benny_morris.jpgEine düstere Vorhersage konnte man gestern in der Literarischen Welt lesen. Benny Morris, der als einer der einflussreichsten israelischen Historiker gilt, erklärt darin, warum der Iran Israel vernichten wird. Er prophezeit einen zweiten Holocaust, der ganz anders sein wird als der erste. „Nachdem der Iran sich die Bombe beschafft hat, werden die Mullahs sich in Qom zu einer Geheimsitzung treffen, unter einem Porträt des stählern dreinblickenden Ajatollah Khomeini, und sie werden Präsident Ahmadinedschad, der dann in seiner zweiten oder dritten Amtszeit sein wird, ihr Placet geben.“

Auszüge aus Morris‘ Text:

Gewiss, die Nazis haben den Massenmord industrialisiert. Trotzdem standen sie ihren Opfern Auge in Auge gegenüber, waren manchmal auf Tuchfühlung mit ihnen. Die Deutschen zusammen mit ihren Helfern aus anderen Nationen mussten die Männer, Frauen und Kinder belagern, sie aus ihren Häusern zerren, die Straßen hinunterprügeln, in nahe gelegenen Wäldern niedermähen, sie in die Viehwaggons verladen und in die Lager transportieren, wo „Arbeit macht frei“ über dem Tor stand. Sie mussten die körperlich Fitten von den Nutzlosen trennen und sie in „Duschräume“ locken und das Gas über ihnen ausschütten und dann die Leichen entfernen oder dies wenigstens überwachen und die „Duschen“ für die Nachfolger vorbereiten.

Der zweite Holocaust wird vollkommen anders sein. Eines schönen Morgens in fünf oder zehn Jahren – vielleicht während einer Krise in der Region, vielleicht aus heiterem Himmel -, einen Tag oder ein Jahr oder fünf Jahre, nachdem der Iran sich die Bombe beschafft hat, werden die Mullahs sich in Qom zu einer Geheimsitzung treffen, unter einem Porträt des stählern dreinblickenden Ajatollah Khomeini, und sie werden Präsident Ahmadinedschad, der dann in seiner zweiten oder dritten Amtszeit sein wird, ihr Placet geben. Die nötigen Befehle werden erteilt werden, und die Shihab-III oder IV-Raketen werden abheben in Richtung Tel Aviv, Beer Scheba, Haifa und Jerusalem und womöglich einiger militärischer Ziele, eingeschlossen das halbe Dutzend Militärflughäfen und der bekannten nuklearen Abschussrampen. Einige der Shihabs werden atomare Sprengköpfe tragen, vielleicht sogar Mehrfachsprengköpfe. Andere werden zur Ablenkung dienen und nur mit chemischen oder biologischen Kampfstoffen oder alten Zeitungen geladen sein, um die israelischen Antiraketen-Raketen und Heimatschutzverbände in die Irre zu führen.

Bei einem Land von der Größe und Gestalt Israels (8000 in die Länge gezogene Quadratmeilen) werden vermutlich vier oder fünf Treffer genügen: Kein Israel mehr. Eine Million Israelis in Tel Aviv, Haifa, Jerusalem und dem Umfeld dieser Städte, vielleicht sogar mehr, wird auf der Stelle tot sein. Zusätzliche Millionen werden ernsthaft radioaktiv verstrahlt werden. Israel hat ungefähr sieben Millionen Einwohner. Kein Iraner wird auch nur einen davon sehen oder berühren. Es wird völlig unpersönlich sein. (…) Ahmadinedschads ständige Verweise auf die Notwendigkeit, Israel zu zerstören, und seine Leugnung des ersten Holocaust lassen darauf schließen, dass dieser Mann besessen ist. Das hat er mit den Mullahs gemeinsam. Sie alle sind mit den Lehren von Khomeini aufgewachsen, einem äußerst produktiven Antisemiten, der oft gegen den „kleinen Satan“ Israel schäumte. Ahmadinedschad ist gewillt, vieles aufs Spiel zu setzen – die Zukunft des Iran oder sogar des gesamten muslimischen Nahen Osten als Einsatz für die Zerstörung Israels. (…) So wie dem ersten wird auch dem zweiten Holocaust ein Jahrzehnt vorangegangen sein, in dem die Herzen und Hirne auf ihn vorbereitet wurden. Verschiedene Botschaften haben verschiedene Publikumskreise erreicht, aber alle haben nur einem Ziel gedient, der Dämonisierung Israels. Muslimen auf der ganzen Welt wurde beigebracht, dass „Israel vernichtet werden“ muss. Die Leute im Westen wurden auf subtilere Art belehrt: „Israel ist ein rassistischer Unterdrückerstaat“ und „Israel ist im Zeitalter des Multikulturalismus ein überflüssiger Anachronismus“. Generationen von Muslimen und zumindest eine Generation von Leuten im Westen wurden nach solchen Glaubenssätzen erzogen.

Im Vorfeld des zweiten Holocaust (der übrigens wahrscheinlich ungefähr dieselbe Zahl von Menschenleben kosten wird wie der erste) zersplitterte die internationale Gemeinschaft, denn sie wurde von verschiedenartigem selbstsüchtigem Appetit motiviert. Russland und China hungerten nach muslimischen Märkten, Frankreich hungerte nach dem arabischen Öl – und die Vereinigten Staaten wurden von dem Debakel im Irak in einen tiefen Isolationismus getrieben. Der Iran war also frei, seiner nuklearen Bestimmung entgegenzugehen, und Israel sah sich der Bedrohung ganz allein gegenüber. Aber ein isoliertes Israel wird sich der Aufgabe so wenig gewachsen zeigen wie ein Kaninchen, das vom Scheinwerferlicht eines entgegenkommenden Autos geblendet wird. (…) die Iraner werden von einer höheren Logik getrieben. Und sie werden ihre Raketen zünden. Und wie im ersten Holocaust wird die internationale Gemeinschaft nichts tun. Für Israel wird alles in ein paar Minuten vorbei sein. Wenn die Shihabs gefallen sind, wird die Welt Rettungsschiffe und medizinische Hilfe für die nur leicht Verbrannten schicken. Sie wird den Iran nicht nuklear auslöschen. Zu welchem Zweck denn und um welchen Preis? Eine nukleare Antwort der Amerikaner würde den Krieg der Kulturen noch schlimmer und umfassender machen. Und sie würde natürlich Israel nicht zurückbringen.

Und doch: Der zweite Holocaust wird in dem Sinne anders sein, dass Ahmadinedschad jene, die er sich so sehr tot wünscht, nicht wirklich sehen oder anfassen kann. Es wird keine Szenen wie die folgende geben, die sich in Bolechow in Polen im September 1942 zutrug (beschrieben wird sie in Daniel Mendelsohns jüngst erschienenem Buch „Die Verlorenen“): „Eine schreckliche Episode ereignete sich mit Frau Grynberg. Die Ukrainer und Deutschen, die in ihr Haus eingebrochen waren, fanden sie vor, als sie gerade gebar. Die Tränen und Bitten der Anwesenden halfen nicht, und sie wurde im Nachthemd aus ihrem Haus auf den Platz vor dem Rathaus gezerrt. Von dort wurde sie auf einen Schuttabladeplatz im Inneren des Rathauses gezogen, und um sie herum stand eine Menge von Ukrainern, die Witze machten und sie verhöhnten, während sie die Schmerzen der Geburt verfolgten, und so gebar sie ein Kind. Das Kind wurde sofort aus ihren Armen gerissen – zusammen mit seiner Nabelschnur – und in die Luft geworfen. Es wurde von der Menge zertrampelt, und man stellte sie auf die Füße, während das Blut aus ihr herausströmte und blutige Teile aus ihr heraushingen, und so stand sie ein paar Stunden lang an der Mauer des Rathauses. Danach ging sie mit all den anderen zum Bahnhof, wo sie in einen Waggon im Zug nach Belzec geladen wurde.“

Solche Nähe zum Opfer wird den iranischen Mördern erspart bleiben. Sie töten anonym …

» Fakten & Fiktionen: Israels Ende

(Spürnasen: Rainer Sch. und Hojojutsu)

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