Napoleon III. und Bismarck am Morgen nach der Schlacht bei Sedan.
Napoleon III. und Bismarck am Morgen nach der Schlacht bei Sedan. Die hohen Herren jedoch, Sieger wie Verlierer, begegneten sich mit Respekt, Stil und ohne Sprachschwierigkeiten.

Von WOLFGANG HÜBNER | Der 2. September eines jeden Jahres war im deutschen Kaiserreich in der Zeit von 1871 bis zum Ersten Weltkrieg ein Tag des Stolzes. Denn an diesem Tag erinnerte sich die Nation an den großen militärischen Erfolg der preußisch-deutschen Streitkräfte in der Schlacht bei der Kleinstadt Sedan im deutsch-französischen Krieg 1870/71. Der Sieg in dieser vor allem für die französische Seite verlustreichen und katastrophal endenden Schlacht war allerdings nicht nur überlegener Strategie der deutschen Führung und der Kampfkraft ihrer Truppen zu verdanken. Bedeutenden Anteil an diesem in ganz Deutschland gefeierten Triumph hatte auch die militärische und politische Konfusion im Nachbarland.

Denn nach den überraschenden Niederlagen der Franzosen seit Kriegsbeginn Ende Juli  1870 hatte deren Führung viele Fehlentscheidungen getroffen, die am 18. August zum verzweifelten Rückzug einer riesigen Armee in die Festung Metz führten. Damit war ein bedeutender Teil der französischen Streitmacht bis zur Kapitulation von Metz am 27. Oktober 1870 dauerhaft außer Gefecht gesetzt. Der andere Teil der kaiserlichen Armee manövrierte sich selbst in die Falle von Sedan, wo er von den deutschen Truppen am 1. September 1870 eingekesselt und vernichtend geschlagen wurde. Nach dramatischen nächtlichen Verhandlungen kapitulierte die französische Führung am folgenden 2. September. Denn die völlig demoralisierten Soldaten und ihre Offiziere konnten den Kampf nicht mehr mit Aussicht auf irgendeinen Erfolg weiterführen.

Spektakulär an dem deutschen Triumph war aber nicht nur die Kapitulation eines Gegners, der vor einigen Wochen in ganz Europa noch als unbesiegbar gegolten hatte. Das ganz besondere Ereignis von Sedan war die Gefangennahme des französischen Kaisers Napoleon III., der unter starkem innenpolitischen Druck zur Armee geeilt war. Seine Begegnung nach der Niederlage mit Bismarck, später auch mit dem preußischen König und künftigen deutschen Kaiser Wilhelm I., war ein welthistorisches Ereignis. Der Sieg in Sedan entfachte in den deutschen Landen eine nationale Euphorie ohnegleichen. Die hohen Herren jedoch, Sieger wie Verlierer, begegneten sich mit Respekt, Stil und ohne Sprachschwierigkeiten, zusätzliche Demütigungen von Napoleon III. wurden strikt vermieden. Der Kaiser wurde nach Kassel gebracht und dort luxuriös interniert.

Buchtipp!Das war auch dem Respekt der Sieger vor den tapfer kämpfenden Franzosen geschuldet. Vor allem deren Kavallerie hatte sich mit Todesmut ins Feuer der deutschen Artillerie und Infanterie gestürzt und fürchterliche Verluste erlitten. Die Schlacht beobachteten von  einem Hügel aus König Wilhelm I., Bismarck und Generalfeldmarschall Moltke. Letzterer stellte bei den folgenden Verhandlungen die Franzosen unmissverständlich vor die Wahl: Kapitulation oder massive Bombardierung der mit Soldaten vollgestopften Stadt Sedan. Der französische Befehlshaber General von Wimpffen musste schweren Herzens den militärischen Realitäten Rechnung tragen. Wimpffen war erst kurz zuvor aus Algerien gekommen, wo er Kommandeur von Oran war. Seine Blitzkarriere verdankte er den Niederlagen der ersten Kriegswochen, doch retten konnte diese tragische Figur nichts mehr. Mit Wimpffen mussten rund 100.000 französische Offiziere und Soldaten den bitteren Weg in die deutsche Gefangenschaft antreten.

Napoleon III. wurde bereits am 4. September nach Unruhen in Paris faktisch gestürzt. Am gleichen Tag wurde in der französischen Hauptstadt die Republik ausgerufen und eine provisorische „Regierung der nationalen Verteidigung“ gebildet. Diese Entwicklung war äußerst folgenreich für den weiteren Kriegsverlauf. Denn die neuen Machthaber in Paris wollten nach all den militärischen Desastern keineswegs kapitulieren, sondern weiterkämpfen. Der Krieg, der bei der Sedan-Schlacht fast 10.000 deutsche Opfer forderte, war noch nicht zu Ende. Das nächste Ziel der Sieger war nun die massiv befestigte Hauptstadt des Feindes. Bereits am 18./19. September war Paris von den deutschen  Truppen eingeschlossen.

» Teil 1: Vor 150 Jahren begann der deutsch-französische Krieg
» Teil 2: Frankreichs militärisches Fiasko beginnt
» Teil 3: ARTE-Doku über den Krieg 1870/71
» Buchtipp: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte, Verlauf…, Hrsg.: Olaf Haselhorst – hier bestellen


Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.

image_pdfimage_print
Anzeige: Wandere aus, solange es noch geht - Finca Bayano, Panama.

28 KOMMENTARE

  1. Natürlich begegnete man sich was mit Respekt.

    Ehre und Achtung vor dem Gegner war noch im ersten Weltkrieg selbverständlich und auf deutscher Seite auch noch teilweise im zweiten Weltkrieg.

    Ich erinnere an Richthofen.

  2. Was dieser Tage zum Thema 1870/71 bei Transatlantik-Springer zum Besten gegeben wird, ist (deutscher) Schuldkult in seiner vollendetsten Form.

  3. Tja, soviel dann auch zum Thema „Demokratie ist der Garant für Frieden und Wohlstand….blablablubb“

    Ohne die Ausrufung der „Republik“ hätte das Sterben auf beiden Seiten ein Ende gehabt.

    Aber der Deutsche ist der Böse…ja, ja…

  4. Auch jetzt habe ich wieder UNSEREN FRITZ (Kronprinz Friedrich Wilhelm) vermißt, der immerhin Kommandeur der III. Armee war und auch heute noch (September 2020) immer noch Namenspatron unseres Gymnasiums ist.

  5. Auf einer Anhöhe hinter meinem Haus stand bis 1946 ein Denkmal für Albert Leo Schlageter.
    Die erste Amtshandlucng der frz. Besatzungsmacht war die Sprengung desselben.
    Man hat dort Sedan bis heute nicht verwunden.
    So wie die Tommies Dünkirchen 1942 nie verwunden haben.

  6. Sind wir froh, dass dieser Wahnsinn vorbei ist.
    Wahnsinn deshalb, weil per Ordre de Mufti Menschen aufgrund ihrer Nationalität als „Erbfeind“ erklärt wurden.
    Grüße aus dem Saarland, in dem man die verscharrten, sinnlos getöteten jungen Menschen beider Seiten in Massengräbern ehren kann.

  7. OT:

    Damit es nicht verloren geht. Der nationale Notstand bestätigt sich. Auf einer Demo soll sich eine Heimmitarbeiterin angesteckt haben. Immerhin das wäre der erste betätigte Fall unter mehreren Millionen.
    Sie wurde fristlos entlassen weil sie den Test trotz Symptomen verweigert hat. Was auch interessant ist. In diesem Fall reichen also Symptome. Wenn es keine Symptome gibt reicht der Test.

    Ich melde das unter Vorbehalt, ich habe das in einer Google-Headline des Spiegel gelesen. Aufrufen tue ich dieses faschistische Dreckblatt nicht einmal für Corona, um denen keine Klicks zu generieren.

  8. Napoleon III wurde sicherlich respektvoll behandelt und die höheren Offiziere sicherlich auch.
    Aber die Mannschaften wurden eben wie Kriegsgefangene behandelt. Da während diesem Krieg von der Dauer her keine Lebensmittelknappheit herrschte, dürften die Bedingungen für die Kriegsgefangenen eigentlich recht gut gewesen sein.

    Der Respekt geht aber spätestens dann verloren, wenn ein Krieg länger geht und wenn man Probleme hat die eigenen Leute zu versorgen fängt man auch sehr schnell an bei der Versorgung von Kriegsgefangenen Prioritäten zu setzen.

    Vielleicht wäre es bei diesem Krieg im Nachhinein gesehen besser gewesen auf Gebietsabtretungen zu verzichten, bzw. diese gering zu halten oder nur per Volksabstimmung. Die preussische Militärpräsenz und Verwaltung hat die dortige Bevölkerung ganz sicher nicht loyal gemacht.

  9. ChrisOausH 2. September 2020 at 13:14
    Sind wir froh, dass dieser Wahnsinn vorbei ist.
    Wahnsinn deshalb, weil per Ordre de Mufti Menschen aufgrund ihrer Nationalität als „Erbfeind“ erklärt wurden.
    Grüße aus dem Saarland, in dem man die verscharrten, sinnlos getöteten jungen Menschen beider Seiten in Massengräbern ehren kann.

    Der Mensch ist wie er ist. Und daher ist es immer nur eine Frage der Zeit, bis einer wieder anfängt zu stänkern und es daher wieder irgendwo „scheppern und krachen“ wird.
    über 70 Jahre Frieden in (Mittel)Europa sind, geht man bis in die Zeit der griechischen Stadtstaaten zurück, nicht die Regel, sondern die große Ausnahme.
    Von daher ist es, rein statistisch gesehen, demnächst wieder mal fällig. Großes Potential sehe ich momentan beim Türken.

  10. „Der Sieg…zur Nation …Schlacht von Sedan…Pariser Kaisersturz“

    alles ewiggestrig. heute wird die bunte schwucke gefeiert.

    „erfahren 30 Prozent der Homosexuellen in Deutschland Diskriminierung…
    …dass ein Drittel von ihnen nicht offen über ihre Sexualität redet.
    …meistens höher qualifiziert und arbeiten häufig im Gesundheits-
    und Sozialwesen sowie der Kunst und Unterhaltung.“
    https://www.rnd.de/wissen/homosexuelle-im-job-fast-jeder-dritte-erfahrt-diskriminierung-am-arbeitsplatz-UPIEHYX232OIC2HOACDYZDFQQQ.html

    sozialindustrie, kunstzirkus, bespassung – mint ist halt nicht drin .

  11. Ich wäre für ein zurück zum Kaiserreich mit einem demokratisch gewählten Parlament mit höchstens 300 Parlamentariern, die Minister die aus dem Parlament gewählt werden müssten allesamt vom Fach ihres Resorts sein. Das würde Unsummen an Geld sparen verbunden mit gerecht niedrigen Steuern.

  12. Alleine auf sich gestellt haben die Franzosen wirtschaftlich und militärisch gegen Deutschland keine Chancen.
    Dafür sind sie nett und für guten Rotwein und Käse weltberühmt! 🙂

    Das wird sich erst ändern, wenn in Deutschland die importierten Kuffnucken Ausländer deutlich in der Mehrheit sind.

  13. Antidote 2. September 2020 at 13:01

    Naja, wenn „wir“ uns schon mit der EUro-Schönlügerei selbst bescheissen, dann ist es nur konsequent, wenn „wir“ uns mit diversen Kriegsgrundlügen selbst anscheissen.

    Die Schlacht vom Teutoburger Wald ist als Gründungsmythos obsolet, es lebe der Nationalmasochismus.

  14. rev1848 2. September 2020 at 13:50

    Ich sage, dass die Regierungsform wurscht ist, es kommt nur auf die Qualität der Staatsführung an.

    Ein guter Tyrann ist besser wie eine miese Kanzler_In.

  15. nicht die mama 2. September 2020 at 14:42

    Und ein mieser Tyrann ist auch leichter abzusetzen wie eine miese Kanzler_In, niemand regt sich über einen Tyrannenmord auf, aber bereits bei simpler Kanzler_Innenkritik brüllt die gesamte Bande den Untergang der Zvilisation herbei.

  16. eule54 2. September 2020 at 15:01
    Rotwein- und käsetechnisch sind uns die Franzosen haushoch überlegen! “
    *******************
    Gerade beim Rotwein wäre ich da nicht so sicher! Ich komme aus einer Weingegend.

  17. rev1848 2. September 2020 at 13:50
    Ich wäre für ein zurück zum Kaiserreich mit einem demokratisch gewählten Parlament mit höchstens 300 Parlamentariern, die Minister die aus dem Parlament gewählt werden müssten allesamt vom Fach ihres Resorts sein. Das würde Unsummen an Geld sparen verbunden mit gerecht niedrigen Steuern.

    Gab es alles schon. Mit einer Staatsquote von sage und schreibe 15%. Und einer Arbeitslosenzahl im homöopathischen Bereich Inzwischen sind wir, was die Staatsquote angeht, fast im Ostblock angelangt. Nur neideten uns irgendwann einige den Erfolg unserer Arbeit

  18. hhr
    2. September 2020 at 15:41
    eule54 2. September 2020 at 15:01
    Rotwein- und käsetechnisch sind uns die Franzosen haushoch überlegen! “
    *******************
    Gerade beim Rotwein wäre ich da nicht so sicher! Ich komme aus einer Weingegend.
    ++++

    Na ja.
    Rebsorte, Jahrgang, Anbaugebiet?
    Wer toppt z. B. einen 8 Jahre alten Margaux? 🙂

  19. @ Moha Mett 2. September 2020 at 13:13
    „Man hat dort Sedan bis heute nicht verwunden.
    So wie die Tommies Dünkirchen 1942 nie verwunden haben.“

    und die daenen den verlust ganz schleswig-holsteins bis nach hamburg,
    und die syrer 1967 den verlust des golan, inkl ihrem hauptquartier kuneitra..
    krieg ist normal, fuer niemanden schoen, aber eben fortsetzung der politik.
    nur: wer krieg fuehrt, muss mit niederlage und gebietsverlust rechnen.

    keine gute idee ist deshalb, einen weit ueberlegenen gegner anzugreifen.

  20. eule54 2. September 2020 at 16:41
    hhr
    2. September 2020 at 15:41
    eule54 2. September 2020 at 15:01
    Rotwein- und käsetechnisch sind uns die Franzosen haushoch überlegen! “
    ***************

    Na ja.
    Rebsorte, Jahrgang, Anbaugebiet?
    Wer toppt z. B. einen 8 Jahre alten Margaux? ?
    ***********
    Bottwartal, Neckartal
    Sauvignon oder Schwatrzriesling, auch Trolling er /Lemberg, Spätburgunder trocken
    Jahrgang fast egal

  21. Die Schwarz-Weiß-Rote Fahne ist wohl doch nicht Nazi, sondern steht für Ehre und Respekt.
    Mein Vater, mit 16 Jahren bei der Waffen-SS, mit 17 unter übelsten Bedingungen in amerikanischer Gefangenschaft, weckte uns Kinder in der 50er und 60er Jahren und rief uns zum Frühstück mit dem Ruf „alle raus aus Metz!“.
    Ich wußte damit nichts konkretes anzufangen und fragte mich immer, was Bett mit ‚Metz‘ zu tun hat. Heute bin ich klüger. Offenbar war der Geschichtsunterricht bis 1945 doch ausführlicher.

  22. Jahr 20:55..Rotwein..
    Eule54 hat schon recht an die ganz großen französischen Rotweine kommen die deutschen Rotweine noch nicht ran..ich lebe am Kaiserstuhl und trinke schon fast 50Jahre Wein, früher in den 70igern war der Spätburgunder von hier fast ungenießbar, viel Alkohol wenig Bouquet, für Korea, also Cola/Rotwein noch trinkbar. Es hat Sich sehr viel zum Positiven geändert, vom Anbau bis zur Kellertechnik haben die Winzer viel dazu gelernt. Es gibt hier am Kaiserstuhl inzwischen Rotweine die sich international nicht verstecken müssen, Italien haben wir meines Erachtens quantitativ bereits überholt, Frankreich hat die Nase meiner Meinung nach noch leicht vorn, wobei die Preise für die „Franzosen“ schon heftig sind. Nimmt man den Preisvergleich hat man für das gleiche Geld mit den hiesigen Rotweinen Sogar mehr Qualität im Glas wie mit einem Franzosen…Prost…

Comments are closed.