68-er Studenten1. Wir berauschen uns an importierten Schlagwörtern, um hinterher ernüchtert festzustellen, dass sie nicht recht auf unsere Verhältnisse passen wollen.
2. Wir flüchten uns in unverständlichen soziologischen Fachjargon, weil es uns schwerfällt, ein utopisches Modell der Neuen Gesellschaft zu entwerfen (nicht einmal auf dem geduldigen Papier will uns das gelingen.)

(Von Werner Munde, cand. phil. hist., an der Universität Bern, Schweiz, und publiziert im „Berner Student“ vom 2. Dezember 1968)

Wir lehnen Reformen ab, weil es dazu konkreter Vorschläge bedürfte, die wir bis jetzt nicht entwickelt haben (weil das noch schwieriger ist als der Entwurf einer Utopie).

3. Wir gefallen uns in der unverbindlichen revolutionären Pose, weil uns der Mut zur verantwortlichen konstruktiven Politik fehlt, und weil wir für deren mühsame Kleinarbeit zu wenig Geduld und zu wenig Sachkenntnis haben.

4. Wir wettern gegen die Manipulation der Massenmedien und lassen uns getrost von unseren „Studentenführern“ manipulieren. Die Massenmedien haben unsere Krawalle wohl aufregend und spektakulär gemacht, aber sie haben gleichzeitig uns und unsere Ideen korrumpiert.

5. Wir provozieren die Polizei und heulen in gekränkter Menschenwürde auf, wenn wir eins mit dem Knüppel erwischt haben, getreu der Devise: „da man sie schlagen wird, kennen sie das Risiko, und wenn sie gewillt sind es auf sich zu nehmen …“ (Marcuse). Und wenn der Langmut der Polizei doch grösser war als erwartet, dann ersinnen wir noch perfidere Methoden der Provokation.

6. Wir lechzen nach Dialog und Diskussion und lehnen gleichzeitig die dazu notwendige „reine Toleranz“ ab, obwohl „solche unterschiedslose Toleranz gerechtfertigt ist… in der akademischen Diskussion“ (Marcuse), also unter Studenten wohl gepflegt werden könnte. Aber wir lassen die Andersdenkenden gar nicht zu Wort kommen oder verunglimpfen ihre Person, wo es uns doch um die Sache gehen sollte.

7. Wir proklamieren die sexuelle Revolution und praktizieren die freie Liebe, weil uns der Mut zur menschlichen Bindung (zum Dauerengagement!) fehlt, oder weil wir dazu keinen Partner finden.

8. Wir wollen Massen kritisches Bewusstsein einhämmern und schläfern unser eigenes Bewusstsein ein mit LSD. Wir wollen die Wirklichkeit verändern und flüchten uns in die Unwirklichkeit des Rausches.

9. Wir verteufeln den Liberalismus und den Humanismus und bewundern unsere Prager Kollegen in ihrem verzweifelten Kampf für die Liberalisierung und Humanisierung ihres Systems. Wir verschließen die Augen vor der Tatsache, dass das Gegenteil des liberalen Staates der totalitäre ist.

10. Wir entblößen die faschistischen Züge in unserem Soldatenbuch und projizieren sie übergroß und verzerrt auf die Leinwand (Hommage), und gleichzeitig schicken wir das Buch unseren Berliner Kommilitonen als Lehrbuch für Krawalle.

11. Wir schreien nach Freiheit und meinen Schrankenlosigkeit und müssen schließlich resigniert feststellen, dass Freiheit in jeder Gesellschaft nichts anderes sein kann als Selbstbeschränkung, weil nur der Mensch frei ist, der andere Menschen nicht ihrer Freiheit beraubt. Vor dieser bitteren Erkenntnis flüchten wir in die Scheinfreiheit der Anarchie, um dort endgültig unfrei zu werden. (Diese Sackgasse wäre uns erspart geblieben, wenn wir rechtzeitig den „contract social“ – einen verstaubten Klassier von verblüffender Aktualität – studiert hätten: Rousseau proklamiert darin nämlich nicht die Freiheit, sondern er legitimiert die Unfreiheit in der Gesellschaft – und erschüttert damit das Ancien Régime).

12. Wir bewundern das marxistische Modell einer kommunistischen Gesellschaftsordnung und vergleichen es mit den Missständen in unserer liberal-demokratischen Praxis (mit Marcuses „totalitärer Demokratie“). Vergleichen kann man aber gerechterweise nur die beiden gleichermaßen utopischen Modelle (Rousseau behält die Demokratie den Göttern vor und auch Marx muss für sein Modell das Paradies auf die Erde bemühen) oder die beiden mangelhaften Versuche zu ihrer Verwirklichung (Marcuse: „Bei allen ihren Grenzen und Verzerrungen ist demokratische Toleranz unter allen Umständen humaner als eine institutionalisierte Intoleranz, welche die Rechte und Freiheiten der lebenden Generationen künftigen Generationen zuliebe aufopfert.“).

13. Wir entdecken unseren Mangel an zündenden Ideen und überzeugenden Argumenten und verfallen deshalb immer mehr in Perversitäten. Hüten wir uns vor der Lächerlichkeit, sie tötet unsere Ideen! Revolutionen werden mit dem Kopf und nicht mit dem Hintern gemacht.

14. Wir wollen „das System“ entlarven und bemerken beschämt, dass wir bei uns selbst beginnen sollten.

15. Wir vertagen die Revolution bis nach den Sommerferien, weil uns die Sache dann auch wieder nicht so wichtig ist.

FAZIT:

Hören wir endlich auf, Revolutionäre zu spielen, und kommen wir zur Sache – sofern wir überhaupt ein ernstes Anliegen haben, das uns auf den Nägeln brennt! Wir befinden uns weder im bolivianischen Dschungel, noch besitzen wir die rücksichtslose Entschlossenheit eines Lenin. Revolutionen lassen sich nicht importieren, sondern müssen auf dem eigenen Mist wachsen (das Scheitern Guevaras sollte uns nachdenklich stimmen!).

Beseitigen wir zuerst die Widersprüche in uns selbst, um glaubwürdiger zu werden! Wir haben nun lange genug Sündenböcke geprügelt, um von unseren persönlichen Schwierigkeiten abzulenken. Nun geht es um die Sache und nicht mehr länger um unserer Person. Wir kämpfen ja „nicht für persönlichen Vorteil und aus persönlicher Rache, sondern weil wir Menschen sein wolle“ (Marcuse). Das Wort Student wird aber immer mehr zum Schimpfwort…

Entschließen wir uns dann zur Politik! Die provokative Phase der Studentenbewegung ist zu Ende. Ihr Ziel – den Souverän und die Behörden auf die dringend nötige Universitätsreform aufmerksam zu machen – scheint mir erreicht zu sein. Wir müssen nun zur konstruktiven Phase überleiten und unsere Vorstellungen in handfeste Politik umsetzen. Dafür brauchen wir konkrete Ziele, Überzeugungskraft, Bundesgenossen im vielgeschmähten „Establishment“ (dem wir in wenigen Jahren angehören werden), größere Sachkenntnis, mehr Geduld und wahrscheinlich andere Wortführer. Wir müssen wohl oder übel den vorhandenen Institutionen ein gewisses Mass an Achtung entgegenbringen, auch wenn sie floss geheuchelt sein sollte. Etwas Diplomatie kann uns nicht schaden.

Wenn wir diesen Weg einschlagen, dann wird man uns bestimmt ernst nehmen und entgegenkommen. Wenn wir aber weiter revoltieren (von Revolutionieren kann ja keine Rede sein), dann wird man uns auf ein Stumpengeleise (Abstellgleis) abschieben, wo man uns in wenigen Jahren im selbstgewählten Raritätenkabinett bestaunen kann.

Sollten wir aber damit keinen Erfolg haben, dann können wir voller Überzeugung zur revolutionären Phase überleiten und auf die Barrikaden steigen, weil Marcuse den „überwältigenden Minderheiten“ für den Fall, „dass gesetzliche Mittel sich als unzulänglich herausgestellt haben“, ein Naturrecht auf Widerstand gegen die repressiven Gewalten zubilligt. Aber nur in diesem Fall!

» (Alle Marcuse-Zitate stammen aus dem Aufsatz „Repressive Toleranz“).

Hier noch eine Bewertung eines amerikanischen Beobachters der Studentenunruhen, Dr. Louis Garret aus Canton, Ohio (USA), der in einem TIME-Leserbrief vom 12. September 1969 (Seite 16) schreibt:

Diese so „schöne“ neue Generation
Sie wollen aufbauen, ohne Rücksicht darauf, wie sie zerstören.
Sie werden allgemeine Liebe predigen, gleichgültig wen sie dabei verletzen.
Sie werden sich nützlich machen, indem sie unnützlich sind.
Sie werden sich dazu verpflichten, sich nicht zu verpflichten.
Sie werden eine neue Gesellschaft ohne Führer führen.
Sie werden den Materialismus beseitigen, gleichgültig wieviel sie den Eltern abschmarotzen müssen.
Sie werden eine neue Moral verwirklichen, gleichgültig wie unmoralisch sie dabei vorgehen müssen.
Sie werden die Welt scheuern, obschon sie selbst die grössten Schmutziane bleiben.
Sie versprechen uns neue Zwecksetzungen, die keinen Zwecken entspringen.
Sie formulieren neue Gesetze, ohne Gesetze zu brauchen.
Sie verstehen nicht, dass ihre Eltern sie nicht verstehen.
Sie negieren technische Errungenschaften, indem sie von Mikrophon, Automobil, Strassen, Landkarten, Elektrizität, Medikamenten, Drogen, Alkohol und Konserven ausgiebig Gebrauch machen.
Der anderen Fleiß ausnutzend, ziehen sie es vor zu faulenzen.
Jetzt verstehe ich, warum ich nicht verstehe.

Lange her, aber vielleicht doch noch aktuell?

(Spürnase: Die Realität)

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16 KOMMENTARE

  1. Ist ja alles richtig aber für wen ist das was neues? Jedem normalen Menschen ist das doch schon lange bewusst.

  2. köstlich. Aber wir wissen ja wer sich durchgesetzt hat. Joschka und der Rote Danny…

    Bumszwang, Terror, Randale, Gewalt,…

    das war schon immer großes Kino …

  3. @#1 TapfererElch. Denen vom Rotfunk (ARD u. ZDF, WDR etc.) nicht. Die spielen heute noch gern Revolution. Da wird der Mörer Che Guevara verherrlicht und man findet Kapitalismus ziemlich Scheiße.

  4. Da hat der Werner Munde also schon im Dezember 1968 erkannt das die Studenten der 68er-Bewegung Idioten waren. Leider hat die 68er-Bewegung sich dies nicht zu Herzen genommen und den Blödsinn den sie veranstalten mal kritisch hinterfragt. Und wie siht es nun 40 Jahre später aus? Ernüchternd muß man feststellen dass die faltigen 68er sind immer noch Idioten und leider nicht auf dem Abstellgleis gelandet, sondern iin poltisch verantwortlichen Ämtern. Warum, weil es noch mehr Idioten gibt die sie wählen! Und weil der Idiotennachwuchs nicht ausstirbt wie das das Hamburger Schanzenfest wieder eindruckvoll bewiesen hat, werden wir uns nohc lange mit diesen linken Idioten rumschlangen müssen.

    Schwere Ausschreitungen in Hamburg
    http://de.news.yahoo.com/26/20090705/twl-schwere-ausschreitungen-in-hamburg-107395c.html

    Richtig gefährlich werden die Idiotenlinken aber, wenn sie zum HardcoreIslam konvertieren.

  5. In diesem Sinne (allerdings erst 2008) Götz Aly, ein geläuterter Altrevoluzzer in seinem Buch „Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück“:

    „Wenige teilen die Einsicht, dass die deutschen Achtundsechziger in hohem Maße von den Pathologien des 20. Jahrhunderts gertieben wurde und ihren Eltern, den Dreiundreißigern, auf elende Weise ähnelten.

    Diese wie jene sahen sich als »Bewegung«, die das >System« der Republik von der historischen Bühne fegen wollte. Sie verachteten — im Geiste des Nazi-Juristen Carl Schmitt — den Pluralismus und liebten — im Geiste Ernst Jüngers den Kampf und die Aktion.‘ Sie verbanden Größenwahn mit kalter Rücksichtslosigkeit. In ihrem intellektuellen, angeblich volksnahen Kollektivismus entwickelten die Achtundsechziger bald den Hang zum Personenkult. Rudi Dutschke, Ulrike Meinhof, Che Guevara, Ho Chi Minh oder Mao Tse-tung wurden wegen der Entschiedenheit verehrt, mit der sie ihre gesellschaftlichen Utopien vertraten. Anders als ihre Eltern begeisterten sich die Achtundsechziger für ferne Befreiungsbewegungen aller Art, allerdings für solche, die das Adjektiv national im Namen führten. Spreche ich heute einen einstigen Mitstreiter, der es zum hohen Regierungsbeamten gebracht hat, auf unser 1972 so freundliches Urteil über die —von Pol Pot geführte — kambodschanische Revolution an, faucht er zurück: »Aly, das haben wir nie gemacht!«
    Nicht jeder Achtundsechziger muss sich an Pol Pot erinnern, gewiss aber an die von Ernst Busch intonierte bolschewistische Genickschuss-Ballade Wladimir Majakowskis, die noch jahrelang auf Hunderten von Demonstrationen und Versammlungen dröhnte: »Still daihr Redner! Du hast das Wort! Rede, Genosse Mauser!« In einfacher Prosa: Hört auf zu schwatzen, nehmt die Knarre in die Hand und drückt ab. Die 9-Millimeter-Präzisionspistole der deutschen Mauser-Waffen-werke gehörte zu den Kultgerätschaften der Oktoberrevolutionäre.
    Selbstverständlich machte das Revoltieren Spaß, war ungemein romantisch. An Gründen fehlte es wahrlich nicht. Doch die Selbstermächtigung der Achtundsechziger zur gesellschaftlichen Avantgarde, ihr Fortschrittsglaube, ihre individuelle Veränderungswut, ihre Lust an der Tabula rasa und — damit bald verbunden — an der Gewalt erweisen sich bei näherem Hinsehen als sehr deutsche Spätausläufer des Totalitarismus. Daher der Titel dieses Buches: Unser Kampf. Nur so betrachtet kann den Revoltierenden historische Gerechtigkeit und Nachsicht widerfahren.“

  6. „10. Wir entblößen die faschistischen Züge in unserem Soldatenbuch und projizieren sie übergroß und verzerrt auf die Leinwand (Hommage), und gleichzeitig schicken wir das Buch unseren Berliner Kommilitonen als Lehrbuch für Krawalle.“

    Gemeit ist das Büchlein „Zivilverteidigung“ der Schweizer Armee, um 1960 jedem Wehrmann mit nach Hause gegeben. Anleitung für Häuserkampf, Waffen anfertigen, Strassensperren etc. Das Buch war gegen die Sowjtunion gerichtet. Die „friedlichen“ Linken haben das ein bisschen missbraucht.

  7. „Die Jugend ist allwissend. Sie weiss alles – nur eines nicht, nämlich dass auch die Alten allwissend waren, bevor sie endlich etwas wussten…“

  8. Perverse Banden beherrschen die Straßen:

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,634423,00.html

    Es wird oft vom Werteverfall gesprochen. Der CSD (CHRISTOPHER STREET DAY) ist eine der Ursachen. Wenn die öffentliche Darstellung und Verherrlichung von Perversion geduldet wird, ist es kein Wunder, wenn Verwahrlosung, sozialer Niedergang/asoziales Verhalten, Verbrechen und Gewalt herrschen!

    Nicht der einzelne Homo ist das Problem. Das Problem ist die organisierte Homo-Lobby, die Andersdenkende terrorisiert und mundtot zu machen versucht. Ziel der Homo-Lobby ist es, perverses Fehlverhalten zum neuen politisch korrekten Standard zu erheben, bzw. normales Verhalten zu verteufeln.

    Die Homo-Lobby will die Gesellschaft zersetzen!

  9. is ja ganz nett, wenn die verlogenheit, die lebenslügen, die unfähigkeiten, die egoismen, die arroganz der linken wieder mal so schön übersichtlich präsentiert werden.
    aber alles seit 40 jahren nichts neues.

  10. Berufen wie kaum ein anderer, spricht der deutsche Historiker und geläuterter Alt 68-ger Götz Aly, all das aus, was die „Bewegung“ so lächerlich und ungenießbar macht:

    Die blinde Autoritätsgläubigkeit. Den Idolen an den Lippen hängen. Das einfache Weltbild – schwarz – weiß. Der Führer-Komplex. Die Bereitschaft zur Gewaltanwendung. Die krude Rechtfertigung und Verniedlichung von Gewaltanwendung. So gesehen waren die 68er nichts anderes als die Fortsetzung der Deutschen Dreißiger Jahre. – Unter der Flagge der Befreiung. Illusionär bis zur totalen Selbstlüge. Kein Zufall, dass gerade in Deutschland und Italien – zwei Länder mit zuvor faschistischen Staatssystemen, die von außen überwunden werden mussten – die Revolte ihre schlimmste Ausprägung erfuhr. Mit Mord und Gewalt. Während 68 in Kalifornien, Frankreich und anderswo eine vergleichsweise harmlose politische Mode darstellte.
    Was die deutschsprachigen 68er im Besonderen auszeichnet, ist ihre Einigkeit im Profiteurswesen. „Immer auf der besseren Seite“. „Diese Generation war die erste, die es sich leisten konnte, ihre Jugendzeit – definiert als von Arbeit und Verantwortung entlasteter Lebensabschnitt – beträchtlich auszudehnen. Dank des damals dichten Sozialgeflechts schafften es viele, ihre luxurierende Jugendexistenz bis ins hohe Mannes-und Frauenalter fortzuführen. Die Freundinnen und Freunde der erschlichenen Sozialhilfe, des gelegentlichen Versicherungsbetrugs, die mit 40 Jahren frühpensionierte, vormals kommunistische Lehrerin, die sich bei ehedem vollen Bezügen in eine Landkommune zurückzog – sie alle zählten lange zu den Figuren der linksradikalen Gemeinde, die sich dank ihrer selbsttüchtigen Schläue allgemeiner Achtung erfreuten. Heute schweigen die meisten verschämt. Nach 1989 geriet der Parasitenstolz in Misskredit.“
    1989 zerbröselte die DDR, plötzlich fand man sich mit Intellektuellen in einer gemeinsamen Republik, die tatsächlich Freiheit meinten, wenn sie Freiheit sagten. Und nicht nur die eigenen Pfründe in den zahlreichen Reservaten der staatlichen Linken im Blick hatten. Eine Wiedervereinigung, die den satten Profiteuren der Revolte soviel neuen Verteilungskampf gebracht hat, die wollte bei den westlichen Altrevolutionären niemand. Noch schlimmer: Plötzlich war die politische Klugheit, die die Voraussetzung für eine tatsächliche Befreiung darstellt, greifbar und offensichtlich. Das „System“, das die 68er bekämpften, hatte politischen Erfolg. Helmut Kohl, Kanzler der Einheit, war erfolgreich. Die 68er hatten ihre liebe Not, was sie dazu sagen sollten. Bis weit in die SPD hinein nur hilfloses Gestammel statt klarer Worte.
    Danach kam die überraschend kurze späte Blüte der 68er in höchsten Staatsämtern. Ehemalige Straßenkämpfer unter der Patronanz eines Zigarre rauchenden Kanzlers, der sich seine Mehrheitsbeschaffer nur schlampig angesehen hatte, bevor er mit ihnen gemeinsame Sache machte.
    „Das Generationenprojekt fand mit der Regierung Schröder/Fischer 1998 seinen späten Höhepunkt und sieben Jahre später sein bemerkenswert kraftloses Ende“, so der Chronist Aly messerscharf.
    Die Lehren für heute, 40 Jahre später? Die vielfach angesprochene Prinzipienlosigkeit, Wehleidigkeit und mangelnde demokratische und charakterliche Reife der Vertreter der „Bewegung“ ging es zuallererst um die Faulbetten in den staatlichen Institutionen. Der Marsch durch ebendiese Institutionen endete in einer gigantischen Lebenslüge. Zumindest in Deutschland sind die 68er politisch, historisch jämmerlich gescheitert.
    Manchen ging es auch um den feigen und sinnlosen „bewaffneten Kampf“, der Deutschland für Jahre lähmte. Dagegen ein anderes 1968: Von der Linken belächelt, wagten am Prager Wenzelsplatz des Jahres 1968 junge Tschechen, das Wort der Freiheit in die Tat zu setzen. Besetzten die russischen Panzer. Es ging um ihr eigenes Leben, also riskierten sie es. Sie setzten ihr eigenes Leben ein. Sie bedrohten kein anders Leben.

  11. #8 x
    #13 david ben gurion

    Und heute flüchten sich diese geistig armen Idioten-68er in die Arme des Islam.

  12. @14 BePe

    Einige wenige flüchten sich in die Arme des Islams,

    die meisten begreifen nicht, worum es geht, wenn die Islamisierung fortschreitet,

    einige wenige, haben kapiert, dass der Islam unsere Freiheit bedroht (Alice Schwarzer, Ralph Giordano, Günter Wallraff u.a. ).

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