Am 21. Dezember 2012 soll, wieder einmal, die Welt untergehen. Das wäre, nach einer französischen Zählung, der 184. Weltuntergang seit Nostradamus. Obwohl Papst Benedikt XVI. hin und wieder andeutet, dass das Ende der Zeit und die Wiederkunft Christi näher rücken, halte ich die Wahrscheinlichkeit, dass es dieses Mal klappen könnte, für gering. Ob aber nun die Welt untergehen wird oder nicht:

(Auszug aus der Einleitung des Buchs „Öko-Nihilismus“ von Edgar L. Gärtner, das in der vergangenen Woche in einer gründlich überarbeiteten und erweiterten Fassung in gebundener Form erschien)

Im alten Europa breitet sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Kultur des Todes aus. Wie der französische Publizist Pascal Bruckner in einem 2011 erschienen Essay bestätigt, ist kaum zu übersehen, dass sich hinter der Überlebens-Rhetorik der Politischen Ökologie eine tiefe Todessehnsucht verbrigt. Nicht nur Freiheit und Würde, sondern auch das Leben von Milliarden von Menschen sollen geopfert werden, um eine angeblich drohende Klimakatastrophe abzuwenden. (…)

Um Kopfschütteln bei den Lesern vorzubeugen, schon an dieser Stelle folgendes zur Klärung: Ich verwende in dieser Abhandlung nicht den Nihilismusbegriff, wie man ihn in gängigen Lexika findet. Nihilist sein bedeutet nicht, an nichts zu glauben, sondern nicht zu glauben an das, was ist. Das arbeitete der französische Literaturnobelpreisträger Albert Camus unter Berufung auf Friedrich Nietzsche schon 1951 heraus.

Camus meinte damals an etlichen historischen Beispielen zeigen zu können, dass alle Formen historischer Heilsgewissheit wie ihr Ursprung, die diesseitig missverstandene christliche Heilslehre, oder auch der vielleicht gar nicht so unchristliche dialektische Materialismus im Grunde nihilistisch sind, weil sie in ihrer Alles-oder-Nichts-Einstellung alles leugnen oder negieren, wenn nicht physisch eliminieren müssen, was nicht in das Schema ihrer Bewegung passt. In diesem Sinne ist auch der gewalttätige Islamismus von heute nihilistisch. Nicht zuletzt lassen sich auch in der religiös gewendeten Ökologie nihilistische Züge ausmachen.

Es geht im Folgenden also nicht nur um das ernste, aber eher vordergründige Problem der zukünftigen Versorgung der Wirtschaft und der Privatverbraucher mit bezahlbarer Energie. Es geht nicht lediglich um die Feststellung, dass die entsprechend dem „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (EEG) nach dem Willen der in Berlin bis 2005 regierenden rot-grünen Koalition mit drei- bis vierfach überhöhten Stromabnahmepreise subventionierten Windparks die infolge des gleichzeitig beschlossenen Ausstiegs aus der Kernenergienutzung sich öffnende Energieversorgungslücke nie und nimmer werden ausfüllen können. Es geht um mehr. Es geht um die Frage, ob in Deutschland (und in der Europäischen Union) Klugheit oder Dummheit regiert und ob nicht die Gefahr besteht, dass die Klügeren der herrschenden Dummheit gegenüber so lange nachgeben, bis sie am Ende selbst die Dummen sind.

Die totalitäre Propaganda, so Hannah Arendt in ihrem Buch über die Ursprünge des Totalitarismus, beruht auf einer gegenüber der Wirklichkeit vollkommen abgedichteten Fiktion, die nicht durch Gegenpropaganda bekämpft werden kann. „Totalitäre Propaganda ist keine Propaganda im herkömmlichen Sinn und kann daher nicht durch Gegenpropaganda widerlegt oder bekämpft werden. Sie ist Teil der totalitären Welt und wird nur mit ihr zusammen vernichtet“, schrieb sie (1986, S. 765). Es besteht danach wenig Grund zur Hoffnung, diese Fiktion könne durch Konfrontation mit der Realität ad absurdum geführt werden. Denn ihre geistige Grundlage ist der Nihilismus, eine in ihrem Wesen selbstmörderische (und ansteckende) Geisteskrankheit. Wirklich gemeingefährlich werde die krankhafte Realitätsverleugnung, wenn sie vom moralischen Nihilismus des „Alles ist erlaubt“ zur Hybris des „Alles ist möglich“ fortschreitet, erkannte Hannah Arendt. Die Frage nach Erfolg oder Misserfolg sei dann nicht mehr entscheidbar. „Denn es liegt im Wesen der totalitären Fiktion, dass sie nicht nur das Unmögliche möglich macht, sondern vor allem auch alles, was sie nach ihrem ideologisch geleiteten Schema ‚voraussieht’ – und Voraussehen heißt hier lediglich Berechnen -, bereits als wirklich in Rechnung stellt. Da die Geschichte in der totalitären Fiktion voraussehbar und berechenbar verläuft, muss jeder ihrer Möglichkeiten auch eine Wirklichkeit entsprechen. Diese ‚Wirklichkeit’ wird dann nicht anders fabriziert als andere ‚Tatsachen’ in dieser rein fiktiven Welt.“ (S. 886)

Wer diese Zeilen heute liest, könnte leicht zum Eindruck gelangen, Hannah Arendt habe sich hier auseinandergesetzt mit der abenteuerlichen, aber inzwischen dennoch gängigen Vorstellung, das chaotische Wettergeschehen könne durch eine Rationierung des Ausstoßes des Spurengases Kohlenstoffdioxid (CO2) so „gemanagt“ werden, dass der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf zwei Grad Celsius begrenzt bleibt. Denn die „Klimamodelle“, mit denen das Kyoto-Protokoll über die Reduktion so genannter Treibhausgase, das „Klima-Paket“ der EU, die Einstufung von CO2 als „gesundheitsgefährdender Schadstoff“ durch die US-Umweltbehörde EPA und der internationale CO2-Emissionshandel (eine massive indirekte Kohlenstoffsteuer) begründet werden, beruhen zum allergrößten Teil auf rein theoretischen Berechnungen und nur zum geringsten Teil auf Messwerten. Doch die mit vielen Milliarden Euros bzw. Dollars geförderten „erneuerbaren“ Energien haben unterm Strich bislang noch keine einzige Tonne CO2 eingespart. Die Kosten-Nutzen-Bilanz der „Klimapolitik“ ist jedenfalls eindeutig negativ, zumal von „globaler Erwärmung“ nun schon ein ganzes Jahrzehnt lang nicht mehr die Rede sein kann. Aber Fakten zählen in Berlin und Brüssel offenbar längst nicht mehr.

Man könnte deshalb sogar zur Überzeugung kommen, die Urheber der „Klimapolitik“ hätten Hannah Arendts Totalitarismus-Theorie genauestens studiert – und zwar nicht um Totalitarismus zu verhindern, sondern um ganz bewusst eine besonders raffinierte totalitäre Fiktion in die Welt zu setzen. Immerhin geschähe es nicht das erste Mal in der Geschichte politischer Ideen, dass gut gemeinte Warnungen auf eine so perverse Weise beherzigt werden. Hannah Arendt würde damit also lediglich das Schicksal Niccolò Machiavellis teilen, dessen „Principe“ zur Begründung eines Politikstils, des Machiavellismus wurde, den der große Florentiner in einer für seine Vaterstadt schweren Zeit mit seinem viel zitierten Fürstenspiegel gerade verhindern wollte. Darauf hat übrigens kein Geringerer als Carl Schmitt in seiner „Theorie des Politischen“ hingewiesen. „Wenn Machiavelli ein Machiavellist gewesen wäre“, bemerkte Schmitt, „hätte er statt des Principe ein erbauliches Buch geschrieben, am besten gleich einen Anti-Machiavell.“

Damit ist aber noch nicht gesagt, dass jene recht haben, die die „Klimapolitik“ in erster Linie als Ausfluss einer von langer Hand eingefädelten Verschwörung von Hochfinanz und Politik-Eliten sehen. Denn wenn sich der Nihilismus (nach Friedrich Nietzsche: die Negation des wirklichen Lebens durch krankhafte Religiosität beziehungsweise übertriebene Vorsorge, mit anderen Worten: höhere Dummheit) wie eine ansteckende Krankheit seuchenartig ausbreiten kann, bedarf es im Grunde gar keiner Verschwörung. Dass Dummheit ansteckend wirkt, ist außerdem nicht neu. Schließlich wäre Dummheit nicht Dummheit, könnte man auf ihrer Basis klare Ziele und Strategien formulieren. Deshalb gehe ich im Folgenden aus von der Hypothese, dass die Ausbreitung des grünen Weltbildes und der darauf aufbauenden parasitären Geschäftsmodelle im Wesentlichen naturwüchsig erfolgte, was nicht ausschließt, dass mächtige Akteure gelegentlich kräftig nachgeholfen haben, weil sie erkannt haben, dass es unter gewissen Umständen viel leichter ist, mit der Verbreitung eines krankhaften Aberglaubens Geschäfte zu machen als mit dessen Bekämpfung.

» Edgar L. Gärtner: Öko-Nihilismus 2012. Selbstmord in Grün. TvR Medienverlag (www.tvrmedienverlag.de), Jena 2012. 316 Seiten. € 19,90. ISBN 978-3-94031-31-8.

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24 KOMMENTARE

  1. „Totalitäre Propaganda ist keine Propaganda im herkömmlichen Sinn und kann daher nicht durch Gegenpropaganda widerlegt oder bekämpft werden. Sie ist Teil der totalitären Welt und wird nur mit ihr zusammen vernichtet“

    So gut ausgedrückt hab ich das noch nie gelesen wenn ich auch schon immer der Meinung war, dass man (totalitäre) Ideologien nicht kritisieren kann. Wahrscheinlich kann man dann das Wesen totalitärer Propaganda nicht weiter begreifen. Das würde sich mit meiner Erfahrung decken. Aber ich lese jetzt mal weiter.

  2. Wenn totalitäre Propaganda nicht mit mit Gegenpropaganda widerlegt oder bekämpft werden kann, ist PI (und sind wir alle hier) überflüssig.

  3. Vielleicht sind wir wirklich an einem Punkt angekommen, wo unsere Kultur an der Übersteigerung ihrer Ideale zusammenbricht. Unbewusste Todessehnsucht in degenerierten Individuen. Freuds Todestrieb lässt grüßen. – Für die letzten Realisten und Faktenmenschen keine erfreuliche Angelegenheit.

  4. Zu Studienzeiten erzählte mir mein alter Freund von Wittgenstein:

    „Die Welt ist das, was der Fall ist.“

    Ich mußte lachen, weil ich diesen Satz für unendlich trivial hielt…

    Dabei ist er einfach nur wahr,
    es existiert kein Erzengel, kein „Allah“, keine „Erbsünde“, weder des Menschen noch des Deutschen…

    Kein Leben im Jenseits, das die Sünden auf Erden bestraft und die Gerechtigkeit belohnt.

    Wir sollten bereits auf dieser Welt für Gerechtigkeit sorgen.

  5. #7 Nickel (21. Jun 2012 20:43)

    Gerecht wäre eine Wirtschaft ohne Subventionen.

    Der Verbraucher zahlt für die Verspargelung der Landschaft, zahlt für den Popanz der Energiewende, weil Kernkraft ja so „gefährlich“ (warum eigentlich?)
    und CO2-Erzeugung ja „das Klima gefährdet“.

    Pseudoreligiöser Schwachsinn für Gutmenschen, die sich unbedingt schuldig fühlen müssen.

  6. @ #2 amenschwuiibleim (21. Jun 2012 20:03)

    Wenn totalitäre Propaganda nicht mit Gegenpropaganda widerlegt oder bekämpft werden kann, …

    Was der Autor uns sagen wollte, ist vielleicht eher dies :

    Diktatur kann man nicht „reformieren“ —

    man kann sie nur überwinden.

  7. #8 Trauerklinge (21. Jun 2012 21:02)

    Pseudoreligiöser Schwachsinn für Gutmenschen, die sich unbedingt schuldig fühlen müssen.

    Die politischen Gutmenschen wollen sich nicht schuldig fühlen – sie wollen Macht ausüben, indem sich andere schuldig fühlen.

    Sie indoktrinieren Schuldgefühle und verkaufen den passenden Ablaß dazu.

  8. Die derzeitigen Politiker halten sich für „gute Diktatoren“, sie glauben, dass sie Kraft ihrer intellektuellen und moralischen Überlegenheit die richtigen Entscheidungen treffen und man sie einstmals für ihre Weisheit verehren wird, z.b. als Klima- und Weltenretter und Friedensbringer natürlich auch. Man kann nur hoffen, dass dieser Quatsch ein Ende findet, und wir eine direkte Demokratie bekommen mit Volksbefragungen nach Schweizer Vorbild.

  9. #11 Nickel

    …und wir eine direkte Demokratie bekommen mit Volksbefragungen nach Schweizer Vorbild.

    Diesen Machtverlust werden unsere etablierten linken Negativ-Eliten versuchen, mit allen Mitteln zu verhindern. Dann werden alle Keulen hervorgeholt, Gesetze ‚angepasst‘ (z.B. EU-Leugnung und EUR-Kritik), Einschränkungen der Bürgerbeteiligungen bei nichtgenehmen Haltungen, Hochfahren der Medien-Kampagnen und Mobilmachung der gesamten Antifa und ggf. Jihadisten. Alles in allem ganz großes Kino!

  10. #2 amenschwuiibleim (21. Jun 2012 20:03)

    Wenn totalitäre Propaganda nicht mit mit Gegenpropaganda widerlegt oder bekämpft werden kann, ist PI (und sind wir alle hier) überflüssig.

    Nein! Der Koran mag totalitäre Propaganda sein, aber er richtet sich nur an Moslems.

    PI ist nicht Teil der Islam-Matrix und richtet sich hauptsächlich an Nicht-Moslems. Deswegen ist obige Schlußfolgerung falsch.

  11. #7 Nickel
    Danke für den Link.

    Sowas lese ich viel lieber als diesen PI-typischen Öko-Nihilismus nach dem Motto: „Erneuerbare Energien sind voll doof, Windräder stören voll, das ist alles zu teuer, Ich will mit 100 watt-Birnen heizenm, Umweltschutz nervt sowieso nur, Atomkraft ist voll gut, voll sicher und voll billig. Atommüll gibt es gar nicht…“

  12. @ #14 mabank (21. Jun 2012 22:28)

    Falls PI die „Erneuerbaren“ nur für doof halten sollte, ist das natürlich nicht OK. Ich hab das mit den „Erneuerbaren“ immer so gesehen: Man steigt nicht um oder aus, ins Blaue hinein. Schon gar nicht von heute auf morgen. Ich habe immer noch nicht begriffen, wie das plötzliche Abschalten in einer Gesellschaft die bei Verstand sein sollte, möglich sein konnte. Das ist die irrsinnigste und unnötigste Entscheidung, die ich je erlebt habe, selbst wenn natürlich grundsätzlich ein AKW hochgehen kann.
    Und man diskutiere die Erneuerbaren auf Seiten der „Erneuerbarer“ rein sachlich. Das könnte auch bei „Grünen“ im Einzelfall mal der Fall sein, aber in der Praxis eher nicht.

  13. #5 Trauerklinge (21. Jun 2012 20:31)

    Eine wahrlich bittere Erkenntnis, an der man zerbrechen oder wachsen kann.

  14. Es geht um die Frage, ob in Deutschland (und in der Europäischen Union) Klugheit oder Dummheit regiert und ob nicht die Gefahr besteht, dass die Klügeren der herrschenden Dummheit gegenüber so lange nachgeben, bis sie am Ende selbst die Dummen sind.

    Gärtner ist hier nicht ganz konsequent! Aber man muß es im nachsehen! Denn die Frage, die er eigentlich stellen müßte, ist natürlich problematisch und brisant.
    Seinen zuvor und danach gemachten Ausführungen gemäß, müßte Gärtner nämlich die Frage stellen, ob die uns regierenden Politiker noch zurechnungsfähig sind. Schließlich bezeichnet er den Nihilismus, wie er ihn definiert, als realitätsverleugnende, ansteckende Geisteskrankheit. Und wie gesagt, zumindest das Abschalten der AKW nach Fukushima durch Merkel, habe ich noch nicht verstanden.

  15. # 13 Thomas d. U.,
    der Koran richtet sich nur an Moslems?
    Aha, desshalb die kostenlose Koranverteilung in meiner Muttersprache.

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