Ehrenfelder Moschee

Paul Böhm, der Architekt der geplanten Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld, hat der ZEIT ein langes Interview gegeben und darin Aussagen getätigt, die einer dringenden Richtigstellung bedürfen. Viele unbedarfte Leser könnten sonst einen ganz falschen Eindruck erhalten.

Auf dem Foto oben ist die bisherige DITIB-Moschee am Beginn der Venloer Straße (der Hauptverkehrsader in Ehrenfeld) zu sehen, die in ihrer jetzigen überdimensionalen Form bereits das äußere Bild des Stadtteils maßgeblich bestimmt.

1. …zu dem ausgewählten Modell der geplanten Moschee

Böhm: Zwar haben wir da nicht alles so umsetzen können, wie wir es gerne gehabt hätten, aber wir haben zumindest erreicht, dass Männer und Frauen den gleichen Eingang ins Gebetshaus haben.

Fakt: …um anschließend in getrennten Räumen beten zu müssen. Wir sind begeistert.

Böhm: „Ich denke, wenn sie ein richtiges Gebetshaus haben können,…

Fakt: Ist eine kleinere Gemeindemoschee etwa kein richtiges Gebetshaus? Sind kleine Kirchen etwa keine richtigen Kirchen? Sind Kapellen vielleicht nur Hinterhofkirchen? Böhm spricht von angeblichen „400-500“ Besuchern – Muss es also gleich ein solch monumentaler Prachtbau sein, dessen Bauherren nicht ein Jota interessiert, das dieser von der Bevölkerung nicht akzeptiert wird weil er schlicht nicht in die städtische Umgebung passt?

Böhm: …wird dieses Leben offener und transparenter“.

Fakt: Auf dem jetzigen Areal steht seit Jahrzehnten ein großer Gebäudekomplex der DITIB mit Moschee, Bazar, Versammlungsorten, etc… Hier gab es also keine Chance, das Leben der Moslems offener und transparenter zu gestalten. Offen und transparent zu sein ist eine Frage der Einstellung und des Charakters einer Organisation und kann nicht anhand der Architektur eines Gebäudes bemessen werden. Umgekehrt: wären demnach etwa die bewusst spartanisch und funktionell eingerichteten christlichen Orden mit ihrem wertvollen, für unsere Gesellschaft unverzichtbaren, sozialen und kulturellen Engagement, das allen Menschen – gleich welcher Religion oder sozialer Schicht – zugute kommt, sind diese Bauten nach Böhm also Ausdruck einer Abschottung und Intransparenz…?

2. …über die Bürgeranhörung

Böhm: Bei einer Anhörung zur Moschee Ende Mai waren nur wenige der 800 Personen unsachlich und mussten daraufhin des Saales verwiesen werden.

Fakt: Geflissentlich verschweigt Herr Böhm, dass über dreiviertel der Teilnehmer (einschließlich Türsteher) aus Menschen mit Migrationshintergrund sowie Linken und Linksradikalen bestand, die den Saal bereits Stunden vorher in Beschlag genommen hatten und überdies von außerhalb angereist waren. Mehrere hundert Ehrenfeldern hatten dadurch schlichtweg gar keine Chance, Ihr Recht auf eine Anhörung in Anspruch nehmen zu können.

3. … über die angebliche Sicht der Katholiken

Böhm: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass aus den Reihen der Katholiken sehr viel Zustimmung kommt.

Fakt: Die Katholiken können sich gegen solche Aussagen ja auch schwerlich zur Wehr setzen weil Sie in der „Zeit“ naturgegebenermaßen kaum zu Wort kommen. Kritiker der Moschee kamen in diesem Blatt übrigens bisher kein einziges Mal zu Wort.

Böhm: Die Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner saß in der Jury zum Wettbewerb, die Gemeinde der St.-Theodor-Kirche in Köln-Vingst hat zu ihrem fünfjährigen Bestehen eine Spendensammlung für die Moschee durchgeführt usw. Daher glaube ich, dass dieser Kölsche Katholizismus eigentlich sehr tolerant und offen ist.

Fakt: …und da wäre noch Frau Bartscherer, die Vorsitzende des Katholikenausschusses. Damit hätten wir drei Befürworter. Drei von mehreren hunderttausend Kölner Katholiken, welche mehrheitlich gegen den Moscheebau sind und die sich jetzt mit Kardinal Meisner (immerhin der ranghöchste Kölner Katholik) freuen dürfen von Böhm impliziert der Intoleranz bezichtigt zu werden…

4. …über die Bedeutung der geplanten Zentralmoschee

Böhm: Ich sehe darin eher eine Öffnung dieser Religion in die Moderne.

Fakt: …was besonders in der traditionellen orientalischen Bauweise mit zwei Minaretten deutlich zum Ausdruck kommt.

Böhm: Natürlich gibt es vielerlei zu kritisieren. Dabei ist die Stellung der Frau nur ein Aspekt. Aber so wie ich das heute verstehe, handelt es sich bei diesen Themen weniger um Fragen der Religion als um kulturelle Fragen.

Fakt: Immerhin, eine Hintertür hat sich Böhm bei dieser entlarvenden Aussage offen gehalten… „so wie ich das heute verstehe…“

5. …über die Verkehrsproblematik

Böhm: Die Verkehrsführung wird zurzeit überarbeitet.

Fakt: Es gibt also tatsächlich immer noch keine Lösung.

Böhm: Auf dem Gelände der Ditib können momentan etwa 30 oder 40 Autos parken. Für die neue Moschee sind bis zu 137 Stellplätze geplant.

Fakt: Es bleibt also bei 137 Parkplätze. Das jetzige Gelände der DITIB wird ja komplett für den Moscheebau verwendet werden. Die bestehenden Parkplätze fallen weg. Daher auch die Tiefgarage mit eben jenen 137 Parkplätzen. Wenn also im besten Fall…

Böhm: zu Freitagsgebeten kommen 400 bis 500 Menschen,

Fakt: …wirklich nur 400 Menschen kommen sollten, werden erfahrungsgemäß über die Hälfte der Besucher keinen Parkplatz finden.

Böhm: …das ist auch heute schon so.

Fakt: Genau! Die Verkehrssituation ist schon jetzt schlicht eine Katastrophe.

Böhm: zwei bis drei Mal im Jahr gibt es große Feste, da wird der Gebetsraum voll, es ist mit 2000 und mehr Besuchern zu rechnen.

Fakt: Die DITIB selbst spricht von mehreren tausend Besuchern pro Woche (!). Wie sonst sollen schließlich die Betreiber der vielen kleinen Geschäfte innerhalb der Moschee überleben?

6. …über 55 Meter hohe Minarette, eine 34 Meter hohe Kuppel und 20.000 Quadratmeter Fläche

Böhm: Das Gelände ist 4500 Quadratmeter groß, die Bruttogeschossfläche beträgt 20.000 Quadratmeter

Fakt: Die DITIB hat in den letzten Wochen heimlich still und leise die Größenplanung mal eben um 7.000 Quadratmeter erweitert. Und das alles für „nur“ für die (im allerbesten Fall!) besagten 400-500 Besucher? Eine Erweiterung um fast die Hälfte der ursprünglichen Größe? Ohne Grund?

7. …über das „städtebauliche“ Umfeld

Böhm: Für den Bau spielte das städtebauliche Umfeld eine Rolle. Wir haben versucht, zwischen dem gewachsenen Wohnquartier Ehrenfeld, den bis zu 70 Meter hohen Hochhäusern an der Inneren Kanalstraße und dem Fernsehturm mit zirka 260 Metern Höhe zu vermitteln.

Fakt: Böhm vermittelt den Eindruck – in Ehrenfeld gibt es nur Hochhäuser und den Fernsehturm. Indem er diesen schlimmen falschen Eindruck auch noch als „gewachsenes Wohnquartier“ bezeichnet, versucht er zweierlei zu erreichen: Erstens soll der unbedarfte Leser den falschen Eindruck gewinnen, Ehrenfeld wäre lediglich ein durch industrielle Bauten geprägter Stadtteil – in einem solchen Umfeld kann ja die Architektur einer großen Moschee doch nicht schaden, oder? Die vielen Altbauten jedoch, davon etliche im Jugendstil erbaut, mehrere Kirchen und Kapellen werden dagegen verschwiegen und damit, zweitens, all diejenigen diskreditiert, die sich seit Jahren für die Pflege und den Erhalt dieses altkölnischen Traditionsviertels einsetzen. Denen mag man zukünftig also getrost entgegenhalten: „In Ehrenfeld gibt es doch nur Hochhäuser und den Fernsehturm!“

Wie war das noch mit den berühmten „böhmischen Dörfern…“?

» PI: Moscheebau Köln: Wie bei Albert Speer?

(Gastbeitrag von Thorsten U.)

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