Der heutige 24. April bildet den größten Trauertag im armenischen Jahr und einen offiziellen Feiertag in Armenien. An diesem Tag erlaubt die Armenisch-Apostolische Kirche keine Taufen und Eheschließungen. Weltweit halten armenische Gemeinden Totenmessen und Gedenkveranstaltungen ab.

Hintergrund: Mit Massenfestnahmen in der Nacht zum 24. April 1915 (alten bzw. julianischen Kalenders) setzte in der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel die Ausschaltung und Vernichtung der intellektuellen und politischen Elite der Armenier ein. Es war der Auftakt für Massaker und Todesmärsche, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden und, je nach Schätzung, zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschenleben forderten.

Die Bürgerbewegung Pax Europa schreibt anlässlich des Gedenktages:

Die BÜRGERBEWEGUNG PAX EUROPA unterstützt die Forderung der Opfer, dass die Regierungen aller Länder den Völkermord an den Armeniern von 1915 sowie an den Assyrern, Aramäern, Jeziden und Griechen während der Zeit des Osmanischen Reiches rechtlich verbindlich anerkennen und seine Leugnung strafrechtlich unterbinden.

Bereits seit 97 Jahren findet eine systematische Leugnung des Völkermordes an den Armeniern durch den türkischen Staat statt. Die systematische Vernichtung von Armeniern, Assyrern, Aramäern, Griechen sowie Jeziden wird nicht nur geleugnet, es wird alles daran gesetzt die Geschichte im Sinne eines perfiden türkischen Nationalismus-Gedankens umzuschreiben.

Man schreckt nicht davor zurück, historische Stätten niederzuwalzen, um jede Erinnerung aus dem Gedächtnis des Landes zu tilgen. Doch gibt es Überlebende und Zeitzeugen, welche über diese Ereignisse gegen die Menschlichkeit berichtet haben und unabhängig von den Opfern diese in vielen Dokumenten der Nachwelt zum Erhalt und Gedenken überlassen haben. Die Nachkommen werden nicht schweigen, denn begangenes Unrecht kann nie Recht werden!

Aus eigener leidvoller Erfahrung muß ich mich den traurigen Worten der Witwe Hrant Dink´s anschließen: „Es sind niemals Kinder und Jugendliche, welche zu Mördern werden – es ist immer eine Ideologie, welche aus Kindern und Jugendlichen Mörder macht“

Hier muß es Aufgabe des deutschen Staates, wie auch der Welt sein, diese Menschen mit der Realität, der Faktizität des Genozids zu konfrontieren um Ihnen und den Opfern, wie auch den Nachfahren der Überlebenden bzw. der Opfer ein gewaltfreies, friedvolles und gesundes Miteinander zu ermöglichen!

Wir fordern daher:

– Die Forderung der Opfer, dass die Regierungen aller Länder den Völkermord an den Armeniern von 1915 sowie an den Assyrern, Aramäern, Jeziden und Griechen während der Zeit des Osmanischen Reiches rechtlich verbindlich anerkennen und seine Leugnung strafrechtlich unterbinden.

– Die eingehende Behandlung des Völkermords in den Geschichtsbüchern deutscher Schulen, sowie deren Ursache und Wirkung.

Im Gedenken an die Opfer des Genozids an den Armeniern, sowie der Opfer aller Genozide und der Hoffnung auf vorbehaltlose Anerkennung.

Iris-Monika Marczian
BPE- Referentin für Armenier-Fragen

Dem können wir uns nur anschließen.

Verweise zum Thema:

» Wikipedia-Eintrag zum Völkermord an den Armeniern
» Armenisches Genozidmuseum
» Deutscher Zeitzeuge Johannes Lepsius
» Aghet – Der Film

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19 KOMMENTARE

  1. Mein Beileid an all die Hinterbliebenen und möge Gott das mutige und tapfere armenische Volk segnen.

    Ich bewundere den Zusammenhalt dieser ältesten christlichen Gemeinschaft der Welt.

    Während eine Volksgruppe nach der anderen wie Dominosteine gefallen sind und den Islam angenommen haben ( meistens wohl eher unfreiwillig), haben es die tapferen kleinen Armenier geschafft ihre Identität ( mit einigen Abstrichen) zu bewahren und bis heute zu pflegen.

    Und das seit über 1700 Jahren. Mein Respekt, liebe Armenier.

  2. Ich halte strafrechtliche Massnahmen für unnötig ja sogar für kontraproduktiv.

    Damit wird eine offene und sachliche Diskussion sowohl mit den Leugnern als auch allen Historikern, behindert.

    Denn wer die knallharten Fakten um die Ohren geschmissen bekommt, der erkennt, daß es sich tatsächlich um einen Völkermord handelte.

    Damit würde sich die Leugner selber als Faschisten und Ewiggestrige „outen“.

    Würde man hingegen alleine schon die Leugnung verbieten, würde man diese Diskussionen in den Untergrund treiben, wo jeder seine kruden und an den Haaren herbeigezogenen Theorien präsentieren könnte womit dann ziemlich schnell Mythen und Legenden geschaffen werden könnten.

    Die Leugner würden behaupten, daß der Staat wohl eine offene Ausseinandersetzung mit dem Thema scheut, daher das Gesetz.

    Damit würde man nur die Leugner stärken.

    Das Gleiche gilt im Übrigen auch für die Leugnung des Holocaust.

    Auch dort wäre mir eine offene Ausseinandersetzung mit den Leugnern lieber.

    Eine freie Gesellschaft muss solche Freaks eben aushalten.

    Schliesslich dürfen die salafisten auch ungehindert ihren Hass propagieren.

  3. Danke PI für den Bericht. Habe heute dazu noch nichts in den Staatsmedien erfahren. Vielleicht kommt ja noch was.

    Bereits seit 97 Jahren findet eine systematische Leugnung des Völkermordes an den Armeniern durch den türkischen Staat statt. Die systematische Vernichtung von Armeniern, Assyrern, Aramäern, Griechen sowie Jeziden wird nicht nur geleugnet, es wird alles daran gesetzt die Geschichte im Sinne eines perfiden türkischen Nationalismus-Gedankens umzuschreiben.

    Von den Faschisten in Ankara ist nichts anderes zu erwarten. Eine Herrenmenschenkultur, die sich in 1400 Jahren nicht zum Guten entwickeln konnte, wird das auch in den nächsten 97 Jahren vermutlich nicht tun.

  4. @Simon

    Sehe ich auch so. Strafbar sollte es nicht sein.

    Es ist wichtig, so einen Tag zu haben.
    Die Türken können schreien. Die Türken können zetern. Wen interessiert dieses Theater denn noch?!

  5. Wenn unsere Obrigkeit es Ernst meinte mit den Menschenrechte, würde jeden tag auf diese Schandtat hingewiesen.
    Im Gegenteil. Sie lässt sich von den Türken jedesmal unterdrücken. Warum eigentlich?

  6. Der armenischen Gemeinde und dem armenischen Volk meine aufrichtige Anteilnahme.

    Ich stimme #2 Simon im wesentlichen zu, daß die Strafverfolgung von Einzelnen in solchen Dingen nichts bringt und sogar unseren eigenen Werten zuwiderläuft. Dann muß aber das gleiche auch für den Holocaust gelten, so weh das tut. Allerdings würde ich die Aufnahme eines ganzen Volkes in eine Gemeinschaft durchaus davon abhängig machen, ob es sich wenigstens per Mehrheitsbeschluß dieser Vergangenheit stellt. Für die Türkei ist das zwar nur eine von vielen Blockaden, aber deswegen kein Grund darüber hinwegzusehen.

  7. Die Armenier trauern. Die Türken zeigen indes mit Fingern auf uns.

    In der Berlin Schaubühne wieder eine der unendlichen Schuldzuweisungen.

    Natürlich gegen „Rechtsterror“ – „Angst essen Seele auf – rechter Terror und der Inlandsgeheimdienst“

    Wieder dabei war Kenan Kolat. Seine Frau hat Senatorfunktion in Berlin. Er ist einer der vielen Türkenchefs.

    Wann werden wir endlich erkennen, wohin die Reise geht.
    Viele Zuschauer seien ratlos zurückgeblieben.
    Bestimmt, weil keiner die Angst vor dem Islam angesprochen hat.
    http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=30570

  8. Der Völkermord an den Armeniern wurde von deutschen kaiserlichen Beamten dokumentiert.

    Da gibt es nichts zu leugnen.

    Den Charakter des türkischen Volkes aber kann man genau an der Weigerung dieses Unrecht anzuerkennen ersehen.

  9. #10 Peter Blum (24. Apr 2012 11:44)

    Der Völkermord an den Armeniern wurde von deutschen kaiserlichen Beamten dokumentiert.

    Da gibt es nichts zu leugnen.

    Heutige Interpretation:
    Weil die ncihts dagegen unternahmen, sind wir daran schuld.

  10. (video) AGHET – The Genocide (English language)

    http://newstime.co.nz/aghet-the-genocide.html

    … AGHET has won the »Gold World Medal« at the The New York Film Festival (most important TV Festival worldwide) … »Grimme-Preis 2011« …

    1:30 Sen. Obama (before his President election): “For those who are not aware of it … a genocide did take place against the Armenian people”

    (Obama „…ein Genocide hat statt gefunden gegen die Armenier“)

  11. Für mich sind die Armenier mit den Juden das Volk, das allen verheerenden Repressionen getrotz hat. Sie sind ein sehr intelligentes Volk, so sind Cher und Chatschurjan Armenier und viele andere mehr. Selbst dort, wo ich arbeite, gibt es einige Armenier. Einen Jored (Auswanderer aus Israel) habe ich leider noch nicht getroffen.

    Ich danke Gott, dass er dieses Volk, so lange schon durchgetragen hat, trotz aller Repressionen.

  12. Die Öffentlich/Rechtlichen türkisieren – gerade in dieser Woche.
    Das ARD Büffet veranstaltet eine „türkische Woche“. Es wird dort türkisch gesprochen und gekocht.Diese Woche immer nach den Nachrichten um 12.00 Uhr.
    Das ZDF lässt ein Kopftuch (strenges)in der „Küchenschlacht“ mitkochen – diese Woche immer nach den nachrichten um 14.00Uhr. Da sie immer türkisch kocht, wird der Juror ihr Gekochtes wohl immer durchwinken.
    Diese Sendungen werden viel gesehen – leider.
    Wer beim ARD-Büffet auf den armenischen Genozid Gedenktag aufmerksam machen will:
    http://www.swr.de/buffet/kontakt/-/id=257394/1liptzg/index.html
    Im ZDF Forum kann man seine Meinung zum Kopftuch äußern.

  13. Wenn das Leugnen des Holocaust strafbar ist, dann können meines Erachtens nach alle Völkermordleugnungen illegal gemacht werden. Entweder alle oder keiner. Macht doch keinen Sinne sonst. Sonst wird wieder nur die „Einzigartigkeit des Holocaust und der deutschen Schuld“ gefördert.
    Wenn wir Deutschen genauso mit dem „das können wir gar nicht getan haben“ herumlaufen würden und Straßen, Plätze und Schulen nach Irren wie Goebbels oder Himmler benennen würde, würden wir zurecht von der Völkergemeinschaft gemobbt und kritisiert. Wenn die Türkei heute noch die übelsten Armenier-Quäler in Schulbüchern, Filmen und mit Straßennamen etc. hochleben lässt, dann lässt das tief blicken. Nicht, dass ich den Türken unseren typisch-deutschen „Schuld-Kult“ empfehlen möchte, aber eine sachliche Aufarbeitung aller Kapitel der eigenen Geschichte würde dafür sprechen, dass sie irgendwann als seriöser Ansprechpartner ernst genommen werden könnten.
    https://gebetskreis.wordpress.com/2011/05/05/deutschland-gedenkstatte-erinnert-an-versuchten-armenier-genozid/ UND
    https://gebetskreis.wordpress.com/2011/05/28/deutschland-uni-knickt-vor-genozid-leugnern-ein/

  14. Nicht Israel sollte sich entschuldigen für das töten der islamisch-türkischen Terroristen, sondern die Türkei für alle Verbechen an der indigenen Bevölkerung Europas, seit dem die türkischen Reiterhorden das Klein Asien Gebiet (die Wiege der Antike) erreicht und zerstört haben. Die Türkei sollte auch anfangen die Entschädigungen und Reparationen an alle Länder zu zahlen, die sie Jahrhunderte ausgebeutet und versklavt hatte. Dagegen ist der europäische Imperialismus und Kolonialismus nur ein Aprilscherz.

  15. … dass die Regierungen aller Länder den Völkermord … rechtlich verbindlich anerkennen und seine Leugnung strafrechtlich unterbinden.

    Was soll das? Was haben denn „alle Länder“ damit zu tun? Das läuft doch wieder nur auf Opfermentalität und materielle Forderungen hinaus. Historische Vorgänge sind historische Vorgänge. Wer sich dafür interessiert, soll sich damit beschäftigen, wer nicht, der solls bleiben lassen. Ganz genau herausfinden, was wirklich war, kann man vielfach nicht mehr, das kann man oft nicht mal bei aktuellen Vorgängen. Eine verbindliche Vorgabe, was zu „glauben“ ist, lässt sich mit Meinungsfreiheit niemals vereinbaren. Solche Vorgaben sind schlicht und einfach eine Beleidigung für Menschen, die selber denken.

  16. Dem armenischen Volk möchte ich meine Anteilnahme aussprechen. Ich bin empört darüber dass dieser Völkermord geleugnet wird, ein Skandal wie ich meine.

  17. Ich kann den Brief von BPE auch nur unterschreiben.

    #3 schmibrn

    Die Staatsmedien könnten doch das Türkentum mit solchen unbequemen Berichten beleidigen.
    Das passt leider nicht ins Konzept.Stattdessen feiert man lieber ein halbes Jahr lang tief demütigst und kriechend,den Beginn der türkischen Masseneinwanderung,wobei manche sogar noch für ihr Geld gearbeitet haben.

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