image1957 erschien ein kleines Büchlein mit dem Titel „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“. Herausgeber war unter anderem Dolf Sternberger, ein deutscher Journalist aus einer Zeit, zu der man diesem Berufsstand noch mit Respekt begegnen durfte. Dieses kleine und vielgelesene Büchlein war Antwort auf einen Alptraum, eine gerade erst überwundene Zeit der völligen Entmündigung des Menschen. Dementsprechend wurde es aus einer Idealvorstellung des freien, selbstverantwortlichen Menschen heraus geschrieben – und einer der exponierten Lexikoneinträge war das Wort: „Betreuung“.

Betreuung ist die Art von Terror, für die der Betreute auch noch Dank schuldet. „Betreuung“ passiviert den Menschen, macht aus einem aktiven, freien, sein Leben in der eigenen Hand habenden Menschen einen passiven Empfänger von Leistungen. Deshalb hat Sternberger dieses Wort mit Recht zur Begutachtung gestellt.

Er schrieb: „Die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) betreute Mutter und Kind, der Reichsnährstand die Bauern, die Arbeitsfront die Arbeiter; die Wirtschaftsgruppen, Wirtschaftsämter, Rüstungsinspektionen und andere Behörden, alle zusammengefaßt im ausdrücklich so benannten ,Betreuungsausschuß‘, betreuten… die industriellen Betriebe. Ja wahrhaftig: Die Geheime Staatspolizei betreute die Juden…“ Und, der Vollständigkeit halber erwähnt, beschrieb Sternberger die „Lagerbetreuung“ in den KZs.

Wem all das schon jetzt vertraut vorkommt, liegt richtig. Es hat nur knapp zehn Jahre gebraucht, schon waren die brüllenden Horden der Entmündiger auch wieder auf der Straße. Verkleidet: jetzt in blutigem rot statt in erdigem braun. Und die Gesellschaft veränderte sich unter dem Druck der Straße und dem Aufmarsch durch die Institutionen.

(Weiterlesen beim Deutschen Arbeitgeber Verband)

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22 KOMMENTARE

  1. Das ganze System ist nicht mehr zu „reformieren“.
    Es bleibt nur noch Zusammenbruch und Neustart.

  2. Um mal eine Stammtischparole abzulassen:

    Dieses ganze Betreuungs- und Beauftragtenwesen (Kinder, Ausländer, Frauen, Alte Hunde, Tierschutz, weiß der Geier) gehört schlicht und ergreifend abgeschafft, keien Pfennig / Cent mehr aus öffentlicher Hand. (Ausnahme vielleicht bestimmte Behinderungen)

    Deutschland ist traditonell en Land der Interessensverbände, wo „Betreuungsbedarf“ besteht, würde der durch private Vereinsmitgliedschaft befriedigt.

  3. Arbeitnehmer, Frauen, Behinderte, Schwule, Migranten, Veganer … Alle werden in einen Topf geworfen und mit Parasiten verglichen?
    Ganz große Vorsicht, Herr Peter Schmidt, Präsident des DAV. Solche Äußerungen sind entlarvend.

    Eine Zeichnung Heinrich Zilles:
    „So, heute sind Sie 25 Jahre bei mir, nun denken Sie mal, wieviel Geld Sie mir schon haben weggeschleppt.“
    http://www.payer.de/arbeitkapital/arbeit10299.gif
    Angesichts der Entwicklung der Löhne und der dramatischen Zunahme derer, die nicht mehr von ihrer Arbeit leben können ist diese Thematik leider wieder sehr aktuell.
    Aus der Geschichte hat dieser Mann offenbar leider nichts gelernt.

  4. Die Lügenmedien betreuen das Denken der Bürger.
    Die Parteien betreuen die Politik. Und Mutti betreut alle ihre Kinder…

  5. #1 Biloxi (04. Feb 2015 10:40)

    Das ganze System ist nicht mehr zu „reformieren“. Es bleibt nur noch Zusammenbruch und Neustart.

    ———–

    (… hier jetzt bitte als meine Antwort eine 349 Seiten lange ausgewogene Abhandlung mit tadellosem wissenschaftlichen Apparat und pro und contra und interim und allen möglichen Analysen und Abwägungen, Belegen und Bedenken, Geschichte und Geschichten denken. Und unter dem Strich der 349 Seiten kommt raus… )

    ————

    Ja.

  6. #1 Biloxi (04. Feb 2015 10:40)

    Seit ich den Film Dr. Schiwago zum ersten Mal sah, faszinierte mich die Figur des Victor Komarovsky ungemein negativ.
    Es sind die politischen Chamäleons, die extrem widerstandsfähig, immer nur den eigenen Vorteil im Auge, durch die Systeme sich lavieren, immer oben auf schwimmend, irgendwann wieder die Richtung vorzugeben wissen.
    Pasternaks Figur des Komarovsky hat, seit ich den Film in den 60er Jahren sah, ein und für alle mal in mir die Hoffnung getilgt, dass irgendeine Form des Neustarts Besseres bringen könnte.
    Man kann das Märchen vom Rotkäppchen auch politisch lesen. Dann frißt das Böse die Tradition, Großmutter, und tarnt sich als diese, frißt Kreide und tut so als ob.
    Das es nur gut meinende Mädchen, geht dem Bösen auf dem Leim und fällt ihm letztlich anheim.
    Der Jäger rettet dann noch die Großmutter und das Mädchen, Tradition und Zukunft.
    Doch wer ist der rettende Jäger? Er?
    http://www.amigos-unidos.org/wp-content/uploads/2010/07/Putin-bei-der-Jagd.jpg

  7. Deutschland, das Land des „betreuten Denkens“.
    Wie hat schon Napoleon zu den Deutschen gesagt:
    „Kinners, meint Ihr nicht dass es langsam mal Zeit wird selbst zu denken?“

  8. #10 Freya- (04. Feb 2015 11:34)

    OT NEWS

    LIBANESE schießt auf 13- jährige Tochter und weitere Personen !

    http://www.siegener-zeitung.de/siegener-zeitung/Blutige-Schiesserei-in-Siegen-34933c4e-1372-49db-8437-cec46c7553b5-ds
    – – –
    „Flüchtlinge sollen vermehrt dezentral und in Wohngegenden untergebracht werden.“
    Wie schön.
    Dann kann man ja sagen: Demnächst auch in Ihrer Nachbarschaft: „Schießerei“ mit einer 13jährigen (die mit Sicherheit eifrig zurückgeschossen hat).
    Es ist zum Kxtzen!

  9. #7 FrankfurterSchueler (04. Feb 2015 11:29)

    Victor Komarovsky … ein und für alle mal in mir die Hoffnung getilgt, dass irgendeine Form des Neustarts Besseres bringen könnte.

    Das kann ich nur unterschreiben. ABER: Wenn auch Neustarts keine Hoffnung bringen, so schaffen sie doch für – im besten Falle 100 Jahre – Luft, in denen sich Freiheit/ihre Ideen entfalten können.

    Daß sie immer wieder vergeigt wird, weil dann, einmal umfassend erreicht, an ihr sofort bis zum piffeligen, pingeligen Exzess rumgeklempnert wird, statt sie generös zu bewahren, zeigen diverse Sprichwörter:

    – Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis.
    – Aufstieg ist leicht, obenbleiben ist schwer.

    usw.

    Aktuelles Beispiel Deutschland (Freiheit heißt für mich im Sinne der FDGO: Maximale Freiheit innerhalb eines sehr permissiven, staatlichen Rahmens, der Spielraum gewährt. Unfreiheit heißt: Der großzügige staatliche Rahmen wird per Gezeter und Gesetz in bleierne Fuzzi- und Sonder-Dogmen ohne den geringsten Spielraum gegossen, die jegliche entspannte Freiheit zuungusten Eiferertums töten):

    Freiheit: Jeder kann essen, was er lustig ist. Eure persönlichen Essensneurosen interessieren mich nicht. Es gibt für alle was.
    Unfreiheit: Ihr MÜSST aber ALLE essen, was „gesund, halal, vegan“, schießmichtot ist. Sonst bist du Nahtzi!

    Freiheit: Jeder kann frank und frei seine Genderneurose pflegen oder sonstwie (ohne umgebracht zu werden) leben.
    Unfreiheit: Ihr MÜSST aber alle Genderneurosen staatlich verankern und wer das nicht will, ist Nahtzi. Im übrigen: Im Islam sind Homos tot! Wenn ihr das nicht akzeptiert, seid ihr Nahtzi!

    Freiheit: Religionen sind kaka, kann ich ohne Angst um mein Leben finden.
    Unfreiheit: Religionen sind kaka, aber wehe, du sagst was gegen den Islam! Dann mußt du um dein Leben fürchten.

    Etc.

  10. #7 FrankfurterSchueler (04. Feb 2015 11:29)

    Ja, das ist wohl so: Auch nach einem „Neustart“ würde es über kurz oder lang wieder zu einer Degeneration kommen, weil die Menschen nun mal so sind, wie sie sind. Ein uraltes und nie zu lösendes Problem der Menschheit. Aber so degeneriert und korrumpiert wie derzeit hierzulande muß es ja auch nicht sein. 😉

    Andererseits gab und gibt es immer noch sehr viel üblere Systeme. Alles nicht so einfach … – Mir scheint, im Kaiserreich von 1871 bis 1914 lief es relativ gut, auch in den Anfangsjahrzehnten der alten Bundesrepublik.

    Aus: Barbara Tuchman, Die Torheit der Regierenden,
    S. 17:

    Seit 2500 Jahren haben sich politische Philosophen von Aristoteles und Platon über Thomas von Aquin, Machiavelli, Hobbes, Locke, Rousseau, Jefferson, Madison und Hamilton bis hin zu Nietzsche und Marx mit den wichtigen Problemen der Sittlichkeit, der Souveränität, des Gesellschaftsvetrages, der Menschenrechte, der korrumpierenden Wirkung von Macht und mit der Frage des Ausgleichs zwischen Freiheit und Ordnung beschäftigt.

    Wobei „Betreuungsmacht“ zwar auch eine üble, aber wenigstens unblutige Form von Macht ist. 😉 Aber zur jedem System immanenten Degeneration und Korruption durch Macht kommen dann auch noch Dummheit und Verblendung hinzu; Barbara Tuchman nennt es „Torheit“; im Original: „The March of the Folly“ = Torheit, Unsinn, Verrücktheit, Narrheit, Aberwitz, Eselei. Aktuelles Paradebeispiel: Der Euro und seine „Rettung“.

  11. #13 Babieca (04. Feb 2015 12:29)

    Genau! Auch das Übrige unterschreibe ich voll und ganz. Man könnte es auch kurz und knapp nennen: Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Das sollte auch für Staaten gelten: Griechenland! Und für Bundesländer: Bremen! Kraft-Kalifat!

    Solange ihre Mißwirtschaft durch Länderfinanzausgleich von anderen finanziert wird, machen sie natürlich weiter. Womit wir bei Subventionen wären, noch so einem fundamentalen Übel. Ein unerschöpfliches Thema, das alles.

    Schlage einen „Neustart“ für die REPs vor:

    Radikale Eigenverantwortlichkeits-Partei. 🙂

  12. #15 Biloxi (04. Feb 2015 12:55)

    #13 Babieca (04. Feb 2015 12:29)
    ———————————-
    dacor

    Wenn die Erziehung wieder darauf ausgelegt ist, dass die Kinder lernen eigenverantwortlich scheitern zu können – das Gegenteil von betreutem Denken – dann sind wir auf dem richtigen Weg.
    Scheitern können und dürfen das ist wahre Freiheit, egal ob Kind, Bürger, Institution oder ein Staat oder ein Staatenbund.
    Unsere Gesellschaft besteht darin Scheitern immer und überall zu verhindert und scheitert letztlich darin schlimmst möglichst.
    Der Islam, der lehrt, dass sein Götze ALLAH alles determiniert passt dazu hervorragend.
    Das Christentum ist das genaue Gegenteil davon, denn Jesus ist politisch erstmal an den Verhältnissen gescheitert.

  13. #15 Biloxi

    Solange ihre Mißwirtschaft durch Länderfinanzausgleich von anderen finanziert wird, machen sie natürlich weiter.

    Genau! Außerdem würden die genannten ‚failed states‘ unter rotgrüner Fuchtel die Forderung nach Eigenverantwortung bzw. nach einer konsequenten Subsidiaritätspolitik bis aufs Blut bekämpfen, weil sie genau wissen, dass ohne Finanzausgleich dann binnen kürzester Zeit die Lichter ausgehen würden.

  14. #13 Babieca (04. Feb 2015 12:29)

    Freiheit: Jeder kann frank und frei seine Genderneurose pflegen oder sonstwie (ohne umgebracht zu werden) leben.
    Unfreiheit: Ihr MÜSST aber alle Genderneurosen staatlich verankern und wer das nicht will, ist Nahtzi. Im übrigen: Im Islam sind Homos tot! Wenn ihr das nicht akzeptiert, seid ihr Nahtzi!

    Genau. Und an diesen Beispielen sieht man folgenden Effekt:

    In Freiheit können verschiedene Varianten und sogar Gegensätze parallel existieren.

    In Unfreiheit: Da nie alles in ein schwarz/weiß, links/rechts oder sonstiges binäres Schema zu pressen ist, gibt es nicht auflösbare Widersprüche. Die dann nur mit noch mit noch mehr Zwang (Unfreiheit) mittels Doppeldenk durchgesetzt werden können.

    .

    #15 Biloxi (04. Feb 2015 12:55)

    Solange ihre Mißwirtschaft durch Länderfinanzausgleich von anderen finanziert wird, machen sie natürlich weiter.

    Klar. Länderfinanzausgleich u.ä. ist Belohnung für Mißwirtschaft und Strafe für vernünftiges Wirtschaften. Womit dieses dann auch nicht mehr vernünftig ist (in diesem Sanktionssystem). Ein Ausgleich für konkrete äußere Einflüsse (z.B. Flutschäden) ist vertretbar. Ausgleich für Mißwirtschaft nicht.

  15. DAS nenn ich mal fortschrittlich!! Respekt! (Aber ich sage auch: Der wird noch Ärger bekommen!)

  16. Der wird noch Ärger bekommen!
    #21 Haudraufundschlus (04. Feb 2015 14:18)

    Nö, wird er nicht. Der DAV ist nämlich nicht zu verwechseln mit dem – system(zuge)hörigen! – BDA, der ja im Text auch sein Fett abkriegt.

    Der DAV ist leider nur ein ziemlich unbedeutender Haufen, ein Konkurrenzverband. Mir war der Unterschied neulich zunächst auch nicht klar, ein Mitforist wies mich freundlicherweise darauf hin.

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