PreußenAm 25. Februar 1947 verspotteten die Sieger des 2. Weltkriegs einen toten Löwen. Preußen, „seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland“, existiere nicht mehr. Seither verebbte die Emotion, doch der Streit ging weiter. Manche glaubten, dass Preußen die „deutsche Katastrophe“ verschuldete, andere lobten Humboldt’sche Bildungsideale, das tüchtige Beamtentum, religiöse Toleranz, effizientes Wirtschaften.

Christopher Clark stellt die preußische Geschichte von 1600 bis 1947 dar. In Australien aufgewachsen, lehrt er heute an der Universität Cambridge und betrachtet Preußen „von außen her“. Weder tadeln noch klagen möchte der Historiker, sondern die „Kräfte verstehen, die Preußen geformt und zerstört haben“.

Indes wird dieser hohe Anspruch nicht eingelöst. Trotzdem hat die Kritik das Buch erstaunlich gut beurteilt. Den Wein der Euphorie zu verdünnen, schadet nicht. Clark, der Preußen und Deutschland konsequent trennt, beschreitet Irrwege. Die Reichsgründung 1871 habe Preußen ruiniert; der deutsche Nationalstaat „war Preußens Verderben“.

Daher behandelt der Autor die Jahre nach 1871 nur kursorisch. Zuvor habe Preußen als „europäischer Staat“ agiert, dessen Leistung darin bestand, „kollektive Identität“ herzustellen. Preußen verschmolz „disparate, weit verstreute Gebiete“ und „integrierte immer wieder neue Bevölkerungsgruppen“.

Obwohl diese These stimmt, irrt Clark sehr, wenn er schreibt, dass jene Territorien „keine gemeinsame Kultur“ verbunden hätte! Der Schwerpunkt Preußens lag stets innerhalb Deutschlands und sicherte politische Homogenität.

Daher ignoriert Clark die Frage, ob manche preußische Eigenarten, besonders das Militär, die Schwäche der Reichsverfassung kompensierten. Reich und Deutscher Bund waren strukturell unfähig, sich zu reformieren. Außer Preußen konnte niemand die gesamtdeutsche Lage ändern. Umgekehrt bot ein vereintes Deutschland die Chance, Preußens großen Militärapparat zu vermindern.

Wie erklomm das „sandige“ Brandenburg, charakterisiert durch spärliche Ressourcen und „provinzielle, verschlafene Städte“, den Kreis der Großmächte? Die preußische Staatsidee, antwortet Clark, schuf ein Pflichtgefühl. Es gab keinen preußischen Volksstamm, der Sachsen, Schwaben oder Bayern entsprochen hätte.

Dynastische Erbteilungen fanden nicht statt; ständische Opposition drängten die Könige zurück, welche auch städtische Autonomie beseitigten. Wegen seiner prekären Machtbasis, stellt Clark fest, balancierte Preußen oft am Rande des Abgrunds.

Der „aufgeklärten“ Obrigkeit wohnte Selbstkontrolle inne. Gesetzesvorhaben berieten alle Ebenen der Verwaltung, und die Krone gewährte Rechtsstaatlichkeit. Der Monarch war der erste Diener des Staates.

Allerdings durfte man nur Maßnahmen der Regierung bemängeln, nicht aber den Staat attackieren. „Räsoniert soviel ihr wollt, und worüber ihr wollt“, schrieb Immanuel Kant 1784, „nur gehorcht!“ Geistige und politische Sphäre fielen auseinander. An dieser zentralen Stelle fehlt die Interpretation.

Der Behauptung, dass Preußen 1871 im Reich aufgegangen sei, widerspricht Clark selbst. Er betont „die überragende Vorrangstellung Preußens in militärischer und territorialer Hinsicht“. Preußische Ministerien und Reichsämter kooperierten eng; sie „wuchsen zusammen“. Reich und Preußen lebten symbiotisch.

Clark resümiert kompakt die jüngere preußische Geschichte. Interessierte Laien werden es ihm danken. Neuland betritt er kaum.

» Christopher Clark, Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600-1947, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, 896 Seiten, 39,95 Euro.

(Rezension von Dr. Rolf Helfert)

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45 KOMMENTARE

  1. Clark hat übersehen, daß Preußen ganz und gar nicht „tolerant“ war. Er ist wie üblich auf den Mainstream hereingefallen und hat wichtige Literatur (siehe z.B. Prof. Göttmann) nicht gelesen. Wo kommt der Hinweis auf die im 18. Jahrhundert von Preußen und anderen Staaten stattfindende Lügenpropaganda gegen die katholische Kirche und seinen Bistümern zwecks Vorbereitung für Territorieneinverleibung und die folgende menschenverachtende „Säkularisation, sprich der gigantische Ausraub kirchlicher Güter“ oder auf den brutalen Kulturkampf ? Preußen war ganz und gar nicht tolerant.

  2. zudem darf man auf den Schriftsteller Fernau verweisen der hat einige ganz interessante Bücher zu Preussen geschrieben .

  3. @ #2
    Nun, die Abschaffung der geistlichen (katholischen) Fürstentümer und die Säkularisation des sehr ausgedehnten Landbesitzes vieler Klöster war 1803 wohl überfällig, denn daß diese im 19. Jhdt. noch „zeitgemäß“ gewesen wären, kann man wohl beim besten Willen nicht behaupten; zum anderen ging der Reichsdeputationshauptschluß sicherlich ganz wesentlich auf den zu dieser Zeit übermächtigen Einfluß Frankreichs zurück.
    Zum Thema auch bei Zettel.

  4. Als Deutsch-Spanier mit bayerischen Wurzeln (deutsche Familienlinie kommte aus Bayern) bin ich von Preussen gar nicht so begeistert. Insbesondere wenn ich die Herrscherfamlien vergleiche.

    Die Willelsbacher haben über 800 Jahre sehr viel für Bayern getan, ohne dauernd Kriege zu führen. Sie sind heute immer noch sehr beliebt. Ich glaube wenn Bayern könnte, waren wir wir wieder ein Königreich.

  5. ich kann mich nur noch daran erinnern, dass bei uns vertriebene preussische Väter zum Entsetzen von uns Westdeutschen ihre Kinder grün und blau prügelten, wenn sie einmal unartig waren oder eine schlechte Note nach Hause brachten. Das gab es bei uns Westdeutschen ganz einfach nicht.

  6. Sehr positiv für Preussen auch Sebastian Haffner „Preußen ohne Gloria“.

    Zu 2:
    Preußen war sogar sehr tolerant, fortschrittlich und integrativ- nicht uneigennützig, sondern mit dem Ziel, das Wohle des Staates zu mehren.

    Was gegen die Säkularisierung einzuwenden gewesen sein sollte, ist mir nicht ersichtlich…

  7. Achja, ein Beispiel:
    „Jeder soll nach seiner Facon selig werden“ (wobei man ergänzen muss, „solange er dem Staate dient und dienlich ist“);
    Aufnahme der vertriebenen Hugenotten (auch gegen innere Widerstände), dadurch übrigens ein enormer Wirtschaftsaufschwung

  8. #3 FAB. (19. Aug 2007 14:04)
    #7 Roland (19. Aug 2007 14:32)

    Wie gesagt, aktuelle Veröffentlichungen von Prof. Dr. Göttmann lesen. Wie verblendet muss man eigentlich sein, um die Ausräuberei von 1803 ff. nicht zu sehen ? Tomaten auf den Augen ? Noch nie in staatlichen Hauptstaatsarchiven oder Museen gewesen ?

  9. – Der Kulturkampf Preußens gegen die römisch-katholische Kirche in ihrer damaligen realen Gestalt, gegen Ultramontane, spricht ganz und gar nicht gegen Preußen. Er war ein Schritt dahin, Staat und Kirche den ihnen nach modernem Verständnis jeweils zukommenden Raum zuzuweisen. Und dies unter Zurückweisung von Übergriffen der Kirche in den staatlichen Raum – bis hin zu Fragen der Loyalität und Verbindlichkeit der staatlichen Rechtsordnung. Die heutige katholische Kirche ist eine andere als die damalas bekämpfte. Die Haltung des Kulturkampfes ist im Übrigen durchaus die, die gegenüber dem Islam als Integrationshindernis ein Gebot der Stunde ist.

    – Die These „Die Reichsgründung 1871 habe Preußen ruiniert; der deutsche Nationalstaat ‚war Preußens Verderben‘.“ ist immerhin die Meinung, die der Überlieferung zufolge auch König Wilhelm I. von Preußen 1870 vertreten hat.

    – Das aussagekräftigste Buch über Preußen scheint mir, von Geschichtsbänden abgesehen, Jochen Klepper „Der Vater“, dtv, zu sein.

    N.B. Preußen schrieb und schreibt sich auch nach der Rechtschreibreform mit „ß“, nicht mit „ss“.

  10. Die anderen europäischen Staaten haben weitmehr Kriege geführt, als das militaristische Preußen.

    Wenn Du den Frieden willst, dann stell dich auf den Krieg ein.

    Si vis pacem, para bellum (Vegetius 400 v.Ch.)

  11. LeKarcher, die Säkularisation 1803 kann man nicht spezifisch Preußen zurechnen, das ist der Punkt. Sie betrifft genauso Bayern, Würtemberg, Baden etc.

    Im Übrigen ist die Säkularisatino nur ein für die europäisch-abendländische Geschichte folgerichtiger Schritt zur Trennung zwischen weltlicher und geistlicher Macht gewesen nach dem Motto: Dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was ihm gebührt. Die „Güter“, die eingezogen wurden, waren ja im wesentlichen Landbesitz als Grundlage souveräner Machtausübung. Das Kulturgüter zerstört wurden oder irgend etwas Menschenverachtendes geschehen sei, ist nicht erkennbar.

    Preußens bleibendes Verdienst, um das noch zu ergänzen, ist im übrigen die deutsche Einheit.

  12. #10 LeKarcher

    äh, LeKarcher, hilf mir mal mit ein paar Zeilen auf die Sprünge.

    Wie meinst Du das?

    Als gebürtiger Bremer, der seit zwei Jahren in der Mitte Berlins lebt, bin ich in meiner Meinung zu Preussen hin- und hergerissen.
    Einerseits gefällt mir der asketisch-strenge
    Baustil, andererseits ist dieser Kultus um die Frugalität, das Verzichtenkönnen der Preussen doch irgendwie unbehaglich.

    „Aus der Not eine Tugend machen“, so scheint mir das doch. In Freiburg oder München dagegen verstehen die Menschen zu leben .

  13. In Süddeutschland hält sich die Begeisterung für Preußen in sehr engen Grenzen.

    Einmal wegen der „brüderlichen Hilfe“ gegen die badisch/pfälzische Revolution von 1948/49, nachgeahmt durch die Sowjets in Ungarn, Polen und der CSSR. Das Oberkommando hatte der Kronprinz Wilhelm, später Kaiser Wilhelm I, deshalb auch „Kartätschenprinz“ genannt.

    Das „Badische Wiegenlied“:

    „Schlaf, mein Kind , schlaf leis‘
    dort draussen geht der Preuss‘.
    Deinen Vater hat er umgebracht,
    deine Mutter hat er arm gemacht.
    Und wer nicht schläft in guter Ruh,
    Dem drückt der Preuss‘ die Augen zu.
    Schlaf mein Kind, schlaf leis‘
    dort draussen geht der Preuss‘!

    Die weiteren Strophen können auch als Volksverhetzung interpretiert werden. Look at Wiki or Google.

    Und es gibt noch andere Gründe für Aversionen gegen Leute aus dem „Großen Vaterland“, und nicht nur in Baden-W.

  14. Ergänzung zu #16

    Die letzte Strophe, Zeile 1 und 2 lauten:

    „Gott aber weiss, wie lang es geht,
    bis dass die Freiheit aufersteht…

    Es dauerte bis 1918.

  15. @ 5 karolinger.
    „Ich glaube wenn Bayern könnte, waren wir wir wieder ein Königreich.“

    Das wäre sehr zu begrüßen, nicht nur in Bayern!!! Eine parlamentarische Monarchie wie in England oder Spanien würde eine wirklich unabhängige Person an die Spitzt des Staates stellen und keinen, der aus Partei- und Interessengeklüngel dorthin gestellt wird.

    Zur Säkularisation: kultur- und kunstgeschichtlich berachtet war sie eine Unglück!

  16. @#16 baden44

    Ich schulmeistere nicht ungern aber dass die badische Revolution 1949 war, das hätten die Alliierten bestimmt nicht erlaubt. 🙂

    Und gestehen wir es uns doch ruhig ein, die Südländer paktierten immer mit den Feinden Preussens. Erst gegen Friedrich II. mit Österreich, dann koalierten sie mit Napoleon I. gegen das Bündnis Österreich-Preussen-Russland, um ihn dann auf dem Höhepunkt der Völkerschlacht zu verlassen, und schliesslich versuchten sie im preussisch-österreichischen Krieg Verbündete der Österreicher zu sein, was allerdings nur den Sachsen gelang, der Rest war zu unfähig.

    🙂

  17. @ #19 D. N. Reb

    Du hast wg. vertippter Jahreszahl vollkommen recht.

    Nur, wer finanziert heute eigentlich die aus Preussen entstandenen „Trümmerländer“?

    Und das im wahrsten Sinne des Wortes…

  18. Mit der Vernichtung des Deutschen Reiches, damit Preussens,Landraub der Ostprovinzen durch 30% der Flaeche, Vertreibung/Eethniccleansing von 22 Millionen mit Opfern von ueber 2 Millionen waehrend Flucht, mit dem Slogan der Kollektivschuld und der gelogenen Anschuldigung Nazideutschland trage die alleinige Schuld an Ausbruch von WW2, sowie der Umerziehung die Whimps/Cowards aus Deutschen machte, die sich im Gegensatz zu den Gewinnern des Krieges bis heute mit Selbstbeschuldigung quaelen,

    hat Europa ein Kernland fuer alle Zeiten dieses Land als eine Macht, die bereit ist sich tatkraeftig zu verteidigen, ev. notwendigen Krieg zu fuehren verloren.

    Dies ist die andere Seite der Medaillie, die Europa nun zu tragen hat.

  19. @#20 baden44

    Auf die Gnade, von den Westalliierten besetzt worden zu sein, musst Du Dir nichts einbilden. 🙂

  20. Ich finde allerdings, dass Clark recht hat. Indem Preußen sich nicht als Nationalstaat definierte, bot es mehr Raum zur Identidikation über ethische Grenzen hinweg. Und Preußen war sicher nicht tolerant im gutmenschlichen Sinne, wohl aber pragmatisch. Wer dem Staat nützte, der durfte kommen. So kamen Hugenotten und andere Gruppen die sich in ihrer alten Heimat verfolgt sahen, stets aber auch zum Vorteil Preussens. Die Idee des Regierenden als ‚Erstem Diener des Staates‘ steht im krassen Gegensatz zum Selbstverständnis anderer Regenten von Nationalstaaten, die ihre Ländereien eher als Grundlage ihres Luxuses und Prunksucht sahen. Das Preussen 1871 aufhörte zu Existieren sehe ich genauso. Preussen war kein Nationalstaat im Sinne einer ethisch homogenen ‚Nation(-alität)‘, Deutschland schon und mit der Synthese hörte Preussen auf zu Existieren.

  21. WITTELSBACHER – KRIEGSGEWINNLER

    Die Wittelsbacher haben mit Napoleon paktiert – gegen Deutschland. Und sich dafür teuer bezahlen lassen. Fragt mal die Nürnberger – bis dato freie Reichsstadt – oder einfach alle Franken. Die bayerische Königskrone war ein Geschenk Napoleons.

    Neidlos anerkennen muß man allerdings diese diplomatische Leistung: Im allerletzten Moment haben die Bayern 1813 die Fronten gewechselt und es fertig gebracht, fast alle Gewinne aus ihrem Pakt mit Napoleon behalten zu können. Nur mit Salzburg und Tirol hat es nicht geklappt. Chapeau, kann man da nur sagen.

    Ach ja, einen Preis haben sie doch bezahlt: Zigtausende (wenn das reicht) bayerische Landeskinder sind auf Napoleons Feldzug in Rußland ums Leben gekommen. Macht nix. Das war den Wittelsbachern die Königskrone schon wert.

    Heute geht tatsächlich eine historische Kluft durch Deutschland: Der Süden dankt noch immer Napoleon. Friedrich der Gr. kommt in bayerischen Geschichtsbüchern praktisch nicht vor.

  22. NEUSCHWANSTEIN – GESCHENK AUS BERLIN

    Noch etwas: Daß Bismarck König Ludwig II., den Kini, wie man hier sagt, mit Geldern aus dem Welfenfond gekauft hat, will heute natürlich niemand hören. Mit dem Geld hat der Kini Schloß Neuschwanstein gebaut. Sozusagen ein Geschenk Bismarcks. Ja ja, die bösen Preußen.

  23. Allein der Gedanke des Berufsbeamtentums – v.a. geprägt in Preußen. Als Diener des Dienstherren mit entsprechendem Ethos – darauf ruhen sich unsere heutigen Beamten doch noch aus (das sage ich ohne Häme, sondern in vollem Ernst).
    Und was die hier vorgebrachten Lokalpatriosmen angeht:
    Ich kenne keine Parteien (noch Volksstämme) mehr, sondern nur noch Deutsche 🙂

  24. @22 D.N.Reb

    Das stimmt, das war einfach Glück!
    War letzte Woche wandern in Thüringen, dort gibt es Gebiete, die von den Amerikanern erobert und dann an die Sowjets übergeben wurden- das nenne ich Pech…

  25. #13 Uticensis (19. Aug 2007 15:46)

    Annexion war nur eine Seite der Medaille. Hinzu kamen natürlich Archivunterlagen bis ins früheste Mittelalter, Bücher, Kunstgegenstände, liturgische Gegenstände und vieles mehr, die man heute in staatlichen Archiven und/oder Museen findet. Diese Werte sind unbezahlbar ! Alles geraubt und nach Berlin, München oder sonstwo weggeschafft. Außerdem wurde aber auch vieles zerstört, was die Reformation noch halbwegs überstanden hatte. Geh mal zur Museumsinsel nach Berlin – eines der größte Raubkunstausstellungen der Welt !

  26. Das Preussen-Bashing vieler Kommentatoren hier nervt gewaltig. Preussen hatte, passend zu seinen schwarz-weissen Farben, natürlich zwei Seiten. Eine Seite steht für Aufklärung, Toleranz, Unbestechlichkeit. Die andere Seite für Militarismus, Untertanengeist und Demokratiefeindlichkeit.

    Ich denke, dass Preussen mit der Reichsgründung 1871 im deutschen Reich aufgegangen ist. Gut zu sehen ist dies auch an den Kaisern : Wilhelm I war noch ganz preussischer König und wehrte sich lange gegen Bismarck, deutscher Kaiser zu werden. Sein Enkel, Wilhelm II, war schon ganz deutscher Kaiser und hatte die preussischen Tugenden der Vernunft und Bescheidenheit bereits vergessen. Sprüche wie „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ oder „Wir brauchen auch unseren Platz an der Sonne“ sind typisch für diese Grossmannssucht, die nichts mehr mit dem alten preussischen Geist zu tun hatte.

    Ein schönes Buch zu dem Thema ist „Der Stechlin“ von Theodor Fontane. Ein wahrhaft gelungener Abgesang auf das alte Preussentum.

  27. Kaiser Wilhelm II. hatte das Pech, den Ausbruch des 1. Weltkrieges nicht – er hatte es bis zuletzt versucht – verhindern zu können. Nach dem Krieg wurde er zum Sündenbock für die Niederlage gemacht – und ist es ungerechterweise bis heute! Ein sehr aufschlußreiches Buch dazu ist „Wilhelm II. – Sündenbock und Herr der Mitte“ von Nikolaus Sombart.

  28. @ #22, D. N. Reb

    Zu den „Trümmerländer“ gehören nicht nur ostdeutsche Gebiete.

    Teile von NRW, Niedersachsen (GrosseTeile), Rheinland-Pfalz (Grosse Teile), das Saarland…

    @ 25, Mtz

    Sonst wären sie eben unter schwarz-weisser Flagge verheizt worden…

    @ #24

    Mir wurscht, hatte als Rheinanlieger nichts davon…

  29. Naja.. Auch wenn Wilhelm II. nicht die Alleinschuld trägt, ein Unschuldslamm war er keinesfalls! Der Krieg wurden von vielen Seiten ‚gewollt‘, das ist richtig, aber das man bis zu letzt versucht hat den Krieg zu verhindern wage ich zu bezweifeln!

  30. #5 Karolinger,

    das mit den Wittelsbachern ist so nicht korrekt.

    Im 17. und 18. Jahrhundert hätten die Wittelsbacher Bayern gerne gegen das damals reichere Belgien eingetauscht. Und dass Bayern nicht Teil der K und K – Monarchie wurde, verdanken die Bayern dem Alten Fritz – der in seinen letzten Lebensjahren nochmals die Armeen gegen Österreich aufmarschieren ließ, um ihnen zu sagen: Bayern bekommt ihr nicht – ich glaube unter „Bayerischer Erbfolgekrieg“ sollte man dieses Kapitel rasch recherchieren können.

    mfg
    oliant

  31. @ #30 Santiago und #31 Lepanto1571

    Der 1. Weltkrieg war notwendig und jeder wollte ihn. Europa basierte auf einem Kräftegleichgewichtssystem, daß sich lange Zeit überlebt hatte. Österreich brach auseinander. England und Frankreich kolonialisierten die Welt. Rußland breitete sich in nichteuropäischen Richtung aus. Deutschland wurde geradezu erdrückt. Deutschland mußte handeln, aber ein weiteres Abwarten hätte alles nur schlimmer und den Krieg blutiger gemacht.

    „Krieg aufschieben“ bedeutet nicht „Frieden schaffen“!
    Es bedeutet (nicht immer, aber oft): „Kriege blutiger machen“.

    Und dafür gibt es dann auch noch Friedensnobelpreise.
    Pfui!

  32. @ LeKarcher #10

    Kultus der Frugalität

    Als Sachsen Kurfürstentum zum Königreich erhoben wurde, stellte sich die Frage wie die neuzuschaffende Königskrone ausgestattet sein sollte.
    Der frischgebackene König Friedrich August I. beendete den Disput mit der Feststellung: „Für eine Krone hat Sachsen kein Geld“ und so wurde auf die Anfertigung und Anschaffung einer sächsischen Königskrone verzichtet.
    Auch seine Nachfolger, immerhin sechs an der Zahl, hielten eine Königskrone nicht für erforderlich.
    Derartige Einsichten in die Entbehrlichkeit von Statussymbolen kann man von den Herrschenden in der Republik wohl kaum erwarten.

  33. Hmm… kenne das nicht weiter…
    aber war/ist das nicht der sog. „Kaiser des Friedens“… der sich als „Kaiser des Kriegs“ entpuppte?

  34. @Karolinger

    //Ich glaube wenn Bayern könnte, waren wir wir wieder ein Königreich.//

    Das könnten die Bayern doh. Es müsste nur die bayr. Verfassung geändert werden. gegen eine parlamentarische Monarchie spräche auch das GG nicht. Von daher scheinen es die Bayern (oder ihre Politiker zumindest) nicht zu wollen.

  35. neutral: aber war/ist das nicht der sog. “Kaiser des Friedens”… der sich als “Kaiser des Kriegs” entpuppte?
    ——————————–
    da lese er mal die Briefe, die Wilhelm der II um den Krieg noch abzuwenden an seinen Zarenvetter schrieb. Der Automatismus der Bündnissysteme und der militärischen Planungen war stärker als alle Versuche das Unheil aufzuhalten. Wilhelm II, verliebt in die schimmernde Wehr, aber keineswegs kriegslüstern.
    Wer nicht ideologisch völlig umnachtet ist weiß längst, der I. WK hatte noch mehr Väter als der II. und das Reich war mit seiner schwierigen Lage in Europa eher Opfer als Täter.
    ———————–
    Preußischer Geist: es gabe einen Minister im Kaiserreich der zurücktrat weil sein Schwager (zu Unrecht) strafbarer Handlungen beschuldigt wurde. Wer ein wenig davon verstehen will, der lese: „Die Kadetten“ von Ernst von Salomon, „Das edle Blut“ von Ernst von Wildenbruch

  36. Noch anzumerken waere,
    obwohl Deutschland unter den Hohenzollern ein in religioeser Hinsicht ein sehr tolerantes Land war, auch im Vergleich zu FR und GB, auch die juedische Bevoelkerung keinerlei Repressalien zu befuerchten hatte, hat sich der juedische Weltkongress vor und bei Kriegsbeginn gegen das Deutsche Reich gestellt.

    Vielleicht weiss jemand den Grund dafuer?

  37. #41 omega
    Gute Frage, ich bin auch auf die Antworten gespannt. Ich weiß es nämlich auch nicht.

  38. #2 LeKarcher
    Gott sei Dank wurde die Macht der Kirche gebrochen,sonst wären wir jetzt da, wo die Moslems immer noch sind.Die Kirche hat sich im Mittelalter in Nichts vom dem heutigen Islam unterschieden. Wäre die Macht der Kirche nicht gebrochen worden lebten wir immer noch im tiefsten Mittelalter.

  39. „…zudem darf man auf den Schriftsteller Fernau verweisen…“

    Darf man, sollte man aber besser nicht. Joachim Fernau war ein schamloser Nazi-Propagandist und hat sich nie von seinen während der „1000 Jahre“ entstandenen Texten distanziert.

    Seine historischen Essays sind interessante Gedankenspielereien – mehr nicht. Seine antimoderne Einstellung, sein Skepsis und Pessimismus gegenüber dem Fortschritt und seine Nostalgie vergangener „Größe“ sind verführerisch, aber nicht ungefährlich.

    Im Übrigen dachte ich immer, die Nazis seien aus den Bayerischen Bierkellern gekrochen, und nicht den Preussischen Kasernenhöfen entsprungen.

  40. Schon was dran, irgendwie:

    „Allerdings haben die Sensibilisierten keine Lust aufs Mitbaden, ein ärgerlicher Widerspruch, an dem sich gemeine Kritiker von rechts immer wieder gern hochziehen. Nichts ist schmerzhafter als die Erfahrung, daß einem die eigenen Widersprüche auf die Füße fallen.

    Briten und Amerikaner müssen da gerade durch. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sie den Deutschen mit aller pädagogischen Macht des Befreiers jedwede Neigung zum Kriegführen propagandistisch aus dem Hirn gewaschen. Quell des deutschen Militärgeistes war Preußen, das deshalb gerechterweise weg mußte mit allem, was geistig dranhängt, so Briten und Amis damals. Heute beklagen sie sich jeden Tag lauter über die entsetzlich lang anhaltende Wirkung dieser pazifistischen Läuterung. Bis zum Hals im südafghanischen Desaster rufen Briten, Amerikaner und Kanadier verzweifelt nach den Preußen und bekommen statt dessen Franz Josef Jung, der ihnen mit schleimweichen Erklärungen jedesmal durch die blutigen Finger glitscht.

    Die deutsche Linke weist solche Hilferufe mit dem Hinweis zurück, daß wir aus der Geschichte gelernt hätten (was man uns gelehrt hat), deshalb keine Militaristen mehr seien und unsere Mission daher darin sähen, die Mädchenschule von Masar-i-Scharif zu renovieren.

    Geschichtsbewußte Deutsche breiten derweil genüßlich die jahrzehntelange Preußenhatz der Angelsachsen aus ? erst Preußen, das Rückgrat und das Schwert Deutschlands, austilgen und sich dann wundern, daß den Deutschen beides fehlt! Und dann wird unter teuflischem Grinsen aufgezählt: Daß das heutige, angelsächsisch dominierte Kanada von den Preußen in Schlesien erkämpft wurde, daß die US-Armee von einem Preußen und nach preußischen Vorbild aufgebaut wurde und daß der große Wellington ins belgische Gras gebissen hätte ohne die Preußen. Also beklagt euch nicht, daß ihr in Kandahar jetzt so allein seid. So wäre es schon viel früher gekommen, wenn eure Vor-Vorfahren genauso bescheuert gewesen wären wie eure Vorfahren. Ein billiger Triumph, zugegeben. Aber gehaltvoller waren die anglo-amerikanischen Argumente gegen den ?preußisch-deutschen Militarismus? auch nicht.

    Kenner der Materie erwarten allerdings, daß Berlin seine Weigerung nicht lange durchhalten wird. Also dürften deutsche Truppen irgendwann doch noch in den Krieg mit den Taliban Südafghanistans ziehen müssen. Bis dahin sollten sie die Erfahrungen früherer deutscher Generale mit dem Zweifrontenkrieg büffeln, die werden sie nötig haben: Auf der einen Seite die Taliban, die fanatisch und mit allen Tricks auf die Deutschen losgehen werden.

    Auf der anderen die noch grausamere, perfidere Macht, die bei erster Gelegenheit mit tatarischer Härte über die Soldaten kommen wird: Wir, die deutschen Medien und unsere Bundestagsschwätzer. Während der Schädelaffäre haben wir bereits alle unsere Macheten geschärft und wollen Blut sehen.

    Sobald das erste Kind, die erste Frau oder sonstwer, der nicht mit Vornamen ?Talib? heißt, ins Schußfeld der Bundeswehr geraten ist, schlagen wir los: ?Deutsche Soldaten töten unschuldige Zivilisten!?, johlen wir dann von Verzückung geschüttelt, und im Bundestag werden sich alle, denen ihre Karriere am Herzen liegt, von den ?unerträglichen Bildern? distanzieren und ?schonungslose Aufklärung? verlangen. Danach ist Nacht der langen Messer in den Offiziersstäben in Afghanistan. Die Köpfe werden plumpsen wie im Paris der 1790er Jahre. Es wird ein Fest! Vielleicht lassen sich auch noch ein paar Begleitskandale auftreiben in der Preisklasse ?Rommel-Palme an KSK-Autotür?. Reicht ja schon ein Rekrut, der im Zelt heimlich Marschmusik hört oder das Bild eines preußischen Generals versteckt (Kriegsverherrlichung!). Wir sind mit allem zufrieden.

    Daß wir Erfolg haben werden, scheint nach den jüngsten Erfahrungen sicher. Vielleicht ist es das, was dem braven Mounir al-Motassadeq immer so ein mildes Lächeln aufs Gesicht zaubert: Er kennt seine Deutschen.“

    http://209.85.129.104/search?q=cache:BhRHdcwGMUMJ:wochenrueckblick.blogg.de/eintrag.php%3Fid%3D41+site:wochenrueckblick.blogg.de+preu%C3%9Fen&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de

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