Während China fleißig hinter dem Rücken der olympisch aufgewühlten Weltöffentlichkeit Waffen nach Zimbabwe liefert und in der ins „chinesische Reich“ geholten tibetischen Heimat versucht, die Tibeter chinesisch-patriotisch umzuerziehen, ernennt Paris den Dalai Lama zum Ehrenbürger der Stadt und der Lama selbst bittet die USA um Hilfe. Es könnte noch spannend werden diesen Sommer.

Erst gestern hatten wir von der Lieferung von über 70 Tonnen Waffen und Munition an Mugabe per Schiff aus China berichtet. Wenn die Weltöffentlichkeit mit Tibet abgelenkt ist, schiebt es sich gut Waffen. Dennoch ist die Menschenrechtssituation in China tatsächlich nicht ohne, selbst wenn die Tibeter es geschickt verstehen, die olympischen Spiele für ihre Ziele zu nutzen. So hat nach NZZ-Angaben China

im Kampf gegen die tibetischen Autonomiebestrebungen eine Kampagne der „patriotischen Erziehung“ in der Himalaya-Region begonnen. Dabei soll der Dalai Lama verurteilt werden. Tibetische Mönche werden gezwungen, Peking ihre Loyalität zu versichern.

Dagegen haben auch die tibetischen Bemühungen die Weltöffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen, bereits Früchte getragen. So ernannte Paris den Dalai Lama zusammen mit dem verhafteten chinesischen Menschenrechtler Hu Jia zu Ehrenbürgern der Stadt. Die NZZ schreibt:

Den bereits bestehenden Spannungen mit China zum Trotz hat die französische Hauptstadt Paris den Dalai Lama zu ihrem Ehrenbürger gekürt. Entsprechend dem Wunsch von Bürgermeister Bertrand Delanoë stimmte der Stadtrat am Montagabend mehrheitlich dafür…

Der Stadtrat von Paris hat am Montag auch den chinesischen Bürgerrechtler Hu Jia zum Ehrenbürger ernannt…

Der Lauf mit dem olympischen Feuer durch Paris war Anfang April zu einem Fiasko für die chinesischen Olympia-Veranstalter geworden. In China protestieren deshalb derzeit täglich tausende Menschen gegen Frankreich.

Die Menschenrechtssituation in Frankreich muss aus chinesischer Sicht wirklich erschreckend sein, wenn da Menschen gegen China demonstrieren dürfen. Vermutlich müssten die Franzosen auch „umerzogen“ werden, wie bei der angekündigten zweimonatigen chinesischen „Aktion“ im Tibet, bei der die Beziehungen zwischen der Bevölkerung und der Kommunistischen Partei gestärkt werden sollen.

Doch auch der Dalai Lama selbst sieht nicht tatenlos zu. Nachdem sich Jahrelang auf der ganzen Welt als „Friedensbote“ gezeigt hat, zeigt er in der Vorbereitung auf Peking 2008 seine kämpferischen Züge. Er taktiert und hat jetzt sogar die USA um Hilfe gebeten.

„In diesem Augenblick benötigen wir Ihre Hilfe“, sagte das geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten und Leiter der Exilregierung am Montag bei einem Treffen mit der amerikanischen Staatssekretärin Paula Dobriansky.

Bis zu den Spielen sind es noch ein paar Wochen – to be continued…

(Spürnase: Bernd)

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22 KOMMENTARE

  1. Ist das ein plötzlicher Anfall von Moralüberschuss, der die Franzosen übermannt, oder verzichtet man nur im Umgang mit islamischen Ländern auf diese?

  2. @ #1 Moderater Taliban:

    Statt einer Antwort eine kurze Gegenfrage: haben Sie, Globalisierung hin oder her, schon einmal von einem „internationalen chinesischen Terror-Netzwerk“ gehört?

    Exakt …

  3. Passt doch. China metzelt mal kurz die tibetischen „Terroristen“ ab; dann können wir alle im Westen für zwei Tage kurz aufregen um uns wieder am 30-Euro-DVD-Player made in China zu erfreuen. Und was die gelbe Waffenliefer… pardon Entwicklungshilfe für Schwarzafrika betrifft so will ich mal hoffen dass Mugabe diese Waffen nicht dazu benutzt der Parole eines bekannten Chinesen (sic!) zu folgen:

    „Die politische Macht kommt aus den Gewehrlaeufen“ („Rotes Buch“,Seite 74)

  4. Während Frau Merkel ausgerechnet aus den Reihen der SPD (der regierende Wowereit hat schon angekündigt, sich das Happening in Peking nicht entgehen lassen zu wollen) dafür kritisiert wurde, dass sie den Dalai Lama im Kanzleramt empfing, schaffen die Pariser Tatsachen für die Verteidigung von Menschenrechten. Eine Diktatur – die der (chinesischen) Ökonomie inbegriffen – ist nur so stark, wie man ihr Macht zugesteht. Das müssten wir hier in Deutschland eigentlich besonders gut wissen. Würden sich alle demokratischen Länder zusammentun und für ihre gewachsenen Werte eintreten, anstatt jetzt feige vor der chinesischen Führung einzuknicken wäre diese „Theateraufführung“ binnen Kürze vorbei.

  5. Linke und Grüne sind die treibende Kraft bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde von Paris an den Dalai Lama und den Bürgerrechtler Hu Jia gewesen – die bürgerlichen Kräfte haben sich feige(!) zurückgehalten.

    Paris hat seit 1997 übrigens eine Städtepartnerschaft mit Peking… .

  6. Ich würde mir einfach mal wünschen, dass sowohl Sportler, als auch unsere Mist-Politiker endlich mal Eier beweisen und Olympia boykottieren.

    Gibt ja einige, die zwar nicht zur Eröffnungsfeier kommen wollen, aber trotzdem an den Spielen teilnehmen wollen. Wie verlogen ist das denn? Entweder ich stelle mich gegen so ein Regime und boykottiere das Ganze oder ich nehme teil und bin ruhig.

    Aber klar, man hat ja sein „ganzes Leben“ auf das Ganze hingearbeitet. Olympia in Pekign wird genauso eine Propagandashow wie damals unter Hitler in Berlin, wie man an sowas noch freudig teilnehmen kann, verwundert mich echt.

    Würden Deutschland und Frankreich zusammen öffentlich zu Tibet stehen, Chinas Politik verurteilen und Olympia boykottieren, würde bestimmt ganz Europa nachziehen. Aber warum trauen sich unsere Länder das nicht?

  7. Würden Deutschland und Frankreich zusammen öffentlich zu Tibet stehen, Chinas Politik verurteilen und Olympia boykottieren, würde bestimmt ganz Europa nachziehen. Aber warum trauen sich unsere Länder das nicht?

    weil die Zeiten als die Europäer noch „Eier in der Hose“ hatten schon lange vorbei sind.

    Heutzutage wollen wir alle lieber einen iPod in der Hose haben ;(

  8. Lama-Kampf: China gegen den Rest der Welt?

    China braucht mit 1.3Mrd Genossen den Rest der Welt nicht.

  9. @ USS Stalingrad: China ist einer unserer wichtigsten Handelspartner in der globalisierten Welt: letztes Jahr wurden von Deutschland Waren im Wert von über 50 MRD Euro nach China exportiert. Die Verstrickungen auf der Ebene des Kapitals sind längst zu tief, als dass sich eine Bundesregierung in Kauf nehmen könnte, diese aufs Spiel zu setzen! Deswegen wird keine der großen Weltmächte wirklich etwas gegen China unternehmen!!!

    Am allerschlimmsten finde ich immernoch, das trotz der erheblichen Menschenrechtsverletzungen und der geheuchelten (leisen) Kritik an China von der Bundesregierung, China vom deutschen Entwicklungshilfeministerium (Wyzchorek-Zeul) nicht unerhebliche, geldliche Transfers bekommt:

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/meldung46260.html

  10. #4 ilex (22. Apr 2008 12:44)

    Ach, mittenmal entdeckt man das Menschenrechtsdefizit in China. Ist ja verwunderlich.

    Seitdem China einen wirtschaftsliberalen Kurs engeschlagen und damit die verbrecherischen sozialistischen Schnapsideen verraten hat, ist es bei den westlichen Mao-Anbetern natürlich untendurch.

    Der Buddhismus kommt da wie gerufen. Tibet ist nur ein Vorwand.

    http://www.welt.de/hamburg/article1066730/Der_Eskapismus__der_Gutmenschen.html

    Hitler, Buddha, Krishna: Eine unheilige Allianz vom Dritten Reich bis heute.
    Buch von Victor und Vicoria Trimondi

  11. Ich war die letzten drei Wochen in Frankreich und konnte in den Medien die Vorfälle in Paris ausführlich verfolgen.
    Wer da in Paris demonstrierte waren „Berufsdemonstranten“ im wahrsten Sinne des Wortes. Die sind bei jeder „politisch korrekten“ Aktion dabei und wie man aus den Interviews mit den „Anführern“ entnehmen konnte, war denen Tibet nur ein Vorwand. Man wollte die Medienaufmerksamkeit für sich und seine Organsisation.
    Und mit dem Angriff auf die Fackelträgerin im Rollstuhl aber haben diese Leute den Tibetern mehr geschadet als genutzt.
    Und in der Sondersendung des franzöischen Fernsehens sollte dann auch der Vertreter der „Pro“ Demonstranten zu Wort kommen, natürlich ein Kader der chinesischen Botschaft. Der sprach sogar fließend franzöisch…
    Aber hintendran stellte sich ein bärtiger, fetter Mann (wohl Alt-68er) und brüllte die ganze Zeit immer wieder „Propagande, Propagande…“
    Dieser Mann hat den Chinesen eine wunderbare Lektion über Meinungsfreiheit und Menschenrechte erteilt, indem er ihn nicht zu Wort kommen ließ. So hat dieser Mann gezeigt, das er Redefreiheit auch nur für Leute seiner Meinung zuläßt. Die Rotchinesen machen es ja genauso.

    Und die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den Dalai Lama ist nur eine innenpolitische Aktion der franzöischen Linken gegen die Regierung Sarkozy…

  12. Und wenn die Olympischen Spiele vorbei sind, interessiert sich niemand in den Medien mehr für Tibet.

    Vor nicht langer Zeit haben die Mönche in Burma, oder wie sie sich selbst nennen Myanmar, demonstriert für mehr Freiheit. Das wurde brutal niedergeschlagen. Und wenn man heute Leute auf der Straße nach Myanmar fragen würde, denkt so mancher sicher, das sei eine Dose Shrimps.

    Genau wie Myanmar ist auch Tibet ein großer Medienhype. Nach den Olympischen Spielen interessiert Tibet keinen mehr.

  13. Tibet und China sind eins…
    Tibet war nur von 1912 bis 1950 „unabhängig“ – davor gab es nur ein China.
    Und diese „Unabhängigkeit“ hatte Tibet den Russen zu verdanken: die wollten nämlich einen neutralen Puffer zwischen dem englischen Indien und dem damals ebenfalls großteils englisch beherrschten/besetzten China haben.
    Wenn man in der Geschichte noch weiter zurückgeht, wird man feststellen, daß es eine sehr wechselvolle Geschichte gegenseitigen Beherrschens bzw. Eroberns war: es gab tibetische Herrscher, die von der heutigen Mongolei bis ins südliche Burma fremde Stämme/Reiche unterwarfen und China beherrschten – und umgekehrt wurde gerade der 1. Dalai Lama von einem chinesisch/mongolischen Kaiser als Herrscher über Tibet eingesetzt.
    Ein unabhängiges Tibet war eine Erfindung der „Acht Mächte“ (darunter auch Österreich-Ungarn), die 1900 den Beleidigend? Anstößig? Kommentar melden
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    Boxeraufstand niedergeschlagen und China besetzt hatten…

  14. Eigentlich gar nicht so doof vom Dalai Lama, USA um Hilfe zu bitten, insofern die USA nicht das erste mal einen Diktator einsetzen würde.
    Eine wirkliche Intervention ist dennoch unwahrscheinlich, militärisch überhaupt nicht machbar und Boykotte und ähnliches wird es schon wegen der schwierigen Wirtschaftslage nicht geben, Chinas Exportprodukte sind eben doch sehr billig. Wahrscheinlich gibt es weitere Worte bezüglich Verletzung von Menschenrechten und Pipapo, allerdings wird dies von den USA in der Weltöffentlichkeit bestimmt nicht besonders ernst genommen. China ist eines von vielen Problemen, bezüglich irgendwelcher Lösungsansätze bin ich aber ziemlich pessimistisch, ich denke eher, dieser Staat wird zunehmend stärker. Vielleicht kollabiert er irgendwann von selbst, bis dahin werden aber noch viele Menschen sterben und wer weiß, was danach kommt, mein Vorschlag ist Kommunismus (im Sinne von Marx, nicht im Sinne von Mao), aber auf mich hört ja keiner.

  15. Ähm,… Wieviele HanChinesen wurden inzwischen in Tibet angesiedelt und wieviele Nordafrikaner in Frankreich?! Von den restlichen Regierungs-„Menschenrechtlern“ in Europa ganz zu schweigen.

  16. Es kann auch innerhalb Chinas mächtig grummeln diesen Sommer, und zwar wenn die Wanderarbeiter merken, dass die paar Cent Lohn die sie erhalten nicht mal mehr ausreichen, um satt zu werden. Die kleinen Leute in China haben nämlich vom Aufschwung wenig mitbekommen, die momentane Inflation spüren sie aber umso deutlicher.

  17. Delanoe, der Wowereit von Paris, sollte nicht auf halbem Wege stehenbleiben, sondern auch die Menschenrechtsverletzungen in den arabischen Ländern und dem Iran anprangern, wo Leute mit seiner sexuellen Orientierung mal kurzerhand am nächsten Baukran aufgeknüpft werden.
    Es ist zu billig und durchsichtig, die Chinesen zu konfrontieren, wo er genau weiss, dass ihm von dieser Seite keine Gefahr für Leib und Leben droht.
    In der FAZ von heute vermutet man als wahren Beweggrund die Empfehlung für die nächste Präsidentenwahl.

  18. Am allerschlimmsten finde ich immernoch, das trotz der erheblichen Menschenrechtsverletzungen und der geheuchelten (leisen) Kritik an China von der Bundesregierung, China vom deutschen Entwicklungshilfeministerium (Wyzchorek-Zeul) nicht unerhebliche, geldliche Transfers bekommt:

    Nicht zu vergessen den viele Milliarden € schweren Transrapid, der den Chinesen von Schröder geschenkt wurde. Zum Ausgleich dafür musste hierzulande der Bau verhindert werden, bloss damit der deutsche Steuerzahler garantiert nicht auch nur eine müde Mark der immensen Entwicklungskosten wiedersieht.

  19. #13 ulfhednar

    Interessante Beobachtungen, die Du da gemacht hast, und sie decken sich mit anderen Auffälligkeiten :
    1.
    In sämtlichen Fernsehrberichten habe ich nicht einen chinesischen Soldaten auf eine Tibeter hauen oder gar schießen sehen.
    Sehr wohl hat man Tibeter Steine auf Chinesen
    werfen sehen.
    2.
    Aufnahmen waren manipuliert geschnitten : Öfters wurden von Aufrührern Getroffene Unbeteiligte bloß in Sicherheit gebracht
    3.
    Gefälschte Aufnahmen – Polizisten des Nachbarlandes Bhurma schlagen auf Tibeter ein
    werden aber als Chinesen vorgeführt.
    4.
    Die Protestaktionen weltweit gegen den Fackellauf in dieser Dichte und terminlichen Präzision – alles Eigeninitiative eines armen Bergvolkes ? Nie und nimmer !

    Der tibetische Aufruhr ist unter wesentlicher Beteiligung amerikanischer Geheimdienste – die den DalaiLama schon seit den 60ern massiv unterstützen- gezündet worden – und es findet im Westen eine
    so gut organisierte und vorbereitete Kampagne
    gegen China statt, daß man nur mutmaßen kann
    woher das auf einmal kommt ?
    Mindestens Sarkozi, Merkel und Bush arbeiten
    in dieser Sache enger zusammen.
    Und es ist für mich eindeutig, daß man China
    konzertiert unter Druck setzen will.
    Und es ist nicht das erstemal, daß im Westen
    eine „Menschenrechtskatastrophe“ medial wahrgenommen wird, die es in diesem Ausmaß womöglich gar nicht gibt !
    REMEMBER KOSOVO !
    Man muß das ernst nehmen.
    Europa ist nicht mehr nur das Plüschtier, obwohl es sich doch oft so aufführt.

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