Offenbar gab es aus der Türkei zu wenig unverschämte Signale in Richtung Vatikan und Papst. Getreu dem christlichen Glauben, auch die andere Wange hinzuhalten, soll Papst Benedikt dem türkischen Regierungschef auf dem Flughafen erklärt haben: „Wir wollen, dass die Türkei Teil der EU ist.“ Ursprünglich hatte Erdogan die vollendete Brüskierung des Oberhauptes der katholischen Kirche geplant, sich letztendlich aber doch herabgelassen, den Papst wenigstens zu begrüßen und ein paar Minuten mit ihm zu plaudern. Vielleicht war die Befürwortung des Beitritts der Preis dafür.

Der türkische Regiergungschef wertete die Papst-Äußerung als „ehrenvolle Empfehlung“. Ob diese Empfehlung unwidersprochen so stehen bleibt, muss sich allerdings erst noch zeigen. Der Sekretär des Päpstlichen Einheitsrats, Bischof Brian Farrell, hatte anlässlich des Papstbesuchs noch betont, es gebe „keine offizielle Position des Vatikans“ zum EU-Beitritt. „Wir glauben an ein auf bestimmten Standards und Zielen gegründetes Europa“, sagte Farrell hinsichtlich ablehnender Äußerungen über einen EU-Beitritt der Türkei, die der Papst während seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation gemacht hatte.

Nun ja, immerhin hatte die Netzeitung schon vor zwei Tagen folgende Meldung gebracht (PI berichtete):

Zwei Tage vor der Türkeireise von Papst Benedikt XVI. hat sich der Vatikan bereit gezeigt, eine Aufnahme der Türkei in die Europäische Union zu unterstützen.

«Ich hoffe, dass die Türkei die Bedingungen zum Beitritt zur EU und zur Integration in Europa erfüllen kann», sagte der zweitmächtigste Mann im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa in einem TV-Interview.

Und das alles passiert nun auch noch in einer Zeit, in der die Zypern-Gespräche für gescheitert erklärt werden, was hoffentlich einen Stopp der Beitrittsverhandlungen nach sich zieht. Die Welt kommentiert heute:

Die EU braucht die Türkei nicht. Der ökonomische und sicherheitspolitische Nutzen einer Mitgliedschaft wäre gering. Auf der anderen Seite hat die Türkei zur Annäherung an die EU keine echte Alternative. Jetzt ist europäisches Selbstbewusstsein gefragt.

Sollte sich diese Erkenntnis selbst in der vor der Türkei buckelnden EU durchsetzen, wäre das ein Segen für uns alle. Der Vatikan hätte dagegen offensichtlich die „Türken gerne noch einmal vor Wien“. Wir nicht!

» Fakten & Fiktionen: Erdogan: „Papst wünscht EU- Beitritt der Türkei“

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19 KOMMENTARE

  1. die türken VOR wien wären kein problem – es sind die türken IN wien welche – nun ähm – historisch / politisch korrekt – ein eitriger pickel in einer zusehends muselfreundlichen stadt sind.

  2. Aus der NZZ:

    „Auf eine entsprechende Frage habe der Papst geantwortet, er wünsche der Türkei, dass sie der EU beitrete, berichtete Erdogan anschliessend. “

    Aber der EU nicht.

    „Erdogan sagte weiter, es sei ihm während des etwa 20-minütiges Gesprächs mit dem katholischen Kirchenoberhaupt klar geworden, dass der Papst die Auffassung teile, dass der Islam eine «Religion des Friedens» sei. “

    Herr Erdogan ist Sachverständiger für Körpersprache.
    Wenn der Papst seine Fingernägel studiert hat, dann war das ein Zeichen der Zustimmung, klar.

  3. Liebe Beate da bist Du einer Ente aufgesessen. Herr Erdogan hat dies so geäussert. Der Papst hat schon immer gesagt das er hofft „das die Türkei“ alle Kriterien erfüllen kann. Also immer mit dem Unterton – wenn Sie es eines Tages wird warum nicht. Dies heisst aber auch diplomatisch – so nicht liebe Türken.

  4. Auch zum Thema das der Past sagt der Islam seine eine Religion des Friedens und der Liebe möchte ich anführen das dies nachvollziehbar ist. Dem Papst ist aber auch klar das dieser Frieden und diese Liebe eine andere sind als die humanistische, jüdische o. christliche. ;o)

    Der Papst ist nicht dumm und schon gar kein Islamkuschler.

  5. Ich wäre mit solchen Meldung noch sehr vorsichtig. Es heißt ja auch überall, der Papst habe gesagt, der Islam bedeute Frieden. Nebenbei war das Erdogan und nicht der Papst.

  6. Es ist schon eine sehr verzwickte Lage! Der deutsche Papst sagt seiner Unterstützung der Türkei zu, und somit in der höchste europäische Politik eingestiegen war! Damit aber zu gleich hat d. deutschen Politikern Hände und Füße gebunden, da sie kaum die Möglichkeit hat ihr eigener Papst in den Rücken zu fallen!

    Somit aber machen nicht nur die Islamisten ihre Irrsinnige Weg zu zu begehen, sondern dass macht auch der Papst, dass er sich als hochrangiger Politiker hergibt, auch ohne jegliche Recht und Status dazu.

    Tiqvah Bat Shalom

  7. Wir wissen nicht, was der Papst gesagt hat. Wir wissen nur, was Erdogan gesagt und gehört haben will. Aber die Medien bringens – und es wird damit zur Wahrheit.
    Der Papst wird auf türkischem Boden keine Gegendarstellung abgeben.
    Wenn er wieder im Vatikan ist, kann er ja versuchen, die Dinge richtigzustellen. ABER: dann kommt Erdogan und kann ihn des Wortbruchs zeihen („alle Welt sieht, dass der Papst heute so und morgen anders redet – typisch christlich-verlogen – und die seinen Worten vertrauenden gutgläubigen Muslime werden wieder Opfer von Lügen…“).
    Geschickt angefangen von Erdogan.
    Dumm in die Falle gelaufen, Benedikt.
    Oder?

  8. Ich kann kaum glauben, dass sich der Papst so geäußert hat. Erstens kennen wir seine Haltung zur Türkei aus der Zeit Kardinal Ratzingers. Zweitens kennt er die Wahrheit über „die gemeinsame Geschichte der Türkei und Europas“ genauer als viele selbsternannte „Experten“. Zweitens ist die Aussage viel zu politisch für einen Papst, dessen Absicht gar kein Staatsbesuch war. Und drittens hatte sich Erdogan bis gestern noch entschuldigen lassen. Heute hat er dann doch nicht nur Zeit für ein Gespräch mit dem Papst, sondern auch noch für eine Pressekonferenz, auf der er dieses „Ergebnis“ großspurig ausplaudert. Ich glaube Erdogan nicht. Das ist solange ein Propaganda-Bluff, bis es Vatikan-Offizielle bestätigen!

  9. alles Quatsch … der Papst hat gesagt, er wünsche der Türkei „viel Glück auf dem Weg in die EU“.
    Also cool down …

  10. Leute JKR/Bene16 weiss doch genau was er tut, er provoziert durch Freundlichkeit, damit bekommt er die Musels so richtig „unter den Teppich“ so nach dem Motto „liebe Musels wir sind doch alle lieb und friedlich“ ……

    ca

  11. Feuervogel, Du hast völlig recht. – Irgendwie bist Du hier der ruhende Pol, was? Das war ein Kompliment.

    Diese Hysterie ist wirklich bemerkenswert.

    Ich fand die Rede des Papstes absolut cool.

  12. Wenn Erdogan sagt, dass der Papst sich für einen EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen hat, dann ist das lediglich ein Zitat.

    Ich glaube das erst, wenn er es ins Mikrofon spricht.

    P.S: Jetzt ist im bayerischen Fernsehen gerade eine Diskussionsrunde im Gange. Läuft bis 21.00 h

    Die ersten zwei Sätze sind schon wieder vom „Feinsten“:

    Der Papst habe sich selbst mit Regensburg eine Tretmine gelegt und der Vorgänger habe den Islam (wenigstens) anerkannt, weil er den Koran entgegengenommen und geküsst habe.

    Pfui Deibel!

  13. @zylix >>Der Papst wird auf türkischem Boden keine Gegendarstellung abgeben.

    Der Papst wird auf besetztem anatolischem Boden keine Gegendarstellung abgeben.

    —-

    Fuer mich fuehrt Benedict16 weiter ein laecherliches Dasein. Er ist konzeptlos und wirkt so bemitleidenswert. Beinahe moechte ich sagen, dass ich mich fuer ihn schaeme.

  14. Yegni

    Ich glaub´Du und manch´andere sind einfach schief gewickelt….Lest doch erst mal, was aus der Umgebung des Papstes an Kommentaren kommt! Soll ich´s mal undiplomatischer formulieren? „Der heilige Vater wünscht sich ja so sehr, daß die Türkei einmal die Aufnahmekriterien für die EU erfüllen würde, daß den Christen in der Türkei die vollen Menschenrechte zugestanden würden, daß sie ihre Religion frei und geschützt durch den Staat ausüben könnten….und daß dann, JA UND DANN (!), die Türkei auch selbstverständlich Mitglied der EU würde…..“
    Ich versteh´s so….

  15. PS:

    …und daß man dann vor einem EUROPÄISCHEN GERICHTSHOF jeden Türken vor Gericht ziehen kann, der Christen benachteiligt oder verfolgt und daß dann die türkische Regierung GEZWUNGEN werden kann, Unverletzlichkeit der Person und des Eigentums für Christen in der Türkei zu garantieren….

  16. „Beitritts-Erklärung

    Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat mit seiner Äußerung, der Papst habe sich für einen EU-Beitritt der Türkei ausge-sprochen, in Ankara für Aufsehen gesorgt. Am Nachmit-tag reagierte der Vatikan mit einer Erklärung: „Der Vatikan hat nicht die Macht und nicht die besondere politi-sche Aufgabe, in einer so fest umrissenen Angelegen-heit wie einem EU-Beitritt zu intervenieren, und er strebt dies auch nicht an. Trotzdem betrachtet der Vatikan den Weg des Dialogs und der An-näherung in Europa positiv und ermutigt dazu – auf der Grundlage gemeinsamer Wer-te und Prinzipien.“
    (WAZ, 29.11.2006)

    Kurz gehalten, intelligent formuliert, eindeutig in der Aussage, kurz – ein kräftiger Schlag in’s Gesicht.
    Benedikt ist nach wie vor noch Ratzinger, wenn auch etwas diplomatischer.

    Kognitiv
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    Remember Lepanto 1571

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