freiheitÜberbordender Sozialstaat, exorbitante Steuerbelastung und stetig zunehmende öffentliche Verschuldung sind Symptome dafür, in welch hohem Maße der moderne Bürger vom Staat und seinen Bürokratien und damit auch von der Politik in Abhängigkeit geraten ist. Individuelle Freiheit und Eigenverantwortung sind dabei zunehmend unter die Räder geraten. Die Familie, gegründet auf der Ehe zwischen Mann und Frau, gilt immer weniger als gestaltende Grundlage der menschlichen Gesellschaft. Sie wird oft als „Auslaufmodell“ verunglimpft oder im besten Fall als mögliche „Option“ unter vielen trivialisiert. Sie ist zunehmend zum Objekt staatlicher Überlebenshilfen geworden, die aus Mitteln gespeist werden, die der Staat den Empfängern dieser Hilfen zuvor in der Form von Steuern weggenommen hat.

(Von Dr. Martin Rhonheimer, Professor für Ethik und politische Philosophie)

Auf der anderen Seite werden von Politikern und oft auch von Kirchenleuten unter dem Beifall der Öffentlichkeit die „Reichen“, Unternehmer und „Kapitalisten“ als Parasiten verteufelt und für die Auswüchse der Politik zur Kasse gebeten – genau jene also, die ihren Reichtum nicht nur für den privaten Konsum, sondern vor allem für die Erzeugung neuen Reichtums zur Verfügung stellen, was durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Ermöglichung neuer und innovativer Technologien allen zugutekommt.

Die zunehmende Korrosion der Familie durch ihre sozialstaatliche Relegation in die weitgehende Funktionslosigkeit und gleichzeitige finanzielle Überlastung sowie die bürokratische Behinderung des wertschöpfenden Unternehmertums durch staatliche Bevormundung und Interventionen in den freien Markt sind Folge der Missachtung eines fundamentalen Prinzips: des Subsidiaritätsprinzips. Fachleute kennen den Terminus vornehmlich aus dem EU-Recht. Wenige wissen, dass das im Maastrichter Vertrag ausgesprochene Prinzip der Subsidiarität zumindest seinem Namen nach auf die katholische Soziallehre zurückgeht. Es wurde 1931 von Papst Pius XI. zum ersten Mal formuliert.

Gemäß Artikel 5 des Maastrichter Vertrags, mit dem die Europäische Union geschaffen wurde, bedeutet das Subsidiaritätsprinzip, dass „die Union in den Bereichen, die nicht in ihre ausschließliche Zuständigkeit fallen, nur tätig“ wird, „sofern und soweit die Ziele der in Betracht gezogenen Maßnahmen von den Mitgliedstaaten weder auf zentraler noch auf regionaler oder lokaler Ebene ausreichend verwirklicht werden können, sondern vielmehr wegen ihres Umfangs oder ihrer Wirkungen auf Unionsebene besser zu verwirklichen sind.“ Das Prinzip ist letztlich ein Prinzip der Effizienz. In der EU-Version eignet ihm die Tendenz zu immer größerer Zentralisierung, vorausgesetzt die Zentralgewalt kann nachweisen, dass sie dies oder jenes besser und effizienter als die untere Ebene machen kann. Solche Zentralisierung liegt in der Logik der erwünschten zunehmenden „Integration“ die ja durch das ebenfalls geltende Solidaritätsprinzip vorangetrieben werden soll.

Der ursprüngliche Sinn des Subsidiaritätsprinzips, wie es der katholischen Soziallehre entspringt, war jedoch ein anderer. Es bezweckt nicht unmittelbar größtmögliche Effizienz, sondern Respektierung, ja Förderung individueller Freiheit und kleinräumiger Verantwortlichkeit. Es ist ein sozialphilosophisches Prinzip, das ein bestimmtes Bild des Menschen voraussetzt, also anthropologische Wurzeln besitzt. Diese Wurzeln bestehen in der Sicht des Menschen als eigenverantwortliches Individuum, das im Bezug mit anderen Menschen lebt, auf diese angewiesen ist und durch die Interaktion mit ihnen auf vorteilhafte Weisen die Beschränkungen seiner Natur überwinden und seine Bedürfnisse decken kann. Der Mensch erscheint so als freies und zugleich gesellschaftliches Wesen, das von Anfang seines Lebens an in natürlich gegebenen sozialen Bezügen existiert.

(Weiterlesen bei deutscherarbeitgeberverband.de)


martin_rhonheimerDr. Martin Rhonheimer ist Professor für Ethik und politische Philosophie an der Päpstlichen Universität Santa Croce, Rom und Präsident des sich im Aufbau befindlichen „Austrian Institute of Economics and Social Philosophy“, Wien. Zahlreiche Buchpublikationen in verschiedenen Sprachen entstammen seiner Feder, darunter: Christentum und säkularer Staat. Geschichte – Gegenwart – Zukunft (Mit einem Vorwort von Ernst-Wolfgang Böckenförde), Herder, Freiburg i. Br. 2012, ISBN 978-3451306037, 480 S., € 29,-

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13 KOMMENTARE

  1. Sind wir doch mal ehrlich. Mittlerweile läuft doch einfach alles schief. Der komplette „Mensch“ läuft schief…wir sind eine Plage, egal wo man hinsieht.

  2. Jetzt erst gesehen das der Artikel weitergeht… 😉

    Dennoch bleib ich dabei das Rhonheimer einen guten Blick in Bezug auf die negativen Folgen eines Sozialstaats und der Zentralisierung hat.

    Als Anarcho könnte ich zwar über den minarchistischen Unterbau der im Artikel durchdringt streiten, aber die Richtung die Rhonheimer anschlägt bleibt dennoch dadurch deutlich – konsequente(re) Eigenverantwortung, kleine Einheiten !

  3. Das Subsidiaritätsprinzip ist eines der wichtigsten Elemente für einen besseren Staat. Es würde sich lohnen, wenn mehr Leute sich damit beschäftigen!

    Viele reden vom Subsidiaritätsprinzip, bei der EU steht es sogar im Vertrag von Maastricht (den sowieso keiner mehr beachtet!), bei der CDU steht es (rein theoretisch) im Grundsatzprogramm. Aber, erst wenn wir dafür sorgen, dass es in der Praxis angewendet wird, bekommen wir einen besseren Staat!

  4. Normalerweise sind die „Reichen“ intelligenter als die „Armen“!
    Ohne die „Reichen“, welche maßgeblich mit ihren Ideen und ihrem Können die Wirtschaft und den Wohlstand beeinflussen, müssten viele „Arme“ schlichtweg verhungern!
    Die „Reichen“ bezahlen auch Netto fast sämtliche Steuereinnahmen!
    Das ist die Wahrheit und nicht das dämliche Gesabbel der Linksgrünen, welche immer noch stärker alimentiert werden wollen, als eh schon!

  5. Also bitte, der Mann redet einen Schmarn zusammen das man mit den Ohren schlackert!
    Glücklicherweise gehöre ich nicht zu den Anhängern dieses „Gottkultes“, diese arabische Ausgeburt ist mir suspekt!
    Wenn wir heute von „Gier“ und „Kapital“ sprechen, sind das in erster Linie die Gelder der Religionsgruppen, allen vorran die Katholische Kirche!
    Deren reiner Barbesitz, aus Jahrhunderten zusammengeklaut und geklaubt ist „das Kapital“!
    Wenn alleine die Katholische Kirche einen Bruchteil ihrer Einlagen an die Armen verteilen würde, dann gäbe es keine mehr.
    Als moralische Institution taugt, insbesondere die Katholische Kirche, gleich null.
    Die ganze Geschichte dieser Sekte ist eine Aneinandereiung von Bestialitäten und Perversitäten die besonders im Mittelalter ihren grauenhaften Höhepunkt erlebte.
    Man darf gar nicht darüber nachdenken was die mit Kriegsweisen und sonstigen überlassenen Kindern in der Neuzeit angestellt haben und den schlimmsten Naziverbrechern Schutz gewährten.
    Normalerweise sollte man keinem Vertreter dieser Sekte überhaupt noch zuhören, leider gibt es sehr viele Anhänger dieses absurden arabischen Kultes.

    Zu seinen Ansichten:
    Der Sozialstaat, erzwungen vom Volk unter Hindenburg und dem letzten deutschen Kaiser um eine Volksrevolte zu verhindern, ist eine große Errungenschaft. Die reichsten Staaten sind damit gewachsen, Staaten ohne soziale Einrichtungen siechen vor sich hin.
    Und von „Familien“ hat der überhaupt keine Ahnung! Um die Zinsen seiner Kapitalbande zu erwirtschaften, wurde es notwendig so flexibel zu werden, das es fast unmöglich wird heute noch eine Familie zu gründen und zu halten. Die Familie hat keine Chance unter dem Druck den insbesondere die Arbeitnehmer heute stehen.

    Das ist das Ergebnis des Gebahrens seiner Organisation, da sollte er mal aufräumen und dann kann er immer noch mit dem Finger auf Andere zeigen.

    Sowas zu veröffentlichen und dann auch noch zu zitieren…ich fasse es nicht!

    Der soll sich in seine goldene Marmorbadewanne setzen, seinen Koikarpfen reinschieben und ruhig sein!
    Als erstes würde ich dem Verein mal ihre Steuerbefreiung befreien, und seinen Freunden sollen mir mal erzählen was die noch für Steuern bezahlen, der Witz der da über geblieben ist wird über die Kaimaninseln verschoben.
    Die größten Konzerne zahlen überhaupt keine Steuern mehr….

  6. #7 tron-X (29. Apr 2015 16:24)
    Die größten Konzerne zahlen überhaupt keine Steuern mehr….
    ++++

    Was soll das eigentlich?
    Wenn Konzerne mehr Steuern zahlen würden, bekämen die Konzernbeschäftigten weniger Lohn/Gehalt!
    Mir als Konzernangestellter ist es letztlich Wurscht, ob mein Einkommen durch erhöhte Konzernsteuern oder durch niedrige Tarifabschlüsse begrenzt wird.
    Viel wichtiger sind Ausgabenbeschränkungen durch Politiker in den öffentlichen Haushalten!
    Dann könnte mein Einkommen durch Steuererleichterungen steigen, ganz egal ob auf dem Wege der Einkommensteuer, indirekte oder Konzernsteuern, welche auch indirekt zu sehen sind.

  7. Freiheit und Selbstverantwortung bei den Bürgern?

    :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

    Das können Pseudo-Eliten, die einen umfassenden Nanny- und Ameisenstaat mit lauter EU-staatshörigen Untertanen anstreben, am Allerwenigsten gebrauchen.

    Man stelle sich vor, der Bürger ist grundsatzdemokratischer, verfassungs- und gesetzestreuer, sowie regierungskompetenter und verantwortungsvoller als die Regierenden und der Bürger merkt das?
    😉

  8. Man sieht, die Begeisterung über Rhonheimers Artikel hält sich in Grenzen, meine Begeisterung über die „Klartext-fabrik“ des Arbeitgeberverbands auch. Schade eigentlich. Am Anfang stand Gertrud Höhlers Idee, dass in dieser Fabrik alle arbeiten, „die uns aus dem Ghetto der Political Correctness befreien“, und das in klarer Sprache, den Namen „Klartextfabrik“ hat man nicht umsonst gewählt.

    Diesem Anspruch wird man allerdings nicht gerecht, wenn man keine Lust hat, die Rubrik mit klarem Inhalt zu füllen, d.h. wenn irgendwelche gelehrten Herrschaften irgend-welche hermetischen Sachen abliefern können, die sie ohnehin in der Schublade liegen haben, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob einer nichtgelehrten Leserschaft damit überhaupt gedient ist.

    Dass Rhonheimer auch anders kann, sieht man an seinen Artikeln für die „Neue Zürcher Zeitung“; einen Artikel wie den über das Subsidiaritätsprinzip hätte die erst gar nicht angenommen. „Töten im Namen Allahs“:

    http://www.nzz.ch/feuilleton/toeten-im-namen-allahs-1.18378020

  9. Ihnen ist nicht erlaubt Kommentare zu schreiben.

    So schreibt mir WAZ-Funke Gruppe !

    Das ist die Demokratie der Zonenwachtel und ihrer Auftraggeber !

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