Der 4. November wird jedes Jahr in Teheran gefeiert. Im Jahre 2009 zum 30. Mal: Die Stürmung der US-Botschaft und die folgende, 444 Tage andauernde Geiselnahme von 52 US-Diplomaten. Die amerikanische Reaktion schien Ayatollah Khomeinis Einschätzung zu bestätigen, wonach die USA machtlos gegen den Iran wären („America can’t do a damn thing against us“, Seite 105, Reading Lolita in Tehran: A Memoir in Books von Azar Nafisi). Mehr auf steinhoefel.de…

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18 KOMMENTARE

  1. Der Iran kann sich glücklich schätzen, dass die USA als Macht der Gegenwart eine andere Mentalität haben als es bei den Mongolen vor einigen Jahrhunderten der Fall war. 😉

    Das schlimmste, was den Persern als Volk je passiert ist, ist, dass sie gegen die Araber wichtige Kriege verloren haben.

    Diese hätten sie gewinnen müssen – dann wäre Persien nicht islamisiert worden und gut ‚is.

  2. Die Frage ist doch: Wer oder welcher Politiker, egal ob in Amerika oder Europa hat die „EIER“, um in diesen „Wischi-Waschi“ Verhandlungen mal Stärke zu zeigen ?

    2. Frage, die evtl. entscheidender ist:
    Cui bono?
    Also, wem nutzt das hin und her ?
    Diese Frage sollte man sich stellen und schon wird wieder einiges klarer.

  3. Ich denke, das wäre eine passende Gelegenheit, wieder einmal daran zu erinnern, was Khomeini und die Mullahs aus dem unter dem Schah aufblühenden Iran gemacht haben.

    Ich werde – und hoffe, daß PI das recht ist – heute „die vier Khomeinis“ hier als Kommentar hereinsetzen, etwa im Abstand von einer halben Stunde, nachfolgend den ersten Teil mit der Überschrift „Vorgeschichte“.

    Die folgenden Teile tragen dann die Überschriften „Khomeini – seine Machtergreifung“ (Teil 2), „Khomeini und die Frauen“ (Teil 3) sowie „Khomeini – der neue Iran“ (Teil 4) Hier nun Teil eins:

    1 Khomeini – Vorgeschichte

    Anfang der Siebziger Jahre entstand das Image des reichen Persers.Der im Oktober 1973 stattfindende kurze, aber heftige arabisch-israelische Krieg macht den Iran über Nacht reich. Um den ägyptischen Angriff auf Israel zu unterstützen, schloß sich der iranische Schah mit den arabischen Staaten zu dem Ölkartell OPEC zusammen, der Organisation der ölexportierenden Ländern, als Waffe gegen die Aliierten der Israelis gedacht. Das Kartell verhängte ein Embargo gegen die israelischen Feinde, und der Rohölpreis stieg dramatisch. Über Nacht stieg das jährliche Einkommen des Irans durch den Verkauf deses kostbaren Rohstoffs von 5 auf 20 Milliarden Dollar. Dieser Reichtum kam unglaublich überraschend für ein Land, das jahrehundertelang arm gewesen war und dessen Ölfelder bis in die fünfziger Jahre hinein fest in ausländischen Händen gewesen war. Es war der Beginn schwindelerregender Zeiten für den Iran.

    Die iranische Gesellschaft machte eine ökonomische Revolution durch. Die Reichen wurden zu Superreichen, und auch die Mittelklasse wurde reicher. Es hatte den Anschein, als würde Teheran selbst neu erbaut. Wohin man schaute, schonben sich neue Hochhäuser in den Himmel; neue Luxusvillen drängten an den Hängen der Alborz-Berge nach oben.

    Unterdrückte Verwünschungen des Schahs kamen nur von den Leuten, die nicht so emsig damit beschäftigt waren, so viel Geld wie möglich aus dem Ölboom herauszuschlagen. Mündliche Berichte über Intellektuelle, die plötzlich für Monate oder Jahre im Gefängnis verschwanden, tauchten auf, und Klagen der religiösen Führer, der Mullahs und Ayatollahs, daß die westlichen Angewohnheiten des Chahs und seiner Clique eine Beleidigung für ein islamisches Land darstellten.

    Im Iran hatte es immer eine Elite gegeben. Seit 2500 Jahren hatte es einen König gegeben. Nun existierte sogar eine aufstrebende Mittelklasse. Wenn man sich nicht laut gegen den Schah aussprach, dann tat einem niemand was. Und nun wurde der Iran auch noch zunehmend weltoffener und zivilisierter, da der Westen – hungrig nach einem Anteil an dem Ölgeld – mit all seiner Technologie seinen Waren und Dienstleistungen in den Iran hineindrängte.

    Der Schah hatte riesige Summen für die bewaffneten Streitkräfte ausgegeben, Schätzungsweise 140 000 Mann taten aktiven Dienst, und 400 000 Mann standen als Reserve bereit.

    1977 war es unmöglich, die ernsthaften Angriffe auf die Monarchie und das politische Regime zu ignorieren. Im Mai dieses Jahres richteten dreihundertfünfzig Rechtsanwälte einen offenen Brief an den kaiserlichen Gerichtshof, in dem sie eine unabhängige Gerichtsbarkeit forderten.

    Noch sprach niemand von der Macht von Ayatollah Ruhollah Khomeini. Der fanatische Religionsführer lebe zu der Zeit im Irak. Der Schah hatte ihn 1964 ins Exil geschickt, nachdem Khomeini eine blutige Revolte gegen die Landreform des Schahs angezettelt hatte. Khomeini hatte gegen die Attacke des Schahs auf den Landbesitz der Moscheen gewettert.

    1977 wurde deutlich, daß sich der große Traum des Schahs, aus dem Iran über Nacht eine industrielle Weltmacht zu machen, in einen Alptraum verwandelt hatte. Das viele Ölgeld reichte nicht aus, um die Rechnungen der Nation zu bezahlen, und der Schah mußte die Mittel für seine geliebten Streikräfte mühsam zusammenkratzen.

    Anfang 1978 verdüsterte sich die Stimmung des Landes immer mehr. Im Januar dieses Jahres demonstrierten Religionsstudenten in der heiligen Stadt Qom gegen einen in der von der Regierung kontrollierten Zeitung Ettelaat erschienenen Artikel, in dem der gute Name des Ayatollah Khomeini, mittlerweile einer der geachtetsten Schahgegner, beleidigt wurde.
    An einem kalten Januartag traten die Soldaten den Studenten entgegen und erschossen viele von ihnen. Im Iran war es unmöglich, die genaue Anzahl der Opfer zu erfahren.

    Im August 1978 verbrannten in einem vollbesetzten Kino einem absichtlich gelegten Feuer 477 Menschen. Die Demonstranten beschuldigten die Regierung, das Feuer gelegt zu haben, während die Regierung den Dissidenten die Schuld daran gab.

    Es wurde deutlich, daß der Schah die konservativen Kräfte im Land ebenso fürchtete wie die Ober- und Mittelschicht. Im September drängten 100 000 Menschen auf den Shahyad-Platz zu einem Massengebet für die Nation, und nach dreitägigen Demonstrationen begannen die Leute in den Straßen nach einem von Khomeini geführten islamischen Staat zu rufen. Im Anschluß an diese Ereignisse verhängte die Regierung am Abend des 7. Septembers das Kriegsrecht.

    In diesem Herbst bat der Schah den irakischen Präsidenten Saddam Hussein, Khomeini aus dem Land zu werfen; doch das erwies sich als gewaltiger taktischer Fehler, denn der Religionsführer ging nach Paris und war praktisch von der ganzen Weltpresse umgeben. Jetzt konnten seine Schmähungen gegen den Schah weltweit vernommen werden.

    Die Oberschicht zog sich zurück und versuchte sich zu schützen. Niemand erklärte öffentlich, daß er das Land verlassen wollte. Statt dessen packten die reichen Iraner in aller Stille ihre Koffer und fuhren in „Urlaub“. Für die, die zurückblieben, wurde das Leben zunehmend schwieriger.

    Bei Massendemonstrationen strömten Hunderttausende von Menschen mit zornig erhobenen Fäusten den breiten Shemiran-Boulevard in Teheran hinunter. Die Intellektuellen glaubten, ohne Schah könnten sie das Land aufbauen, das sie ersehnten. Die Armen setzten ihre Hoffnung auf Khomeinis Versprechen, daß die Heimatlosen ein Heim und die Hungrigen Nahrung erhalten würden. Die Bauern träumten davon, die Grundbesitzer zum Teufel zu jagen. Die Händler müßten sich nicht länger mit korrupten Gerichten herumschlagen. Die Nationalisten sahen endlich den Tag nahen, an dem sich das Land von der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten befreite.
    Am 16. Januar 1979 verließ Schah Mohammad Reza Pahlavi mit einer Handvoll iranischer Erde in der Tasche an Bord einer blau-weißen Boing 727 den Iran.

  4. Heute habe ich im Geiste auch eine iranische Staatsflagge verbrannt, sowie alle Mullahs verflucht, samt Khomeini. Es tut gut einem.

  5. Fortsetzung der kleinen vierteiligen Khomeini-Serie:

    2 Khomeini – Seine Machtergreifung

    Ministerpräsident Bakhtiar hatte tagelang die Flughäfen im Iran geschlossen, um Khomeini an der Rückkehr zu hindern. Schließlich gab er dem Druck nach und öffnete sie wieder, und am 1. Februar 1979 wurde dem siebenundsiebzigjährigen Khomeini ein triumphaler Empfang in Teheran bereitet.

    Die anfängliche nationale Freude darüber dauerte nicht lange – genaugenommen nur ein paar Monate. Die Iraner waren so glücklich, den Schah außer Landes gejagt zu haben, daß sie gar nicht merkten, daß er die Probleme des Landes nicht mit sich genommen hatte.

    Khomeini brandmarkte all jene, die die Revolution nicht unterstützten, als Taghouti, die Teufelsanbeter. Dazu gehörten alle, die der königlichen Familie nahgestanden und die große Unternehmen geleitet hatten sowie jene Personen, die westliche Kleidung trugen oder Schulen im Ausland besucht hatten, die reich waren oder im oberen Gebiet der Stadt wohnten, die Kinos besuchten oder immer noch Alkohol in ihren Häusern horteten. In seinen Ansprachen forderte Khomeini seine Gefolgsleute auf, die Taghouti aufzuspüren, so daß es gefährlich für diese wurde, mitten am Tag spazierenzugehen. Sie konnten allein an der Kleidung oder an den Autos als Taghouti erkannt werden.

    Bald begannen die Verfolgungen. Kurz vor seiner Abreise hatte der Schah in einem letzten Versuch, sich an der Macht zu halten, die Verhaftung von 132 führenden Regierungspolitikern zugelassen, einschließlich des langjährigen ehemaligen Premierministers Amir Abbas Hoveyda und des Savak-Chefs General Ne’matollah Nasiri, als könnte dieses Menschenopfer die islamischen Fundamentalisten besänftigen. Khomeinis Rückkehr ließ ihnen wenig Hoffnung. Am 11. Februar stürzte Bakhtiars Regierung, und Khomeini proklamierte den islamischen Staat. Kein Taghouti durfte auf eine faire Gerichtsverhandlung hoffen.

    Die ersten, die vor das Exekutionskommando treten mußte, waren Generale der Streitkräfte, der Chef der Savak und Hoveyda. Die gefangenen Männer wurden im Fernsehen interviewt. Es war ganz offensichtlich, daß einige von ihnen gefoltert worden waren. Manche konnten kaum sprechen. Doch in einer Parodie auf die Gerechtigkeit wurden sie in brutaler Manier gezwungen, noch einmal ihre Loyalität zum Schah zu bekunden. Nach dem schrecklichen Schauspiel, das sich alle Iraner laut Befehl anzuschauen hatten, wurden sie erschossen und ihre verstümmelten Körper auf dem Bildschirm zur Schau gestellt.

    Im ersten Revolutionsjahr wurden über fünfhundert Menschen exekutiert. Nach diesen ersten Hinrichtungen verließen viele Taghouti kaum noch ihre Häuser, denn sie schwebten ständig in Gefahr, zufällig von einem der bewaffneten Männer erschossen zu werden, die nun in den Straßen patroullierten. Die Armee war praktisch entwaffnet und die reguläre Polizei machtlos, und so bildeten die Mullahs ihre eigenen bewaffneten Sicherheitskommandos – die als Komiteh bekannten Revolutionskomitees. Mit aus den Waffenarsenalen geholten automatischen Gewehren konfiszierten die neuen Herrscher Range Rovers und Mercedes und fuhren damit durch die Stadt und feuerten auf alles, was ihnen verdächtig erschien. Die Gefängnistore wurden geöffnet und alle Insassen entlassen, die unter dem Schah-Regime gefolterten Intellektuellen ebenso wie gewöhnliche Kriminelle.

    Fast noch mehr als Khomeini verkörperte Hojjat ol-Eslam Sadeq Khalkali, Spitzname Scharfrichter, ein Kleriker der Mittelklasse und langjähriger Khomeini-Anhänger, die rachsüchtige Seite der Revolutionsregierung. In diesen ersten Monaten reiste er im Land herum und hielt nach Opfern Ausschau – Menschen, die sich schuldig gemacht hatten, weil sie zu reich waren, weil sie von ihren Nachbarn gehaßt wurden oder in Verbindung zu dem vorangegangenen Regime gestanden hatten. Er schien sie mit Leichtigkeit aufzuspüren: Gutsherren, Landbesitzer, Industrielle, ehemaliger Politiker. Khalkali war es, der sieben angebliche Drogendelinquenten in einer Teheraner Straße von einem Exekutionskommando öffentlich erschießen ließ. Außerdem verteidigte er einen islamischen Richter, der eine schreckliche mittelalterliche Form der Hinrichtung wieder eingeführt hatte: Der Richter hatte zwei Männer und zwei Frauen, die sich sexueller Vergehen schuldig gemacht hatten, bis zum Hals eingraben und dann zu Tode steinigen lassen.

    Bald schon war jeder Ausländer im Iran gefährdet. Kurz nach Khomeinis Rückkehr, gegen Ende Februar, griff eine Gruppe von Linksradikalen die amerikanische Botschaft an, überwältigte die Marines, tötete einen iranischen Botschaftsangestellten und nahm siebzig Leute als Geiseln, darunter den US-Botschafter William Sullivan. Nach einigen hektischen Stunden gelang es den Truppen des Ayatollahs, die Geiseln zu befreien, doch Panik erfaßte die vielen hier noch lebenden Fremden. Mehrere westliche Länder, darunter Kanada, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, begannen die Staatsbürger mit Sonderflügen zu evakuieren.

    Doch erst am 4. November begann der Großangriff auf die „fremden Teufel“. Eine Gruppe von Studenten hatte erneut die US-Botschaft gestürmt. Der Ayatollah traf keine Anstalten, seine Wachen zur Rettung der Amerikaner in die Botschaft zu schicken. Nun wurde deutlich, daß die Revolution in eine neue, gefährliche Phase getreten war. Zum ersten Mal schien die Regierung die Geiselnahme von Ausländern zum Zwecke der politischen Erpressung zu billigen. Das Geiseldrama fand nach 444 Tagen durch Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran sein Ende.

    Allmählich kristallisierte sich heraus, was für eine Art von Gesellschaft der Ayatollah plante. Bei den vielen Intellektuellen, die sich eine anständige, freiere Gesellschaft erhofft hatten, löste die Erkenntnis, daß es sich bei dem Ayatollah lediglich um einen weiteren Diktator handelte, massive Desillusionierung und ein Gefühl des Verratenseins aus.

    Der Haß auf die Taghouti fand jeden Tag seine Opfer. Das Komiteh beschlagnahmte mit schöner Regelmäßigkeit die Besitztümer jener Leute, die überstürzt das Land verlassen hatten, und all der anderen Personen, die ihnen mißliebig erschienen. Doch anstatt die Antiquitäten und die anderen Wertsachen zu retten und für den Staat zu verkaufen, zerstörte das Komiteh all diese Dinge. Oft genug wurden sogar die Häuser der Taghouti zerstört.

    Das Regime war entschlossen, jede Sitte zu ändern, die typisch für das Leben der Taghouti gewesen war. Der Radiosender, der mittlerweile voll unter der Kontrolle der Mullahs stand, drängte ständig, das Leben eines anständigen Moslems zu führen und im Imam in allen Dingen zu folgen. Eines der ersten Probleme, dem Khomeini seine Aufmerksamkeit zuwandte – während die Wirtschaft im Chaos versank und niemand wußte, wer auf den Straßen herrschte – war die wichtige Frage, was Frauen zu tragen hatten. Anfang der siebzige Jahre war westliche Kleidung in der gehobenen städtischen Gesellschaftsschicht fast zum Standard geworden. Ende der siebziger Jahre, als viele Iraner sich von der westlichen Korruption abwandten, wurde der Tschador zum Symbol für die Rückkehr zu der Reinheit der islamischen Tradition; gleichzeitig diente er als Zeichen für die Ablehnung der vom Schah erzwungenen Modernisierung.

  6. Steinhöffel wäre der perfekte Mann an der Spitze einer neuen freiheitlichen-demokratischen-patriotischen Partei. Eine Art deutscher Jörg Haider!

  7. Fortsetzung der kleinen vierteiligen Khomeini-Serie:

    3 Khomeini und die Frauen

    Nach der Machtübernahme begann Khomeini den Frauen mittels Rundfunkansagen zu befehlen, den Hejab zu tragen. Anfangs leisteten die Frauen der Mittelschicht Widerstand, doch nach und nach begannen sich immer mehr zu bedecken. Khomeini hatte oft genug gesagt, daß Frauen für die iranische Gesellschaft wichtig wären, und er lobte ihren Kampf für die Revolution, doch nun setzten die Mullahs auf Anweisung des Ayatollahs die Frauen unter Druck, ihren Job aufzugeben. In der Regierung kritisierten die neuen Bosse ständig die Arbeit der Frauen und zwangen sie zum Tragen der Hejabs. Viele Frauen gaben einfach auf, weil sie sich den täglichen Schmähungen am Arbeitsplatz nicht aussetzen wollten. Im ganzen Land wurden die Gehälter der Frauen rigoros gekürzt. Jederzeit konnten sie von einer Truppe der sich überall herumtreibenden Moralwächter, die mit dem Komiteh in Verbindung standen, verhaftet werden, wenn sie nicht angemessen gekleidet waren.

    Die Arbeit der Moralwächter – der Monkerat – bestand darin, die Durchsetzung der neuen gesellschaftlichen Gesetze der Revolution zu erzwingen. Kreuz und quer wurden Frauen verhaftet, weil sie keinen Hejab oder Tschador trugen oder weil sie sich mit einem Mann unterhalten hatten, der kein unmittelbarer Verwandter von ihnen war; sie wurden in eines der vielen Gefängnisse gebracht, wo man ihnen stundenlang die Notwendigkeit, ein guter Moslem zu sein, einhämmerte. Oft genug suchten ihre besorgten Familien die ganze Stadt nach ihnen ab und riefen jeden ihnen bekannten Mullah an, um ihre Freilassung zu erreichen.

    Als das Regime erkannte, daß die Frauen zu verängstigt waren, um sich zu wehren oder zu demonstrieren – bei den wenigen Demonstrationen wurde viele geschlagen oder verhaftet und ließen sich daraufhin kein zweites Mal sehen – wurden die Gesetze noch weiter verschärft. Schließlich wurde ganz offiziell das Tragen eines Tschadors befohlen.

    Khomeini löste sehr schnell die wenigen kostbaren Rechte der Frauen wieder auf, um deren Einführung der Schah gekämpft hatte. Eine der am wenigsten beachteten Tragödien der Revolution ist die Gewalt, die jeden Tag den Rechten der Frauen im Iran angetan wird. Nur wenige Monate nach seiner Machtergreifung machte Khomeini das 1967 erlassene Familienschutzgesetz wieder rückgängig, das zum erstenmal Frauen vor willkürlicher Scheidung Schutz gewährte, ihnen ein Anrecht auf ihre Kinder zusprach und Bigamie unter Strafe stellte. Im heutigen Iran kann nur der Mann die Scheidung beantragen – er bekommt sie allein dadurch, daß er sie verlangt hat -, und zwölfjährige Mädchen können zur Ehe gezwungen werden. Männer können bis zu vier Frauen heiraten, wie es der Koran erlaubt, und sich bis zu vierhundert Konkubinen halten in einer legalen, zeitlich beschränkten Ehe namens Sigeh. Im Fall einer Scheidung haben die Männer die volle Verfügungsgewalt über die Kinder.

    Die Liste der Dinge, die Frauen nicht dürfen, ist sehr lang. Ohne Billigung ihres Ehemannes darf eine Frau weder einen Paß beantragen noch das Land verlassen. Sie darf nicht Make-up benutzen oder – ganz gleich unter welchen Umständen – eine gewisse Zeit mit einem Mann verbringen, der nicht ihr Vater oder Bruder ist. Selbst Onkel sind verdächtig. Sie darf keinen Beruf ausüben. Den Frauen blieb lediglich das im jahr 1962 errungene Wahlrecht.

    Auch auf die Schulen hatte Khomeini es von Anfang an abgesehen. Die Hauptaufgabe der Lehrer schien darin zu bestehen, die Kinder mit allen Tricks dazu zu bringen, ihre Eltern auszuspionieren.

    Für die Sportliebhaber führten die neuen Regeln des Regimes zu lächerlichen Schauspielen. Beim Wasserski waren Frauen gezwungen, Hejabs und Ganzkörpertauchanzug zu tragen, was sofort zu einer Verknappung der Tauchanzüge führte. Die Frauen, die das Pech hatten, nur einen Anzug mit kurzen Beinen zu erwischen, mußten darüber lange Hosen tragen.

    Auf den Skipisten war es nicht besser. Die Mullahs trennten die Hänge nach Geschlechtern und befahlen den Frauen außerdem, ihre Skikleidung zu bedecken, da ihnen die engen Skihosen zu viel enthüllten. Viele hörten ganz mit dem Skifahren auf, doch die wirklich Entschlossenen trugen weite Umhänge und schauten wie Draculas aus, wenn sie die Hänge herabgeschossen kamen, ihre Capes wie einen Ballon um sie herum aufgebauscht.

    Aus nichtigem Anlaß wurden Frauen in das Monkerat-Gefängnis gebracht. Verheiratete Frauen, die mit einem anderen Mann erwischt wurden. Frauen, die von Männer vergewaltigt worden waren und nun schwanger waren. Frauen, die mit einem Mann, der nicht ihr Ehemann war, in einem Taxi saßen und in eine Kontrolle des Komitehs geraten waren. Eine Strafe in den Gefängnissen war das Auspeitschen. Dazu mußten sich die Gefangenen auf ein Bett legen, und die Standardstrafe betrug 80 Peitschenhiebe. Dabei wechselten sich die Wachen ab, jeder (oder jede, wenn eine Frau ausgepeitscht wurde) übernahm 10 Schläge. Meist konnte das Opfer danach nicht mehr stehen, wurde von den Wachen vom Bett hochgehoben und zurück in den allgemeinen Gefängnisraum geworfen, wo es als blutendes Häufchen liegenblieb.

  8. Und hier nun der vierte und letzte Teil der kleinen Khomeini-Serie – vielleicht als Hintergrundinformation zu dem ausgezeichneten Artikel von Herrn Steinhöfel:

    4 Khomeini – Der neue Iran

    Das neue Regime brachte Baugesellschaften und andere Unternehmen in die finanzielle Klemme. Die Firmen wurden zur Fertigstellung der Projekte gezwungen, und dann verweigerte das Regime die Zahlungen. Im Laufe der Monate stellte der Iran einfach die Arbeit ein, und überall sah man die Auswirkungen davon. Niemand konnte die Haltung der Regierung gegenüber Privatbesitz von Land und Kapital und den freien Markgesetzen einschätzen Jeden Tag waren von den Ayatollahs widersprüchliche Meinungen zu hören – entweder priesen sie das Recht auf Besitz, das auch durch den Koran geschützt war, oder sie verdammten Besitz als Schandmal der Nation.

    In dem neuen Iran war es an der Tagesordnung, daß Menschen verschwanden. Besonders wurden die Bahai verfolgt, eine Sekte, die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts vom Schiismus abgefallen war; seitdem verfolgte sie der Haß der Schiiten. Glaubenssätze, die von den Bahais befolgt werden, waren von den Schiiten mit einem Bann belegt: Weltfrieden, die Vereinigung aller Menschen und Religionen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und der Wert der Wissenschaft in einer religiösen Welt.

    Khomeini verbot den Bahais, Versammlungen abzuhalten. Vielfach wurden Bahai durch das Komiteh verhaftet und niemand erfuhr jemals, wohin sie gebracht worden waren.

    Über eine Million Iraner der Mittel- und Oberschicht sind zu Emigranten geworden – eine häufig zitierte Zahl. Mehr als zehntausend wurden unter dem Banner der Revolution hingerichtet. Der Krieg mit dem Irak hat weit über 100 000 Opfer gefordert, während die Zahl der Flüchtlinge in die Millionen geht.

    Der Iran war nach der Revolution ein einziges Chaos. Khomeini hatte den Iran in eine islamische Republik verwandelt. Eine gutausgerüstete Revolutionsgarde kämpfte Seite an Seite mit der regulären Armee an der Front; das Komiteh hatte einen Großteil der Polizeiaufgaben übernommen; Revolutionstribunale und islamische Richter setzten islamisches Recht durch. Jeder, der Widerstand leistete, der eine Opposition aufzubauen suchte, wurde von Totschlägern, dirigiert von der einzig zugelassenen Partei, der Islamisch-Republikanischen Partei, niedergeknüppelt und zum Schweigen gebracht.

    Selbst alte Khomeini-Anhänger wie der frühere Präsident Abol-Hassan Bani-Sadr verließen still und leise das Land. Er flüchtete, nachdem er im Parlament angeklagt worden war, kein treuer Anhänger der Revolution zu sein. Einer seiner Fehler war der Wunsch gewesen, einige zivile Freiheiten bewahren zu wollen. Im Juli 1981 gründete Bani-Sadr in Paris eine Exilregierung und wetterte, daß die von ihm mitgetragene Revolution außer Rand und Band geraten sei. Khomeinis ehemaliger Außenminister, Sadeg Gotbzadeh hatte weniger Glück. Im Apri 1982 wurde er verhaftet, unter die Anklage des Putschversuches gestellt – eine Beschuldigung, die er nur teilweise zurückwies – und anschließend erschossen.

    Die Universitäten waren für zwei Jahre geschlossen worden, während die Professoren sich mühten, Khomeinis Befehl nachzukommen und den Lehrplan zu islamisieren. Tatsächlich bemühte sich der Staat, alle Aspekte der Gesellschaft dem islamischen Glauben anzupassen. Die Strafgesetzgebung sollte entsprechend den islamischen Hadd-Strafen umgestellt werden: Im Falle eines Diebstahls sollte die Hand abgehackt, im Fall eines Ehebruchs gesteinigt werden.

    Die Staatsgewalt tobte sich ungehindert weiter aus. Erst später wurden Versuche unternommen, die Massenverhaftungen und Exekutionen, die illegalen Hausdurchsuchungen und die Beschlagnahmung von Eigentum einzuschränken. Es war nicht so, daß das Regime sich nachgiebiger zeigte; die Unterdrückung wurde nur in ordnungsgemäße Bahnen gelenkt.

    Ayatollah Khomeini war es auch, der zur Mord-Fetwa gegen Salman Rushdie, einen britischen Staatsbürger aufgerufen hat. Eine für das britische Fensehen BBC durchgeführte Umfrage hat ergeben, daß vier von fünf in Großbritannien lebenden Muslimen ein Vorgehen gegen Rushdie befürworten:

    „Hiermit informiere ich alle furchtlosen Muslime der Welt, daß der Autor der Satanischen Verse, eines Buches, das sich gegen den Islam, den Propheten und den Koran richtet, sowie alle, die an seiner Veröffentlichung beteiligt waren und den Inhalt kannten, zum Tode verurteilt sind. Ich rufe alle eifrigen Muslime dazu auf, dieses Urteil gegen die Verurteilten bald zu vollstrecken, wo immer sie sich auch befinden mögen, so daß es keiner mehr wagt, den Islam zu beleidigen. Jeder Muslim, der bei der Ausführung dieses Urteils getötet wird, gilt, beim Willen Allahs, als ein Martyrer.“
    Fetwa des Ayatollah Khomeini, verkündet durch Radio Teheran am 14 Februar 1989.

  9. Viele meiner Landsleute verstehe ich nicht; speziell bei den Demos in den letzten Monaten.. Trotdzem die IRI nur Tod und Zerstörung unserer Kultur brachte, schwenken diese Leute die Fahne der IRI auf der Strasse.

  10. Habe ich schon einmal in einem anderen Beitrag über Iran gepostet, ist aber damals in der Anne Will-Diskussion untergegangen.

    Iran war einmal ein Land mit einer Hochkultur, bis es von der arabischen Eroberern mit ihrem barbarischen Todeskult Islam erobert wurde. Jahrzehntelang hielt sich im Land der Widerstand, bis es schließlich ca. 900 n.C. vollständig islamisiert wurde (nach Wikipedia).
    Ich glaube, im iranischen Volk hat sich, bis heute unterdrückt und überlagert , im tiefen Kollektivbewusstsein eine Erinnerung an diese vorislamische Epoche und Kultur erhalten.

    Hier ist ein Link zu einem iranischen Dissidenten, der in Amerika lebt und eine sehr lesenswerte islamkritsche Website betreibt. Ich zitiere:

    “No, there is no misunderstanding. No, it is not the Zionists and fundamentalist Christians who are misrepresenting Islam. It is Muslims and Muslim organizations who are guilty of dissimulation and fraud. Muslims act meekly when they lack sufficient power. Once in power, the Real Islam emerges from its shell of dissimulation and puts free people and their way of life to the sword.”

    Hier ist die Website (Englisch):

    http://www.amilimani.com

    Vielleicht kann PI diese hier dauerhaft verlinken.

    Hier noch eine nette PC-Animation zum Thema Freiheit:

    http://www.amilimani.com/images/stories/freedom.swf

  11. @Leserin:

    Vielen Dank für deine Beiträge, die ich aufmerksam gelesen habe – dabei spielten sich vor meinen Augen all die Szenen ab, die ich damals mit den Persern erlebt habe, die vor Chomeini geflüchtet waren und bei uns zur Schule gingen.

    Deine Darstellung ist schon eine sehr vornehme. Ich habe damals von den Leuten Geschichten erzählt bekommen, die habe ich damals kaum glauben können, so sehr boten diese mir ein Gemisch aus Schwachsinn und Brutalität.

    Insbesondere die Baha’i sind extremen Verfolgungen und Gewaltakten ausgesetzt – das hat sich bis heute nicht geändert, soweit ich informiert bin.

    Wenn ich einem System den Untergang wünsche, dann diesem widerlichen Haufen von Fanatikern, die Persien seit Jahrzehnten ruinieren und die Leute zugrunde richten mit ihrem Wahn.

    Dieser unsägliche „Muslim-Markt“ gehört auch zu diesem Haufen Irrer.

  12. #15 kreuzfahrer2k:

    „Eine islamische Revolution wird es auch in Deutschland geben.“

    Eher nicht. Vorher haben wir einen politischen Rechtsrück, der für andere Verhältnisse sorgen wird.

    Ich gewinne zunehmend den eindruck, dass in den nächsten Jahren etwas kippen wird – das dürfte die Diktatur der „Political Correctness“ sein.

    Die Chancen stehen gut, dass ein Geert Wilders holländischer ministerpräsident wird, ein Sarrazin hat hierzulande eine wahre Lawine losgetreten, es gibt eine immer größer werdende islamkritische Szene usw. usw. usw.

    Da sehe ich noch lange keine „islamische Revolution“.

  13. Eine islamische Revolution – was für ein debiler sprachlicher Purzelbaum – kann nicht existieren, weil es dem Dialektismus widerspricht. Abschaffung/Beseitigung des Islam wäre eine Superrevolution.

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