Joris LuyendijkZugegeben, die Junge Welt gehört nicht gerade zu unserer täglichen Pflichtlektüre, aber in ihrer Wochenendausgabe fand PI-Leser Michael M. ein hochinteressantes, sachliches und informatives Interview mit Joris Luyendijk (Foto), einem niederländischen Journalisten, der sich zu seiner Zeit als Nahostkorrespondent äußert.


Auszug:

Ich bin im Laufe meiner Nahost-Zeit auf fünf Faktoren gestoßen, die unser Bild vom Nahen Osten verzerren. Zunächst sind alle Nachrichten gefiltert, das heißt: wahnsinnig viel kommt erst gar nicht ins Bild. Des weiteren ist ein Großteil der Nachrichtenmeldungen verformt. Mit anderen Worten: Das, was ins Bild kommt, ist häufig anders als berichtet wird. Oft sind Nachrichten manipuliert, weil Parteien und Regierungen erkannt haben, wie entscheidend die Rolle ist, die die Berichterstattung, insbesondere die Bildersprache spielt. Daher sind Nachrichten zwangsläufig auch parteiisch – und einige Parteien können besser manipulieren als andere, auch deshalb, weil sich manche Meldungen und Geschichten besser für das Fernsehen eignen –, und weil Journalisten sich fortwährend zwischen bestimmten Themen, Perspektiven und Begriffen entscheiden müssen. Nicht zuletzt sind Nachrichten vereinfacht, denn meist stehen dem Berichterstatter nur wenige Minuten oder ein paar hundert oder tausend Wörter zur Verfügung: weil man beim Publikum nicht von Hintergrundkenntnissen ausgehen kann und daher stets wieder bei null beginnen muß; weil die Nachrichten von Zuschauer-, Hörer- oder Auflagenzahlen abhängig sind; und weil chauvinistische »good guy – bad guy«-Meldungen sich besser verkaufen als selbstkritische Töne.

Warum räumt man den Menschenrechtsverstößen der israelischen Regierung soviel mehr Platz ein als den Menschenrechtsverstößen der ägyptischen Regierung? Warum wird in den Medien kaum über die großzügige Unterstützung berichtet, die der Westen ausgemachten Diktaturen wie Ägypten, Tunesien oder Algerien zukommen läßt? Und warum sagen wir eigentlich Ägyptens »Präsident« und nicht Ägyptens »Diktator«? Man könnte zahllose solcher Fragen stellen, wobei man stets wieder zurückkäme auf die Begrenzungen, mit denen Journalisten bei ihren Recherchen und im Zuge ihrer Berichterstattung zu tun haben.

Hier gibts das komplette Interview…

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10 KOMMENTARE

  1. In der Zeit, knapp vor der Wende, war die Junge Welt mutig.

    Mutiger als alle anderen DDR-Printerzeugnisse.

    Heute taugt sie nicht mal mehr, um sich den Hintern zu putzen.

    Kein Junge Welt-Leser mehr seit 1991.

  2. Ja und???

    Der Artikel ist doch gut!

    Was soll dann Deine Aussage?

    Kopfschüttel, grübel grübel und studier!

  3. Vielleicht war der zuständige Politoffizier gerade im FDGB-Ferienheim im Urlaub und so ist das Interview durchgerutscht?

  4. …kaum sind die Wandlitzer im Urlaub
    tanzen in der Redaktion die Zwerge…
    Verstehe den Bericht auch nur unter der
    Kategorie „kleine Fluchten“.

  5. Geiler Artikel. Ich seh schon, wie die Antifa vor seinem Haus aufmarschiert und Farbbomben wirft und dazu plumpe Parolen kreischt.

    Primitiver Haufen.

  6. Ich hoffe, daß wir auch bald eine pöse Diktatur wie Ägypten, Tunesien, Algerien bekommen, oder früher die Türkei. Eine pöse Diktatur, deren einziger Zweck, und Entstehunngsgrund, es ist, Islamnazis niederzuhalten.

    Wo Islam im Land ist, ist perfider Terrorkrieg gegen die Bevölkerung. Darum gilt in jedem Land, in dem der Islam ist, Kriegsrecht, also kann man solange leider keine Demokrratie haben. Demokratie, offene Gesellschaft, funktioniet mur mit Mitgliedern, die diese wollen. Islamnazis wollen keine Demokratie. Klar, daß sie eine große Bereicherung darstellen und man sie massenhaft ins Land lassen muß.

    Damit wir wieder in einer Demokratie leben können, müssen wir die Islamnazis räumlich von uns trennen, damit sie in ihrem Islamnazistaat leben können. Das ist dann die erfolgreiche Sezession und der erfolgreiche Landraub, das generell Ziel des Islam, welches dann wieder einmal erfolgreich war unter Ausnutzung der üblichen Naivität und Dummheit der anderen Völker.

    Natürlich müssen Islamnazis nach erfolgreichem Landraub wieder in die noch nicht zerstörten Länder einwandern. Warum, da es ihnen doch im perfekten Islamnazistaat gefallen müßte?
    Diese Frage stellt ein naiver Dummkopf nicht, und in einer islamischen EU (also die heutige EU)ist eine solche Frage von der Gedankenpolizei verboten.

  7. Die Einfalt des Urteilens ist die größtmögliche Entschuldigung zur Vielfalt der Einsichten.

    Nehmen wir folgendes Beispiel:
    RAFNPD = Rationale Fundamentalisten für die nationalsozialistischen Volksverräter in Deutschland.

    Viel Spaß zur hermeneutischen Auseinanderkleidung!

  8. Vermutlich ist dem jW-Redakteur die derzeitige Berichterstattung immer noch zu proisraelisch.

    Einige wahre Bemerkungen mögen hier dabeisein, doch ist auch Richtiges immer nur in Relation zum Gesamtbild zu verstehen, das das Blatt zeichnet. Und ein Anmahnen „ungefilterter“ (eher dürfte es um das Ersetzen des aktuellen Filters durch einen anderen gehen) Informationen wiegt da leider nicht den kapitalen Bock auf, mehr „Demokratie“ für die bis zum Anschlag durchislamisierten Länder Ägypten oder Pakistan zu fordern. Wer nicht erkennt, dass die Muslimbrüder ganz gezielt in der westlichen Presse nach „Demokratie“ rufen lassen, damit sie nach ihrer Wahl an die Macht sofort ein taliban-gleiches Mörderregime bilden, der ist gar nicht in der Lage, irgendeinen Lichtstrahl der Erkenntnis abzubekommen. Hier geht es vielmehr um das Korn, das das blinde Huhn zufällig gefunden hat.

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