit ausgelösten – Ukrainekrieg gerade erst begonnen haben könnte.

    In dem Zusammenhang muß auch eine Mitgliedschaft in der NATO, genauso wie die in der EU, kritisch gesehen und entsprechend überdacht werden, wobei die Möglichkeit einer Reform beider Organisationen nicht ausgeschlossen werden sollte. Eine Sicherheitsarchitektur Europas ohne Einbeziehung Rußlands auf Augenhöhe macht nicht nur keinen Sinn, sondern ist schädlich und gefährlich, wie wir dies auch gerade wieder gesehen haben. Für eine Rückkehr zu diesem Gedanken ist es jedoch fast schon zu spät, nachdem so viel Unheil losgetreten worden ist.

  21. @ Tom62 11. Mai 2022 at 18:40
    ————————
    ZU spät. In den 80ger Jahren hat Reagan die UDSSR durch Wettrüsten in Knie gezwungen und jetzt läuft es anders herum. Der Riese AUS steht Wirtschaftlich auf tönernen Füßen und Die EU nicht anders. Putin hat mit seinem genialen Coup, die Währung an Gold zu koppeln und durch den Ausschluß aus SWIFT freie Hand. Der Rubel wird steigen und der Yuan wird den Dollar im größten Teil der Welt ablösen. Die Inflation schlägt in der USA schon voll durch und wenn der Dollar in den Sturzflug übergeht, bricht das Westliche Währungssystem zusammen. Das heißt, das USA und EU bald keine Kriege mehr finanzieren können und dann ist auch Schluß in der Kokaine. Mit den westlichen Schlafschafen, die den Rattenfängern folgen, habe Ich kein Mitleid, aber die, die es erkannt haben und nichts tun können, tun Mir leid.

  22. Mattes 11. Mai 2022 at 15:01

    Weiterbringen werden Sie/Dich die (400) Kommentare wahrscheinlich eher nicht.
    Behaupte ich mal ganz frech.

    <<< Falls sich jemand die offizielle Bundestagstags-Mitschrift anschauen möchte, um sich ein unvoreingenommenes Bild zu verschaffen – anstelle einen Artikel zu lesen, der 21 Jahre später dazu verfasst wurde: https://www.bundestag.de/parlament/geschichte/gastredner/putin/putin_wort-244966 Es existiert (zumindest noch vor ein paar Tagen) ein Youtube-Video, in dem die Rede im Original wiedergegeben wird. <<<<

    <<<Alle damaligen Vorschläge von seiner Seite wurden letzlich Ausgeschlagen. Es wurde nie Probiert um es ehrlich war. Ob das jetzt gut oder schlecht war wird man erst in 100 Jahren Wissen.<<<<

    <<<"Trotzdem lässt sich sagen: Gut 20 Jahre nach seinem Auftritt noch immer zu verbreiten, Wladimir Putin hätte den Deutschen die Hand hinstreckt, ist entweder eine bewusste prorussische Strategie im derzeitigen Propagandakrieg oder eine fahrlässige Geschichtsklitterung. Beide Möglichkeiten sprechen dagegen, Putins deutschen Verteidigern irgendwie entgegenzukommen." So ein perfider Plan…Er hat sich also damals schon gedacht : "Mein Anzug wird sie ablenken und im Jahre 2022 gucken die blöd aus der Wäsche" Besteht nicht die Möglichkeit das der Herr Putin schlicht und einfach in 20 Jahren seine Meinung geändert hat? Vor 20 Jahren dachte Ich auch "anders".<<<<

    <<<Dem Ami glauben wir also wenn er sagt :"das waren Terroristen" Wenn der Russe das sagt muss es gelogen sein…<<<<

    <<<Er hat der Unschuld vom Land also Liebe vorgegaukelt und wollte nur ne schnelle Nummer.<<<

    <<<Die Schuldfrage bis ins Detail zu klären wird schwierig sein, wichtig ist jetzt nur, zusammenzuhalten, bis man diesem Verbrecher und Kleptokraten das Handwerk gelegt hat.<<<<

    <<<<Nicht wenige Foristen haben offensichtlich zu viel Coca Cola getrunken und Burger gegessen. Die entscheidende Rolle der USA in diesem leidvollen und grausamen Spiel der Geopolitik wird einfach unterschlagen. Stichwort Chicago Council of foreign Affairs. Krieg ist keine Lösung!!! Schrecklich und zerstörerisch!!! Aber warum gab und gibt es so viele ???<<<

    <<<<Ableitungen, Interpretationen und Spekulationen, aber keinerlei Beweise, daß Putin es vor über 20 Jahren nicht ehrlich gemeint hat – abzüglich gewisser normaler russischen Interessen. Ohne Putin verteidigen zu wollen, aber dieser Text ist journalistisches Geschwurbel. Und so gerne ich den verantwortungslosen Pazifismus und die Autoaggression der Deutschen bzw. großer Teile ihrer politischen Klasse und Medien ablehne, kann ich diesen Text auch dafür nicht als Argumentationsgrundlage heranziehen. Wertlos!<<<<

    <<<<Dies ist eine völlig einseitige Darstellung, die jedwede Selbstkritik missen lässt. Mir ist ein Satz aus der Rede Putin's in Erinnerung geblieben: Sinngemäß, " es ist nicht schön, wenn man immer vor vollendete Tatsachen gestellt wird" den man durchaus hätte aufgreifen können. Stattdessen stellt man lieber Raketen zum Schutz gegen den Iran in Polen auf. Aber es ist ein typischer Henne-Ei Konflikt, am Ende weiß niemand mehr, an welcher Stelle die ein oder andere Seite eine Aktion zur Eskalation ausgeführt hat. Der EU Vertrag mit dem Passus zur militärischen Zusammenarbeit in 2014 war sicher auch nicht durchdacht. Disclaimer: Ich weiß das Putin einen rechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgelöst hat.<<<<

  23. https://www.welt.de/debatte/plus238687577/Rede-im-Bundestag-2001-Der-Tag-an-dem-Wladimir-Putin-die-Deutschen-einwickelte.html

    Er sprach auf Deutsch, schmeichelte klug, und sogar die Farbe des Anzugs war perfekt gewählt: 2001 hielt Wladimir Putin seine berühmte Rede im Bundestag, die Russland-Verstehern bis heute als Beleg seiner hehren Absichten gilt. Analyse einer so virtuosen wie perfiden Täuschung.

    Wer die Verbissenheit erlebt, mit der eine beträchtliche Zahl von Deutschen die Politik Wladimir Putins noch immer verteidigt, der hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder er gibt auf, oder er fragt, woher diese Verehrung eines kriegslüsternen Autokraten rühren könnte. Da eine Kapitulation genau das ist, was der Kremlherr und seine Unterstützer gern sähen, führt kein Weg an der zweiten Option vorbei. Abgesehen von der Anbetung reiner Macht und Behauptungen wie jener, die Nato habe sein Land umzingelt, kommen die Fürsprecher von Russlands Präsidenten immer wieder auf die Rede zu sprechen, die er am 25. September 2001 im Deutschen Bundestag hielt.

    Russlands Apologeten zufolge streckte Putin an diesem Tag allen Deutschen die Hand entgegen und lud sie zu einer echten Partnerschaft ein. Die Lesart sieht weiter vor, dass die Deutschen dieses Angebot erst nicht ausreichend gewürdigt und schließlich lächerlich gemacht hätten. Deshalb ist es ein guter Zeitpunkt, nachzuzeichnen, was der Kriegsherr von heute damals überhaupt sagte.
    Vorweg sei genommen: Es war aus mehreren Gründen so gut wie unmöglich, sich an diesem 25. September 2001 von den Worten des russischen Präsidenten nicht blenden zu lassen. Exakt zwei Wochen zuvor hatten islamistische Terroristen mit Verkehrsflugzeugen einen Massenmord begangen, das World Trade Center in New York zerstört und das Pentagon in Washington beschädigt; ein Anschlag, der auch für die Bundesrepublik ein neues Zeitalter einleitete – es war eindeutig, dass sich deutsche Soldaten am Einsatz des Westens in Afghanistan würden beteiligen müssen. In dieser Situation mit dem ehemaligen Gegner im Osten neu ins Gespräch zu kommen, war höchst verlockend.

    Farbe des Anzugs sorgsam ausgesucht

    Hinzu kam die Präzision, mit der Wladimir Putin seinen Auftritt choreografierte. Noch keine zwei Jahre war er im Amt, er wirkte unverbraucht, ganz im Gegenteil zu seinem Vorgänger Boris Jelzin. Seine Entscheidung, die Ansprache auf Russisch zu beginnen und dann rasch ins Deutsche zu wechseln, kann man nur brillant nennen. Welcher Schritt sonst hätte mehr ausstrahlen können, er wolle auf die Bundesrepublik zugehen? Hinzu kam ein sanfter Tonfall – und selbst der dunkelblaue Anzug war offenkundig sorgsam ausgesucht: So medioker geschnitten, dass er Kanzler Gerhard Schröder in seinem italienischen Edelzwirn keine Konkurrenz machen würde, trug Putin auch die Farbe am Leib, mit der man Schneidern zufolge am meisten Vertrauen gewinnt.

    In dem Bewusstsein, das Setting so gut es ging zu seinen Gunsten beeinflusst zu haben, zeigte Putin auch rhetorisch eine Glanzleistung. Noch auf Russisch lieferte er gleich zu Beginn die größte Bauchpinselei ab, die überhaupt denkbar war: Der russische Präsident stellte fest, selbst in den Jahren der „Hitler-Tyrannei“ sei in Berlin der Geist der Freiheit und des Humanismus nicht ausgelöscht worden. Er ließ den Abgeordneten auch keine Zeit, diese Aussage für grotesk zu halten, denn sofort fügte er hinzu: „Wir haben Ihr Land immer als ein bedeutendes Zentrum der europäischen und der Weltkultur behandelt, für deren Entwicklung auch Russland viel geleistet hat. Kultur hat nie Grenzen gekannt. Kultur war immer unser gemeinsames Gut und hat die Völker verbunden.“

    Wer als Deutscher im Plenarsaal die Gräuel präsent hatte, die Deutsche nach 1941 in der Sowjetunion angerichtet hatten, dem mochten diese Formulierungen wie ein Blankoscheck vorkommen. Dahinter verschwanden dann auch wieder Feinheiten wie die Tatsache, dass die Russen einen Teil des Kulturvolks, das ihr Präsident da pries, über Jahrzehnte ihrer autoritären Führung unterworfen hatten und Putin persönlich in dieser Zeit als KGB-Mann daran gearbeitet hatte, den anderen Teil Deutschlands zu schwächen. Der Russe hatte es vollbracht, sein Publikum durch Schmeicheleien unaufmerksam zu machen.

    In die Kategorie Anbiederung fiel auch Putins Zug, in der Rede den Fehler des Sowjetkommunismus zuzugestehen, keine Meinungsfreiheit zugelassen zu haben. Dies habe zum Ende der bipolaren Ordnung geführt, das neue Antworten erfordere, deren wichtigste wiederum die europäische Integration sei. In dem Wissen, damit in den Köpfen seiner Zuhörer keinen Widerspruch auszulösen, wagte der Mann am Pult eine Bemerkung von größter Tragweite: „Niemand bezweifelt den großen Wert der Beziehungen Europas zu den Vereinigten Staaten. Aber ich bin der Meinung, dass Europa seinen Ruf als mächtiger und selbstständiger Mittelpunkt der Weltpolitik langfristig nur festigen wird, wenn es seine eigenen Möglichkeiten mit den russischen menschlichen, territorialen und Naturressourcen sowie mit den Wirtschafts-, Kultur- und Verteidigungspotenzialen Russlands vereinigen wird.“

    Nie zuvor – so könnte man es polemisch ausdrücken – hatte jemand die Parole „Ami go home“ eleganter verpackt als der russische Präsident an diesem Tag. Interessant erscheint vor allem der Passus, der Europa als „mächtigen, selbstständigen Mittelpunkt der Weltpolitik“ umriss. Dies war eine Ambition, die zumindest die deutsche Außenpolitik seit Konrad Adenauers Entscheidung für die Westbindung nicht mehr verfolgte hatte. Trotzdem erhielt Wladimir Putin für diesen Redepassus gut zwei Wochen nach dem 11. September im deutschen Parlament donnernden Applaus. Offensichtlich hatte er die Deutschen bei ihrem Willen gepackt, wieder stärker in die Weltpolitik einzugreifen.
    Virtuos war die Technik, mit der Putin sich in der Folge den 11. September zunutze machte.

    Er verknüpfte die Anschläge mit den Vorfällen in Moskau, die zum zweiten Tschetschenienkrieg geführt hatten. Am 8. September 1999 hatte eine Sprengladung einen Wohnblock im Süden der russischen Hauptstadt zerstört, 94 Menschen waren gestorben. Vier Tage später war ein zweiter Wohnblock explodiert, die Stadt beklagte 119 weitere Tote. Im Bundestag behauptete Wladimir Putin, diese Anschläge seien genauso das Werk islamistischer Extremisten gewesen wie die Attacken in New York und Washington, und leitete so die Legitimität des Einsatzes russischer Truppen in Tschetschenien her.

    Im Kampf gegen diese Art von Terror herrsche Einigkeit zwischen dem amerikanischen Präsidenten und ihm, erläuterte Putin in nachdenklicher Pose. Eine Wendung, die selbstredend auf fruchtbaren Boden fiel – Russland und die USA vereint im Kampf gegen Terroristen: Das war genau das, was die historische Stunde gebot. Bekannt war zum Zeitpunkt der Rede, dass Russland im Jahr zuvor den prorussischen Mufti Achmad Kadyrow als Chef der Verwaltung eingesetzt hatte – wie sehr der sich in den folgenden Jahren als Autokrat herausstellen sollte, konnten die Deutschen noch nicht wissen.
    Hinweise auf Verwicklung von russischem Geheimdienst in Anschläge von Moskau

    Doch nicht nur deshalb erscheinen Putins Ausführungen zum Thema Terrorismus im Nachhinein mehr als nur zweifelhaft: Westliche Journalisten haben in den vergangenen Jahren viele belastbare Indizien zusammengetragen, die darauf hinweisen, dass der russische Geheimdienst in die Anschläge von Moskau mindestens verwickelt war, eine Journalistin wie Katrin Eigendorf behauptet sogar, Putin selbst habe sie inszeniert. Zu diesen Hinweisen passt, dass russische Abgeordnete ermordet wurden, die bei den Ermittlungen hartnäckig nachfragten. Mit anderen Worten, es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Mann den Terror, zu dessen Bekämpfung er aufrief, selbst vom Zaun brechen ließ. Dies würde bedeuten, dass Wladimir Putin die Anwesenden, die er so dringend als Partner gewinnen wollte, wissentlich und öffentlich belog.

    Es sei eigens wiederholt, dass es unmöglich war, die Rede des Präsidenten an jenem 25. September 2001 korrekt einzuordnen. Zu den Voraussetzungen und den Schmeicheleien – Putin sprach zum Schluss vom „starken und lebendigen Herz Russlands, welches für eine vollwertige Zusammenarbeit und Partnerschaft geöffnet ist“ – kam die Tatsache: Manche Informationen, die jeden vernunftbegabten Menschen hätten misstrauisch werden lassen, lagen noch gar nicht vor.

    Trotzdem lässt sich sagen: Gut 20 Jahre nach seinem Auftritt noch immer zu verbreiten, Wladimir Putin hätte den Deutschen die Hand hinstreckt, ist entweder eine bewusste prorussische Strategie im derzeitigen Propagandakrieg oder eine fahrlässige Geschichtsklitterung.

    Beide Möglichkeiten sprechen dagegen, Putins deutschen Verteidigern irgendwie entgegenzukommen.

  24. @ MKULTRA 11. Mai 2022 at 19:38

    …welt.de/debatte/plus238687577/Rede-im-Bundestag-2001-Der-Tag-an-dem-Wladimir-Putin-die-Deutschen-einwickelte.html

    Springer erweist sich in einem Artikel, der sich übrigens mehrfach selbst widerspricht – schließlich „kann“ nicht sein, was nicht sein darf – , gleichwohl als gehorsamer Diener seiner Herren.

  25. @ MKULTRA

    Danke! Was für ein sinnbefreiter Artikel. Ich glaube nicht, daß viele Welt-Kommentatoren dem nachträglichen Zerlegen und Umdeuten zustimmen, darum hätte mich das interessiert. Eine offensichtliche Einlullung aus dem Hosenanzug z.B. zum Thema Zuwanderung und Fachkräftemangel zu entlarven, wäre um Einiges einfacher und stichhaltiger.

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