In der georgischen Stadt Gori wurde ein Auto von israelischen Journalisten durch russische Soldaten angegriffen. Das Auto der Israelis wurde zuerst gestohlen, dann zurückgebracht – die Israelis beschossen. Einer der betroffenen Reporter, Tzur Sheizaf von Ynet, beschreibt seine Erlebnisse.

„Wir erreichten am Donnerstagnachmittag die Außenbezirke von Gori. Dort gab es jede Menge russischer Truppen und TV-Teams. Unsere Ankunft war etwa zwei Stunden nachdem beinahe eine Auseinandersetzung zwischen den russischen Soldaten und den Georgiern ausgebrochen war. Die Georgier warteten dort auf die Ankunft ihrer Armee und die russischen Truppen verjagten sie.

Während ich in Gori Fotos machte, kam ein russischer Soldat auf mich zu und begann, mit seiner Waffe in die Luft zu schießen. Die Leute rannten vor Schreck davon und unser Fahrer verschwand. Plötzlich tauchte ein Soldat auf – ich wusste nicht ob ein Ossetier oder ein Tschetschene. Er richtete seine Waffe auf mich und sagte: „Wo sind die Autoschlüssel?“

Ich näherte mich der Fahrerseite des Wagens und sah, dass der Schlüssel im Zündschloss steckte. Ich versuchte, ins Auto zu kommen und abzuhauen, aber der Soldat schubste mich und schoss um sich – er traf beinahe meinen Fuß, die Spitze meiner Sandalen hat er jedenfalls getroffen.

Wir rannten einfach davon, ich, Carmel Luzzati von „Channel 2“ und Nir Kafri von „Haaretz“. Wir waren sehr aufgeregt, weil alle unsere persönlichen Sachen im Auto waren, inklusive unserer Pässe. Ich setze mich schnell mit der Redaktion in Tel Aviv in Verbindung und bat um ihre Hilfe, damit ich auch ohne Pass und die persönliche Ausrüstung irgendwie nach Israel zurückkehren konnte.

Erstaunlicherweise tauchte dann nach 20 Minuten ein russischer Offizier auf und brachte das Auto mitsamt Inhalt zurück. Zu unserem Glück hatte der Diebstahl vor den Augen der russischen Armeekommandanten stattgefunden, die ein solches Verhalten nicht duldeten.“

Erst gestern hatte ein preisgekrönter israelischer Journalist weniger Glück, der in Georgien von einer Mörsergranate schwer verletzt wurde, die einen niederländischen Kameramann getötet hatte.

Die russischen Armeeverantwortlichen fürchten vermutlich angesichts des gegenwärtig recht frostigen Verhältnisses zu den USA schlechte israelische Presse. So ist der amerikanische Verdacht wohl nicht ganz unbegründet, dass die Russen letztlich dasselbe Spiel wie 1968 bei der Invasion in der Tschechoslowakei – Nachbarn bedrohen, die Hauptstadt besetzen, die Regierung stürzen und damit durchkommen – durchziehen wollen, nicht ganz unbegründet.

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31 KOMMENTARE

  1. Ich gehe davon aus, daß es sich um einen bedauerlichen Zwischenfall in einer aufgeheizten Situation handelt.

    Die russische Regierung wird sich entschuldigen und entstandenen Schaden ersetzen. Es ist möglich, daß Wladimir Putin in dieser Causa selbst das Wort ergreift.

    Denn für Mütterchen Rußland ist über alle möglichen Irritationen hinweg der Staat Israel seit langem ein Freund. Nicht zuletzt die reibungslose Zusammenarbeit in Migrationsfragen hat dazu ihr Scherflein beigetragen.

  2. Ist das jetzt gut oder schlecht, dass er sein Auto zurückbekommen hat und am Leben ist. Ich kann das nicht so richtig beurteilen. Fakt ist aber, dass in allen Kriegsregionen Journalisten sehr ungern gesehen sind, es sei denn, sie sind eingebettet oder dienen zur Selbstdarstellung einer Kriegspartei.

    ”We were filming in the city centre at the parliament building where refugees from South Ossetia held their meeting”, he explained.

    “We were cut short by some people who took away our camera and materials. The cameraman and the sound engineer were beaten up. We managed to get our camera back but not what we had filmed,” Bobrov said.

    The journalist said: “President Saakashvili gave assurances that restrictions would not be imposed either on Georgian or foreign journalists”.

    It’s also reported that in the conflict zone itself, another Russian TV-crew, belonging to the NTV channel, came under fire.

    http://www.russiatoday.com/news/news/28775

    15:22 GMT – Two journalists reported dead in South Ossetia.

    http://www.russiatoday.com/news/news/28772

  3. Jetzt dürfte sich auch die Beziehung zwischen Israel und Rußland deutlich abkühlen.

    Wie sich dieses unverhältnismäßige Verhalten Rußlands auf die russische Wirtschaft auswirken wird?

    Wo sind eigentlich die „Friedensdemonstrationen“ der Linken?

    MfG Bariloche

  4. Hoffentlich wird den linkskrimminellen Architekten der Achse Berlin-Paris-Moskau angesichts der jüngsten Ereignisse endlich klar, was sie da verzapft haben.

  5. Rettungsmaßnahmen für georgische Juden
    In Jerusalem wurden gestern Rettungsmaßnahmen für die georgischen Juden besprochen. Die Evakuierung der etwa 250 bis 400 Israelis, die derzeit in Georgien weilen, ist bereits eingeleitet worden. Bisher ist keiner von ihnen durch die Kampfhandlungen zu Schaden gekommen. Georgische Juden bei ihrer Ankunft in Tel Aviv:
    http://666kb.com/i/b18g8oby99jd0pntp.jpg

    Einwanderungsminister Eli Aflalo traf sich am Montag mit dem Vorsitzenden der Jewish Agency, Zeev Bielski, und Vertretern des Außenministeriums, um die Lage der etwa 12 000 Juden Georgiens zu diskutieren. Sie vereinbarten, dass die Repräsentanten der Jewish Agency alle georgischen Juden unterstützen sollen, die nach Israel ziehen wollen. Letztere werden ein Jahr länger als gewöhnlich die Sonderzuwendungen für Einwanderer wie Mietzuschüsse und Hebräisch-Unterricht erhalten.

    Die Mehrzahl der georgischen Juden lebt in der Hauptstadt Tiflis und anderen Regionen, die bisher noch nicht von den Kämpfen in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Von den 200 Juden, die im Krisengebiet leben, sind die meisten von der Jewish Agency lokalisiert worden; 50 von ihnen haben bereits ihren Wunsch nach Einwanderung nach Israel geäußert.

    (Haaretz, 12.08.08)

  6. Salve!

    Rauben und plündern, so sieht also die
    Beschäftigung von „Friedenstruppen“ aus.
    Daß die Journalisten ihr Auto zurückbekommen haben ist vermutlich nur ihrem Beruf zu verdanken und daß die Tat vor den Armeeoberen geschah…

    Otto-Normal-Georgier müßte wohl dauerhaft
    auf sein Auto verzichten. Der Waffenstillstand
    soll Rußland nur ermöglichen Georgien in die Steinzeit zurückzubefördern, ohne daß es sich dagegen wehren darf.

    Wenn der russische Staatschef Putin glaubt so
    Georgien wieder rußlandfreundlicher zu stimmen
    und sich als Friedensmacht zu präsentieren, so
    geht der Schuß nach hinten los.

    Sakaschwili ist populär wie nie und Rußland
    schafft es wieder genau das Bild von sich zu
    vermitteln, das es 1944/45, 1953, 1956 und
    1968 von sich geschaffen hat.

    Rußland riskiert momentan mehr als nur die
    Aufnahme Georgiens in die NATO.

    Was will der Kreml als Nächstes?

    Die Ukraine oder doch die Dardanellen?

    Servus,

    MilitesChristi

  7. Wenn Georgien diesen Krieg angefangen hat, und das ist ja unbestritten, dann sollte ja auch klar sein wer eigentlich der Aggressor ist.
    Wenn nun wie in diesen Fall ( Gott sei Dank ) die Russen ihren eigenen Leuten in den von den Georgischen Truppen überfallenen Provinzen helfen, so finde ich das persönlich absolut OK.
    Leider geht jeder ( in jedem unterschiedlichen Fall ) Krieg, in der Regel eigene Wege, die leider immer !!!! zu sehr viel Leid und Kummer führen. Diese Regel ist auch unumstößlich.
    Peter Scholl Latour schreibt in einem seiner Bücher über den 7 Tage Krieg, “ Das diese
    ( diese ) Ereignisse innerhalb
    eines “ Krieges “
    absolute NORMALITÄT sind.
    Worüber regt Ihr euch auf ?
    Lasst uns Sachen zu verändern suchen, welche auch zu verändern sind !
    Lasst uns Ereignisse hinnehmen, welche nicht mehr zu verändern sind.
    Und unser christlicher Gott gebe uns die Weisheit beides voneinander zu unterscheiden.

    Ciao Leonardo

  8. @ Bleistift

    Wie wärs wenn du dir den, in deinem Nick beschriebenen, Gegenstand ganz tief dort hin steckts, wo bei dir miesem Antisemiten die Sonne nicht hinscheint! Verpiss dich auf irgendeinen rinken oder lechten Judenhasserblock, aber schnell.

  9. Vielleicht hätte der »Journalist« besser Russisch gelernt, dann käme es nicht zu Missverständnissen. Krieg ist so wie er ist.
    Nur der dekadente Westen glaubt an einen sauberen und glücklichen Krieg, solange man sich auf der „richtigen“ Seite befindet.

  10. @ 16: Hombre

    Mal ehrlich: Raub ist für mich kein
    Mißverständnis. Es ist eine Straftat.
    Auch wenn er von russischen „Friedenstruppen“
    begangen wird…

    Servus,

    Milites Christi

  11. @ #17 MilitesChristi

    Das mit der Raub hast du dir zusammengereimt oder kritiklos aus den Schilderungen entnommen. Vielleicht hatte der Soldat den Verdacht, dass sich im Wagen ein Sprengsatz befindet und wollte dies kurz prüfen. Nur so mal eine Theorie, die zum Geschilderten passt.

    Und eine Straftat ist im Krieg das, was gegen den Willen der militärischen Macht gerichtet ist.

  12. Klar klauen die Bewaffneten. In der zerstörten südossetischen Hauptstadt sieht man auch auf einem Video einen Soldaten interessiert die Sachen durchwühlen, die vor einem zerstörten Haus liegen. Und auf einem Foto sitzt ein Soldat auf einem Lehnstuhl auf einem fahrenden Panzer. So was gehört auch nicht zur Standartausstattung der Truppe. Der Punkt ist aber, der Mann hat seine Sachen zurückbekommen. Im Krieg fallen die Hemmungen. Von den Leuten wird verlangt, andere Leute umzubringen aber um Gottes Willen, Hände weg vom fremden Eigentum, das tut man nicht. Es ist schon im Interesse der Streitkräfte selbst, so etwas zu unterbinden, sonst verliert man schnell mal die Kontrolle. Und im Übrigen, nach den Kämpfen im Irak war die Andenkensammelleidenschaft der Truppe, die bis eben gekämpft hatte auch nicht gerade gering.
    So etwas passiert überall. Nur Deutschen nicht. Die dürfen nicht mal mit Totenschädeln posieren. 🙂

  13. Dienstag, 8. April – Granate auf das „Palestine“
    Durch US-Beschuss wird am frühen Morgen ein Reporter des arabischen Fernsehkanals al Dschasira in Bagdad getötet. Vier Stunden später sterben zwei Kameramänner im 15. Stock des Hotels Palestine, als eine amerikanische Panzergranate einschlägt – Mitarbeiter von Reuters und des spanischen Senders Tele 5. Die Station France 3 hat ein Team im Nachbarraum von Reuters und filmt den US-Panzer auf der Jumhuriya-Brücke, als er die Salve abfeuert, obwohl bekannt ist, dass im Palestine über 200 ausländische Korrespondenten arbeiten.

    http://www.freitag.de/2008/10/08100601.php

    So was kann vorkommen, wenn man durch Kameras gestört wird.

  14. Bleistift,

    auch Du wirst Deine Knie beugen, freiwillig oder unfreiwillig. Denn so steht es geschrieben. Du wirst sie beugen vor einem Juden: Jesus Christus (Jehoschuah Maschiach).

    Philipper 2, 10.

  15. Sowjets bleiben Sowjets.

    Zbigniew Brzezinski hatte mal wieder Recht, als er unlängst meinte, Russland zu isolieren wäre der einzige gangbare Weg.

    Nur traut sich das mal wieder keiner.

  16. Kein Problem, denn europäisches Gas kommt aus der Wand und Strom aus der Steckdose und das Benzin gewinnen wir, in dem wir solche Hohlköpfe auspressen. Warum isolieren wir nicht einfach Saudi Arabien? Hm?

  17. @REB

    Ich mußte mal wieder über deine herzerfrischenden sarkastischen Kommentare lachen! 😀

    #4

    Wie sich dieses unverhältnismäßige Verhalten Rußlands auf die russische Wirtschaft auswirken wird?

    Nana, dem wurde doch vorgebeugt!

    Erstaunlicherweise tauchte dann nach 20 Minuten ein russischer Offizier auf und brachte das Auto mitsamt Inhalt zurück.

    Na, Ende gut – alles gut! 🙂

    Es könnte durchaus passieren, daß es in Kürze da paar standrechtliche Erschießungen von Marodeuren geben wird. Assis gibt es überall.

    Ich habe im Welt-Forum einen interessanten Link gefunden, den ich euch nicht vorenthalten möchte:

    http://info.kopp-verlag.de/news/die-strippenzieher-hinter-georgiens-praesident-saakaschwili.html

    Und es taucht immer wieder dieser Name auf:
    Zbigniew Brzezinski

    Kann doch kein Zufall sein, oder?

  18. @ 2 BUNDESPOPEL

    Denn für Mütterchen Rußland ist über alle möglichen Irritationen hinweg der Staat Israel seit langem ein Freund.

    Das selbe Russland, dass Iran bei dessen Atomplänen in Schutz nimmt, die die Existens Israels „gefährden“?

  19. Jeder Staat hat eben so seine Interessen, die er gerne durchgesetzt hätte. Wenn da Konkurrenten auftauchen, die zufällig dasselbe Objekt der Begierde im Auge haben, da kann es schon mal böse Worte geben.

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