Erfahrungsbericht 17: Für den heutigen Sonntag zum Ende der Ferien war geplant, die Rathausaktion auch in Dortmund wieder aufzunehmen. Was man versprochen hat, muss man halten. Also auf zum Rathaus, auch wenn Aktionen dieser Art gerade in Dortmund besonders sinnlos erscheinen.

(Von Serafin)

Die Dortmunder Presse schwelgt noch in den gestrigen Eindrücken der Demo gegen Rechts (Foto oben), bei der rund tausend ganz besonders mutige Bürger ihre bunten Schirme zur Schau stellen konnten, allen voran die Grünen und Roten. Eher konservative Parteien hatten offenbar ihre Wahlkampfstände vorsichtshalber in die Außenbezirke verlegt. Man kann ja schließlich nie wissen, wie weit der sonst brave Dortmunder den Nazi-Begriff fassen würde, erst recht in Begleitung der überall aus der Republik angereisten AntiFa. Und in der Tat waren dann heute auf dem Weg in die Innenstadt zwei zerstörte AFD-Plakate zu sehen, während alle anderen Plakate unbehelligt geblieben waren.

Vor dem Dortmunder Rathaus war ich heute nicht allein. Der Sicherheitsdienst schützte den Eingang zum Rathaus und auch die Ecken des Friedensplatzes, während zu Füßen der Rathaustreppe der Müll des sogenannten Micro-Festivals zusammengefegt wurde. Bitte nicht missverstehen: das Festival selber mit internationalem Straßentheater und Weltmusik mag höheren Ansprüchen genügt haben. Auf dem gut bewachten Friedensplatz kann man sich auch noch einigermaßen sicher fühlen und kulturelle Darbietungen genießen. Im Dortmunder Norden sind die kulturellen Darbietungen weit weniger ansprechend.


Erfahrungsbericht 18: Sonntag, 12 Uhr – Ohne Rathaus

(Von Populus)

Mangels Rathäuser in der Schweiz habe ich mich heute um 12 Uhr zum ersten Mal vor das Stadthaus in Dietikon gestellt. Es war unspektakulär und ich war, wie erwartet, allein. Das Stadthaus hat die gleiche symbolische Bedeutung wie ein Rathaus, da sind die Regierenden. Ich war schon öfter am Sonntag Mittag im Stadthaus, weil um 12 Uhr die Wahlurnen geschlossen werden. Ach so! Da muss ich etwas erklären, wir armen Schweizer müssen ja ständig über irgendetwas abstimmen, mehrmals pro Jahr. Wirklich lästig. Da stimmen wir ab über Minarette, Ausschaffung von kriminellen Ausländern und anderes rassistisches Zeug. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich heute VOR dem Stadthaus gegen die demonstriert habe, die IM Stadthaus das Sagen haben, also auch gegen mich selber.

Also doch nicht dasselbe wie ein Rathaus, hier hat auch das Volk etwas zu sagen, meist ohne vorher mühsam 34.000 Unterschriften sammeln zu müssen.

Am 22. September bin ich dann wieder IM Stadthaus und stimme darüber ab, ob wir das Stimm- und Wahlrecht auch für Ausländer zulassen wollen.

Ihr werdet das gleiche Dilemma haben, wenn ihr eine Demokratie nach Schweizer Modell eingeführt habt, wie das Michael Stürzenberger vorschlägt. Ja, ich weiß, auch die AfD will das. Dann seid ihr auch gezwungen, über rassistisches Zeug abzustimmen.

A propos: Im Thread Schlaraffenland Schweiz haben Waldorf und Statler gefragt, ob wir von den Asylanten auch als Nazis beschimpft werden. Die Antwort ist Nein, wir beschimpfen uns gegenseitig als Rassisten. Ist doch auch lustig. Wir haben sogar seit ein paar Jahren eigens ein Rassismusgesetz, damit wir uns auch als Rassisten anzeigen und verurteilen lassen können. Auch Oprah Winfrey hat kürzlich bestätigt und beglaubigt, dass alle Schweizer Rassisten sind (PI berichtete), dann muss es doch wahr sein. Nebenbei, nur eingefleischte Rassistinnen kommen auf die abstruse Idee, dass das Nicht-zeigen-einer-Tasche etwas mit der Hautfarbe zu tun haben muss.

Entschuldigung, ich weiche vom Thema ab. Als vor dem RatStadthaus nichts los war, ging ich 300m weiter zu dem Reppisch-Hallen. Ich war neugierig, was bei der großen, einmaligen und bedeutenden Islamic Fashion Show so los ist. Reingehen war ja unmöglich, aber vor dem Eingang war schon ein kleines bisschen was los. Neben Kopftüchern und Hijabs, waren da auch einige Frauen ohne Kopftuch zu sehen. Die Armen mussten bisher völlig ungeschützt herumlaufen, aber in der Halle wird ja jetzt für Abhilfe gesorgt. Entgegen der Voraussage, waren die Männer auch da und haben etwas abseits für Ordnung gesorgt und Passanten misstraurisch beäugt. Auch in den vorfahrenden fetten Mercedes und protzigen Offroadern herrschte strikte Ordnung: Männer vorne und hinten – unter den vielen Tüchern – vermutlich die Frauen.

Der völlig unbegründete Verdacht, dass die Männer in der Zwischenzeit am Fenster vor dem Hallenbad stehen würden, hat sich nicht bewahrheitet. Ich war da, es ist übrigens nicht gleich gegenüber. Es war kein einziger Gaffer da, ausser mir natürlich. Wie ich später auf dem Rückweg feststellen konnte, waren die Bärtigen tatsächlich vor den Reppisch-Hallen und haben die Veranstaltung äusserst effektiv abgeschottet.


Bisher erschienen:

» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsbericht 16
» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsberichte 11-15
» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsbericht 10
» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsbericht 9
» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsberichte 7 und 8
» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsberichte 5 und 6
» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsbericht 4
» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsbericht 3
» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsbericht 2
» Sonntag, 12 Uhr Rathaus – Erfahrungsbericht 1


Sie möchten auch einen Erfahrungsbericht zur PI-Aktion „Sonntag, 12 Uhr Rathaus“ schicken? Dann schreiben Sie eine Email an: info@blue-wonder.org

image_pdfimage_print

 

14 KOMMENTARE

  1. Wir dachten schon die Aktion ist gestorben. Nachdem PI von unserem Bericht über den Besuch in Leipzig nichts gebracht hat, dachten wir, dass es im Moment wohl wichtigere Themen gibt und somit nichts mehr von der Aktion veröffentlicht wird. Die Radlerinin hat einen wirklich guten Bericht über unseren Sonntag in Leipzig geschrieben und keiner bekommt es mit.
    Der nächste Besuch der PI-ler aus Essen wird definitiv in Dortmund sein. Wir sind mittlerweile mit 6 festen Teilnehmern sehr glücklich, das wir uns kennengelernt haben.
    Die Aktion ist auf jeden Fall eine gute Sache.

  2. #2 Clyde Shelton

    Ja, wir sind in unserer Stadt auch regelmäßig zu Viert, wobeoi ich leider heute nicht dabei sein konnte. Die Aktion ist großartig! Lasst sie weiterleben!

  3. #2 Clyde Shelton: schön, dass die Essener sich mal Dortmund anschauen wollen; ich werd erst am 22. September wieder da sein, bis dahin kann gerne eine anderer übernehmen 🙂

    Der bunte Haufen auf dem Bild demonstriert gegen die Partei „Die Rechte“, ist aber gegen jeden Multikulti-Kritiker feindselig eingestellt.

  4. @populus

    Was Stimm- und Wahlrecht für Ausländer! Hab mich gerade mal schlau gemacht. Scheiss nochmal, das ist ja auf kantonaler Ebene. Das sieht aber für Dietikon übel aus, wenn das durchkommt. Gibt es dort eigenlich noch Schweizer? Da muss ich mich ja als direkter Nachbar im Kanton Aargau darauf einstellen, das heisst in Zukunft Dietistan. Es ist traurig, was aus unserem Tal geworden ist. 30 Jahre haben gereicht und wir haben unsere Heimat in der wir aufgewachsen sind verloren.
    Gruss aus „noch“ Spreitenbach.

  5. #2 Clyde Shelton

    Wir dachten schon die Aktion ist gestorben. Nachdem PI von unserem Bericht über den Besuch in Leipzig nichts gebracht hat, dachten wir, dass es im Moment wohl wichtigere Themen gibt und somit nichts mehr von der Aktion veröffentlicht wird.

    Schön, dass auch ihr weiter macht – das vorweg. 🙂

    PI hält – so denke ich zumindest – sicher nichts über diese Aktion zurück, weil es Wichtigeres gibt, zumal es ja zu einer „offiziellen“ PI-Aktion erklärt wurde. Vielleicht den Beitrag noch einmal einsenden – er könnte ja immerhin auch verloren gegangen sein, oder was auch immer. Ein Versuch schadet zumindest nicht.

    Auf mehr als drei Personen haben wir es bisher zwar nicht gebracht, aber dafür beständig seit dem ersten Tag und wir denken längst nicht daran diese Aktion sterben zu lassen. 🙂

  6. Hallo Serafin,
    schön, dass du und andere am 22.9. in Dortmund wieder zu eurer Überzeugung vor dem Rathaus stehen werdet. Ich weiss nicht, ob es mir gelingen wird ( bin Wahlhelfer !!), doch ich werde alles versuchen. Ansonsten eine Woche später ??

  7. >>Und in der Tat waren dann heute auf dem Weg in die Innenstadt zwei zerstörte AFD-Plakate zu sehen, während alle anderen Plakate unbehelligt geblieben waren.<<

    Also das ist nicht in Ordnung, aber ich habe 1972 auch mal sämtliche CDU-Wahlplakate in einer Innenstadt unbrauchbar gemacht. Ich war damals links und haßte die CDU als Partei des Geldes. Also machte ich ein Exzerpt aus dem Schwarzbuch FJS (den ich heute bewundere) und klebte es über sämtliche CDU-Plakate in der Innenstadt. Es war eine stürmische Nacht und einmal fuhr mir knapp die Polizei vorbei. Zerstört habe ich kein Plakat. Ich wollte die Leute aufklären über FJS und seine schmutzigen Geschäfte. Aber am nächsten Morgen war die gesamte Innenstadt CDU-Wahlplakatfrei. Nur an einem Trafo-häuschen hatte man eins übersehen. Ich meine bis zur Wahl wurde auch nichts mehr aufgehängt und meine SPD, die ich heute verabscheue wie sonst nichts mehr, gewann die Wahl. Das waren Zeiten.

  8. #13 Neutralist

    Nötigenfalls einfach selbst den Anfang machen. Nicht immer nur darauf warten, dass andere es tun. 😉

Comments are closed.