Emmet Scott ist ein Historiker, spezialisiert auf die antike Geschichte des Nahen Ostens. Während der letzten zehn Jahre hat er sich insbesondere mit der späten klassischen Zeit und ihrem Niedergang beschäftigt, den er als eines der wichtigsten Ereignisse der westlichen Zivilisation ansieht. Das vorliegende Dokument ist das letzte Kapitel aus dem Buch von Emmet Scott. Er befasst sich mit den Thesen des belgischen Historikers Henri Pirenne zur Geschichte Europas vor und nach dem Beginn der islamischen Eroberungen um 700 n.Chr. Wir haben den Text übersetzt, leicht umstrukturiert und mit Untertiteln und ->Links versehen. Wir veröffentlichen nachfolgend den vierten und letzten Teil unserer vierteiligen Serie (hier Teil 1, hier Teil 2 und hier Teil 3). Der komplette Text ist im Original erschienen auf derprophet.info

Willkür im muslimischen Spanien

In Spanien und anderswo waren die jüdischen Gemeinden generell sowohl gebildet als auch vermögend. Jüdische Ärzte, Wissenschaftler und Kaufleute konnten von jeder Herrschergruppe nutzbringend angestellt werden. Auch die Araber machten davon Gebrauch. Manche, wie zum Beispiel Ibn Naghrela stiegen in prominente Positionen auf. Die internationalen Verbindungen der Juden sowie ihre Sprachgewandtheit entpuppten sich für die neuen Herrscher als sehr gewinnbringend. Erstere fanden sich öfters in der Rolle als Vermittler zwischen Muslimen und Christen wieder. Der Genuß dieser Bevorzugung war aber, obwohl vorhanden, vorübergehend und ungewiß. Es gab niemals eine reale Sicherheit wie die Massaker von 1011 und 1066 nur allzu deutlich zeigen. Andererseits war es durchaus im Interesse der Muslime, daß die Christen glaubten, die Juden würden von ihnen bevorzugt. Ein Teil dieses Mythos war die Idee „die Juden“ hätten in Tat und Wahrheit die Muslime bei der Eroberung des Landes unterstützt.

Die Wahrscheinlichkeit, daß diese Story wahr ist muß als sehr gering erachtet werden; speziell wenn wir an die Judenmassaker denken, die Mohammed selbst lediglich ein paar Jahrzehnte vorher in Arabien inszeniert hatte. Kein anderes Volk hatte bessere internationale Verbindungen als die Juden, eine Nation von Kaufleuten par excellence. Die spanischen Juden waren sich gewiß über das Verhalten von Mohammed im klaren lange bevor die ersten muslimischen Armeen in Spanien gelandet waren. Trotzdem wurde die Geschichte verbreitet, die Juden hätten den Muslimen geholfen; zweifelsohne wurde sie als Teil der oben beschriebenen Strategie von den muslimischen Invasoren selbst genährt.

Während des gesamten 10. und 11. Jahrhunderts wütete der Krieg zwischen Christen und Muslimen um den Besitz der iberischen Halbinsel. Dieser Konflikt wuchs allmählich zu einer eigentlichen Kollision zwischen den beiden Zivilisationen an indem beide Seiten ihre Glaubensbrüder von nah und fern um Hilfeleistung baten. Das Heiligengrab von Santiago de Compostela wurde der Versammlungsort sowohl der Christen aus dem Norden wie auch derjenigen aus Frankreich und Deutschland, welche die Pyrenäen überquerten, um sich am Kampf gegen den Islam zu beteiligen. Ihre christlichen Alliierten in Spanien waren bereits der Überzeugung, daß sich die Juden heimlich mit den Muslimen verbündet hatten. Sie waren sich gewiß, daß die Juden den Muslimen bei der Eroberung des Landes geholfen hätten und sie kamen mit der muslimischen antisemitischen Haltung in Berührung welche sie nun zu übernehmen begannen. Es wird als allgemeines Faktum anerkannt daß die Krieger, welche sich später dem ersten Kreuzzug anschließen würden ihren Antisemitismus in Spanien gelernt hatten. Steven Runciman sagt dazu folgendes: „Schon während der spanischen Kriege zeigte sich eine gewisse Neigung unter den christlichen Armeen, die Juden zu malträtieren.“ [27] Weiter meint er, daß Papst Alexander II zurzeit des Feldzuges nach Barbastro – Mitte des 11. Jahrhunderts – den Bischöfen Spaniens schrieb und sie ermahnte, daß es vielerlei Unterschiede zwischen den Muslimen und Juden gäbe. Erstere wären unversöhnliche Feinde der Christen während letztere bereit wären mit ihnen zu arbeiten. In Spanien jedoch „hätten die Juden eine derartige Vorzugsstellung seitens der Muslime genossen, daß sich die christlichen Rückeroberer nicht dazu bewegen konnten ihnen zu trauen.“ [28] Dieser Vertrauensmangel wird in mehreren zeitgenössischen Dokumenten bekräftigt, welche Runcimann auch aufgelistet hat.

Etwas mehr als ein Jahrzehnt nachdem die christlichen Ritter aus Frankreich und Deutschland ihre Glaubensbrüder dabei unterstützten, die Stadt Toledo von den Muslimen zurückzuerobern, bereiteten sich manche von ihnen auf den ersten offiziellen Kreuzzug vor. Doch vorher beteiligten sie sich noch an einem Massenmord von mehreren tausend Juden in Deutschland und Böhmen – einer in der damaligen europäischen Geschichte beispiellosen Gräueltat.

Im Licht der Tatsache, daß diese Pogrome von Kriegern verübt wurden, welche ihr Kriegshandwerk in Spanien gelernt hatten und daß solche Abscheulichkeiten bis dahin in Europa unbekannt waren, nehmen wir dies als starkes Indiz an, daß die Christen von islamischen Ideen beeinflußt waren.

Ich möchte nun abschließend nicht behaupten, es habe unter Christen vor dem Aufstieg des Islam keinen Antisemitismus gegeben. Natürlich gab es den. Doch hatten die islamische Beeinflussung sowie der im 7. Jahrhundert beginnende, schreckliche Kampf zwischen den beiden Ideologien des Christentums und des Islam eine zutiefst schädigende Wirkung auf die Juden. Erst dann begann der virulente und mörderische, für das Mittelalter charakteristische Antisemitismus in das europäische Leben einzudringen.

War die christliche Kirche durchwegs korrupt?

Der zweifelsohne negative Einfluß des Islam auf den Charakter und die Kultur Spaniens sowie anderer Mittelmeerländer sollte uns nicht gegenüber der Tatsache blind machen, daß die christliche Botschaft nie wirklich verloren ging und daß die Kirche als eine Institution nie total korrumpierte. Nach dem Aufstieg der germanischen Königreiche im 5. Jahrhundert arbeitete die Kirche hart daran, die Rechte der Sklaven und Kleinbauern gegenüber der Habgier und Leidenschaft der grimmigen Kriegerklasse, welche nun in Spanien, Gallien und Italien herrschte, aufrecht zu erhalten. Dies taten sie auch während der Zeitspanne der muslimischen und der wikingischen Invasionen. „Im 10. und 11. Jahrhundert gab es (weiterhin) Auseinandersetzungen zwischen den Adligen und der Kirche betreffend der Rechte der Kleinbauern. Erstere wollten den Leibeigenen sämtliche Grundrechte wegnehmen bis hin zur Aberkennung ihrer Seele sowie der Verweigerung ihre Partnerschaften als „Ehen“ zu bezeichnen.“ [29] Sidney Painter bemerkt weiter, daß die Kirche diesen Kampf gewonnen hatte – allerdings nicht ohne gewaltigen Widerstand seitens des Adels. Das Ringen um die Rechte der Armen setzte sich während des gesamten Mittelalters und auch darüber hinaus fort. So bot die Kirche den Armen und Notleidenden zum Beispiel kostenlose medizinische Versorgung sowie Almosen und Schutz an. Sie ging sogar noch einen Schritt weiter indem sie Gesetze gegen Spekulation wie etwa fixierte Brot- und Getreidepreise sowie die verschiedenen Verordnungen erließ, welche das Zunftwesen regelten. Die Kirche regulierte zudem die Kriegsbestimmungen, weshalb die mittelalterlichen Konflikte, zumindest in Europa, bei weiten nicht so gewalttätig waren wie man gemeinhin annimmt. Der Autor schreibt dazu: „Auch wenn die Könige und Feudalherren im Mittelalter angeblich ernsthafte Kriege fochten, waren diese nicht blutig. Während der bedeutenden und entscheidenden Schlacht zu Lincoln im Jahre 1217 kämpften rund 600 gegen 800 Ritter und nur einer verlor das Leben, was als schrecklicher und unglücklicher Unfall bezeichnet wurde.“ [30]

Zweifelsohne trug der mittelalterliche Brauch, wichtige Geiseln für Lösegeld verkaufen zu können als ökonomisches Motiv zur beachtlichen Unwilligkeit gegen letale Kraftanstrengung bei. Es ist aber ebenso offensichtlich, daß die Idee der Ritterlichkeit mit ihrem überzeugend christlichen Beiklang stark moderierend wirkte.

Die Kreuzzüge

Vergessen wir zudem nicht, daß es – obwohl man annehmen könnte, die europäischen Christen hätten sich während den auf den ersten Kreuzzug folgenden Jahrhunderten durch und durch an die Idee des Kämpfens und Tötens für Christus gewöhnt – viel gegenteiliges Beweismaterial gibt. Mit den Worten von Jonathan Riley-Smith war die Idee von Gewalt im Namen Christi als sie im 11. Jahrhundert zuerst lanciert worden war, total neu. [31] „Der Gedanke eines frommen Krieges war radikal; so ist es überraschend, daß es scheinbar keine Proteste von ranghohen Kirchenmännern gegeben hat.“ [32] Wie dem auch sei, die Christen haben sich nie wirklich mit dieser Idee befreundet und der Enthusiasmus für Kreuzzüge nahm schnell (wieder) ab. Der Autor schreibt weiter, daß nach dem Erfolg des ersten Kreuzzugs der Nachwuchs neuer Rekruten sogar innerhalb derjenigen Gruppen und Familien, welche ihn am stärksten unterstützt hatten unverzüglich austrocknete. Diese fanden im Gegenteil wieder zu den traditionellen friedlichen Pilgerreisen ins Heilige Land zurück. [33] Wir müssen auch individuelle Statements wie dasjenige von Roger Bacon, einem englischen Franziskaner hervorheben, welcher ca. 1260 die eigentliche Kreuzzugsidee kritisierte indem er argumentierte, solche militärische Aktionen würden es verhindern, daß Muslime friedlich konvertiert werden können. [34] Man stelle dies der islamischen Einstellung gegenüber, in welcher alle Krieger die für den jihad sterben „Märtyrer“ sind, welchen die sofortige Belohnung von 72 Jungfrauen im Paradies zugute kommt.

->Die Gewißheit ins Paradies einzugehen
->Die Gewißheit, im Paradies eine bevorzugte Stellung zu erhalten

Dieser Kontrast spiegelt sich auch in den Worten von Gregory Palamas, einem orthodoxen Metropoliten wieder, welcher sich im Jahre 1354 in türkischer Gefangenschaft befand: “… diese niederträchtigen, von Gott gehaßten Menschen prahlen damit, daß sie die Römer (Byzantiner) durch ihre Gottesliebe besiegt hätten … Sie leben via Pfeilbogen, Schwert und Ausschweifungen, sie haben einen Lustgewinn indem sie Sklaven erbeuten, sich dem Morden, Brandschatzen und Plündern hingeben … es ist nicht nur, daß sie diese Verbrechen begehen, sie glauben auch – welch eine geistige Verirrung – daß ihr Gott dies billigt.“ [35]

Wir sollten uns in Erinnerung rufen, daß bei der Eroberung der Neuen Welt durch die Spanier ein Großteil ihrer Exzesse von individuellen und unkontrollierten Abenteurern verübt wurde über welche die königlichen und kirchlichen Autoritäten wenig Aufsicht hatten. Zudem dürfen wir nicht außer Acht lassen daß der Brauch, die Urbewohner der Neuen Welt zu versklaven, aufgrund von enormem und kontinuierlichem Druck seitens vieler humaner und mutiger Kirchenmänner letztendlich aufgegeben wurde.

Es wäre also falsch anzunehmen, daß inmitten der Kreuzzüge, der Inquisition und der Kolonisierung Amerikas die ursprüngliche Seele und Lehre des Zimmermanns aus Galiläa unwiderruflich verloren gegangen wäre. Trotzdem setzte die gewalttätige Welt die Kirche vielen Belastungen aus und die Botschaft von Christus wurde zweifelsohne verdünnt.

Die Barbaren übernehmen die römische Kultur und das Christentum

Die Demontage der römischen Macht im 5. Jahrhundert sowie die Überflutung der westlichen Provinzen durch die barbarischen Horden produzierten eine Wiedergeburt des militärischen Kriegsgeistes in Europa, der ja auch Rom in seinen früheren Jahren beflügelt hatte. Die Barbaren begannen sich jedoch anzupassen nachdem sie sich einmal in den westlichen Provinzen angesiedelt hatten. Dabei spielte der christliche Glaube auch eine Rolle. Sogar Neuankömmlinge wie die Franken und die Langobarden im späten 5. und 6. Jahrhundert, fielen dem zivilisierenden Zauber von Rom und dem Christentum anheim. Die wilden Gebräuche der Männer welche noch eine Generation vorher in den Wäldern und unwirtlichen Gebieten Deutschlands gehaust hatten, wurden bald in den gallischen Rebhängen und den spanischen Olivenhainen temperiert. Aber dann im frühen 7. Jahrhundert, gerade als der Westen dabei war wieder romanisiert zu werden, erschien ein neuer Feind am Horizont, der sich weder besänftigen noch christianisieren ließ.

Der religiöse Fanatismus der Muslime

Zu den gewöhnlichen Kriegsschrecken fügten die muslimischen Invasoren nun noch das neue und gefährliche Element des religiösen Fanatismus hinzu. Hier waren Eroberer zugange, welche nicht nur darauf aus waren zu plündern und zu versklaven, sondern es auch auf die Ausrottung oder doch zumindest die Unterdrückung des christlichen Glaubens abgesehen hatten. Im Kampf gegen die Barbaren aus Germanien und den Gebieten der ->Skythen ging es für die westlichen Christen um den Besitz ihrer Häuser und Ländereien; solche Feinde waren ja nicht darauf aus, die christliche Religion zu zerstören. Die Christen konnten vielmehr glauben was sie wollten und viele der Barbaren bewiesen tatsächlich gleich von Anfang an, daß sie vom christlichen Glauben beeinflußt oder sogar konvertiert werden konnten.

Bei den Muslimen war das nie der Fall. Sie waren die „Unkonvertierbaren“; Männer, welche getrieben von ihrem eigenen religiösen Eifer einen gezielten Krieg führten um ihren Glauben zu verbreiten. Diese Feindschaft wurde auch im Laufe der Zeit nicht gemildert.

Muslimische Piraten und Sklavenjäger

Nach der Invasion von Süditalien, Spanien, Sizilien, Sardinien und Korsika durchkämmten muslimische Freibeuter während Jahrhunderten das Mittelmeer und die Küstengebiete im Süden Frankreichs sowie Italiens indem sie raubten, mordeten und versklavten. Mit der Ankunft des Islam sah das mediterrane Europa zumindest bis ins frühe 19. Jahrhundert keinen Frieden mehr. Muslimische Freibeuter wie die Berberpiraten welche in Nordafrika stationiert waren, terrorisierten den Mittelmeerraum bis hin zum Ende der napoleonischen Kriege.

->Der Kreuzzug gegen Mahdia

Muslimische Armeen, erst diejenigen der Almoraviden und später der Ottomanen lancierten im Süden Europas periodische Invasionen im großen Stil. Dazwischen waren muslimische Piraten und Sklavenhändler unaufhörlich an Raubzügen in die Küstensiedlungen Spaniens, Südfrankreichs, Italiens, Dalmatiens, Albaniens, Griechenlands sowie allen mediterranen Inseln beteiligt. Dies ereignete sich ebenfalls während vielen Jahrhunderten; als Analogie stelle man sich vor wie es gewesen wäre, wenn die Razzien der Wikinger im Norden Europas 1000 Jahre gedauert hätten.

Es wird geschätzt, daß zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert die in Nordafrika ansässigen muslimischen Piraten bis zu 1 ¼ Millionen Europäer gefangen genommen und versklavt hatten. [36] Sie attackierten auch Norwegen und Island, konzentrierten sich aber vor allem auf die Küstengebiete Spaniens, Frankreichs und Italiens; schlußendlich waren große Landstriche entlang der Küste wegen der Bedrohung nicht mehr bewohnbar.

Die Auswirkungen dieser unaufhörlichen Gewalt scheinen bisher weder sorgfältig studiert noch ganz verstanden worden zu sein. Die Bevölkerung der mediterranen Küstengebiete mußte lernen, in einem Zustand konstanter Wachsamkeit und Angst zu leben und bei Bedarf unverzüglich militärische Bereitschaft zu erstellen. Befestigungen mußten gebaut werden und junge Männer erhielten Waffentraining. Es entwickelte sich eine semiparanoide Kultur in welcher töten und getötet werden die Norm oder zumindest nicht unüblich war. Es wundert einen nicht, daß die Bewohner dieser Gebiete, im speziellen in Süditalien, Sizilien, Spanien, Korsika sowie Teilen von Griechenland und Albanien mit der Zeit ihre eigene gewalttätige und unnachgiebige Kultur entwickelten. So kam es, daß der Geist der Inquisition vor allem in Spanien beheimatet war. Ebensowenig ist es erstaunlich, daß sich im 15. und 16. Jahrhundert von dort aus die heiligen Krieger auf den Weg machten um die Bewohner der neuen Welt im Namen Christi zu bezwingen. [37]

Natürlich kann man in Tat und Wahrheit dem Christentum und seiner Kirche nicht gänzlich eine Eigenschuld aberkennen für das, was sich während Jahrhunderten nach dem ersten Kreuzzug abgespielt hatte. Zweifelsohne leisteten Teile der christlichen Doktrin ihren Beitrag. Die eng ausgelegte Lehre welche die Wahrheit und Errettung allein auf die christliche Gemeinde beschränkte produzierte gewiß eine intolerante und irrationale Haltung gegenüber Andersgläubigen. Schlußendlich scheint es jedoch, daß sich ohne die kontinuierliche, pausenlose und während vieler Jahrhunderte stattfindenden, muslimischen Gewalt gegenüber dem Christentum, Europa in eine ganz andere Richtung entwickelt hätte und der raubgierige Militarismus seit dem Beginn der Kreuzzüge niemals entstanden wäre.

Was wäre wenn …

Was wäre denn ohne den Islam geschehen? Natürlich kann das nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es scheit jedoch offensichtlich, daß die „mittelalterliche“ Welt wie wir sie kennen niemals entstanden wäre. Diese Periode wäre wohl viel weniger „mittelalterlich“ und weit römischer gewesen. Es ist wahrscheinlich, daß Byzanz das kulturelle Niveau, welches im späten 6. Jahrhundert schon weit fortgeschritten war, noch weiter vorangetrieben hätte. Der Bruch zwischen Byzanz und Rom wäre vielleicht nicht geschehen oder zumindest nicht so erbittert gewesen, sodaß Westeuropa seine „Renaissance“, das Wiederaufblühen der klassischen Zivilisation eventuell bis zu einem Jahrtausend früher erlebt hätte. In Tat und Wahrheit hätte wohl dieses Gebiet im späten 7. Jahrhundert dem damaligen Byzanz mit seinen expandierenden Städten sowie seinem florierenden kulturellen und intellektuellen Leben geglichen. Die wikingischen Raubzüge wären entweder nicht geschehen oder zumindest nicht so destruktiv gewesen. Es hätte auch keine Kreuzzüge gegeben, denn es gab ja keinen Islam gegen den man loszuziehen brauchte. Das Ausbleiben von wikingischer und islamischer Einflußnahme würde bestimmt zur Entwicklung einer friedfertigeren Kultur beigetragen haben. Zudem ist zweifelhaft, ob sich ohne islamische Einwirkung die speziell virulente Form von Antisemitismus, welche Europa vom 11. Jahrhundert an charakterisierte, entwickelt hätte. Das Fehlen eines externen und gefährlichen Feindes hätte eine paranoide Entwicklung betreffend Themen wie „Häresie“ und „Hexerei“, welche Europa in den Würgegriff nahm, verhindert. Wahrscheinlich hätte es auch keine Inquisition gegeben. Und ohne das islamische „Vorbild“ bezüglich Sklaverei würde sich sowohl der Kontakt mit den Eingeborenen der Neuen Welt als auch mit den Bewohnern Schwarzafrikas anders gestaltet haben.

So viel zu einer Welt ohne Islam. Was aber, wenn der Islam triumphiert hätte und Europa im 7. und 8. Jahrhundert muslimisch geworden wäre? Kein geringerer als Edward Gibbon dachte über ein mögliches Ergebnis einer islamischen Eroberung Frankreichs nach. Er bemerkte, daß in einem solchen Fall ganz Westeuropa unausweichlich gefallen wäre und der Dekan von Oxford die wahren Lehren des Korans einer beschnittenen Zuhörerschaft erläutert hätte. Von einer solchen „Kalamität“, bemerkte Gibbon, wurde das Christentum durch den Sieg Karl Martells bei Tours im Jahre 732 gerettet ->Karl der Hammer Martell der Retter des Abendlandes. Die islamische Eroberung Europas hätte aber weit ernsthaftere Konsequenzen gezeitigt. Wie das islamische Protokoll anderswo aufzeigt, ist es wahrscheinlich, daß der Kontinent in ein dunkles Zeitalter abgetaucht wäre und sich nicht mehr davon erholt hätte. Wenn wir nach einem solchen europäischen Modell Ausschau halten, können wir auf Albanien oder den Kaukasus des 19. Jahrhunderts blicken. Diese von halb islamisierten Stämmen bewohnten Regionen waren Theaterbühnen ewiger Fehden. Einem Europa unter der Fuchtel des Islam wäre es nicht anders ergangen: eine hinterwäldlerische und extrem dünn besiedelte Öde umkämpft von muslimischen Stammesfürsten. Diese Bedingungen hätten bis in dieses Jahrhundert angedauert. Es wären vielleicht ein paar größtenteils verrottende kleine urbane Zentren zum Beispiel in Italien, Frankreich und Spanien übrig geblieben, Gebiete, in welchen ein verarmter und grausam unterdrückter Restbestand von Christen existiert. In Rom würde der Papst über einen elenden und zerfallenden Vatikan präsidiert haben, dessen hauptsächliche Monumente wie der ursprünglich von Konstantin errichtete Petersdom schon längst in Moscheen verwandelt worden wären. In einem solchen Europa wäre das gesamte Erbe der klassischen Zivilisation in Vergessenheit geraten. Die „Moderne“ wüßte weder von Cäsar und seinen Feldzügen noch von den griechischen Kriegern und Philosophen. Die großen Namen wären verloren gegangen; keinem Kind wäre Troja, Mykene, Marathon oder die Thermopylen ein Begriff. Die Geschichte Ägyptens und all der großartigen Zivilisationen des Nahen Ostens läge im Sand dieser Gebiete begraben.

Es hätte auch kein Hochmittelalter gegeben mit seinen gotischen Kathedralen, keine Renaissance, keine Aufklärung, kein Zeitalter der Wissenschaft.

Zudem hätte der Fall Europas auch grenzüberschreitende Konsequenzen gehabt und das 21. Jahrhundert sähe ein islamisches, unterbevölkertes sowie verarmtes Indien, welches die Existenz Chinas – der möglicherweise letzten bedeutenden nicht-muslimischen Zivilisation – bedrohen würde. Das Kriegsgeschehen zwischen diesen beiden Opponenten wäre dann als vor-modern zu bezeichnen. Obwohl primitive Gewehre und Kanonen im Einsatz sein könnten, blieben das Schwert und der Pfeilbogen die wichtigsten Waffen und die Einsatzregeln wären barbarisch.

Dies sind jedoch alles was wäre wenn Szenarien. Die Geschichte hat sich ereignet und kann nicht ungeschehen gemacht werden. Wenn wir jedoch die Fehler der Vergangenheit meiden wollen, ist es wichtig daß wir verstehen, was passiert ist und warum.


[1] Painter, op cit., p. 303
[2] Briffault, op cit., p. 217
[3] Ibid. p. 219
[4] Ibid. p. 217
[5] Trevor-Roper, op cit., p. 143
[6] Ibid., p. 133
[7] Ibid., p. 137
[8] Muhammad said, “If anyone changes his religion, kill him.” (Bukhari, Vol. 9, book 84, no. 57).
[9] Bat Ye’or, op cit., pp. 60-1
[10] Ibid., p. 61
[11] Trevor-Roper, op cit., p. 159
[12] Lactantius, “The Divine Institutes, in “Fathers of the Third and Fourth Centuries,” in The Ante-Nicene Fathers, 156-7.
[13] John Chrysostom, Homily XLVI, in George Prevost, trans. “The Homilies of St. John Chrysostom” in Philip Schaff, ed. A Select Library of the Nicene and Post-Nicene Fathers of the Christian Church, Vol. X (Eedermans, Grand Rapids, MI, 1986), p. 288
[14] St Augustine, Letter C, in “Letters of St. Augustine,” in J. G. Cunningham, trans. in A Select Library of the Nicene (etc as above)
[15] Colin Wilson and Christopher Evans, (eds.) Strange but True (Parragon Books, 1995), p. 285
[16] Ibid. p. 285
[17] Bertrand, op cit., p. 76
[18] Trevor-Roper, op cit., p. 147
[19] Ibid., p. 17
[20] Ibid.
[21] Ibn Khaldun, The Muqaddimah: An Introduction to History Vol. 1 (Trans. Franz Rosenthal, Bollingen Series 43: Princeton University Press, 1958), p. 480. Cited from Bat Ye’or, The Dhimmi, p. 162
[22] Bertrand, op cit., p. 163
[23] Ibid.
[24] Ibid., p. 159
[25] Ibid., p. 160
[26] Bat Ye’or, op cit., p. 87
[27] Steven Runciman, The History of the Crusades, Vol. 1 (London, 1951), p. 135
[28] Ibid.
[29] Painter, op cit., p. 100
[30] Ibid., p. 119
[31] Jonathan Riley-Smith, “The State of Mind of Crusaders to the East: 1095-1300,” in Jonathan Riley-Smith (ed.) Oxford History of the Crusades, p. 79
[32] Ibid., p. 78
[33] Ibid., pp. 80-2
[34] Alan Forey, “The Military Orders, 1120-1312,” in Jonathan Riley-Smith (ed.) Oxford History of the Crusades, p. 205
[35] Robert Irwin, “Islam and the Crusades: 1096-1699,” in Jonathan Riley-Smith (ed.) Oxford History of the Crusades, p. 251
[36] http//:en.wikipedia.org/wiki/Barbary_pirates
[37] We should not forget of course that the Conquistadors usually acted without official sanction, and that the Church, often in co-operation with the Spanish Government, worked very hard to control their excesses.

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6 KOMMENTARE

  1. „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst Du nur Schlechtes und Inhumanes finden….“

    So zitierte Papst Benedikt den römischen Kaiser Manuel II. Palaiologos. Die Reaktion der Moslems darauf — weltweit hunderte Morde an Christen und hemmungslose Gewalt.

    Quod erat demonstrandum.

  2. Ein unglaublich gutes Buch. Es ist von jenem neuen Genre, wie auch GOOD BYE MOHAMMED, in dem mit alten Klischees aufgeräumt und die Geschichte nach neuestem Wissensstand referiert wird. Eigentlich etwas Selbstverständliches, aber tatsächlich etwas Revolutionäres in der heutigen Politik- und Medienkonstellation.

    Dunkles Mittelalter? Eine Erfindung der Reformation um die Kirche zu diskreditieren, die sich verselbständigte und bis heute kolportiert wird.Auch Goethe fabrizierte blühenden Unsinn darüber.
    Die Herabsetzung des katholischen Mittelalters führte simultan zu einer Überhöhung des orientalischen Mittelalters. Dieses war in Wirklichkeit eine Weiterführung der Antike und hatte nicht das geringste mit dem Islam zu tun- mit der Ausnahme dass die flächende Etablierung des Islam, die erst im 12.Jh. erfolgte, diese spätantike Blüte in kürzester Zeit erledigte.
    Der Beitrag des Islam zur europ.Renaissance tendiert gegen Null, ein kultureller/wissenschaftl.Beitrag des islamischen Spaniens für Europa fand nicht einmal im Ansatz statt. Sämtliche führenden Köpfe Spaniens wirkten im Exil.

    Der Beitrag des islamischen Orients zum Fortschritt Europas war negativ. Das muslimische Piratenunwesen im Mittelmeer, später osmanischen Staatspiratentum, drückte die Wirtschaftsleistung sowohl des Orients als auch Europas.

    Europa erlebte erst seinen rasanten Aufschwung, als es eigene Fernostrouten um Afrika entwickelte. Die muslimische Welt schlitterte dadurch in die vollkommene Bedeutungslosigkeit, in der sie bis zu den Ölfunden bleiben sollte.

    Das Buch ist eine MUSS-Lektüre. Bezeichnenderweise nur in Englisch auf dem Markt.

  3. Diese Bedeutungslosigkeit, könnten wir ihnen behilflich sein, wiederum herzustellen, indem wir einfach ihr Erdöl vermeiden.
    Es gibt Besseres für die Fortbewegung, wer einmal mittels eigenem Strom gefahren ist, will dieses sanfte Gefühl der Kraft nimmer missen.

  4. Auch wenn die Könige und Feudalherren im Mittelalter angeblich ernsthafte Kriege fochten, waren diese nicht blutig. Während der bedeutenden und entscheidenden Schlacht zu Lincoln im Jahre 1217 kämpften rund 600 gegen 800 Ritter und nur einer verlor das Leben, was als schrecklicher und unglücklicher Unfall bezeichnet wurde.

    Das war jetzt aber ein Scherz oder?
    Im Jahr 1066 gab es bei Hastings auch schon einen schrecklichen und unglücklichen Unfall, dem viele kleinere Unfälle folgten.

  5. Was passiert, wenn Muslime in einem Land die Mehrheit gewinnen?

    Man denke an den Libanon:

    Vom wirtschaftlich prosperienden Land mit Christlicher Mehrheit, gerühmt als „Schweiz des Nahen Ostens“, zum wirtschaftlich maroden Terrornest unter Muslimischer Mehrheit.

  6. @#3 biersauer
    Schon seltsam dass die Entwicklung von billigen Strom mittels Atomkraftwerken von Islamophilen Grünen vorangetrieben worden ist..

    Nix Stromautos oder Atomautos.. (und nein die gehen nicht in die Luft..)

    Templarii

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