Steinplatz-BerlinAndere deutsche Städte dürften uns in diesem Punkt auch mal beneiden, denn eigentlich haben wir es sehr gut in Berlin: Hier gibt es an der lärmenden Hardenbergstrasse den Steinplatz mit je einem Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus und des National-Sozialismus. Wo sollte man sonst einen Gedenktag für die Millionen Toten würdig begehen können?

(Von DIE FREIHEIT, Landesverband Berlin)

Diese Gedenksteine stammen aus dem Jahre 1951, also aus alter Westberliner Zeit, mitten im kalten Krieg. Dass so etwas bis in unsere korrekte Zeit überdauert hat, erscheint heute fast schon wieder als ein Akt der Rebellion. Wie sich die Zeiten ändern. Insofern ist dieser Platz einerseits ideal für ein Gedenken am 23. August. Andererseits ist der Ort leider nicht praktisch, da nur sehr wenig Platz von den Gedenksteinen bis zur Strasse bleibt, wo gleichzeitig ein stark frequentierter Fußweg verläuft, weshalb es hier insgesamt eher laut und „un-besinnlich“ ist.

Steinplatz-Berlin, Blick zur Strasse

Es gibt seit ein paar Jahren auch noch einen kleinen, inzwischen mehrfach von Linksextremisten geschändeten Gedenkstein auf dem Sozialistenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde, wo Anfang Januar immer „Karl und Rosa“ gedacht wird. Der allerdings ist von der Linkspartei gestiftet und nur für die kommunistischen Opfer des Stalinismus vorgesehen, von denen es nun allerdings auch wirklich reichlich gab.

Noch immer gibt es aber in Deutschland keine zentrale staatliche Gedenkstätte für die Opfer des Stalinismus bzw. Kommunismus, die der Bedeutung angemessen wäre, und schon gar nicht etwas in Kombination zum national-sozialistischen Opfergedenken, wie hier am Steinplatz.

Da wir nicht über große Gelder bzw. so gute Kontakte zur Gewerkschaft verdi wie andere politische Gruppen verfügen, haben wir aus vielen auf eine Wäscheleine aufgefädelte A4-Blättern ein ca. 10 m langes Transparent gebastelt. Darauf stand in großen, selbst ausgedruckten Lettern entlang der Hardenbergstraße:

GEDENKEN AN HITLER- UND STALIN-OPFER IN BRD UNERWÜNSCHT?

Eigentlich eine gute Idee, aber nächstes Mal geht der gemeinsame Zusammenbau dann hoffentlich schon schneller, man lernt ja jedes Mal dazu.

Steinplatz-Berlin, Wimpelkette Bild 1
Steinplatz-Berlin, Wimpelkette Bild 2
Steinplatz-Berlin, Wimpelkette Bild 3
Steinplatz-Berlin, Wimpelkette Bild 4

In der Ansprache zum Gedenken (Link zum vollständigen Text hier) wurde eine Brücke zu unserer Veranstaltung am letzten Volkstrauertag 2012 geschlagen, als wir vor dem Reichstag der deutschen Opfer von Ausländergewalt gedachten. Ähnlich wie im November ging es ja wieder darum, ein überfälliges Zeichen gegen Opferhierarchien zu setzen.

Steinplatz-Berlin, Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus
Steinplatz-Berlin, Redner Heribert Eisenhardt

Es gibt einen wesentlichen Unterschied: Die Opferhierarchie zwischen Ausländern und Deutschen ist fast täglich aktuell in Polizeimeldungen zumindest zu erahnen (Motto: Werden keine weiteren Täterangaben herausgegeben, weißt Du Bescheid). Die Hierarchie zwischen Opfern des National-Sozialismus und des Stalinismus ist dagegen unsichtbarer. Sie liegt in den Lücken der offiziellen Nachkriegs-Geschichtsschreibung der Siegermächte des 2. Weltkriegs in ihren Einflussgebieten begründet und schlummert bereits mehr oder weniger tief in unser aller gesellschaftlichem Unterbewusstsein. Der Ossi ist hier in der Regel genauso betroffen wie der Wessi. Es wäre schön, wenn immer mehr Bürger begreifen würden, dass die historische Hierarchie der Opfer die tiefe Grundlage bildet, auf der andere heutige alltägliche Opferhierarchien aufbauen. Deshalb ist auch der 23. August so wichtig.

Manchmal gibt auch hoffnungsvolle Zeichen, so wurde z.B. auf der Leipziger Buchmesse 2012 das Buch „Bloodlands – Europa zwischen Hitler und Stalin“ von Thimorty Snyder ausgezeichnet, welches das komplexe Thema sehr interessant und sachlich beleuchtet.

Ist es verwunderlich, dass zu solch einer erstmaligen, also unbekannten und kaum beworbenen Gedenkveranstaltung in Berlin gesamt fast 20 aufrechte Bürger erschienen und nicht ein Mehrfaches wie z.B. am Volkstrauertag? Eigentlich nicht.

Steinplatz-Berlin, Personengruppe im Gespräch
Steinplatz-Berlin, Personengruppe am Gedenkstein für die Opfer des National-Sozialismus
Steinplatz-Berlin, Gruppenfoto von Veranstaltungsteilnehmer

Besonders gefreut haben wir uns, dass auch Bürger, die damals von der Stasi inhaftiert waren, gerne an unserer Veranstaltung teilgenommen haben und uns ein betroffener Rentner sogar anhand von Kopien aus seinen Stasi- und KGB-Akten über seine Haft informierte.

Steinplatz-Berlin, Betroffener Rentner

Zum Abschluss legten wir jeweils an den beiden Gedenksteinen Blumen nieder und zündeten in einem stillen Gedenken Kerzen an. Wir denken, es war insgesamt ein guter und wichtiger Anfang und jeder der Teilnehmer wird dieser Veranstaltung in guter Erinnerung behalten.

Steinplatz-Berlin, Blumenniederlegung am Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus
Steinplatz-Berlin, Blumenniederlegung am Gedenkstein für die Opfer des National-Sozialismus

Video der Gedenkveranstaltung:

Fotocredit: Nick und Hermann

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12 KOMMENTARE

  1. Als wir von pro Deutschland am 22. August 2013 vor der Zentrale der SED-Linken im Zentrum Berlins protestiert hatten, hat sich am Rande die Vereinigung der Verfolgten des Stalinismus mit uns solidarisiert.

  2. Habe diese Veranstalung ja per Video aufgenommen, aber muste einem Teilnehmer versprechen, das meine Aufnahmen weger seiner Person nicht veröffndlicht wird und deshalb mich an dieses Versprechen auch halte, Bin auch auf einen dieser Bilder drauf.

  3. „National-Sozialismus“ das ist die politisch korrekte Schreibweise :-), die auch verbreitet werden sollte.

    Politisch ganz inkorrekt wäre die Schreibeweise „Nazismus“, welche die Sozialisten (aus verständlichen Gründen) etablieren möchten.

  4. Grob gesagt ergibt sich die Opferhirarchie aus der unterschiedlichen moralischen Bewertung der Ideologie auf Grund derer sie ermordet wurden. Die Einen starben im Namen der Ungleichheit, die Anderen im Namen der Gleichheit.

    Gemeinsam haben die Opfer allerdings, dass sie als nicht zukunftsfähig oder zukunftsunwillig eingestuft wurden.Die Geschichte des Holodomor zeigt uns, dass auch unter dem Vorzeichen der Gleichheit,ein gesamtes Volk als zukunftsunwillig identifiziert werden konnte und so aus der Masse der Gleichen ausgesondert der Ausrottung preisgegeben wurde.

    Die beiden utopischen Zukunftsmodelle setzten in unterschiedlicher Weise auf eine Evolution des Menschen, die durch die Selektion der Rückwärtsgewadnten, der nicht evolutionierbaren, der Dinosaurier, Untermenschen oder Klassenfeinde vorangetrieben wurde.

    Der Fortschrittsideologie folgend war der Tod der ausgesonderten Gruppen und Individuen alternativlos. Die Notwendigkeit die jeweilige Opfergruppe auszusondern wurde unterschiedlich aber in beiden Fällen wissenschaftlich begründet. Wissenschaft, die sich der jeweiligen utopischen Idee der idealen Gesellschaft andiente erarbeitete die Kriterien nach denen sich der Wert und das Lebensrecht eines Menschen, sein Menschenrecht, das Menschsein überhaupt festlegen ließ.

    Eine am jeweiligen Fortschrittsmodell orientierte Ethik, die nichts höheres kannte als den menschlichen Willen, stellte die notwendige moralische Sicherheit her, in der das Menschenopfer dem Sieg der höheren Moral diente,jede Opferzahl rechtfertigte und das Glück des Menschen der Zukunft, die paradiesischen Zustände des reinen Utopia herbeiführen sollte.

    Das eine Zukunftsmodell versank nach dem Zweiten Weltkrieg unter allgemeiner Ächtung. Das andere Utopia begleitet und bedroht uns bis zum heutigen Tag.

    Die Gleichheit ist fester Bestandteil der uns heute aufgezwungenen Zukunftsideologie und zum gesellschaftlich tabuisierten Fetisch geworden, der seine moralische Sicherheit und Unantastbarkeit als Antwort auf die dunkle Vergangenheit präsentiert. Alternativlos.

    Daraus Ergibt sich, dass Tote unterschiedlichen Wert haben. Die Opfer der Gleichheitsutopie starben für eine gute Sache. Für eine Sache die auch heutigen Generationen, wenn auch in verändertem Kostüm, menschernrechtlich verkleidet und mit sanfteren Methoden, wissenschaftlich moralisch begründet, als einzig denkbares Zukunftsmodell präsentiert wird.

    Erneut möchte ich auf die erschreckende Losung einer Veranstaltung zum Jahrestag der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte hinweisen, die hier in Deutschland, in unserer Mitte wie es heute heißt, stattfand und die Erfolge der sich in den unterschiedlichen Menschenrechtsartikeln evolutionierenden Aushandlungsethik feiert:

    „Das Recht das uns zum Menschen macht“

    An Anmaßung nicht zu überbieten lässt diese Interpretation des Menschseins keinen hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft zu und es ist unerträglich, dass in Deutschland, in dem zwei totalitäre Systeme ihre Blutspur hinterließen, diesem Denken , ich möchte glatt sagen, diesem Gedankengut,nicht nur Raum gegeben wird, dass es sogar als alternativlose Zukunftsideologie unsere Gesellschaft und damit uns zu evolutionieren sich anmaßt.

    Die Erinnerung und Analyse der unterschiedlichen marxistisch inspirierten Mörderregime und das Gedenken an die Opfer schließt sich vor diesem Hintergrund natürlich aus.Es würden sich Fragen zu dem heute exekutierten Menschenexperiment auftun die nicht erwünscht sind.Es würde die Kritik an dem verordneten Zukunftsmodell historisch moralisch rechtfertigen – undenkbar.

  5. Der marxistische Antirassismus, der heute zur allgemeinen Analyse unserer Gesellschaft neben der absurden Denkschule zum „autoritären Charakter“ und der Theorie der permanenten Dekonstruktion, parteiübergreifend herangezogen wird, das neue Utopia durchzusetzen und gegen Kritik abzusichern, führt zwangsläufig zur unterschiedlichen Wertigkeit der Opfer von Gewalttaten, in denen Opfer und Täter ihre Rolle innerhalb der herrschenden Ideologie einnehmen, kontextualisiert werden, in der die jeweilige politisch, propagandistische Verwertbarkeit über die Zulässigkeit öffentlicher Trauer entscheidet, die in den jeweiligen Situationen verordnet oder verboten wird.

    Diese ungleiche Behandlung allerdings empfängt ihre moralischen Weihen aus der Ideologie der Gleichheit die, wie ich oben schon schrieb, Fetischcharakter hat, die höhere Moral verkörpert und für sich in Anspruch nimmt durch die wissenschaftlich begründete Ungleichbehandlung die wirkliche Gleichheit erst herstellen zu können.

  6. Der Steinplatz –
    mit einer Büste von jenem
    legendären preußischen Reformer,
    der aber aus dem Nassauischen stammt,
    übrigens meiner Heimat, was mich
    auch ein wenig mit Stolz
    erfüllt – ist kein
    Platz im
    eigentlichen Sinne,
    sondern eine (nun wieder)
    gepflegte Anlage mit Bänken und
    Büschen, wo nachts Kaninchen rumhoppeln.
    Ein ansprechender Ort um kurz mal
    zu verweilen, mit Blick auf
    das Hauptgebäude der
    UdK, das einem
    einen Begriff davon
    vermittelt, was Architektur
    sein kann, bzw. einmal war. Und was
    die Hardenbergstaße angeht –
    lärmend trifft es wohl
    eher nicht, sicher
    ist’s schon
    laut – je
    nach Verkehr, dafür
    auch angenehm belebt durch
    einen nicht abreißenden Strom von
    Passanten. Und dann ist da noch das Café
    Hardenberg, von dessen Terrasse
    man einen guten Blick auf
    das bunte Treiben hat
    – bei zivilen
    Preisen.

  7. #8 eo (28. Aug 2013 11:42)

    Ist dein Textprogramm irgendwie kaputt? Der Satzbau stimmt in keinem deiner Beiträge, und das seit langer Zeit, das macht das Lesen etwas schwierig.

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