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Versteht die Welt nicht mehr: Herouxvilles stellv. Bürgermeister André Drouin

Vor kurzem berichteten wir über das kanadische Städtchen Hérouxville in der Provinz Québec, das einen „Knigge für Migranten“ (engl. und franz.) herausgegeben hat. Darin enthalten sind Selbstverständlichkeiten wie Gleichberechtigung der Geschlechter, oder das Verbot von Beschneidungen oder Steinigungen. Lauter Dinge also, von denen man annehmen sollte, dass darüber Einigkeit besteht. Offenbar ist das aber nicht der Fall, wie der Sturm der Entrüstung zeigt, den der Gemeinderat von Hérouxville ausgelöst hat.

„Willkommen“ heißt es auf der Internetseite der kleinen Gemeinde Hérouxville in Quebec. Aber der Gemeinderat des 1300 Einwohner zählenden Städtchens zwischen Montreal und Quebec hat klar gemacht, dass nicht jedes Verhalten akzeptiert wird. Potenzielle Immigranten, die sich hier niederlassen wollen, können im Verhaltenskodex von Hérouxville nachlesen: Frauen dürfen nicht gesteinigt oder verbrannt werden. Schleier, die das Gesicht bedecken, dürfen nur an Halloween getragen werden. Gemeinderatsmitglied Andre Drouin versteht die Aufregung nicht: „Wir sagen, wer wir sind, was unsere Normen sind, und die Hölle bricht los.“ Die jüngst beschlossenen „Richtlinien für das Leben“, bringen Neubürgern einige fundamentale Dinge nahe. Ihnen soll klar werden, „dass der Lebensstil, den sie in ihrem Geburtsland zurückgelassen haben, nicht mitgebracht werden kann und dass sie sich an ihre neue soziale Identität anpassen müssen“. (…) Es gehöre nicht zu den Normen in Hérouxville, Frauen mit Säure zu verätzen oder Mädchen zu beschneiden. Alkohol dürfte in der Öffentlichkeit oder privat getrunken werden, Ärzte und Ärztinnen würden auch Patienten des jeweils anderen Geschlechts behandeln, Polizistinnen dürften auch männlichen Parksündern Strafzettel verpassen – und so weiter.

Das also sind die Selbstverständlichkeiten, die zu akzeptieren der Gemeinderat von Hérouxville seine Migranten auffordert. Und das hier sind die Reaktionen:

Der Verhaltenskodex von Hérouxville sei „eine irrationale Reaktion auf ein legitimes soziales Anliegen“, meint Fo Niemi, Leiter eines Montrealer Forschungsinstituts für Beziehungen zwischen den Rassen. Die Menschen fühlten sich verunsichert und frustriert, allerdings würden einige Ereignisse völlig übertrieben.

Was wird denn übertrieben? Der eine oder andere Ehrenmord? Die eine oder andere Beschneidung?

Die jüdische Menschenrechtsorganisation B’nai Brith Canada befürchtet, dass die überzogene Resolution Debatten, wie man vernünftig den religiösen und ethischen Werten von Immigranten entgegenkommen kann, ins Lächerliche verkehrt.

Das hat schon was, dass eine jüdische Menschenrechtsorganisation sich darüber beklagt, dass Moslems die Menschenrechte achten sollen.

Zwei Moslem-Organisationen kündigten an, bei der Menschenrechtskommission Quebec Beschwerde zu erheben. Mit dem Kodex würden negative Stereotype über Moslems gefördert und die Menschenrechtscharta verletzt.

Komisch eigentlich, dass die Moslems sich schon wieder angesprochen fühlen, wo doch Geschlechterdiskriminierung, Ehrenmorde, Zwangsheiraten, Beschneidungen oder Steinigungen mit dem Islam gar nichts zu tun haben… . Politisch korrekt fällt natürlich auch Quebecs Premier der Gemeinde in den Rücken:

Quebecs Premier Jean Charest, der den Vorgang zunächst als isolierten Einzelfall bezeichnete, spricht mittlerweile von einer übertriebenen Reaktion der Gemeinde. Die aufgeworfenen Fragen würden in Quebec „im Geist der Toleranz und des Dialogs“ diskutiert.

Wir wussten bisher nicht, dass man die aufgezählten schweren Menschenrechtsverletzungen im Geiste der Toleranz diskutieren kann.

Hérouxvilles Gemeinderat Drouin fühlt sich angesichts Tausender angeblich zustimmender Emails bestärkt. Gemeinden in der Umgebung hätten beschlossen, dem Vorbild von Hérouxville zu folgen, sagt er.

Es wäre schön, wenn die Realisten sich von den Gutis nicht beirren ließen!

(Spürnasen: Geheimrat und Bernd v. S.)

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